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„Schmerzwinter“ von Aaron Sander – Dieser Thriller ist so gut wie Jussi Adler-Olsen

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Von: Sven Trautwein

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In Hamburg werden zwei grausam entstellte Frauenleichen entdeckt. Als seien sie zu Marionetten geworden. Aaron Sanders „Schmerzwinter“ ist ein bildgewaltiger Thriller. Mein Buchtipp.

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Gleich vorweg: Für Leser, die gerne einen klassischen Kriminalroman lesen und Abstand von detailreichen Schilderungen nehmen, sollten diesen Thriller von Aaron Sander nicht lesen. Allen anderen, die schon bei Autoren, wie beispielsweise Jussi Adler-Olsen, Schnappatmung bekommen haben, dürfen sich über einen großartigen Thriller freuen, der so richtig unter die Haut geht.

Aaron Sander „Schmerzwinter“: Über das Buch

Cover zum Thriller „Schmerzwinter“ von Aaron Sander
Thriller „Schmerzwinter“ von Aaron Sander © Lübbe

In Hamburg gibt der Schnee zwei Frauenleichen frei – Hände und Füße sind durchbohrt. Beide tragen eine Uhr anstelle des Herzens. Der aus Schweden stammende Ermittler Jan Nygård stößt auf den zurückliegenden Fall des Puppenmachers, der auf bestialische Art aus seinen weiblichen Opfern Marionetten zu erschaffen versuchte. Schnell wird Nygård und seiner neuen Partnerin Anna Wasmuth klar, dass sie es nicht mit einem einfachen Trittbrettfahrer zu tun haben. Hier ist ein Schüler am Werk, der seinen Meister übertreffen will – und er hat bereits eine neue Puppe am Faden …

Lübbe

Was sofort beim In-die-Handnehmen des Buches „Schmerzwinter“ auffällt: Der Buchschnitt ist grasgrün. Er ruft direkt vom Tisch „Nimm mich in die Hand und lies!“. Genauso ging es mir. Ich konnte ihn auch nicht wieder zurücklegen. Selten habe ich einen Thriller so schnell verschlungen. In den letzten Monaten sind immer wieder Bücher bei mir auf dem Schreibtisch gelandet, die einen farbigen Buchschnitt hatten: „Teufelsnetz“ und „Feindesopfer“ von Max Seeck oder A. M. Ollikainen „Die Tote im Container“. Fast zu schade, den Buchschnitt im Bücherregal untergehen zu lassen.

Von der Geschwindigkeit der Szenen setzt er auf Arno Strobels „Fake“ noch ein gutes Stück drauf. Schaut man sich die Autoreninfos zu Aaron Sander an, studierte er Film- und Fernsehdramaturgie, was man seinem Schreibstil sehr positiv anmerkt. Hier erinnert er mich an die Bücher von Hjorth und Rosenfeldt. Keine langatmigen Szenebeschreibungen. Eher kurze aber prägnante Sätze, die im Gedächtnis bleiben und zusammen einen Film vor dem inneren Auge ablaufen lassen. Manches Mal fast zu real.

Jan Nygård: Hauptfigur mit persönlichen Problemen

Der schwedische Ermittler Jan Nygård hat durch seine immer wieder aufbrausende Art viele Probleme im beruflichen Bereich angehäuft. Als er dem Sohn der Staatsanwältin beim Versuch, seine Tochter aus dessen Händen zu sich zurückzuholen, das Nasenbein bricht, reißt seinem Chef der letzte Geduldsfaden. Ein Disziplinarverfahren droht, wenn er sich nicht helfen lässt. Er bekommt die Polizeipsychiaterin Anna Wasmuth zur Seite gestellt, die ihm auch im Verlauf des aktuellen Falles mit Hinweisen und Einschätzungen hilft. Nygård ist ein Mann voller innerem Schmerz, der über den Tod seiner geliebten Frau noch nicht hinweggekommen ist. Ein nicht zu redseliger Schwede mit Ecken und Kanten. Dies gefiel mir vom ersten Moment an.

Das Setting im winterlichen Hamburg, bei dem sogar etwas Schnee liegenbleibt, hat mein norddeutsches Ich sofort erobert. Bei den brutalen Detailschilderungen geht Sander jedoch bis an die Schmerzgrenze. Es ist die Faszination kurz vor dem Augenschließen und Zuklappen des Buches. Doch dann siegt die Neugierde. Wie auch bei dem Puppenmacher, der aus lebenden Frauen bizarre Marionetten macht. Auch dieser geht immer einen Schritt weiter.
Bei den beiden Hauptfiguren, Nygård und Wasmuth, ist nicht alles auserzählt. Randbemerkungen lassen aufhorchen und machen neugierig, was hier an weiteren Entwicklungen bei einer möglichen Fortsetzung ans Tageslicht kommt.

Aaron Sander „Schmerzwinter“: Mein Fazit

Präzise, wie mit einem Skalpell gezogen, setzt Aaron Sander die Kapitelgrenzen. Als Leser musste ich weiterlesen. Ich wollte erfahren, welche Spur Jan Nygård mit seiner Kollegin verfolgt. Ich konnte nicht aufhören, den Thriller zu lesen. Hut ab und bitte mehr davon. Die Altersempfehlung ab 16 Jahren, die auf der Verlagswebsite angegeben ist, sollte beachtet werden.

Aaron Sander „Schmerzwinter“

2022 Lübbe, ISBN-13 978-3-404-18807-9

Preis: Taschenbuch 12 €, E-Book 4,99 €, 350 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Aaron Sander

Aaron Sander, 1973 geboren, studierte Film- und Fernsehdramaturgie. Er wuchs im Norden Deutschlands auf. Schon in jungen Jahren lernte er das Meer, die Hansestadt Hamburg und die Wälder Schwedens lieben. Auf langen Wanderungen durch die Natur ersinnt er seine Thriller. Oft nimmt er seinen Laptop mit und schreibt tief im Wald.

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