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„Halo Infinite“ im Test: Das Warten hat sich gelohnt – so gut ist die Kampagne

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Von: Sebastian Tauchnitz

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„Halo Infinite“ erscheint am 8. Dezember. Wir durften uns bereits vor Release die Kampagne anschauen.
„Halo Infinite“ erscheint am 8. Dezember. Wir durften uns bereits vor Release die Kampagne anschauen. © Microsoft

Kaum ein Spiel entscheidet so sehr über den Erfolg oder Misserfolg eines Xbox-Konsolengeneration wie ein neues „Halo“. Mit einem Jahr Verspätung erscheint der neueste Serienteil „Halo Infinite“ jetzt bald. Wir durften ihn schon vor Release eingehend anschauen. Das sind unsere Eindrücke.

Es ist ein Phänomen: 81 Millionen Exemplare von „Halo“-Spielen wurden bislang weltweit verkauft. Größtenteils auf Xbox-Konsolen, auf dem PC greift der Master Chief erst seit einigen Jahren zum Sturmgewehr. Die Saga um den schweigsamen Spartan-Supersoldaten, der seinen Helm niemals abnimmt und dessen beste Freundin eine künstliche Intelligenz war, begeisterte Generationen von Spielern. Und ist für viele DER Grund, sich eine neue Konsole zuzulegen.

Dementsprechend nervös war man bei Microsoft vor dem Release von „Halo Infinite“*. Das musste gut werden, das Spiel musste begeistern. Und weil es vor anderthalb Jahren, als das erste Mal Spielszenen gezeigt wurden, eben nicht zu begeistern wusste, verschob man die Veröffentlichung um ganze zwölf Monate, um weiter daran zu arbeiten. Eine Entscheidung, die den Verantwortlichen sicher nicht leicht gefallen sein wird. Denn der Neustart gleich zweier neuer Konsolen – der Series S und der Series X (hier unser Test) – ohne neues Halo ist ein Wagnis.

„Halo Infinite“ im Test: Durchgehend fesselndes Abenteuer des neuen Master Chief

Nun, Dank der andauernden Lieferengpässe hat sich die Verzögerung wohl nicht nennenswert auf die Verkaufszahlen der neuen Konsolen ausgewirkt – gerade die Xbox Series X ist auch ein Jahr nach der Premiere immer noch überall ausverkauft. Und nun, kurz vor Weihnachten, wird für die Fans des Master Chief die Bescherung einfach vorgezogen. Den Multiplayer können die Fans schon seit einigen Wochen spielen, viele warteten allerdings wie ich vor allem händeringend auf die neue Kampagne.

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Wir durften sie bereits spielen, nachdem uns Microsoft bereits vor Release ein Testmuster bereitstellte. Und, so viel sei bereits verraten: Das Warten hat sich gelohnt. Das neue Abenteuer des Master Chief ist durchweg fesselnd geworden. Und wirft spielmechanisch ziemlich viel Gewohntes über den Haufen.

„Halo Infinite“ im Test: Erstmals in einer offenen Welt voller Abenteuer

Die bisherigen Halo-Teile waren streng lineare Shooter. Man lief von A nach B – mal durch die Korridore riesiger Raumschiffe, mal über die Oberfläche exotischer Planeten. Und dabei knipste man alles aus, was einem vor die Mündung der unzähligen Flinten kam, mit denen das Spiel vollgestopft ist. „Infinite“ geht einen anderen Weg. Zwar hat man auch hier alle Hände voll zu tun, um sich der „Verbannten“, die dieses Mal die Gegnerklasse stellen, zu erwehren. Aber nach einem streng linearen Anfang geht es recht schnell auf den namensgebenden Halo-Ring, eine gigantische Konstruktion einer Ringwelt im All. Und dort weitet sich die Karte auf, wird „Halo“ erstmals zum Open-World-Spiel.

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Nach und nach erobern wir Außenposten wieder zurück, was uns etliche Zusatzaufträge in der Umgebung einbringt. Mal muss ein Trupp Marines aus der Bredouille befreit werden, mal ein ganz besonders fieser Alien befreit oder eine Machtbasis des Gegners Stück für Stück in die Luft gejagt werden. Das ist ausgesprochen spaßig – auch und vor allem, weil es zwar schon eine ganze Menge zu tun gibt, man sich aber nie von der Aufgabenflut überfordert fühlt, wie es beispielsweise bei den „Assassin‘s Creed“-Spielen oft der Fall ist. Und weil man weiß, dass man sich Stück für Stück an die wirklich coolen Hauptmissionen heranarbeitet.

Die Story ist ein Fest für Fans der Reihe. Und für alle, die nicht sämtliche Teile gespielt, die Bücher, Filme und Serien gesehen haben, weitgehend unverständlich. Zwar kann man der Haupthandlung auch ohne Vorkenntnisse sehr gut folgen, bei all den Anmerkungen zu Blutsvätern, Cortana oder Dr. Halsey verstehen die meisten mittlerweile aber auch nur noch Bahnhof. Das stört aber weit weniger, als man meinen möchte, denn in seinem Kern ist Halo ein einfaches Spiel. Mit Gut und Böse und jeder Menge Blei. Viel mehr wollen wir an dieser Stelle auch gar nicht verraten – die Handlung strotzt aber vor unerwarteten Wendungen und ist stellenweise wirklich fesselnd.

„Halo Infinite“: Technisch sauber, Sound und Übersetzung überragend

Technisch gesehen läuft die Kampagne bereits in der frühen Version, die wir getestet haben, sehr rund. Die hübsche Grafik läuft butterweich über den Bildschirm, das Gunplay ist ganz hervorragend – ein deutlicher Fortschritt gegenüber „Halo 5“, dass wir kurz vorher noch einmal durchgezockt haben. Fühlte sich dort der Waffeneinsatz immer ein bisschen synthetisch an, wirkt das im neuen „Halo Infinite“ deutlich verbessert. Es ist noch nicht ganz so gut wie bei „Destiny 2“, aber die Fortschritte sind deutlich bemerkbar. Es macht einfach einen Riesenspaß, sich ins Getümmel zu stürzen, permanent die Waffen zu wechseln, mit Granaten um sich zu werfen und sich anschließend mit dem neuen Greifhaken in Sicherheit zu bringen.

Grafisch reißt „Halo Infinite“ keine Bäume aus, es sieht aber schon sehr hübsch aus. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass da deutlich mehr drin gewesen wäre, wenn man es exklusiv für die Series X rausgebracht hätte. Da es aber auch noch auf der betagten und mittlerweile recht schwachbrüstigen Xbox One laufen muss, ist das, was man da sieht, wahrscheinlich schon die Grenze des Machbaren. Der Sound ist hingegen über alle Zweifel erhaben – es kracht, dass die Fenster klirren, die Sprüche der Gegner werden nie langweilig, die deutsche Übersetzung ist hervorragend.

Fazit zu „Halo Infinite“

„Halo Infinite“ von 343 Studios ist genau das geworden, auf was die Fans so lange gewartet haben. Ein extrem umfangreicher Shooter mit einer spannenden, wenn auch sehr komplizierten Story, der deutlich von der Entscheidung profitiert, dieses Mal eine offene Spielwelt einzuführen. Es wäre also locker den Vollpreis wert – wenn es nicht gleichzeitig auch vollkommen gratis für alle Game Pass-Abonnenten verfügbar wäre. Spätestens, wenn man also den Xbox Game Pass hat, braucht man eigentlich überhaupt nicht mehr zu überlagen. Master Chief, übernehmen Sie! (st) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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