Wie schlägt sich das epochale Space-RPG nach der Schönheits-OP?

„Mass Effect: Legendary Edition“ im Test – Rostet alte Liebe doch?

In neuem Glanz erstrahlen die Klassiker der „Mass Effect“-Reihe im Rahmen der gerade erschienenen „Legendary Edition“.
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In neuem Glanz erstrahlen die Klassiker der „Mass Effect“-Reihe im Rahmen der gerade erschienenen „Legendary Edition“.

Fragt man Gamer, was das beste SciFi-Epos aller Zeiten ist, werden sehr, sehr viele umgehend antworten: „Mass Effect“. Jetzt haben Electronic Arts und Bioware die drei Teile der Klassikerreihe aufpoliert als „Legendary Edition“ neu herausgebracht. Doch reicht das, um der alten Liebe neues Feuer zu verleihen?

Ich muss ehrlich sein: Es fällt mir schwer, wirklich objektiv über die „Mass Effect“-Reihe zu schreiben. Die drei Teile, die 2007, 2010 und 2012 erschienen, gehören zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Das muss vorausgeschickt werden. Wobei die Begeisterung durchaus auch objektiv begründet werden kann. Nie vorher und nie hinterher wurde eine epische Geschichte in einem Videospiel so klug und spannend erzählt wie in „Mass Effect“. Nie wurde eine Zukunftswelt so detailliert und nachvollziehbar ausgearbeitet, wirkte so lebendig und war so vollgestopft mit wunderbaren kleinen Geschichten, wie es „Mass Effect“ in meiner Erinnerung vollbracht hat.

Nie vorher oder hinterher war ich beim Spielen so gefesselt und so begeistert, so begierig darauf, zu erfahren, wie es weitergeht mit Commander Shepard und seinen Begleitern. Nie vorher oder hinterher habe ich eine halbe Stunde (!) vor dem Monitor gesessen und gegrübelt, wie ich mich in dieser einen Frage, einer Frage über Leben und Tod, entscheiden soll. Kurzum: Ich habe „Mass Effect“ und seine beiden Nachfolger geliebt.

Dennoch habe ich die Spielereihe kaum mehr angefasst, seit ich den dritten Teil 2012 durchgespielt hatte. Sicher, irgendwann nahm die Nostalgie überhand und ich habe mir den ersten Teil nochmal für die Xbox heruntergeladen. Nur um festzustellen, dass das Spiel wahnsinnig schlecht gealtert ist. Nicht, was seinen Kern, also die Erzählung, die Welt und die Charaktere betraf. Aber die Grafik sah einfach furchtbar aus, die Steuerung war eine Katastrophe und – mit dem heutigen Blick – alles war unfassbar umständlich und ungelenk. Schnell wanderte „Mass Effect“ ins digitale Archiv.

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„Mass Effect: Legendary Edition“: Erst Euphorie, dann Skepsis angesichts der Bioware-Bilanz der letzten Jahre

Umso euphorischer war ich, als Electronic Arts und die Entwickler von Bioware ankündigten, den alten Teilen eine „Mass Effect: Legendary Edition“ mit starken technischen Verbesserungen zu spendieren. Sollte die alte Liebe tatsächlich einen zweiten Frühling erleben? Nach der Euphorie kam allerdings die Skepsis. Und auch die war begründet. Da war zum einen der Umstand, dass Bioware, die stolze Spieleschmiede der Vergangenheit, im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger nur Murks produziert hat. „Dragon Age: Inquisition“ war viel zu lang, viel zu repetitiv und ehrlich gesagt viel zu belanglos. „Mass Effect: Andromeda“, der Versuch, ein neues Universum im Universum zu etablieren, war sicher sehr okay, von der Klasse der Originale aber doch in etwa so viele Lichtjahre entfernt wie der neue Handlungsort von den ursprünglichen Sternenclustern. Und dann war noch „Anthem“, was zwar spielerisch sehr spaßig war, aber eine vollkommen hirnrissige Story erzählte und mit all seinen Problemen einfach aufgegeben wurde.

Teil meiner Skepsis war auch, dass die „Legendary Edition“ nur ein „Remaster“, aber kein „Remake“ ist. Square Enix hat im vergangenen Jahr mit dem Remake von „Final Fantasy 7“ die Messlatte für die Modernisierung von Spieleklassikern verdammt hoch gelegt. Reicht es wirklich, ein bisschen an den Texturen zu basteln, die Auflösung hochzudrehen und technischen Feinschliff vorzunehmen, um anschließend die drei Teile samt nahezu aller DLCs noch einmal zum Vollpreis anzubieten?

Kurze Antwort: Ja.

Natürlich merkt man insbesondere dem ersten Teil trotz einer durchaus merklichen Überarbeitung an, dass das Spiel 14 Jahre auf dem Buckel hat. Shepard joggt schon fast unfreiwillig komisch etwas hüftsteif durch die „Normandy“, die Synchron-Tonspur würde heute auch niemand mehr so abnehmen, die Ballerei und die bei Fans wirklich legendär verhasste Steuerung des Makos wurde deutlich verbessert, ist aber dennoch weit entfernt von der spielerischen Kontrolle, die man beispielsweise in „Anthem“ über seinen Charakter hatte. Aber, und das fällt spätestens nach einer halben Stunde auf, es ist genug. Es reicht, um „Mass Effect“ wieder genießen zu können. Denn die Story als Kern und Herz des Spiels, die ist immer noch so genial wie damals, als es erschien. Und die Verbesserungen, die die „Legendary Edition“ mitbringt, reichen aus, um sie auch wieder schmerzfrei genießen zu können.

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„Mass Effect: Legendary Edition“: Spielerlebnis genau so, wie wir es in Erinnerung hatten

„Mass Effect: Legendary Edition“: Der Turianer Garrus ist Teil von Shepards Crew auf der Normandy und einer der beliebtesten Charaktere bei Spielern.

Es wäre unfair zu behaupten, dass Bioware nur ein bisschen Kosmetik betrieben hat. Die Eingriffe, die tatsächlich und vor allem beim ersten Teil vorgenommen wurden, waren aufwändiger, als man meint. Sie fallen erst dann wirklich auf, wenn man parallel dazu nochmal in das Original reinschaut. Dann sieht man, wieviel aufwändiger die Charaktere gestaltet sind, wie viel schöner die Welten aussehen, was für ein Segen die 4K-Auflösung gerade für Spieler ist, die vor großen Fernsehern sitzen. Man lernt die Verbesserung der Steuerung zu schätzen. Am Ende ist den Entwicklern das Kunststück gelungen, das Remaster so umzugestalten, dass sich „Mass Effect“ so spielt, wie wir es in Erinnerung haben. Und genau das wollten Fans wie ich.

Dabei ist es weitgehend unerheblich, auf welcher Plattform man die Neuauflage spielt. Ich habe die Versionen für die PS4 Pro und die Xbox Series X ausprobiert. Sicher läuft alles auf der neuesten Konsolengeneration noch ein ganzes Eckchen geschmeidiger. Aber am Ende muss man ganz klar sagen: Dem Spaß tut es auch keinen Abbruch, wenn man auf der alten Generation unterwegs ist. Und wer jetzt ob des Umstands lamentiert, dass die „Legendary Edition“ zum Vollpreis angeboten wird, der sei einerseits darauf verwiesen, dass in die Modernisierung durchaus erhebliche Anstrengungen investiert wurden. Und andererseits daran erinnert, dass man ein Gesamtpaket aus drei riesigen Spielen nebst zahllosen DLC-Nebenaufgaben erwirbt, die einen locker weit über 100 Stunden beschäftigen können. Nur zum Vergleich: Die Kampagne von „Call of Duty: Cold War“, so gut sie auch ist, dauert, wenn man sich Zeit lässt, viereinhalb Stunden und kostet genauso viel.

Fazit zu „Mass Effect: Legendary Edition“

Die Skepsis war unangebracht: Die Modernisierungen, die Bioware für die „Legendary Edition“ vorgenommen hat, waren bitter nötig. Und sie machen „Mass Effect“ zu genau dem Spiel, an das wir uns so gern erinnern. Einen zeitlosen Klassiker, der heute noch genauso fesselt wie vor 14 Jahren. Der einen Nachfolger hat, der vielleicht das beste Spiel aller Zeiten ist und einen dritten Teil, der in Erinnerung bleibt und die epochale Geschichte zu Ende bringt. Spiele, die jeder, der auch nur ansatzweise etwas übrig hat für RPGs und Space-Operas, auf keinen Fall verpassen sollte. Alte Liebe rostet nicht – selten hat dieser Spruch so gut gepasst. (st) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Hitman 3
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Far Cry 6 Giancarlo Esposito Cover Kind
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