Mal sinnvoll, mal kaum spürbar

Mehrwertsteuersenkung: Verbraucherzentrale klärt auf - So sparen Sie über 1.000 Euro

Seit einer Woche gilt die reduzierte Mehrwertsteuer, doch noch immer ist nicht klar, welche Vorteile die Kunden bis zum Jahresende genießen können. Dabei lässt sich mit wenigen Tricks viel Geld sparen.

  • Seit erstem Juli gilt aufgrund des Coronavirus* die gesenkte Mehrwertsteuer in ganz Deutschland.
  • Handwerker, Stromzähler und tägliche Einkäufe: Auf welche Details Sie achten müssen.
  • Mit diesem Trick sparen Sie wohlmöglich bis zu tausend Euro auf einen Streich.

Sie soll der durch die Coronavirus-Krise geschwächten Wirtschaft* wieder Schwung bringen: Seit einer Woche gelten die gesenkte Mehrwertsteuer-Sätze von 16 beziehungsweise fünf Prozent. Noch immer herrscht jedoch Unsicherheit in der Frage, wo Verbraucher bis zum Jahresende sparen können und wo die Steuersenkung vor allem anderen hilft. Hinzu kommt, dass selbst Experten bis heute nicht auf alles eine Antwort haben. Wichtige Tipps und Hinweise finden Sie in diesem Artikel.

Mehrwertsteuersenkung bei Strom, Gas und Wasser: Darum sollten Sie jetzt Ihre Zählerstände ablesen

Normalerweise fragen die Versorger einmal im Jahr nach den aktuellen Zählerständen von Strom, Gas oder Wasser, um die Kosten zu berechnen. In diesem Fall lohnt es sich jedoch, auch einen Zwischenstand an die Versorger zu schicken. Auf die gelieferten Produkte fallen schließlich auch Mehrwertsteuer an. Kommen die Versorger ihren Kunden entgegen, dann bieten sie an, die Kosten für das erste Halbjahr und die Kosten für das zweite Halbjahr getrennt abzurechnen, um den gesenkten Mehrwertsteuersatz einzurechnen. Eine exakte Abrechnung ist jedoch nur dann möglich, wenn die Versorger die genauen Zählerstände kennen. Ansonsten muss geschätzt werden. Erkundigen Sie sich deshalb bei ihren Versorgern und teilen Sie ihnen ihre aktuellen Zählerstände mit, es kann sich lohnen.

Ähnliches gilt etwa für Dauer-Abos wie bei Telefon- und Internetverträgen oder Fitnessstudios. Hier ist immer der Abrechnungszyklus entscheident. Wird etwa vierteljährlich berechnet, dann fällt auf das dritte und vierte Quartal in 2020 die gesenkte Mehrwertsteuer an.

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Info: Alles Fakten zur Mehrwertsteuersenkung

Für wen gilt die Mehrwertsteuersenkung?Für alle, die einen Kauf in Deutschland tätigen.
Ab wann und bis wann gilt die Mehrwertsteuersenkung?Die reduzierte Mehrwertsteuer gilt ab dem 1. Juli 2020 und endet am 31. Dezember 2020.
Welcher Mehrwertsteuersatz zählt jetzt?Die reguläre Mehrwersteuer beträgt 16 statt 19 Prozent, der gesenkte Mehrwertsteuersatz beträgt 5 statt 7 Prozent.
Einkaufsbelege mit neuer Mehrwertsteuer von 5 oder 16 Prozent.

Mehrwertsteuersenkung: Darum sollten Sie sich jetzt ein Auto und andere teure Dinge kaufen

Während beim alltäglichen Einkauf im Supermarkt kaum etwas von der geringen Mehrwertsteuersenkung zu spüren sein wird - bei einem Einkauf im Wert von 150 Euro, schätzt die Verbraucherzentrale die Einsparung auf lediglich 2,67 Euro - können bei Preisen ab 10.000 Euro schon mehrere hundert oder sogar tausend Euro eingespart werden.

Ein typisch deutsches Beispiel: Beim Kauf eines neuen Autos zeigt die Mehrwertsteuersenkung ihre Power. Die Rechnung für einen neuen Kompaktklasse-Wagen*, wie etwa den VW Golf oder Ford Focus soll es vormachen: Einen VW Golf gibt es laut VW-Liste ab etwa 20.000 Euro zu kaufen. Wenn das der Brutto-Kaufpreis mit einem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent war und der Autohändler die Steuersenkung vollständig an den Kunden weitergibt, dann würde das ein Ersparnis von etwa 500 Euro ausmachen. Bei teureren Autos können es schnell über tausend Euro sein.

Noch stärker würde sich die Mehrwertsteuer bei größeren Investitionen, wie etwa Immobilienkäufen lohnen, doch leider fällt auf den Verkauf von Immobilien keine Mehrwertsteuer an, lediglich auf die Maklerprovision.

Verbraucherzentrale warnt: Kurzfristige Verträge auf Mehrwertsteuer überprüfen, Langfristige Verträge noch unklar

Es ist ein viel diskutiertes Thema, wenn ein Kauf oder ein Auftrag noch vor der Mehrwertsteuersenkung entschieden wurde, die Ware oder die Dienstleistung aber erst ab dem 1. Juli geliefert oder erbracht wurde. Hier stellt das Finanzministerium fest: Entscheidend ist der Tag des Erhalts der Ware oder des vollständigen Erbringens einer Dienstleistung. Haben Sie also etwa ein Produkt vor dem 1. Juli bestellt, erhalten es aber erst Mitte August, dann muss auf diese Rechnung die gesenkte Mehrwertsteuer angewendet werden. Freuen Sie sich jedoch nicht zu früh, dass das Produkt deshalb billiger wird. Die Verbraucherzentrale klärt an dieser Stelle auf, dass die meisten Händler die Preissenkung selbst einbehalten werden und Sie den ursprünglichen Preis zahlen müssen. Informieren Sie sich im Zweifel immer direkt bei dem Händler.

Gleiches gilt zum Beispiel bei Handwerkern. Wenn Sie etwa schon eine Vorauszahlung im Juni geleistet haben, die Handwerksleistung aber erst im Juli oder August vollständig erbracht wurde, dann gilt auf den gesamten Auftragspreis die gesenkte Mehrwertsteuer, obwohl auf der ersten Rechnung möglicherweise noch 19 Prozent Mehrwertsteuer verbucht ist. Der Handwerker könnte Ihnen diesen zu viel gezahlten Geldbetrag in der Abschlussrechnung zuschreiben, ist dazu jedoch wie alle Betriebe nicht verpflichtet. Klären Sie das persönlich mit ihrem Handwerker.

Noch komplizierter wird es bei längerfristigen Verträgen. Hier hat selbst die Verbraucherzentrale noch keine klare Antwort parat. Als Beispiel nennen die Verbraucher-Experten eine neue Küche, die am Anfang des Jahres bei einem Zwischenhändler bestellt wurde. Dieser Zwischenhändler hat wiederum die Küche beim Hersteller für 19 Prozent Mehrwertsteuer bestellt. Wenn die Küche im August geliefert wurde, dann muss der Endkunde jedoch nur 16 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Nach dem Umsatzsteuergesetz hätte der Zwischenhändler das Recht, die Mehrbelastung, die für ihn angefallen ist, an den Kunden abzuwälzen. Ob das so kommt, ist (Stand 29. Juni) noch unklar und betrifft alle Verträge mit großen Anschaffungen und langer Vertragslaufzeit. (nh) *Merkur.de und 24auto.de sind Angebote des Ippen-Digital-Netzwerks

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