Top-Mediziner übersetzen

Verstehen Sie's? Das A bis Z des Ärzte-Chinesisch

Doktor - Deutsch, Deutsch - Doktor: In der tz übersetzen drei Münchner Top-Mediziner was Sie in der Praxis (noch) nicht verstanden haben.

Kennen Sie das? Sie sitzen in einer bayerischen Praxis, aber der Arzt spricht irgendwie nur chinesisch – jedenfalls versteht man als Patient nur Bahnhof! Alles halb so schlimm, denn künftig können Sie zu Hause noch mal nachlesen, was Sie eigentlich genau haben. In dieser tz übersetzen drei Münchner Top-Mediziner typische Ärzte-Aussagen, die Patienten so oder so ähnlich relativ oft zu hören bekommen. Unsere Dolmetscher in Weiß sind: Dr. Martin Marianowicz, Ärztlicher Direktor des Diagnose- und Therapiezentrums Marianowicz Medizin in München-Bogenhausen, Professor Dr. Christian Schreiber, stellvertretender Direktor der Klinik für Herzchirurgie am Deutschen Herzzentrum München, sowie Dr. Volker Smasal, langjähriger Münchner Olympiaarzt und niedergelassener Orthopäde in Berg-Aufkirchen am Starnberger See. Wir von der tz wünschen Ihnen, liebe Leser, ein vitales Wochenende – oder anders ausgedrückt: Bleiben Sie gesund!

Andreas Beez

Dr. Martin Marianowicz, Wirbelsäulen-Spezialist

Wir behandeln Ihre Verletzung erst mal konservativ.

Dr. Martin Marianowicz, Wirbelsäulen-Spezialist

Dr. Marianowicz: „Konservativ heißt wörtlich übersetzt erhaltend. Es ist ein Überbegriff für alle Behandlungsmöglichkeiten, die ohne Operation auskommen – beispielsweise entzündungshemmende Medikamente, Krankengymnastik oder entlastende Bandagen und Schienen. Umgekehrt kann man auch sagen: Die konservative Therapie endet immer dort, wo das Messer an die Haut gesetzt wird.“

Sie haben ein Lumbalsyndrom. 

Dr. Marianowicz: „Ein Syndrom ist immer ein Sammelsurium von Beschwerden. Es sagt nichts über die Ursache der Schmerzen aus, sondern beschreibt lediglich die Körperstelle, wo sie auftreten. Im Fall des Lumbalsyndroms sind Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule gemeint. Sie können verschiedenste Auslöser haben – von der simplen Verspannung über eine Wirbelblockade bis hin zum Bandscheibenvorfall.“

Bei Ihnen liegt ein Zervikalsyndrom vor. 

Dr. Marianowicz: „Das ist der Sammelbegriff für Beschwerden im Bereich des Nackens und der Halswirbelsäule. Auch hier gilt: Es ist sozusagen eine Ortsbeschreibung, aber die Ursachenforschung steht erst noch an.“

Wir machen erst mal ein CT. (Alternativ: Sie müssen zum Kernspin.)

Dr. Marianowicz: „Das sind zwei völlig verschiedene Untersuchungsmethoden, die nur eins gemeinsam haben: Der Patient liegt während der Untersuchung in einer Röhre. Bei der Computertomographie kreist praktisch eine Strahlenquelle um den Körper. Dabei macht das Gerät eine Vielzahl von einzelnen Röntgenbildern, die von einem Spezialcomputer zu detaillierten Gesamtbildern zusammengefügt werden. Bei der Kernspin­unter­suchung, die offiziell Magnetresonanztomographie heißt, baut die Maschine ein starkes Magnetfeld auf. Dieses Magnetfeld bringt die Körperzellen zum Schwingen – und dadurch lassen sich verschiedene Körperstellen genau abbilden. Hierzu wird keine Strahlung benötigt. Deshalb fragen viele Patienten, warum man eigentlich nicht immer eine Kernspinuntersuchung statt einer CT macht. Wäre das nicht gesünder? Das geht leider nicht immer, weil sich beispielsweise manche Veränderungen an Knochen im CT viel exakter darstellen lassen. Auch die Lunge kann man nur sehr schwer in der Kernspin-Röhre untersuchen. Denn dann müsste der Patient für mehrere Minuten die Luft anhalten. So hat jedes der beiden Verfahren seine Stärken und Schwächen.“

Der Eingriff wird mit einem Katheter gemacht. 

Dr. Marianowicz: „Ein Katheter ist ein dünner Hightech-Schlauch. Mit Hilfe dieses sehr biegsamen Schläuchleins gelangt der Arzt zu den verschiedensten Einsatz­orten im Körper. Im Inneren des Katheters kann er auch Mini-Instrumente oder Medikamente transportieren. Mit einem Herzkatheter lassen sich beispielsweise verstopfte Herzkranzgefäße öffnen und auch Gitterröhrchen, sogenannte Stents, einbauen. Man kann mit speziellen Kathetern inzwischen sogar im Gehirn arbeiten, ohne den Schädel öffnen zu müssen – etwa um einem Schlaganfall vorzubeugen. Am Rücken setzt man Katheter unter anderem ein, um Schmerzmittel direkt ans Zen-trum der Beschwerden zu bringen.“ Wir müssen aufpassen, dass Ihre Schmerzen nicht chronisch werden. Dr. Marianowicz: „Chronos stammt aus dem Griechischen und steht für einen Zeitverlauf. Von chronischen Schmerzen spricht man genau genommen dann, wenn sie länger als sechs bis zwölf Wochen andauern. In diesen Fällen geht man davon aus, dass der Schmerz eine eigenständige Krankheit ist. Dann muss man nicht nur die physische Ursache behandeln, sondern auch die psychischen Auswirkungen. Manchmal kann die Auswirkung auch die Ursache sein.“

Die Indikation für eine Operation ist noch nicht gegeben. 

Dr. Marianowicz: „Das heißt nichts anderes als: Ihr Krankheitsbild gibt dem Arzt keinen Anlass dazu, eine Operation vorzuschlagen.“

Ihre Herzkranzgefäße sind verkalkt.

Dr. Marianowicz: „Viele Patienen glauben, sie hätten wirklich eine Art menschlichen Kalks in den Adern. Aber das stimmt natürlich nicht. Tatsächlich sind mit dem vermeintlichen Kalk verhärtete Fettablagerungen gemeint, die die Blutgefäße einengen. Sie schauen auf den Diagnosebildern aus wie Kalkfleckerl – daher der Name.“

Hier sind folgende Medikamente indiziert. 

Dr. Marianowicz: „Diese Medikamente sind aufgrund Ihrer Erkrankung angebracht.“

Sie haben einen Tumor.

Dr. Marianowicz: „Schon das Wort allein macht den meisten Menschen Angst, wenn sie es von ihrem Arzt hören. Dabei muss ein Tumor nicht zwingend eine Krebserkrankung bedeuten. Zunächst meint dieser lateinische Begriff nicht mehr als Schwellung oder Geschwulst. Sie kann durchaus gutartig und harmlos sein.“

Der Knubbel an Ihrem Rücken ist ein Lipom. 

Dr. Marianowicz: „Ein typisches Beispiel für einen harmlose Wucherung – nämlich eine Fettgeschwulst. Der Begriff Lipom schürt bei vielen Laien Krebsangst, dabei ist der Befund in der Regel aber gar nicht gefährlich.“

Sie haben eine Zyste.

Dr. Marianowicz: „Das ist ein mit Gewebsflüssigkeit oder Blut gefüllter Gewebesack. Man findet Zysten oft in den Eierstöcken, in den Nieren, manchmal auch in der Wirbelsäule. In den meisten Fällen sind Zysten nicht gefährlich. Allerdings kann es sein, dass man eine Zyste entfernen muss, wenn sie zu groß geworden ist.“

Prof. Christian Schreiber, Herzchirurg

Wir müssen abklären, ob bei Ihnen ein Aortenaneurysma vorliegt.

Prof. Christian Schreiber, Herzchirurg

Professor Dr. Schreiber: „Dabei ist die Hauptschlagader stark erweitert, praktisch ausgebeult. Solange der Durchmesser nicht größer ist als etwa fünf Zentimeter, muss der Patient in der Regel nicht operiert werden. Man sollte das Aneurysma aber regelmäßig untersuchen. Denn wenn es weiter wächst, besteht die Gefahr, dass die Schlagader platzen kann. Und dann wäre das Risiko groß, dass der Patient innerlich verblutet.“

Sie leiden an einer Mitralinsuffizienz.

Prof. Dr. Schreiber: „Dann schließt eine Herzklappe nicht richtig und ist dadurch undicht – und zwar die Klappe vor der linken Herzkammer. Dadurch wird das Herz belastet. Man muss diesen Defekt nicht immer operieren, aber auf jeden Fall regelmäßig überwachen.“

Ich befürchte, Sie haben sich eine Endokarditis eingehandelt. Sie müssen schnellstens zum Kardiologen.

Prof. Dr. Schreiber: „Wenn in der Diagnose die Endung -itis auftaucht, liegt immer eine Entzündung vor – in diesem Fall des Herzmuskels, der Herzklappen oder von beidem auf einmal. Damit ist nicht zu spaßen. Der Herzmuskel kann dauerhaft geschädigt werden. Häufig ist die Endokarditis auf eine verschleppte Grippe zurückzuführen.“ So wie bei Ministerpräsident Horst Seehofer. Er schrammte, wie er selbst berichtet, wegen einer schweren Endokarditis nur knapp an einer Herztransplantation vorbei.

Ihr Baby leidet an einem kongenitalen Herzfehler.

Prof. Dr. Schreiber: „Dabei handelt es sich um einen angeborenen Herzfehler, der oft schon während der Schwangerschaft festgestellt wird. Das nennt man pränatal und bedeutet: vor der Geburt.“

Sie müssen unbedingt Ihre Herzinsuffizienz behandeln lassen.

Prof. Dr. Schreiber: „Das ist eine Schwäche des Herzmuskels, er pumpt nicht mehr ausreichend. Die Gründe dafür können sein, dass der Patient bereits einen Herzinfarkt erlitten hat oder dass seine Herzklappen nicht richtig funktionieren.“

Sie haben eine Aortenstenose.

Professor Dr. Schreiber: „Die Herzklappe zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader ist verengt. Das Herz muss schwerer arbeiten, um das Blut durch die Engstelle zu pumpen. An dieser Erkrankung leiden vor allem ältere Menschen. Inzwischen können Spezialisten dieses Problem schonend behandeln, indem man Herzklappen mit Hilfe eines dünnen Katheterschlauchs einsetzt.“

Dr. Volker Smasal, Orthopäde

Ihre Schmerzen kommen von einer starken Arthritis.

Dr. Volker Smasal, Orthopäde

Dr. Smasal: „Das ist nichts anderes als die Entzündung eines Gelenkes. Typische Anzeichen dafür sind Schwellungen, Überwärmungen, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und manchmal auch Rötungen. Wenn Ihr Arzt von Monarthritis spricht, meint er nur ein einzelnes Gelenk. Bei Polyarthritis sind mehrere Gelenke betroffen. Das Wort Arthritis sagt nichts darüber aus, wodurch die Gelenkentzündung verursacht worden ist.“

Sie leiden an Arthrose.

Dr. Smasal: „Bei dieser Erkrankung nutzt sich der Knorpel im Gelenk ab. Dadurch verliert es an Beweglichkeit. Je nach Gelenk gibt es verschiedene Fachbegriffe für Arthrose. So spricht man beispielsweise im Knie von Gonarthrose, in der Hüfte von Coxarthrose, an der Hand unter anderem von Rhizarthrose, an den Fingern von Heberden- oder von Bouschard-Arthrose.“

Wir müssen Ihr Knie punktieren.

Dr. Smasal: „Das bedeutet, dass sich im Gelenk zu viel Flüssigkeit befindet – beispielsweise Blut, Gelenkflüssigkeit oder Eiter. Um das Gelenk zu entlasten, saugt man diese Flüssigkeit praktisch ab. Dazu braucht man eine Spritze mit einer Hohlnadel, die wir Ärzte Punktionskanüle nennen.“

Sie müssen wegen Ihrer Achillodynie zur Physiotherapie.

Dr. Smasal: „Darunter versteht man Schmerzen im Bereich der Achillessehne. Diese Sehne verbindet die Wadenmuskulatur mit der Ferse. Die Erkrankung kann viele Gründe haben, zum Beispiel Überbeanspruchung beim Joggen oder bei anderen Sportarten, Fußfehlstellungen oder zu lockere Bänder im Sprunggelenk.“

Die Kernspin-Untersuchung hat Mikroläsionen am Ellenbogen ergeben.

Dr. Smasal: „Das sind kleinste Einrisse im Sehnengewebe, wobei beim sogenannten Tennis-Ellenbogen die Strecksehne betroffen ist. Diese Mini-Risse entstehen oft durch dauerhafte Überbeanspruchung, etwa beim Sport, beim Tippen auf der Computertastatur oder beim Arbeiten mit Werkzeugen. Der Patient hat häufig Schmerzen beim Greifen, beim kräftigen Händeschütteln oder beim Durchstrecken seines Armes.“

Wir müssen eine Arthroskopie machen.

Dr. Smasal: „So nennt man eine Gelenkspiegelung. Die Bezeichnung Arthroskopie geht auf zwei griechische Begriffe zurück: Arthros bedeutet Gelenk – und skopein heißt betrachten. Bei dem Eingriff schiebt der Arzt ein dünnes Röhrchen ins Gelenk. Im Inneren des Röhrchens steckt dann ein Stab mit einer Linse. Mit Hilfe eines Kamerasystems werden die Aufnahmen aus dem Gelenk auf einen Monitor übertragen. So kann der Arzt das Gelenk inspizieren. Durch ein bis zwei weitere kleine Schnitte kann der Operateur zusätzlich kleine Instrumente ins Gelenk einbringen, um Defekte zu beheben.“

Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv.

Dr. Smasal: „Der Operateur kommt mit kleinsten Hautschnitten aus, um das Operationsgebiet zu erreichen und dort zu arbeiten.“

Der Verdacht einer

Ruptur des vorderen Kreuzbandes hat sich bestätigt.

Dr. Smasal: „Ruptur kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Riss. Jeder Mensch hat zwei Kreuzbänder – das vordere und das hintere. Ihren Namen haben die Bänder, weil sie im Kniegelenk über Kreuz laufen. Am häufigsten reißt das vordere Kreuzband, beispielsweise bei Verdrehungen. Es ist der wichtigste Stabilisator des Kniegelenks.“

Von Andreas Beez

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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