Allergie: Wenn das Essen krank macht

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Etwa fünf Prozent der Bundesbürger müssen wegen einer Allergie auf bestimmte Lebensmittel verzichten.

Erfurt - Bevor Viktoria Hellmold irgendetwas isst, studiert sie erst die Zutatenliste. Vor zwei Jahren hatte ein allergischer Schock an der Kaffeetafel die 41-Jährige Lehrerin aus Erfurt in Todesangst versetzt.

Aus Angst vor einem weiteren Notfall meidet sie seitdem fast alles, was ihr früher gut geschmeckt hat - Pizza, Schokoriegel und Kuchen. So wie Viktoria leiden immer mehr Menschen unter Nahrungsmittelallergien.

“Diese Überreaktionen des Immunsystems nehmen tatsächlich zu“, bestätigt Gerhard Jahreis, Professor am Institut für Ernährungsmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. “Vor allem in Ostdeutschland ist die Zahl der Betroffenen deutlich nach oben gegangen.“ Ursache dafür sieht er in den geänderten Ernährungsgewohnheiten, dem steigenden Angebot an verarbeiteten Lebensmitteln und einem Lebensstil mit übertriebener Hygiene.

Etwa fünf Prozent der Bundesbürger müssen wegen einer Allergie auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind die meisten Betroffenen gegen drei bis zehn Stoffe allergisch.

Auslöser sind meist Kuhmilch, Hühnerei, Weizen, Soja, Erdnuss und Fisch. Etwa 2.000 Allergene sind bekannt. “Dabei reagieren Allergiker immer auf das in den Lebensmitteln enthaltene Eiweiß“, sagt Jahreis. Eine Allergie auf Fette und Kohlenhydrate wurde bislang nicht nachgewiesen. Etwa die Hälfte der Pollenallergiker leidet später auch unter einer Nahrungsmittelallergie. Es kommt zu einer immunologischen Kreuzreaktion, weil Obst, Gemüse oder Nüsse in ihrer Eiweißstruktur den Pollen ähnlich sind. So reagieren Birkenpollenallergiker sensibel auf Äpfel.

Grundnahrungsmittel vom Discounter im "Öko-Test"

Milfina Joghurt 3,5 % Fett erhält das Testurteil "sehr gut". Kritikpunkt waren dennoch niedrige Omega-3-Fettsäuren. Das bedeutet, dass die Kühe selten Gras und meistens Kraftfutter bekommen haben. Doch mit diesem Mangel haben auch die Produkte der Discounter Aldi Süd und Nord, Penny, Lidl, Netto und Norma zu kämpfen. Sie enthalten zusätzlich noch Weichmacher in der Verpackung. © Öko-Test
Pennys Lindenhof Gouda schneidet im Test auch "sehr gut" ab - trotz niedriger Omega-3-Fettäurewerten. Doch auch alle gestesten Gouda anderer Discounter weisen diesen Mangel auf. © Öko-Test
Das Mineralwasser "Saskia" (Medium) von Lidl schafft nur die Marke "befriedigend". Sein Mangel laut "Öko-Test": PET-Einweg. Damit befindet sich das Wasser, das ebenso wie alle anderen von seinen Inhaltsstoffen einwandfrei ist, in guter Gesellschaft mit den Marken der genannten Discounter. © Öko-Test
Jodsalz von Norma ist "sehr gut" und ohne Mangel. Ebenso wie alle anderen getesteten Billigprodukte von Penny, Lidl, Aldi Nord und Süd und Netto. © Öko-Test
Beim Sonnenblumenöl droht allseits Ungemach: Das Premium Sonnenblumenöl von Netto wurde mit der Auszeichnung "ausreichend" versehen, weil die Ölqualität zu gering ist und der Wert der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) vergleichsweise hoch. PAKs können krebserregend und erbgutschädigend sein. Allerdings lagen die Messwerte hier immer noch deutlich unter den zugelassenen Höchstmengen. © Öko-Test
Auch bei den anderen Sonnenblumenölen war die Ölqualität nicht immer gut und Inhalststoffe und Kennzeichnung nicht immer zufriedenstellend. Norma beispielsweise zeichnet sein Öl mit dem Vermerk "cholesterinfrei" aus. © Öko-Test
Die Spaghetti im Test waren alle "sehr gut" und wiesen wie Lidls Combino Spaghetti keinerlei Mängel auf. © Öko-Test
Der Spinat jedoch hat seinen Ruf nicht umsonst, er schwächelt bei den Inhaltsstoffen. Der Vorwurf: Nitrat und Cadmium liegen über 50 Prozent der täglich empfohlenen Dosis. Deshalb erhält das Gartenkrone-Produkt von Aldi Süd auch nur das Zertifikat "ausreichend". Auch bei Norma, Penny, Aldi Nord und Netto liegt das Cadmium im Spinat darüber, bei Lidl ist es der Nitrat-Wert. © Öko-Test
Das Puda-Weizenmehl von Penny erhält nur die Auszeichnung "befriedigend", weil es erhöhte Schimmelpilzgifte enthält. Auch in Aldi Nords Goldähren-Weizenmehl stecken zu viele davon, deshalb ist es auch nur "befriedigend". Alle anderen Discount-Mehle erringen das Urteil "sehr gut". © Öko-Test
Die passierten Tomaten von Aldi Süd schneiden "sehr gut" ab. Ebenso die Tomaten aller anderen Discounter. Nichts daran auszusetzen. © Öko-Test
Der Bellarom Gold Kaffee von Lidl teilt sich die Auszeichnung "sehr gut" mit den Eigenmarken von Penny, Norma, Netto sowie Aldi Nord und Süd. Eine glatte 1 für alle. © Öko-Test

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überschießend selbst auf kleinste Mengen einer Fremdsubstanz. Entscheidet sich das Immunsystem aufgrund einer Fehlsteuerung dafür, beispielsweise Kuhmilch nicht als harmlos, sondern gefährlich einzustufen, bildet es bestimmte Antikörper gegen Kuhmilch, die Immunglobuline der Klasse E. Wovon es abhängt, ob der Körper sich für die Tolerierung oder die Sensibilisierung entscheidet, versteht die Wissenschaft bis heute nur teilweise.

Die Folge einer allergischen Reaktion sind Hautausschläge, starkes Kratzen im Hals sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen. In schweren Fällen kommt es zu Asthma-Attacken oder sogar zu einem lebensbedrohlichen allergischen Schock. Die allergische Reaktion kommt meist nicht von heute auf morgen, sondern erfolgt nach wiederholtem Kontakt mit dem Lebensmittel. Manchmal kann sie erst Jahre später auftreten. “Die Suche nach dem Auslöser ist deshalb oft schwierig“, erklärt der Jenaer Ernährungsmediziner. Eine pauschale Diät oder ein langes Herumexperimentieren belastet die Betroffenen sehr.

Nicht jede Unverträglichkeit ist Allergie

Allerdings ist auch nicht jede Unverträglichkeit von Lebensmitteln eine Allergie. So kann der Körper wegen Störungen des Stoffwechsels, Giftstoffen oder einer Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel Reaktionen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Hautveränderungen zeigen. “Eine Unverträglichkeit zieht aber keinen allergischen Schock nach sich“, sagt Jahreis. Zweifelsfrei wird eine Lebensmittelallergie mit dem Vorhandensein der Immunglobuline der Klasse E nachgewiesen. Auch eine Nahrungsmittelintoleranz, die häufig die gleichen Symptome hat wie allergische Reaktionen, lässt sich beim Allergietest nachweisen.

Bei Intoleranzen kommt es auf die Dosierung des auslösenden Stoffes an, beispielsweise der Sulfite beim Wein oder der Laktose in der Milch. Um langes Leiden und unnötige Ängste zu vermeiden, ist eine umfassende Diagnostik sehr wichtig.

Per Blut- oder Hauttest wird ermittelt, auf welche Lebensmittel das Immunsystem reagiert. Behandelt wird die Allergie grundsätzlich mit dem Meiden des Auslösers.

Die Hyposensibilisierung kann bei Kreuzallergien helfen. Durch die wiederholte Gabe geringster Allergenmengen, die bei Verträglichkeit schrittweise gesteigert wird, kann die Allergiebereitschaft herabgesetzt werden. Um Allergien vorzubeugen, empfiehlt die Münchner Ernährungstherapeutin Imke Reese, den menschlichen Körper von Geburt an durch Konfrontation mit allergieauslösenden Stoffen an eine normale Immunreaktion zu gewöhnen. “Entgegen der häufigen Annahme führen Verbote und Verzicht nicht oder nur selten zur Verhinderung von allergischen Erkrankungen“, sagt Reese.

Schwangere sollten aus Angst vor späteren Allergen beim Kind nicht auf wertvolle Lebensmittel wie Milch, Fisch, Eier und Nüsse verzichten, weil das Kind diese Nahrungsmittel dann später beim direkten Kontakt bereits kennt und nicht als gefährlich ansieht.“

http://www.dge.de

ap; Grit König

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