Wenn Schwitzen krank macht

Aluminium im Deo: Die wichtigsten Fragen

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Die Auswahl an Deos im Laden ist groß.

München - Ist das Aluminium in Deos gefährlich? Kann es die Entstehung von Brustkrebs begünstigen oder sogar Alzheimer fördern? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen:

Es ist die natürlichste Sache der Welt – ist uns zu heiß, produziert der Körper Schweiß, der auf der Haut trocknet und wohltuend kühlt. Wir jedoch schätzen weder das feuchte Gefühl unter den Achseln, noch die Flecken auf der Kleidung oder den Geruch, der durch Bakterien entsteht, die den Schweiß genüsslich zersetzen. Deos übertünchen das Müffeln, Antitranspiranten, die Aluminiumsalze enthalten, stoppen die Schweißbildung und sind dadurch wesentlich wirksamer.

Gibt es Belege, dass das Aluminium in den Deos krank macht? 

Wissenschaftliche Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen und jede dieser Studien wird wegen vermeintlicher Fehler und Schwächen im Studiendesign kritisiert, oder das Ergebnis konnte in einer zweiten Untersuchung nicht bestätigt werden. Dazu kommt: Wir nehmen die Hauptmenge an Aluminium nicht über die Haut, sondern über die Nahrung zu uns. Das meiste wird wieder ausgeschieden, aber das Metall reichert sich auch im Körper an, vor allem in der Lunge und in den Knochen. Daher ist es durchaus sinnvoll, sich zu überlegen, wie viel Aluminium wir uns zumuten wollen.

Was ist ein Antitranspirant?

Deos haben neben Duftstoffen meist Inhaltsstoffe, die als Bakterienkiller wirken und so verhindern, dass der Schweiß zu riechen beginnt. Antitranspiranten dagegen verhindern tatsächlich das Schwitzen an sich, sie enthalten fast immer ein aluminiumhaltiges Salz. Als Inhaltsstoff werden dies meist als Aluminiumchlorhydrat oder Aluminium Chloride angegeben. Diese Salze bilden mithilfe des Schweißes auf der Haut eine dünne Gelschicht vor den Poren, aus denen der Schweiß abgesondert wird. Damit verstopfen die Poren für eine gewisse Zeit, und es wird weniger oder gar kein Schweiß mehr abgegeben.

Wann wird Aluminium gefährlich?

Abhängig von der Dosis, die bei Tieren zu Vergiftungen führten, wurden die für Menschen unbedenklichen Mengen an Aluminium berechnet. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Da das meiste gleich wieder ausgeschieden wird, nimmt man an, dass nur 0,1 % wirklich im Körper wirkt, für einen 60-Kilo-Menschen gelten also 8,6 Mikrogramm pro Tag als unbedenklich. Diese Menge wird jedoch nach Schätzungen der Behörde schon mit der normalen Nahrungsaufnahme erreicht. Das Leichtmetall ist das dritthäufigstes Element der Erdkruste und ist daher ein natürlicher Bestandteil des Trinkwassers und vieler unbehandelter Lebensmittel wie Gemüse und Früchte. Besonders ist es auch in Kräutern und Tees enthalten. Zusätzlich wird es aber auch bei der Lebensmittelherstellung in Zusatzstoffen eingesetzt. Außerdem können die Aluminiumpartikel über im Haushalt verwendete Aluschalen oder Alufolie in Speisen übergehen, denn Aluminium ist unter dem Einfluss von Säure oder Salz löslich. Aluminiumverbindungen können Bestandteil von Farbpigmenten in Lippenstiften sein und sind als Beschichtung von Nanopartikeln in Sonnenschutzcreme enthalten.

Wie viel Aluminium steckt im Deo?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt, dass bei täglicher Anwendung von aluminiumhaltigen Deos die tolerierbare Menge von rund neun Mikrogramm erreicht wird. Da wir in etwa die gleiche Menge über die Nahrung aufnehmen, wird der als unbedenklich geltende Wert überschritten. Das bedeutet nun nicht, dass sofort eine Gesundheitsgefahr eintritt. Das liegt an der Art, wie solche Grenzwerte festgelegt werden. Ausgehend von dem Wert, der im Tierversuch gerade noch keinen Vergiftungseffekt hatte, wird der für Menschen tolerierte Wert mit einem großen Sicherheitsabstand (hier: Faktor 300) festgelegt. Doch mit ständiger Überschreitung des Grenzwertes wird dieser Sicherheitsabstand immer kleiner.

Sollte man auf aluminiumhaltige Produkte verzichten?

In Labortests und auch im Tierversuch wirkten hohe Dosen von Aluminium toxisch. Es kam zu Unfruchtbarkeit und Störungen des Nervensystems. Krankheiten wie Alzheimer oder auch Tumorerkrankungen dagegen wurden auch bei sehr hohen Dosen nicht beobachtet. Auch Menschen, die Medikamente mit Aluminium nehmen mussten, wurden dadurch nicht krank. Das Bundesinstitut kommt zu dem Ergebnis, dass in der Frage der Gesundheitsgefährdung durch Aluminium noch großer Forschungsbedarf besteht, auch weil nur sehr ungenau abgeschätzt werden kann, welche Mengen wir tatsächlich aufnehmen. Es wird aber empfohlen, die Aluminiumzufuhr so gering wie möglich zu halten und die tolerierte Dosis nicht auf Dauer zu überschreiten. Wer also auf Aluminium verzichten möchte, sollte aluminiumhaltige Deos nur sehr zurückhaltend verwenden.

Wenn Schwitzen krank macht

Fragen Ihre Patienten häufig nach Gesundheitsgefahren durch Deos?

Dr. Regina Ramesohl, Hautärztin in der Dermatologie-Praxis am Dom (www.dermatologie-am-dom.de):  Das Thema wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert, und meine Patienten fragen mich oft nach meiner Meinung. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass diese Produkte mit Brustkrebs oder Alzheimer in Zusammenhang stehen. Aluminiumhaltige Deos, das muss man klar sagen, sind die wirksameren Produkte und gegen einen maßvollen Einsatz ist nichts einzuwenden. Wer nicht stark schwitzt, dem empfehle ich, sich die Achseln zu rasieren, um es den Bakterien ungemütlicher zu machen. Wer unter den Achseln eine antiseptische Waschlotion verwendet, verringert die Anzahl der Bakterien. Dann sind auch Deos ohne Aluminium gut geeignet, um sich frisch zu fühlen.

Menschen schwitzen ja unterschiedlich stark. Wann sollte man auf jeden Fall zu einem Arzt gehen?

Ramesohl: Ungefähr drei Prozent der Menschen leiden an übermäßigem Schwitzen, der sogenannten Hyperhidrose. Behandlungsbedürftig ist etwa ein Prozent. Betroffen sind meist die Achselregion, gefolgt von Händen und Füßen. Man sollte zum Arzt gehen, wenn es temperatur­unabhängig zu starker Schweißbildung kommt, wenn der Schweiß sogar vom Körper tropft. Generell sollten Betroffene Hilfe suchen, wenn sie sich durch das Schwitzen in ihrem Leben beeinträchtigt fühlen, weil sie z. B. mehrfach täglich die Kleidung wechseln müssen. Auch Diabetes oder eine Schilddrüsenüberfunktion kann eine Ursache sein. Das muss abgeklärt und behandelt werden. Für von Natur aus stark oder übermäßig schwitzende Menschen gibt es wirksame Alternativen zu Deos: So stoppen Injektionen mit Botulinumtoxin die Schweißbildung in den Achseln. Es ist auch möglich die Schweißdrüsen operativ mittels der sogenannten Saug-Curettage zu entfernen oder ganz neu mit einer minimalinvasiven Nadel-Radiofrequenz-Technik zu zerstören: Bei diesem Verfahren werden Goldnadeln bis zu zwei Millimeter tief in die Haut eingestochen, das ist mit örtlicher Betäubung völlig schmerzfrei. Anschließend fließt zwischen den Nadelspitzen ein Radiofrequenzstrom, der das umliegende Gewebe und damit die Schweißdrüsen auf circa 70 Grad erhitzt und dadurch Schweißdrüsen zerstört. Übermäßiges Schwitzen wird dadurch auf ein Normalmaß reduziert.

Manche Menschen müffeln schon, selbst wenn sie nur leicht schwitzen. Was kann da helfen?

Ramesohl: Die Pubertät ist so eine Ausnahme, da riecht selbst frisch gebildeter Schweiß schon. Die für den Geruch verantwortlichen Bakterien finden in der feuchten warmen Achselhöhle oder unter den Fußsohlen ideale Bedingungen. Bei empfindlichen Menschen ist es zweckmäßig, statt des täglichen Rasierens eine Laser-/IPL-Haarentfernung durchzuführen.

Wie bleibt man auf der Wiesn frisch?

Ramesohl: Vorher duschen, die Achselhaare rasieren, eine antiseptische Waschlotion und das Deo nehmen, bei dem man sich am Wohlsten fühlt. Ich persönlich greife manchmal schon auf ein Antitranspirant mit Aluminium zurück. Dann sind die Schweißdrüsen für ein paar Stunden blockiert. Allerdings darf man dieses Deo nicht direkt nach der Rasur auftragen, sondern muss einige Stunden warten. Denn durch kleine Verletzungen auf der frisch rasierten Haut gelangt deutlich mehr vom Aluminium in den Körper als bei intakter Haut.

Schweiß

Ob uns der Schweiß ausbricht oder nicht, können wir mit unserem Willen nicht beeinflussen, das entscheidet unser vegetatives Nervensystem ganz allein. Ist uns warm oder regen wir uns auf, wird die Haut stärker durchblutet und mehr Schweiß gebildet, um den Körper zu kühlen. Zwei bis vier Millionen Schweißdrüsen sind über den menschlichen Körper verteilt, am dichtesten mit 620 Drüsen pro cm² ist die Verteilung an den Fußsohlen! Neben der Kühlung hat das Schwitzen noch andere Funktionen: Es regelt den Mineralstoffhaushalt, indem Kochsalz, aber auch Magnesium und Kalzium ausgeschieden werden können. Auf der Haut wird durch den Schweiß ein saures Milieu erzeugt und so ein Säureschutzmantel gegen unerwünschte Mikroben gebildet. Außerdem werden mit dem Schweiß Geruchsstoffe verteilt, die vor allem bei Wut oder Angst von den Duftdrüsen gebildet werden.

sus

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