Zum 100. Todestag des Entdeckers

Alzheimer: Das können Sie tun, um lange gesund zu leiben

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München - Alois Alzheimer hat 1906 in der Nußbaumstraß ein München die Krankheit entdeckt, die heute nach ihm benannt ist. Am 19. Dezember ist sein 100. Todestag. Lesen Sie hier, was Sie tun können, um länger gesund zu bleiben.

Die Büste des einstigen Labor-Hausherrn ist so ausgerichtet, dass sie von jeder Saalecke aus ins Auge sticht, in einer Glasvitrine funkelt sein Original-Mikroskop, eingerahmt von uralten Fotos. Es scheint fast so, als würde sein Geist noch immer durch die ehrwürdigen Gemäuer an der Nußbaumstraße spuken. Hier hat Alois Alzheimer 1906 die gleichnamige Krankheit entdeckt. Heilung ist nach wie vor nicht in Sicht, aber immerhin: Zu seinem 100. Todestag am 19. Dezember können die wissenschaftlichen Erben des großen Gelehrten mit ermutigenden Nachrichten aufwarten. Diese wurden gestern bei einer Pressekonferenz führender Münchner Alzheimer-Forscher erörtert.

In ihrem Fokus stehen neue Therapieansätze. Sie berechtigen zu der Hoffnung, dass sich der Ausbruch der Erkrankung zumindest länger hinauszögern und ihr Verlauf deutlich verlangsamen lässt. Dabei sollen eine Art spezielles Anti-Alzheimer-Vorsorgeprogramm sowie neue Medikamente auf der Basis von Antikörpern helfen – mehr dazu in den beiden Artikeln unten.

Alzheimer: Immer mehr Menschen sind betroffen

Zugegeben: Die Ausgangslage klingt alles andere ermutigend. In unserer alternden Gesellschaft leiden immer mehr Menschen am schleichenden Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten. Schon heute sind 1,5 Millionen betroffen, zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer, die häufigste Form von Demenz. Bis 2050 soll sich die Zahl der Patienten sogar auf drei Millionen verdoppeln – eine Zunahme von 40 000 pro Jahr, 100 pro Tag.

Vor dem Hintergrund dieser Schockzahlen spricht der Münchner Neurobiologe Prof. Christian Haas von einer „tickenden Zeitbombe in uns allen. Je älter wir werden, desto größer ist die Gefahr, dass wir daran erkranken.“ Die Crux dabei: Der Verfallsprozess im Gehirn schreitet oft unbemerkt voran – über Jahrzehnte – lange, bevor die Symptome auftreten. Deshalb zielt die übergeordnete Strategie der Mediziner darauf ab, Alzheimer bereits in einem frühen Stadium zu erkennen. Nur dann, so die Müncher Experten unisono, haben neue Medikamente in absehbarer Zeit überhaupt Aussicht auf Erfolg.

Alzheimer: Das kann jeder einzelne tun, um länger gesund zu bleiben

„Wir können zwar nicht verhindern, dass wir an Alzheimer erkranken, aber wir können dem Abbau unserer Hirnleistung aktiv entgegenwirken – und zwar jeder einzelne mit machbaren Mitteln. Das halte ich für eine sehr ermutigende Botschaft“, sagt Professor Martin Dichgans. Der Direktor des Instituts für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am Uniklinikum Großhadern bezieht sich auf eine aktuelle Großstudie aus Finnland, die in Fachkreisen für Furore gesorgt hat. Sie zeigt, wie stark Alzheimer-gefährdete Patienten von einem speziellen Betreuungsprogramm profitieren können. In Teilen ähnelt es Maßnahmen, die klassischerweise zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden.

Ernährungs- und Diätberatung: Den Patienten wird eine leichte, mediterrane Kost empfohlen. Sie bekommen praktische Tipps, wie sie abnehmen und ihr Gewicht dauerhaft im gesunden Bereich halten können.

Bewegung: Ziel ist es, dass die Patienten sich mindestens drei Mal pro Woche moderat bewegen – etwa durch Gymnastik oder aber auch nur durch zügige Spaziergänge.

Hirnleistungs- bzw. Gedächtnistraining: Dabei geht es darum, dass die Patienten ihre geistigen Fähigkeiten regelmäßig trainieren – etwa durch kleine Rechenaufgaben. Sie sollen ihre grauen Zellen anstrengen.

Überwachung der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Dazu gehört vor allem die Vermeidung von Bluthochdruck, aber auch die gezielte Behandlung von Diabetes sowie erhöhten Blutfett- und Blutzuckerwerten.

In der finnischen Studie kristallisierte sich heraus, dass die Teilnehmer dieses Programms bei Hirnleistungstests deutlich besser abschnitten als andere Patienten – die Ergebnisse waren je nach Teilbereich um 25 bis sogar 150 Prozent besser. Dies dürfe allerdings nicht zu dem Umkehrschluss führen, dass manche Patienten selbst an ihrer Alzheimer-Erkrankung schuld seien, betont die Leiterin der Gedächtnis-Ambulanz in Großhadern, Dr. Katharina Bürger: „Niemand kann die Krankheit verhindern!“

Neue Alzheimer-Medikamente: Tests ab Februar

Wenn’s es um die Erfolgsaussichten neuer Alzheimer-Medikamente geht, lassen sich erfahrene Wissenschaftler keine allzu euphorischen Einschätzungen entlocken. Aus gutem Grund: Gleich mehrfach sind in den vergangenen Jahrzehnten Therapieansätze gescheitert, die in Fachkreisen zuvor als verheißungsvoll gepriesen worden waren. Diesen Fehler wollen sie im Zusammenhang mit der sogenannten therapeutischen Impfung nicht wiederholen.

So sprach Professor Christian Haas vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) von einem „Hoffnungsschimmer“ und die beiden Chefpsychiater der Unikliniken Großhadern und Rechts der Isar, Professor Petere Falkai und Professor Hans Förstl bewerteten die neue Antikörper-Methode als derzeit beste Option.

Das Prinzip kann man sich so vorstellen: Im Labor werden künstlich sogenannte Antikörper hergestellt – bestimmte Eiweiße, die praktisch wie Spähtrupps wirken. Sie sollen die Fresszellen des Immunsystems zu den Amyloid-Plaques und ihren Vorstufen führen, die sich zwischen den Gehirnzellen ablagern und diese zerstören. In ersten kleineren Testreihen Studien hat dies funktioniert – allerdings nur bei Patienten, die in einem frühen Stadium an Alzheimer erkrankt waren. Bei Patienten in fortgeschrittenem Stadium gingen zwar die Amyloid-Plaques zurück, aber nicht die Symptome der Erkrankung.

Trotz dieser Ungereimtheiten glaubt die Pharma-Industrie weiterhin an einen Durchbruch bei den Antikörper-Therapien. Gleich mehrere große Konzerne wollen ihre jeweiligen Medikamente nun weiterentwickeln. Einer davon ist Biogen, der eine weltweite Großstudie plant. Daran beteiligen sich auch die beiden Münchner Unikliniken. Ab Februar sollen die ersten 20 bis 60 Patienten aufgenommen werden. „Die Antikörper-Medikamennte werden einmal im Monat als Infusion verabreicht“, erläutert Privatdozentin Dr. Katharina, die Leiterin der Gedächtnisambulanz am Uniklinikum Großhadern. Mit ersten Ergebnissen sei allerdings erst in einigen Jahren zu rechnen.

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