US-Star ließ sich Brüste amputieren

Jolie: Top-Ärztin erklärt, wie die OP helfen kann

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Angelina Jolie

München - Angelina Jolie schockierte mit dem Bekenntnis, er habe sich beide Brüste amputieren lassen. Die tz sprach darüber mit Prof. Marion Kiechle, Chefin der Frauenklinik der TU München.

Angelina Jolie gilt als Inbegriff der Weiblichkeit. Umso mehr schockierte der Star mit dem Bekenntnis, er habe sich beide Brüste amputieren lassen. Vorbeugend, aus Angst vor Brustkrebs. Sie musste ansehen, wie ihre Mutter 56-jährig daran starb. Jolie selbst hat das Brustkrebsgen BRCA1 geerbt – damit geht ein enormes Risiko, selbst zu erkranken, einher. In Deutschland sind etwa fünf Prozent der jährlichen 72 000 Neuerkrankungen auf das mutierte Gen zurückzuführen. Aber macht es Sinn, sich als gesunde Frau amputieren zu lassen? Die tz sprach mit Prof. Marion Kiechle, Chefin der Frauenklinik der TU München:

Wie sinnvoll ist solch ein Eingriff bei einer gesunden Frau?

Prof. Marion Kiechle: Angelina Jolie hat eine Mutation des Gens BRCA1. BRCA steht für Breast Cancer, Brustkrebs. Wenn diese Mutation diagnostiziert wird, trägt man ein erhöhtes Risiko bis zu 90 Prozent in sich, an Brustkrebs zu erkranken. Das ist verdammt hoch. Die Wahrscheinlichkeit, zudem noch an Eierstockkrebs (Lebenszeitrisiko bis 60 Prozent) zu erkranken, ist ebenfalls hoch.

Welche Optionen gibt es mit so einer Diagnose?

Prof. Kiechle: Beim Eierstockkrebs nur eine – die vorbeugende Entfernung. Die Gründe: Es gibt noch kein Früherkennungsprogramm und die Heilungschancen liegen nur bei 30 Prozent. Bei der Brust gibt es zwei Optionen: Eben jene, für die sich Angelina Jolie entschieden hat – die vorbeugende Entfernung des Brustdrüsengewebes. Damit ist gewährleistet, dass man nicht an Brustkrebs erkrankt und daran stirbt. Oder die Teilnahme an einem intensiven Früherkennungsprogramm, das ab 25 beginnen kann. Es umfasst jährliche Untersuchungen mittels Kernspin und Mammografie und halbjährliche mittels Ultraschall. Aber bei diesem Programm ist nicht bewiesen, dass es die Sterblichkeit von Brustkrebs ausschließt.

Grund für Frau Jolie, die Brust amputieren zu lassen, war die Genmutation BRCA1. Was hat es damit auf sich?

Prof. Kiechle: BRCA-Gene hat jeder. Jedes erfüllt eine wichtige Funktion bei der Reparatur der Erbsubstanz. Die DNA kann durch verschiedene Einflüsse wie z. B. Umwelteinflüsse geschädigt werden. Funktioniert ein Reparatur-Gen nicht, stirbt die Zelle ab oder entartet. Dann kann Krebs entstehen.

In Angelina Jolies Fall ist die Mutation von der Mutter vererbt worden. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit?

Prof. Kiechle: Die Wahrscheinlichkeit, die Mutation von einem Elternteil geerbt zu haben, beträgt 50 Prozent.

Kann sich jede Frau auf BRCA1 testen lassen?

Prof. Kiechle: Macht sich eine Frau aufgrund ihrer Familiengeschichte Sorgen, sollte sie eine Tumorrisikoberatung aufsuchen – die gibt es z.B. bei uns an der TU München, in der Frauenklinik Rechts der Isar. Dort wird eine Familienanamnese durchgeführt. Stellen wir ein erhöhtes Risiko fest, bieten wir den Gentest durch Blutentnahme an. Das übernimmt die Krankenkasse, ebenso alle Folgeschritte, auch einen eventuellen Brustaufbau.

Wozu raten Sie Frauen?

Prof. Kiechle: Heutzutage ist ein Brustaufbau möglich, aber nichts ist so schön wie eine natürlich geformte Brust. Andere Frauen haben den Kampf ihrer Mütter miterleben müssen und wählen die Amputation. Das muss jede selbst entscheiden.

Welche Erfahrungswerte haben Sie?

Prof. Kiechle: Wir im Zentrum beraten etwa 500 Frauen pro Jahr. Ca. 40 bis 50 werden als Genträgerinnen identifiziert. Etwa die Hälfte wählt die Amputation. Bezüglich der Eierstockerkrankung entscheiden sich die meisten für die vorbeugende Entfernung. Der Eingriff ist erst zwischen 40 und 45 notwendig und zudem relativ wenig belastend.

Wie finden Sie es, dass Angelina Jolie an die Öffentlichkeit gegangen ist?

Prof. Kiechle: Mutig, positiv und aufklärend. Sie als schöne und starke Frau setzt ein wichtiges Signal an alle anderen Frauen: Ihr seid nicht allein.

Brustkrebs: Diese Stars sind betroffen

Brustkrebs Stars
Anastacia (44) traf es besonders hart. Nachdem die Sängerin bereits im Jahr 2003 gegen den Brustkrebs gekämpft hatte, kam Anfang 2013 die zweite Schock-Diagnose: Die Krankheit ist zurückgekehrt.  © dpa
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Im Sommer 2008 wurde bei Christina Applegate (41) Brustkrebs diagnostiziert. Die Schauspielerin entschied sich für eine Entfernung beider Brüste. Heute gilt sie als geheilt.  © dpa
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In den 1980er Jahren gewann Brigitte Bardot (78), französisches Model und Schauspielerin, den Kampf gegen den Brustkrebs.  © dpa
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Kathy Bates (64) kämpfte 2003 gegen Eierstockkrebs. Als 2012 erneut Krebs diagnostiziert wurde, unterzog sie sich einer Brustamputation.  © dpa
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Anfang 2006 erhielt auch Sheryl Crow (51) die Diagnose Brustkrebs. Sie konnte die Krankheit besiegen.  © dpa
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Einen langen Kampf musste Bette Davis (1908-1989) durchstehen. Die Schauspielerin erkrankte 1983 an Brustkrebs, erlitt kurz darauf einen Schlaganfall und starb schließlich nach sechs Jahren Leid.  © dpa
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Jane Fonda (75) besiegte die tückische Krankheit im Jahr 2010. Die Schauspielerin sieht heute blendend aus.  © dpa
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Betty Ford (1918-2011), Ehefrau des ehemailigen US-Präsidenten Gerald Ford, entschied sich im Jahr 1974 für eine Mastektomie (Brustamputation). Nachdem sie längere Zeit an Alkoholismus litt, gründete sie das Betty Ford Center, eine bekannte Entzugsklinik in Kalifornien.  © dpa
Brustkrebs Stars
Weil ihre Mutter dem Brustkrebs erlag, besteht bei Angelina Jolie (37) ein erhöhtes Risiko. Im Jahr 2013 ließ sie sich deshalb beide Brüste amputieren. Mit dieser Entscheidung wollte sie ihren Kindern die Angst nehmen, sie eines Tages an den Krebs zu verlieren.  © dpa
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Hildegard Knef (1925-2002), eine der ganz großen deutschen Schauspielerinnen, konnte den Brustkrebs besiegen.  © dpa
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Bei Kylie Minogue (44) wurde im Jahr 2005 Brustkrebs diagnostiziert. Die Sängerin wurde geheilt. MIt ihrer Erkrankung startete der sogenannte "Kylie-Effekt": 40% mehr Frauen als üblich meldeten sich zu einer Mammografie an.  © dpa
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Olivia Newton-John (64) erhielt die Schock-Diagnose im Jahr 1992. Die "sandy" aus dem Kultfilm "Grease" verarbeitete das Erlebte auf ihrem Album "Gaia - One Woman's Journey".  © dpa
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Cynthia Nixon (47) konnte den Brustkrebs im Jahr 2006 besiegen.  © dpa
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Sharon Osbourne (60) erkrankte im Jahr 2002 an Darmkrebs. Aus Angst davor, auch noch eine Brustkrebs-Diagnose zu erhalten, ließ sie sich beide Brüste entfernen.  © dpa
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Miriam Pielhau (38) konnte den Brustkrebs im Jahr 2008 besiegen. Sie verarbeitete die schwere Zeit in ihrem Buch "Fremdkörper". Die Moderatorin brachte im Mai 2012 eine Tochter zur Welt.  © dpa
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Im Jahr 2009 kämpfte Sylvie van der Vaart (35) gegen den Brustkrebs. Nach der erfolgreichen Chemotherapie trug die beliebte Moderatorin eine Zeit lang ihre Haare kurz.  © dpa

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