Ihre Chancen, Ihre Risiken

Zum Arzt ins Ausland: Ich sparte mehr als 90 Prozent

München - Ihre Chancen, Ihre Risiken und was Sie beachten sollten: In einer neuen Serie berichtet die tz über Reisen zum Arzt ins Ausland und stellt Einzelfälle vor.

Die Gesundheit ist uns lieb und teuer, aber für manche Patienten sind bestimmte Behandlungen in Deutschland unbezahlbar. Gerade Rentner oder Geringverdiener müssen schwer schlucken, wenn ihnen hohe Zahnarztrechnungen ins Haus flattern, wenn sie die Angebote fürs Augenlasern betrachten oder sich eine plastische OP wünschen. Vor allem wegen der Kostenfrage werden immer mehr Deutsche zu Gesundheitstouristen. Aber lohnt sich die Reise zur Behandlung ins Ausland unterm Strich wirklich? Welche Chancen und Risiken gilt es dabei zu bedenken? Das beleuchtet die tz in einer neuen, großen Gesundheitsserie. Darin erfahren Sie unter anderem:

❯❯ Wohin die Münchner zur Behandlung reisen
❯❯ Wo sich Münchner im Ausland pflegen lassen
❯❯ Wieviel Geld Sie im Ausland sparen können
❯❯ Woran Sie seriöse Kliniken erkennen
❯❯ Welche Risiken es gibt und wie Sie diese so gering wie möglich halten können
❯❯ Welche Erfahrungen Patienten im Ausland gemacht haben
❯❯ Wie Münchner Top-Ärzte die medizinischen Angebote ihrer ausländischer Kollegen bewerten
❯❯ Warum ausländische Patienten zur Behandlung nach München kommen

Zum Auftakt erfahren Sie heute, wie renommierte Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer den Gesundheitstourismus einordnen. Darüber hinaus erzählt ein tz-Leser, wie er bei einer Gebiss-Sanierung in Ungarn im Vergleich zum Kostenvoranschlag seines Starnberger Zahnarzts über 90 Prozent der Kosten gespart hat.

Ihre Chancen, Ihre Risiken

Warum reisen deutsche Patienten überhaupt ins Ausland? 

Einerseits leistet das deutsche Gesundheitssystem eine hervorragende Grundversorgung. Andererseits werden manche teuren Behandlungen von den Krankenkassen gar nicht oder nur zu einem geringen Teil bezahlt. Besonders hart zu knabbern haben Patienten in der Regel an Zahnarztrechnungen. Aber auch fürs Augenlasern, Schönheits-Operationen oder Kuraufenthalte müssen sie selbst tief in die Tasche greifen. Ausländische Mediziner bieten diese und andere Behandlungen oft zu günstigeren Preisen an. Ein weiterer Vorteil: Wenn sich ein deutscher Patient in einem EU-Staat behandeln lässt, hat er Anspruch auf denselben Zuschuss wie in Deutschland – abzüglich einer Verwaltungskostenpauschale. Das ist seit 2004 Gesetz.

Der Spargedanke spielt für die meisten deutschen Gesundheitstouristen eine entscheidende Rolle – das hat sich auch bei einer großen Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) herauskristallisiert. Die Mitarbeiter ihres Wissenschaftlichen Instituts (WINEG) werteten Daten von 3307 Versicherten aus, die sich geplant im Ausland behandeln ließen. Jeder Dritte gab Kosteneinsparungen als Grund an. Noch mehr Patienten wollten das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden: 39 Prozent der Befragten kombinierten eine Behandlung mit einer Urlaubsreise.

Inzwischen gibt es immer mehr zufriedene „Wiederholungstäter“. 43 Prozent der Befragten reisten erneut zur Behandlung ins Ausland, weil sie dort gute Erfahrungen gemacht haben. „Diese Begründung wird sogar noch häufiger genannt als der Spar-Aspekt. Auch das gute Vertrauensverhältnis zum ausländischen Arzt wird den Versicherten offenbar immer wichtiger“, analysiert die Wirtschaftwissenschaftlerin Dr. Caroline Wagner, die an der TK-Befragung federführend mitgearbeitet hat.

Wieviel Geld kann man im Ausland sparen? 

Insbesondere Zahnbehandlungen werden im Ausland viel günstiger angeboten. Bei Gebiss-Sanierungen zahlen die Patienten häufig 40 bis 70 Prozent weniger als zu Hause – in manchen Fällen sogar noch weniger. So hätte tz-Leser Wolfgang Willke bei seinem Starnberger Zahnarzt über 27 000 Euro hinblättern müssen, in Ungarn aber bezahlte er letztlich nicht mal 2200 Euro (siehe unten).

Auch beim Augenlasern gibt es eine große Preisspanne. Während viele Münchner Augenärzte 2000 bis 6000 Euro für beide Augen berechnen, locken Auslandskliniken mit Angeboten ab 1300 Euro. Bei Schönheitsoperationen variieren die Offerten ebenso stark, oft locken ausländische Kliniken mit Pauschalen, die nur halb so teuer sind wie bei vergleichbaren Eingriffen in Deutschland.

Welche Patienten lassen sich geplant im Ausland behandeln? 

Die meisten Gesundheitstouristen gehören der Generation 50plus an. So ergab die TK-Befragung, dass gerade mal elf Prozent zwischen 18 und 49 Jahre alt waren. Fast jeder zweite hatte seinen 70. Geburtstag hinter sich. Acht Prozent waren über 80. „Wir haben festgestellt, dass viele Rentner heutzutage aktiver sind als früher. Sie recherchieren selbst, welche Angebote für sie infrage kommen – zunehmend auch im Internet“, erläutert Dr. Wagner gegenüber der tz.

Viele Auslandspatienten müssen aufs Geld schauen. Jeder Zweite verfügt laut TK-Befragung über ein Brutto-Einkommen zwischen 1000 und 2500 Euro, jeder zehnte über 750 bis 1000 Euro.

Allerdings befinden sich unter den deutschen Gesundheitstouristen auch viele Menschen mit einem hohen Bildungsabschluss. 54 Prozent haben Abitur, 32 Prozent darüber hinaus ein abgeschlossenes Studium, drei Prozent sogar einen Doktortitel.

Wohin reisen deutsche Gesundheitstouristen besonders gerne?

Vor allem die südosteuropäischen Länder sind beliebt. In Ungarn und Kroatien eröffnen immer mehr moderne Kliniken, in Tschechien, Polen und in der Türkei boomt das Geschäft mit Auslandspatienten – darunter viele Frauen und Männer, die sich plastischen Operationen unterziehen. Aber auch unsere Nachbarländer Österreich, Italien und die Schweiz haben Zulauf.

Wie können sich die Patienten in den ausländischen Kliniken und Praxen verständigen?

Meistens werden sie von deutschsprachigen Ansprechpartnern betreut, sehr oft sprechen auch Ärzte und Schwestern deutsch. Laut TK-Befragung konnten sich 78 Prozent der Patienten in ihrer Muttersprache verständigen. „Inzwischen haben sich viele Kliniken auf Deutsche eingestellt“, berichtet Dr. Wagner.

Gibt es Qualitätsunterschiede bei der Behandlung? 

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Zwar existieren vor allem in Südosteuropa immer noch vereinzelt Krankenhäuser und Praxen, die es beispielsweise mit der Hygiene oder dem Erfahrungsschatz ihrer Mediziner nicht so genau nehmen. Aber selbst viele deutsche Experten bestätigen, dass das medizinische Niveau im Ausland enorm gestiegen ist. Zu diesem Schluss kommt auch die Verbraucherzentrale Hessen – etwa beim Thema Zahnbehandlungen: „Eine schlechte Qualität von Zahnersatzleistungen aus Osteuropa oder anderen europäischen Ländern lässt sich allgemein nicht bestätigen. Der Standard der Ausbildung, der Qualität der Labore und der zahnärztlichen Behandlung ist grundsätzlich mit dem deutschen Niveau vergleichbar.“

Wie zufrieden sind deutsche Patienten mit dem Ergebnis ihrer Behandlungen im Ausland? 

Die Zahl der „Wiederholer“ steigt – das spricht für wachsendes Vertrauen in die ausländischen Mediziner. 85 Prozent der befragten TK-Patienten waren mit ihren Zahnärzten sehr zufrieden, auch Allgemeinärzte (79 Prozent) und Fachärzte (78 Prozent) erzielten Top-Beurteilungen. Unzufrieden waren nur ein bis fünf Prozent aller Befragten.

Wie oft sind Nachbehandlungen in Deutschland erforderlich? 

An dieser Frage scheiden sich die Geister. „Das kommt relativ oft vor“, sagen viele deutsche Augen- und Zahnärzte. Die TK-Analyse erbrachte andere Ergebnisse. So brauchten 67 Prozent der Patienten keine Nachbehandlung – weder im Reiseland noch später zu Hause. Bei 31 Prozent waren Nachbehandlungen in Deutschland bereits eingeplant, nur zwei Prozent mussten unerwartet nachbehandelt werden.

Welche Risiken und Nachteile müssen die Patienten in Kauf nehmen? 

Oft unterschätzen Patienten die Reisekosten – gerade dann, wenn eine Auslandsbehandlung an mehreren Terminen erfolgt. „Etwa 95 Prozent aller größeren Zahnbehandlungen finden über einen längeren Zeitraum statt“, gibt der renommierte Münchner Zahnmediziner Prof. Dr. Hannes Wachtel zu bedenken. „Sie erfordern mehrere Termine, zum Teil im Abstand von Wochen und Monaten.“

Zumal es bei jeder Behandlung durchaus mal Komplikationen geben könne, wie der erfahrene Münchner Augenarzt Professor Dr. Thomas Neuhann betont: „Wenn etwa nach einer Laserbehandlung im Ausland zu Hause ein Problem auftritt, dann ist der türkische oder tschechische Arzt weit weg. Man kann ihn nur noch mit Riesenaufwand erreichen, geschweige denn für einen Fehler haftbar machen.“

Zudem sieht der Spezialist die Gefahr, dass Patienten im Ausland zur OP gedrängt werden: „In vielen dieser Rucki-Zucki-Zentren werden auch jene Patienten sofort operiert, denen in Deutschland eher abgeraten oder eine besser geeignete Therapie empfohlen worden wäre. „Es ist ratsam, bereits im Inland eine sorgfältige Voruntersuchung durchführen zu lassen“, empfiehlt die Verbraucherzentrale Hessen.

Auch moralisch halten viele deutsche Ärzte den Gesundheitstourismus für fragwürdig. Prof. Neuhann: „Im Falle von Behandlungsfehlern kann der deutsche Augenarzt dann den betroffenen Patienten für weniger als 20 Euro im Quartal betreuen, trösten und weiterbehandeln. Das ist ungerecht.“

Die seltensten Krankheiten der Welt

Seltene Krankheiten werden von Ärzten oft erst zu spät erkannt. Die meisten Patienten haben eine regelrechte Odyssee hinter sich, bis irgendwann ein Arzt die Krankheit diagnostiziert. Als selten gilt eine Krankheit, die bei weniger als 5 von 10 000 Menschen auftritt. Über die Schwierigkeiten bei deren Diagnose haben sich am Freitag in Hannover mehr als 100 Ärzte, Selbsthilfegruppen, Forscher und Patienten ausgetauscht. Am 28. Februar ist der Europäische Tag der seltenen Krankheiten. Er wird von der der europäischen Organisation für seltene Krankheiten (EURORDIS) organisiert. © dpa
Syringomyelie: Ein schöner Rücken kann entzücken, ein Rücken mit einem Hohlraum in der Wirbelsäule aber ist eine seltene Krankheit - die Syringomyelie. Manchmal ist eine Entwicklungsstörung die Ursache, manchmal auch ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der Holraum füllt sich mit Flüssigkeit, die nach und nach das Rückenmark verdrängt. © dpa
Dancing Eyes Syndrom: Die sehr seltene Krankheit wird meist bei Kindern zwischen 1 bis 3 Jahren diagnostiziert. Ihre Augen zucken hin und her, aber auch Arme und Beine bewegen sich ruckartig. Und über Wochen und Monate sind die Kinder oft sehr leicht irritierbar. Wenn die Kinder älter werden, werden die Symptome weniger. Es ist nicht genau klar, wie es dazu kommt. Einige Mediziner nehmen an, dass der Körper Tumorzellen bekämpfen will. Doch er greift gleichzeitig auch gesunde Gehirnzellen an - daher die Zuckungen. © dpa
Progeria adultorum: Der lateinische Begriff besagt, dass ein Mensch viel zu früh und viel zu schnell altert. Die Patienten sind oft erst dreißig, doch plötzlich ergrauen die Haare, die Haut wird faltig. Auch im Geiste werden sie schnell älter. Viele Erkrankte sterben, wenn sie kaum 50 Jahre alt sind. © dpa
Das Kabuki-Syndrom: Die Dame auf unserem Bild ist nur wie eine japanische Kabuki-Schauspielerin geschminkt. Kinder, die unter dem Kabuki-Syndrom leiden, haben aber sehr ähnliche Gesichtszüge. Dazu gehören zum Beispiel große Augen, lange und dicke Wimpern und die Augenbrauen sind sehr bogig. Die Nasenspitze ist bei ihnen zudem oft eingedrückt und die Ohren stehen hervor. Auch die Motorik der Kinder ist eingeschränkt. Geistig sind die Kinder oft mild bis mäßig behindert. © dpa
Das Kleeblattschädel-Syndrom ist eine sehr seltene Fehlbildung des Kopfes. Der Schädel hat, von vorne betrachtet, die Form eines Dreiblättrigen Kleeblatts. Nur 120 Fälle wurden bis 2005 beschrieben. Die meisten Patienten leben nicht lange. Die Fehlbildungen lassen sich jedoch chirurgisch beheben. © dpa
Myiasis: Manche Fliegen, wie die Tumbu- oder Dasselfliege legen ihre Eier gerne in offene Wunden. Deswegen heißt die Myiasis auch Fliegenmaden-Krankheit. Sie tritt vor allem in tropischen oder subtropischen Gegenden auf. Die Larven verteilen sich dann unter der Haut und wandern durch den Körper. Die wichtigste Vorbeugung: Hygiene und wunden gut abdecken. © dpa
Sklerodermie: Bei dieser "entzündlichen rheumatischen Erkrankung" erhärtet sich das Kollagen, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. In manchen Fällen nur in der Haut, in manchen Fällen dringt die Sklerodermie aber auch ins Gefäßsystem und die inneren Organe vor. Die Folge können gravierende Funktionsstörungen sein. Das Gesicht wird starr, und die Haut bekommt ein sehr ledriges Aussehen. Auf unserem Foto hat sich eine junge Frau aus Bayern, die an Sklerodermie leidet, ihr Gesicht von Kosmetik-Spezialisten zumindest äußerlich in den Zustand vor der Krankheit zurückversetzen lassen. © dpa
Das Mittelmeerfleckfieber wird durch die braune Hundezecke übetragen, die auch in der Schweiz vorkommt. Nach etwa einer Woche Inkubationszeit bricht das Fieber aus. An der Stelle des Bisses bildet sich in etwa zwei Dritteln der Fälle ein schwarz-rotes Geschwür, die Patienten bekommen Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ein rötlicher Ausschlag kann sich bis auf das Gesicht, die Hände und die Füße ausbreiten. Wird der Patient nicht behandelt, zieht sich das Fieber meist innerhalb von zwei Wochen wieder zurück. © dpa
Alien Hand Syndrom: Per Definition ist dies keine seltene Krankheit, auch wenn sie bisher nur sehr selten von Ärzten beschrieben wurde. Einfach erklärt bedeutet diese Krankheit, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Sie tritt zum Beispiel nach Schlaganfällen auf, aber die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Hand hat keinen Kontakt mehr zur anderen - und zur entsprechenden Hirnhälfte. Die Patienten denken, die fremde Hand ist nicht ihre eigene. Sie entwickelt ein Eigenleben und kann im schlimmsten Fall sogar versuchen, den Patienten zu erwürgen. Und beidhändig Klavierspielen wird mit dieser Krankheit fast unmöglich. © dpa
Nicht ganz selten, aber übel: Der Candirú-Fisch lebt in tropischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoco - und schimmt auch gerne mal in schwimmende Menschen hinein. Das fast durchsichtige Tierchen passt durch den Harnleiter, aber auch durch den Anus und sucht sich den Weg in die Blase. Dort beißt es sich fest, und vor allem die kleinen Wiederhaken am Kopf sorgen für Schmerzen. Er verursacht Blutungen und kann nur durch eine Operation wieder herausbefördert werden. © dpa
Café-au-Lait-Flecken: Teils über den ganzen Körper sind hell- bis dunkelbraune Flecken verteilt. Von einer wirklichen Krankheit sprechen Mediziner nicht, da die Hautveränderung gutartig ist. © dpa

Checkliste

Die Verbraucherzentrale Hessen hat eine Checkliste zusammengestellt, woran man einen seriösen Arzt bzw. eine seriöse Klinik im Ausland erkennt:

- Sorgfältige Voruntersuchung, ausführliches Beratungsgespräch.

- Ausschluss individueller Risikofaktoren (Vorerkrankungen, Eignung).

- Darstellung der Vor- und Nachteile sowie der Behandlungsalternativen.

- Ausführliche Aufklärung über die Risiken, kein Drängen zur Operation.

- Ausführlicher Aufklärungsbogen, der alle wichtigen Informationen des Aufklärungsgesprächs enthält.

- Transparenz hinsichtlich Dauer der Behandlung und deren Kosten.

- Klärung und Durchführung der Nachuntersuchungen.

- Anzahl der jährlichen Eingriffe wird genannt und ist hoch.

- Beratung findet in Deutsch statt, oder es wird übersetzt.

- Geräte haben TÜV-Siegel.

- Hohe Hygienestandards – fragen Sie nach einem Hygieneplan und einem Hygienebeauftragten.

Ich sparte über 90 Prozent

Wolfgang Willke (65) ist mit seiner Zahnbehandlung in Ungarn rundum zufrieden.

So eine Gebiss-Sanierung ist nicht billig, sie kann schnell mal einige Tausend Euro kosten. Darauf hatte sich Wolfgang Willke schon eingestellt. Aber als der 65-jährige Rentner aus Tutzing den Kostenvoranschlag las, traute er seinen Augen nicht: Exakt 31 285 Euro und 39 Cent verlangte sein Starnberger Zahnarzt, davon allein 13 739 Euro und 16 Cent Zahnarzthonorar. „Ich war geschockt, zumal ich ihm für vorherige Behandlungen gerade 5000 Euro überwiesen hatte“, erinnert sich Willke. „Schließlich wollte ich mir doch nur drei Brücken ersetzen lassen und kein neues Auto kaufen. Also habe ich abgelehnt.“

Von einer früheren Arbeitskollegin bekam Willke den Tipp, sich über Zahnkliniken in Ungarn zu informieren. „Sie hatte dort sehr gute Erfahrungen gemacht.“ So stieß er im Internet auf ein Angebot in Moson-magyaro´vár. Den Namen der Stadt konnte er zwar kaum aussprechen, aber das war Willke wurscht: „Sie liegt nämlich gleich hinter der österreichisch-ungarischen Grenze, nur 60 Kilometer von Wien entfernt!“ Und da wollten die Willkes schon immer mal Urlaub machen.

So fuhr er mit seiner Frau Christel in die 565 Kilometer entfernte Stadt, um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. „Ich habe in der Klinik einen Termin ausgemacht, damit wir uns dort mal umschauen können.“

Als das Ehepaar ankam, hatte die Empire Beauty & Dental Clinic schon ein Zimmer in einem benachbarten Hotel reserviert. „Es war sehr sauber und günstig. Für fünf bis acht Euro bekommt man ein gutes Mittagessen mit Wein.“ Die Übernachtung mit Frühstück ist für sechs Tage kostenlos, wenn die Klinikrechnung über 4000 Euro liegt (drei Gratis-Nächte bei Kosten über 2000 Euro).

Auch vom Niveau der ungarischen Klinik waren die Willkes angetan. „Die Mitarbeiter sind freundlich, sprechen gut Deutsch. Sie achten sehr auf die Hygiene und haben moderne Geräte“, erzählt der Patient. Also ließ er sich spontan ein Angebot machen.

Dazu wurde sein Gebiss geröntgt und von einem Zahnarzt untersucht. Nach dem 45-minütigen Termin bekam er das Angebot schriftlich: 4800 Euro für zwei feste Brücken im Oberkiefer und eine Teleskopbrücke im Unterkiefer – inklusive der künstlichen Zähne. Der Preis sei als Pauschale zu verstehen, erfuhr Willke, weitere Kosten würden nicht anfallen. Die Materialien stammten aus der Schweiz und Deutschland. „Da habe ich sofort zugesagt.“ 1000 Euro musste der Patient anzahlen, den Rest nach Abschluss der Behandlung – mit EC-Karte. Dafür bekam er ein offizielles Zertifikat über eine dreijährige Garantie.

In den nächsten Tagen hatte Willke einige Behandlungstermine, zwischendrin genoss er den Urlaub. Nach einer knappen Woche war die erste Behandlungsphase abgeschlossen, das Ehepaar fuhr heim.

Eine Woche später reiste Willke erneut an, diesmal allein und mit dem Zug. Das Ticket ergatterte er für 50 Euro. Es folgten zwei weitere Behandlungstermine, die Willke auf der Hin- und Rückreise eines Kroatien-Urlaubs einplante. Insgesamt war er vier Mal in der Empire-Klinik.

Seitdem ist nun fast ein Jahr vergangen. „Bis heute habe ich keine Probleme“, sagt Willke. „Ich war anfangs skeptisch, ob man eine Auslandsbehandlung wagen sollte. Aber die Ungarn haben alles perfekt gemacht – die Behandlung und das Drumherum. Die Entscheidung hat sich als Volltreffer entpuppt.“

Zumal Willke von seiner Krankenkasse 2662 Euro zurückbekommen hat – jenen Kostenzuschuss, den er bei derselben Behandlung auch in Deutschland erhalten hätte. Unterm Strich hat er für seine Gebiss-Sanierung 2138 Euro bezahlt zuzüglich der Reisekosten. Bei seinem Starnberger Zahnarzt wären nach Abzug des Kassenanteils 27 616,02 Euro auf ihn zugekommen. „So habe ich praktisch ein Auto gespart“, sagt Willke schmunzelnd. „Das hat sich für mich so richtig gelohnt!“

In dieser Klinik ließ er sich behandeln

In der 32 500-Einwohner-Stadt Mosonmagyaróvár (Ungarisch-Altenburg) hat sich die Zahnmedizin zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Kliniken können Behandlungen wesentlich günstiger anbieten als in Deutschland – vor allem aufgrund der viel geringeren Personalkosten. Der Platzhirsch in der Region ist die Empire Beauty & Dental Clinic (www.empireclinic.com). „Bei uns sparen Sie durchschnittlich 40 bis 70 Prozent – aber nicht auf Kosten der Qualität“, heißt es in den Patientenbriefen. „In unserer Klinik werden ausschließlich Materialien aus Deutschland und aus der Schweiz verarbeitet“, betont Manager Rajmund Struczer gegenüber der tz.

Modern und sauber: die Empire-Zahnklinik in Ungarn, etwa 60 Kilometer von Wien entfernt

Die Empire-Klinik besitzt ein eigenes Zahntechniklabor und beschäftigt insgesamt 40 Mitarbeiter, darunter zehn Zahnärzte. „Unsere Patienten kommen zum Großteil aus Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich“, berichtet Struczer. Während der Zahnbehandlung können sie mit ihren Partnern und Angehörigen günstig oder sogar zum Nulltarif in insgesamt drei Partnerhotels in Kliniknähe wohnen.

Preise der ungarischen Zahnklinik

Behandlung/Produkt Preis in Euro
Panorama-Röntgen 36
Ästhetische Füllung 60-80
Keramik-Inlay 255
Gold-Inlay 290
Wurzelfüllung pro Kanal ab 65
Zahnsteinentfernung mit Airflow 65/Kiefer
Zahnbleichung (beide Kiefer) 280
Metall-Keramik-Krone 180
Titan-Keramik-Krone 240
Gold-Keramik-Krone 390
Vollkeramik-Krone 390
Gold-Keramik-Krone auf ­Implantat 435
Camlog-Implantat 640
Camlog-Implantatkopf 150
Alpha-Bio-Implantat 490
Alpha-Bio-Implantatkopf 100
Nobel-Biocare-Replace-Implantat 790
Nobel-Biocare-Replace-Implantatkopf 200
Nobel-Biocare-Active-Implantat 940
Nobel-Biocare-Active-Implantatkopf 250
Knochenaufbau 350-720
Vollprothese aus Kunststoff 500
Vollprothese mit sechs Keramikzähnen 700
Vollprothese mit Goldnetz 550
Vollnarkose 550
Quelle: Empire Beauty & Dental Clinic

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © Andreas Beez

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