Kassenpatienten benachteiligt

Impfstoff schwächelt, Grippe-Welle rollt: Wann Sie nachimpfen sollten

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Die Angst vor Grippe-Viren führt viele Leute zum Arzt.

Eine Grippe ist unangenehm – und kann im Einzelfall sogar tödlich sein. Um von den starken Symptomen verschont zu bleiben, haben sich etliche Münchner bereits im Sommer impfen lassen.

München - Nach Angaben des Robert Koch Instituts (RKI) schwächelt der gängige Dreifachimpfstoff in dieser Saison allerdings. Der aktuelle Dreifachimpfstoff soll vor zwei Virus-Varianten schützen. Der eine stammt vom Typus A, der andere vom Typus B. Daneben gibt es noch einen Vierfachimpfstoff, der einen weiteren B-Typen enthält. Damit kann der Schutz etwas breiter ausfallen, wenn der zusätzliche Typus kursiert – so wie heuer!

„Mehr als die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle wurde durch Influenza-B-Viren verursacht, die in dem Dreierimpfstoff nicht enthalten sind“, so eine Sprecherin des Robert Koch Instituts. Im Vierfachimpfstoff aber gebe es eine solche Komponente. Bedeutet: Die gängige Impfung wäre in jedem zweiten Fall unwirksam gewesen! Besonders vertrackt: Das Influenza-Virus ist ein wahrer Verwandlungskünstler – so könnte sich das Verhältnis der verschiedenen Grippe-Erreger und damit auch die Passgenauigkeit des Impfstoffs im Laufe der Saison noch einmal ändern. Was also tun?

Günstigerer Impfstoff bei Kassenpatienten Standard

Karlheinz Zeilberger (57), Facharzt für Sportmedizin, würde seinen Patienten gerne generell den Vierfachimpfstoff spritzen. „Leider kann ich den aber nicht auf Vorrat bestellen“, erzählt er. Denn: Bei Kassenpatienten sei der deutlich günstigere Dreifachimpfstoff nach wie vor Standard. Und das, obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) seit Januar zum Vierfachimpfstoff rät.

Nun heißt es abwarten. Denn erst, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss den Beschluss fasst, die STIKO-Empfehlung in die Schutzimpfungsrichtlinie aufzunehmen, begründet sich die Leistungspflicht der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Ab Januar muss das Vierfach-Präparat eigenhändig besorgt werden

Bis ein Urteil gefällt ist, darf Zeilberger den Vierfachimpfstoff lediglich „Risikopatienten“ spritzen. „Wer die Voraussetzungen erfüllt, weil er zum Beispiel an einer chronischen Krankheit leidet, muss sich den Impfstoff verschreiben lassen, in der Apotheke abholen und damit zu mir in die Praxis kommen.“ Ein unheimlicher Aufwand, den der Facharzt seinen (Kassen-)Patienten gerne ersparen würde. Für Privatpatienten hat der 57-Jährige zwischen Oktober und Dezember ein paar Ampullen des Vierfach-Impfstoffs vorrätig. Wer sich ab Januar für so eine Impfung entscheidet, muss sich das Präparat selbst besorgen.

Menschen, die in der laufenden Influenza-Saison bereits mit dem Dreifachimpfstoff geimpft wurden, empfiehlt das RKI nicht generell eine Nachimpfung mit dem Vierfachimpfstoff. Hochrisikopatienten, bei denen die Grippe einen besonders schweren Verlauf nehmen könnte, sollten sich allerdings über eine erneute Grippeschutz-Impfung informieren.

So schützen sich die Münchner

Nie mehr ohne! Seitdem Paula Z. an einer Herzinsuffizienz leidet, ist sie vorsichtiger geworden. Um nicht plötzlich an einer gemeinen Grippe zu erkranken, hat sich die 81-Jährige vor 20 Jahren zum ersten Mal impfen lassen. Mit Erfolg! „Ich bin seit Jahren nicht mehr krank geworden“, erzählt sie, „zumindest nicht mehr richtig.“ Einen kleinen Schnupfen könne man schließlich nie ganz ausschließen. Wegen ihrer Herzkrankheit wird die Seniorin als Risikopatientin eingestuft. Mit diesem Status bekommt sie den Vierfachimpfstoff verschrieben, der einen breiteren Virenschutz bietet als die gängige Variante.

Paula Z. hat sich vor 20 Jahren das erste Mal impfen lassen.

Fit dank Vierfachschutz: Carolin Hildebrandt (34) lässt sich seit ihrem 16. Lebensjahr impfen. „Als Leistungssportlerin musste ich fit sein“, erzählt sie, „vor allem nach intensiven Trainingseinheiten war mein Immunsystem anfällig.“ Um nicht krank zu werden, sei ihr die Grippeschutzimpfung empfohlen worden, mit der die 34-Jährige bis heute „nur positive Erfahrungen“ gemacht hat. Nun, da die Münchnerin Medizin studiert, hat sie sich erneut impfen lassen. „Ich habe mich für die Vierfachimpfung entschieden“, so Hildebrandt. „Die ist zwar nicht vorgeschrieben, aber sicherer.“

Ein Muss für Schwangere: Weil die Grippeschutzimpfung nicht nur die Gesundheit der Mütter, sondern auch die ihrer ungeborenen Babys schützt, hat sich Anne Ballin (36) im Winter vergangenen Jahres den Vierfachimpfstoff spritzen lassen. „Ich habe meine Entscheidung nie bereut“, erzählt sie, „und würde mich jederzeit wieder impfen lassen – auch ohne Schwangerschaft.“ Ende April hat die 36-Jährige einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. „Ich habe die Impfung gut vertragen und würde allen Schwangeren dazu raten, sich das Vierfach-Präparat spritzen zu lassen.“

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