Medizinserie über Blutwerte und Befunde

Bluthochdruck: Die große Gefahr für Herz und Hirn

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Blutwerte im (Über-)Blick: tz-Gesundheitsexperte Dr. Karlheinz Zeilberger.

München - Zum Auftakt der großen tz-Gesundheitsserie liefern wir die Fakten zum Befund Bluthochdruck und erklären, wie man die Volkskrankheit in den Griff bekommen kann.

Zugegeben: Es stimmt schon, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich zum Arzt rennen muss. So manche Erkältung bekommt man mit Hausmitteln auch selbst in den Griff, und nicht hinter jeder muskulären Verspannung muss ein Bandscheibenvorfall stecken. Aber es lohnt sich trotzdem, regelmäßig beim Doktor vorbeizuschauen – sogar dann, wenn man sich gesund fühlt: Weil sich durch einfache Vorsorgeuntersuchungen mit relativ wenig Aufwand in vielen Fällen verhindern lässt, dass man überhaupt krank wird. Und wenn sich bereits ein Problem in den Körper eingeschlichen hat, kann der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle spielen: Je früher man eine Erkrankung erkennt, desto besser kann sie oft behandelt werden.

Das gilt besonders für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie sind die mit Abstand häufigste Todesursache. 2013 starben daran laut Statistischem Bundesamt 354 493 Bundesbürger, 52 044 von ihnen hatten einen akuten Herzinfarkt und weitere 18 883 einen Schlaganfall erlitten. Dazu kommen jedes Jahr hunderttausende Patienten, die den GAU in Herz oder Hirn zwar überleben, aber teilweise schwer an den Folgen leiden.

Für die Patienten kommen solche Erkrankungen oft wie aus heiterem Himmel, tatsächlich haben sie sich aber in der Regel über Jahre entwickelt – befeuert von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Cholesterinwerten. „Dagegen kann man etwas tun“, sagt der erfahrene Münchner Internist und tz-Gesundheitsexperte Dr. Karlheinz Zeilberger. „Allerdings muss man den Feind kennen, um ihn bekämpfen zu können.“

Zur „Aufklärung“ reicht in der Regel bereits das Basis-Programm der Gesundheitsvorsorge. Es kostet den Patienten kein Geld, nur etwas Zeit. Jeder gesetzlich Versicherte ab 35 hat alle zwei Jahre Anspruch darauf, sich medizinisch durchchecken zu lassen. Dazu gehören eine körperliche Untersuchung samt Blutdruckmessung und eine Blutabnahme mit Laboranalyse. Sie liefern dem Mediziner wertvolle Erkenntnisse über mögliche Baustellen im Körper.

Was die einzelnen Werte genau bedeuten, erklären wir in unserer neuen tz-Gesundheitsserie. Besonders im Blickpunkt: die häufigsten Diagnosen nach Vorsorgeuntersuchungen in der Hausarztpraxis – vom Bluthochdruck, über erhöhte Blutzucker-, Cholesterin- und Leberwerte bis hin zu Entzündungsmerkmalen sowie Blutarmut. Zu jedem dieser Befunde veröffentlichen wir von heute an eine Folge. Darin erfahren Sie beipielsweise:

  • Welche Risiken und Folgeerkrankungen mit dem Befund verbunden sind.
  • Was man als Patient selbst tun kann, um das Problem beziehungsweise die Erkrankung in den Griff zu bekommen.
  • Wie Medikamente wirken und welchen Patienten sie helfen.

Ein wichtiger Hinweis zum Lesen der Richtwerte-Tabellen in der Serie: „Je nach Messverfahren im jeweiligen Labor können die Normalwerte leicht voneinander abweichen“, erläutert Dr. Zeilberger, „sie liefern zwar einen Anhaltspunkt, können aber nicht die Einordnung durch den behandelnden Arzt ersetzen.“

Bluthochdruck: Der stille Killer

Es klingt nach einer Allerweltsdiagnose. Wenn der Hausarzt mit ernster Miene vor Bluthochdruck warnt, dann denken sich nach wie vor viele Patienten: Ja mei, der Doktor soll nicht so einen Wind machen, das hat doch heutzutage fast jeder, Schmerzen habe ich auch keine, es wird schon nicht so tragisch sein…

Selbst Ärzte müssen zugeben: Zumindest der erste Teil dieser Einschätzung kommt einigermaßen hin. Denn tatsächlich haben bis zu 30 Millionen Bundesbürger eine mehr oder weniger ausgeprägte Hypertonie, wie Bluthochdruck auf Mediziner-Deutsch heißt, jenseits der 65 leidet sogar jeder zweite daran.

Also raus aus der Praxis, rein ins Wirtshaus, ran an den Schweinsbraten und runter mit dem Bier? Ganz so einfach macht es uns die Volkskrankheit leider nicht: „Man muss zwar wegen Bluthochdruck nicht gleich in Panik verfallen, weil er sich relativ gut behandeln lässt“, sagt der Internist und tz-Gesundheitsexperte Dr. Karlheinz Zeilberger, „aber wenn man ihn dauerhaft auf die leichte Schulter nimmt, dann kann das sogar lebensgefährlich werden. Hypertonie ist der größte Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.“

Zum Auftakt der großen tz-Gesundheitsserie liefern wir heute die Fakten zum Befund Bluthochdruck und erklären, wie man die Volkskrankheit in den Griff bekommen kann.

So wirken die verschiedenen Blutdrucksenker

Die Volkskrankheit und ihre Folgen:  „Im Laufe der Jahre schädigt Bluthochdruck die Gefäße – genauer gesagt die Innenwände der Schlagadern“, erklärt Dr. Zeilberger, „schlimmstenfalls entstehen dadurch Gefäßverschlüsse, die zu einem Herzinfarkt oder zu einem Schlaganfall führen können – gerade dann, wenn die Hypertonie im Paket mit weiteren klassischen Risikofaktoren wie erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten auftritt.“ Doch damit noch nicht genug: Als eine Art unsichtbarer, stiller Gefäßkiller greift Bluthochdruck nicht nur die Herzkranzgefäße an, sondern auch das Herz selbst, die Nieren und das Gehirn.

Die Alarmzeichen und Beschwerden: Bluthochdruck verursacht in der Regel kaum eindeutig zuzuordnende Symptome – am ehesten wird noch eine dauerhaft rote Gesichtsfarbe damit in Verbindung gebracht. „Zwar kann Bluthochdruck beispielsweise auch Kopfschmerzen machen – vor allem morgens –, ein Schwindelgefühl, Ohrensausen, darüber hinaus permanente Müdigkeit und Abgeschlagenheit auslösen“, berichtet Dr. Zeilberger. „Aber nur selten schließen die Patienten aus solchen Alarmzeichen, dass sie an Bluthochdruck leiden könnten.“

Doch selbst jene, die von ihrer Hypertonie wissen, scheuen oft den Weg zum Arzt: „Nur etwa 40 Prozent lassen sich behandeln“, erläutert die Deutsche Hochdruckliga, ein gemeinnütziger Verein aus Ärzten, Pharmakologen, weiteren Experten und Patienten. „Unterm Strich erreichen lediglich etwa zehn Prozent aller Erkrankten durch eine Behandlung gute Blutdruckwerte.“

Die Ursachen:  Bei 90 Prozent der Patienten hat der Bluthochdruck keine erkennbare organische Ursache. In diesen Fällen sprechen die Mediziner von essentieller oder auch von primärer Hypertonie. Bis heute ist nicht genau erforscht, wie die Erkrankung genau entsteht. Allerdings haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass neben den Erbanlagen der persönliche Lebensstil des Patienten eine entscheidende Rolle spielt. Die Deutsche Hochdruckliga nennt vier wesentliche Einflüsse: zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress. Nur in zehn Prozent der Fälle lässt sich die Hypertonie auf organische Ursachen zurückführen, bespielsweise auf eine Verengung der Nierenarterien. Diese Patienten leiden an einer sogenannten nicht essentiellen oder sekundären Hypertonie.

Die Untersuchungs­methoden:  Das Blutdruckmessen gehört zum Standardprogramm einer klassischen Vorsorgeuntersuchung. Ist der Wert deutlich erhöht, wird der Arzt die Messung mehrfach wiederholen – als Faustregel gilt: Um Hypertonie seriös diagnostizieren zu können, sind mindestens drei Messungen an zwei verschiedenen Tagen nötig. Außerdem wird der Arzt den Patienten bitten, auch zu Hause seinen Blutdruck zu messen und ein Protokoll anzufertigen.

Im Zweifelsfall wird eine sogenannte 24-Stunden-Messung vorgenommen. Dabei trägt der Patient einen Tag lang dauerhaft ein Gerät am Oberarm, das von alleine in regelmäßigen Abständen die Messung durchführt. Die Ergebnisse kann der Arzt dann am Computer auslesen. „Aber auch wenn die Erkrankung festgestellt worden ist, sollten Hypertoniker zu Hause ihren Blutdruck regelmäßig selbst kontrollieren“, rät Dr. Zeilberger. Eine Liste der geprüften Messgeräte gibt es unter anderem auf der Internetseite www.hochdruckliga.de.

Die Grenzwerte:  Als normal gilt ein Blutdruck von 120/80 mm Hg. Erst ab einem Wert von 140/90 spricht ein Arzt von Hypertonie – es gibt verschiedene Abstufungen (siehe Tabelle auf der rechten Seite oben).

Die Behandlung:  „Die meisten Patienten haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, ihren Blutdruck wieder in den Griff zu bekommen“, sagt Dr. Zeilberger im tz-Gespräch. Die goldenen Regeln sind: „Übergewicht loswerden, gesund und kochsalzarm ernähren, weniger Alkohol trinken, nicht rauchen, Entspannungsmaßnahmen ergreifen und regelmäßig Sport treiben.“

Wenn diese „Selbsttherapie“ nicht ausreicht, kann es erforderlich sein, dass der Patient Blutdrucksenker einnehmen muss. Welche verschiedenen Arzneimittelgruppen es gibt und wie diese wirken, hat die Hochdruckliga in einer Übersicht zusammengestellt.

Blutdruck-Richtwerte im Überblick

Einstufung Oberer Wert Unterer Wert
Optimal unter 120 unter 80
Normal unter 130 unter 85
Hochnormal 130 bis 139 85 bis 89
Leichter Bluthochdruck 140 bis 159 90 bis 99
Mittelschwerer Bluthochdruck 160 bis 179 100 bis 109
Schwerer Bluthochdruck 180 oder mehr 110 oder mehr
Isolierte sytolische Hypertonie (alleiniger Bluthochdruck des oberen Wertes) 140 oder mehr unter 90

Alle Werte gemessen in mm Hg

Quelle: Deutsche Hochdruckliga; oberer Wert = systolisch; unterer Wert = diastolisch

Wenn die Blutdruckwerte nach einiger Zeit trotz Medikamenten wieder ansteigen, sollte frühzeitig die Dosis erhöht oder ein weiteres Mittel hinzugenommen werden, rät die Deutsche Hochdruckliga – und verweist auf eine aktuelle Studie aus den USA.

Danach kann insbesondere ein Anstieg des oberen sogenannten systolischen Werts problematisch werden. Anhand der Daten von rund 88 000 Hausarztpatienten gewann ein Team von Bostoner Wissenschaftlern folgende Erkenntnisse: Wurde die Grenze von 150 mm Hg überschritten, kam es bereits zu einem Anstieg des Herzkreislaufrisikos. „Bei einem oberen Wert von 160 mm Hg war das Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder sogar einen Todesfall um 21 Prozent erhöht“, berichtet Professor Dr. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. „Man sollte einen erneuten Anstieg des oberen Blutdruckwerts also auf keinen Fall ignorieren!“

Das Risiko steigt in den Wechseljahren

Frauen in den Wechseljahren sollten besonders auf ihren Blutdruck achten. Denn in dieser Zeit verändert sich ihr Hormonhaushalt. Mit sinkendem Östrogengehalt verringert sich die Schutzfunktion gegen Herz-Kreislauf-Störungen und einen erhöhten Blutdruck. Davor hat die Deutsche Hochdruckliga (DHL) anlässlich des Weltfrauentags an diesem Sonntag gewarnt.

Bis zu den Wechseljahren haben Frauen seltener Bluthochdruck als Männer. „Danach kehrt sich dieses Verhältnis jedoch in kurzer Zeit um“, sagt Professor Dr. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga: Mehr als die Hälfte der Frauen entwickelt in den ersten Jahren nach der Menopause eine Hypertonie. Gefährlich sei, dass dieser Bluthochdruck keine Beschwerden auslöse und häufig erst im höheren Alter durch Zufall erkannt werde. Dann sind Organe wie Herz und Nieren oft schon geschädigt. „Von dieser Gefahr wissen immer noch zu wenige Frauen, die ja tendenziell gesundheitsbewusster als Männer leben und auch häufiger zum Arzt gehen“, bedauert Professor Hausberg.

Andreas Beez

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