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Bluthochdruck: So viel bringen Sport & Ernährung

München - Ärzte warnen immer wieder vor dem „stillen Killer“, aber trotzdem steht Bluthochdruck auf der Liste der heillos unterschätzten Gesundheitsrisiken weit oben.

Beinahe jeder dritte Bundesbürger leidet daran, in der Altersgruppe jenseits der Siebzig haben sogar 75 Prozent kritische Werte. Und viele Patienten wissen gar nicht, welcher großen Gefahr sie sich aussetzen: Denn schon eine milde Hypertonie – so heißt Bluthochdruck auf Medizinerdeutsch – kann tödlich enden. Davor hat die Deutsche Hochdruckliga (DHL), die wichtigste Fachgesellschaft auf diesem Gebiet, anlässlich des Welt-Hypertonie-Tages am Sonntag gewarnt.

Bluthochdruck gilt als einer der wichtigsten Mitverursacher von lebensgefährlichen Herz-Kreislauf-Leiden. Daran starben 2013 laut Statistischem Bundesamt 354 493 Menschen, 52 044 hatten einen Herzinfarkt erlitten und 18 883 einen Schlaganfall. Dazu kommen Hunderttausende Patienten, die den GAU in Herz und Hirn zwar überleben, aber mit schweren Folgeschäden zurechtkommen müssen.

Das Gefährliche: Es trifft nicht nur Menschen, die einen astronomisch hohen Blutdruck aufweisen und ihre Gefäße dadurch dauerstrapazieren. „Eine milde Hypertonie ist keineswegs harmlos“, erläutert DHL-Präsident Professor Dr. Martin Hausberg. Das belegen aktuelle wissenschaftliche Auswertungen, darunter eine Analyse von 89 000 Patienten, die im British Medical Journal erschienen ist. Demnach erhöht ein Anstieg des oberen (systolischen) Wertes auf 150 mmHg das Sterberisiko nachweislich.

Als optimal gilt ein Blutdruck von 120/80. Ab einem Wert von 140/90 sprechen die Mediziner von Bluthochdruck. Bis zu einem Wert von 160/100 spricht man von milder Hypertonie (siehe Tabelle).

Allerdings klingt das Wörtchen „mild“ irreführend, denn in diesem Fall bedeutet es keinesfalls ungefährlich oder vernachlässigbar.

Warum das so ist, erklärt der Chef des Zen­trums für Prävention und Sportmedizin der TU München, Professor Dr. Martin Halle, anhand eines Vergleichs aus der Physik: „Der Blutdruck wird in der Einheit mmHg gemessen. Diese Einheit zeigt den Druck an, der eine Quecksilbersäule (Hg) in einem Röhrchen wie beim Fieberthermometer um einen Millimeter anheben würde. Bei einem oberen Wert von 160 mmHg beträgt der Unterschied zum Normalwert (120 mmHg) 40 mmHg. Quecksilber hat allerdings eine 13 Mal so hohe Dichte wie Wasser, was ungefähr der Dichte unseres Bluts entspricht. Umgerechnet heißt das: Auf den Gefäßen des Patienten mit einem Wert von 160 mmHg lastet im Vergleich zu einem Menschen mit normalem Blutdruck bei jedem Herzschlag ein zusätzlicher Druck von über einem halben Meter.“

Durch diese Zusatzbelastung bestehe unter anderem die Gefahr, dass sich Ablagerungen an den Gefäßwänden lösen oder die schützende Innenschicht der Gefäße einreißt. Wenn diese Plaques oder anheftende Blutgerinnsel ins Gehirn gelangen, kann dies zum Schlaganfall führen. „Davor sind auch Jüngere nicht gefeit“, weiß Halle. „Etwa 20 Prozent aller Männer mit Mitte 30 haben Plaques in ihren Gefäßen.“

Was also tun bei einer milden Hypertonie?

Es gibt inzwischen bereits eine breite Palette von wirksamen Medikamenten (siehe große Tabelle). „Allerdings können bei allen verfügbaren Medikamenten Nebenwirkungen wie Schwindel, Allergien, Husten oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten“, berichtet die Deutsche Hochdruckliga. Sie empfiehlt daher, Medikamente erst an zweiter Stelle einzusetzen. „Bei ansonsten gesunden Patienten sind Lebensstiländerungen das Mittel der ersten Wahl, allein durch sie kann eine milde Hypertonie bereits verschwinden“, rät DHL-Vorsitzender Hausberg.

Entscheidende Faktoren dabei: gesunde Ernährung und Bewegung, Übergewichtige sollten abnehmen. „Als Faustregel gilt: Wer zehn Kilo abspeckt, der kann seinen Blutdruck allein dadurch um 10 mmHg senken“, weiß Professor Halle. „Und: Man sollte möglichst wenig Salz essen. Denn Salz bindet Wasser im Körper, erhöht so das Blutvolumen und dadurch den Blutdruck.“

Wie positiv sich regelmäßige Bewegung auf die Blutdruckwerte auswirken kann, haben Professor Halle und seine Wissenschaftler im Zentrum für Prävention und Sportmedizin mit Sitz am Georg-Brauchle-Ring ausgiebig untersucht. Die vielleicht erfreulichste Erkenntnis für weniger sportliche Hypertonie-Patienten: Man muss keinen Marathon in Angriff nehmen, um durch Sporteln Erfolg zu haben. „Das Effektivste ist: Fünf Mal die Woche 15 Minuten moderate Belastung – so, dass man leicht ins Schwitzen kommt“, erläutert Zentrumsleiter Halle. „Beispielsweise durch zügiges Walken oder Radlfahren. Nicht so gut geeignet ist Schwimmen, weil die Gefäße durch den Wasserdruck noch mehr belastet werden.“

Wer ein entsprechendes Programm durchzieht, der kann sich bereits nach etwa drei Monaten über einen besseren Blutdruck freuen. „In der Regel sinken die Werte um 10 mmHg, manchmal gehen sie aber sogar um 20 mmHg zurück. Und dazu kommt, dass das Training auch die Elastizität der Gefäße verbessert, also praktisch ihren Alterungsprozess bremst“, berichtet der Sportmediziner und Kardiologe von der TU München.

Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Bevor Sie jetzt Ihren Trainingsanzug aus dem Schrank holen, sollten Sie sich lieber mal vom Arzt durchchecken lassen – insbesondere dann, wenn Ihr Herz vorgeschädigt ist. „Bei Belastung steigt der Blutdruck ja vorübergehend an. In manchen Fällen kann es Sinn machen, dass der Patient zunächst eine Zeit lang Medikamente nehmen sollte, damit die Belastung abgefedert wird“, rät Professor Halle.

A. Beez

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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