Gesundheit

Bluthochdruck: Die Folgen, die Richtwerte und hilfreiche Tipps

Bluthochdruck klingt nach einer alltäglichen Diagnose. Doch das ist sie nicht immer. Wir erklären, wann er gefährlich wird, was man dagegen tun kann und wie die wichtigsten Medikamente wirken.

Bis zu 30 Millionen Bundesbürger leiden unter Bluthochdruck. Was nach einer Allerweltsdiagnose klingt, kann in einem Albtraum enden. Denn Hypertonie – so der medizinische Fachbegriff – gilt als Risikofaktor Nummer 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen! Und diese wiederum sind der größte Killer: Über 40 Prozent aller Deutschen sterben daran. 

Die Grundgefahr durch Bluthochdruck ist alles andere als abstrakt. Sie lässt sich jetzt sogar in Zahlen messen – genauer gesagt in Prozentzahlen. Das geht aus einer riesigen Risiko-Analyse hervor, die die Deutsche Hochdruckliga jetzt Alarm schlagen lässt. Die Ergebnisse zeigen im Detail, wie stark Hypertonie bereits im mittleren Lebensalter das Risiko für bestimmte Erkrankungen in die Höhe treibt. 

Welcher Blutdruck normal ist und welcher gefährlich, was man dagegen tun kann und wie die wichtigsten Medikamente wirken – das alles erfahren Sie heute auf dieser Gesundheitsseite. Sie bildet den Auftakt eines mehrteiligen tz-Ratgeber-Reports rund ums Thema Herz-Kreislauf. 

Bluthochdruck verursacht Kettenreaktion in den Gefäßen

Bluthochdruck löst eine Kettenreaktion aus: Er fördert die Verkalkung der Blutgefäße – ein Prozess, der wiederum Folgeerkrankungen verursachen kann. Zu den häufigsten zählt die periphere arterielle Verschlusskrankheit. Diese wird im Volksmund oft Raucherbein genannt, obwohl sie nicht nur von den Glimmstängeln, sondern eben häufig auch vom Bluthochdruck kommen kann. 

So ergab jetzt die Analyse von 4,2 Millionen britischen Hausarztpatienten, dass bereits ein um 20 mm HG erhöhter oberer (systolischer) Blutdruckwert das Risiko einer Verschlusskrankheit um 63 Prozent steigert. „Die Verkalkung macht die Arterien starr. Der beim Herzschlag entstehende Spitzendruck wird nicht mehr von einer elastischen Hauptschlagader abgefedert“, erklärt Prof. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. Darin sind Mediziner, Apotheker und andere Experten zusammengeschlossen. 

Mit der Verschlusskrankheit allein ist es aber oft nicht getan, die von ihr betroffenen Patienten haben zusätzlich erhöhte Risiken für andere Erkrankungen – vom Schlaganfall über Lungenembolie bis hin zur Demenz (siehe Tabelle unten). Und es trifft nicht nur Senioren, sondern auch Menschen im mittleren Lebensalter, wie die Studie aus dem British Medical Journal zeigt. „Sie verdeutlicht drastisch, wie wichtig eine gute Einstellung bei Bluthochdruck in jedem Alter ist“, betont Professor Hausberg. „Auch als junger Mensch sollte man leicht erhöhte Werte keinesfalls vernachlässigen!“

Risikosteigerung für andere Erkrankungen

63% Erhöhtes Grundrisiko für Gefäßverschluss in Armen und Beinen durch Bluthochdruck.

63% Herzinfarkt

63% Venenthrombose

63% Schlaganfall

52% Lungenembolie

43% Demenz

38% Defekte Herzklappen

31% Aortenaneurysma (Bauchschlagader platzt)

31% Eingeschränkte Nierenfunktion

25% Vorhofflimmern

Blutdruck-Richtwerte im Überblick (alle Werte gemessen in mm Hg)

Einstufung Oberer Wert Unterer Wert
Optimal unter 120 unter 80
Normal unter 130 unter 85
Hochnormal 130 bis 139 85 bis 89
Leichter Bluthochdruck 140 bis 159
90 bis 99
Mittelschwerer Bluthochdruck 160 bis 179
100 bis 109
Schwerer Bluthochdruck 180 oder mehr 110 oder mehr

Isolierte systolische Hypertonie (alleiniger Bluthochdruck des oberen Wertes)

140 oder mehr unter 90

Bluthochdruck: So wirken Blutdrucksenker

Übersicht der Deutschen Hochdruckliga über die wichtigsten Medikamente:

Wirkstoffgruppe Wirkung Erste Wahl Nebenwirkungen

Diuretika (Thiazide, „Wassertabletten“) Gängige Wirkstoffe: Hydrochlorothiazid (z.B. HCT, Disalunil), Indapamid (Indapamid von AL, Stada, ratiopharm u.a.)

Steigern die Ausscheidung von Salz und Wasser, wirken daher harntreibend. Die Blutflüssigkeitsmenge nimmt dadurch ab, die Gefäßwände werden entlastet und erweitert.

Gut in niedriger Dosis in Kombination mit anderen Blutdrucksenkern, verstärken ihre Wirkung. Empfehlenswert bei Herzmuskelschwäche.

Anfangs häufiger Harndrang. Heute als alleiniges Blutdruckmittel (Monotherapie) nicht mehr üblich, weil Diuretika sich ungünstig auf Fett- und Zuckerwerte auswirken können. Bevorzugt Einsatz in geringer und besser verträglicher Dosierung in der Kombinationstherapie.

Beta-Blocker (Beta-1-Rezeptor-selektive Blocker) Gängige Wirkstoffe: Metoprolol (z.B.Beloc zok, Metoprolol von Heumann, AWD, Stada u.a.), Bisoprolol (z.B. Concor, Bisoprolol von ratiopharm, Stada, AWD u.a.)

Blockieren die Stellen am Herzen (Beta 1-Rezeptoren), an denen blutdrucksteigernde Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin andocken.

Basismedikament für Patienten, die schon Ablagerungen an den Herzkranzgefäßen haben (Koronare Herzkrankheit, KHK), einen Herzinfarkt hatten, an Herzmuskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen leiden. Verzögern Fortschreiten dieser Erkrankungen und wirken hierbei lebensverlängernd

Der Herzschlag verlangsamt sich. Eine Schuppenflechte kann wieder aufblühen. Bei Asthmatikern sind Betablocker nicht geeignet. Bei Patienten mit chronischer obstruktiver Bronchitis können sie unter Beachtung der Lungenfunktion und Verträglichkeit mit Vorsicht eingesetzt werden.

Kalzium-Antagonisten Gängige Wirkstoffe: Nitrendipin (z.B. Nitrendipin von Stada, AL u.a.) Amlodipin (z.B. von AWD, Hexal, Stada), Verapamil (z.B. Falicard, Isoptin, Verapamil von1A Pharma, ratiopharm u.a.) Diltiazem (z.B. von ratio u.a.)

Hemmen das Einströmen von Kalzium in die Muskelzellen der Gefäße oder des Herzens, entspannen damit die Muskeln. Einige Mittel (Amlodipin) stellen Gefäße weit, andere (Verapamil/ Diltiazem) verlangsamen zusätzlich den Herzschlag.

Sind gut wirksam bei fast allen Patienten und können gut in Kombination mit anderen gegeben werden.

Nur selten Nebenwirkungen. Bei höherer Dosis möglich sind Wassereinlagerungen an den Knöcheln (Ödeme), Kopfschmerzen, Herzklopfen. Zwei besondere Kalzium-Antagonisten ( Verapamil und Diltiazem) verlangsamen wie Beta-Blocker den Herzschlag und dürfen deshalb nicht mit diesen kombiniert werden.

ACE-Hemmer Gängige Wirkstoffe: Ramipril (z.B. Delix, Vesdil, Ramipril von CT, AL, Hexal u.a.) Lisinopril (z.B. Acerbon, Lisinopril von 1A Pharma, Sandoz, Stada)

Verhindern weitgehend das Entstehen eines Hormons (Angiotensin II), das die Gefäße eng stellt und damit den Blutdruck erhöht.

Besonders gut für Diabetiker und bei Herzmuskelschwäche. Können eine Verschlechterung diabetischer Nierenschäden verzögern. Besonders gut wirksam in Kombination mit einem Diuretikum oder Kalzium- Antagonisten.

Häufig (10%) Reizhusten, oft erst nach Jahren der Einnahme. Dann empfiehlt es sich, stattdessen einen AT1-Rezeptor-Antagonisten einzunehmen. Dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

AT 1-Rezeptor-Antagonisten (Sartane) Gängige Wirkstoffe: Losartan, (z.B. LORZAAR) Valsartan (z.B. Diovan, Provas), Candesartan (z.B. Atacand, Blopress), Eprosartan (z.B. Teveten), Olmesartan (Olmetec, Votum), Telmisartan (z.B. Micardis, Kinzalmono)

Blockieren die Effekte von Angiotensin II an den Andockstellen ( Rezeptoren) im Gewebe

Wie ACE-Hemmer

Sehr nebenwirkungsarm, Alternative zu ACE-Hemmern. Dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

Renin-Hemmer Gängiger Wirkstoff:Aliskiren (Rasilez)

Greifen wie ACE-Hemmer in die Hormon-Synthese von Angiotensin II ein – allerdings sehr frühzeitig

Wirkt alleine blutdrucksenkend oder besonders in Kombination mit einem Diuretikum oder Kalzium-Antagonisten.

Durchfall, Hautausschlag. Bei Diabetikern oder bei einer Nierenschwäche keine gleichzeitige Behandlung mit ACE-Hemmer oder AT 1-Rezeptor-Antagonist. Rücksprache beim Hausarzt erforderlich. Dürfen in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.

So können Sie Bluthochdruck vorbeugen

Oft wird Bluthochdruck mit Medikamenten behandelt (siehe Tabelle oben) – Patienten können aber auch einiges selbst tun, um das Problem in den Griff zu bekommen beziehungsweise es von vornherein zu vermeiden. In einem Beitrag für die tz gibt Herz-Professor Harald Kühl, Chefarzt am Städtischen Klinikum Harlaching, praktische Tipps: 

Ernährung: Übergewicht treibt nicht nur die Waage, sondern auch den Blutdruck in die Höhe. Heute werden zur Behandlung keine speziellen Diäten mehr empfohlen. Aber es ist nachgewiesen, dass sich die Mittelmeerküche günstig aufs Gewicht und damit auch auf den Blutdruck auswirkt. Ein Glaserl Rotwein kann einen gefäßschützenden Effekt haben, aber: Bei manchen Patienten erhöht Alkohol den Blutdruck – sie sollten gar keinen trinken! 

Motivation und Bewegung: Negativer Stress treibt den Blutdruck hoch. Finden Sie innere Ruhe und eine positive Einstellung zu Ihrem Körper. Sport ist ein exzellentes Mittel, um Gewicht und Stress abzubauen. Überfordern Sie sich dabei aber nicht. Anfänglich ist bereits die bewusste Entscheidung im Alltag, beispielsweise Treppen anstelle des Fahrstuhls zu benutzen, ein Gewinn. Prinzipiell sind Ausdauersportarten, wie z. B. Walking, günstiger als Kraftsportarten, da diese häufig zu Blutdruckspitzen führen. 

Psyche: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Psyche und dem Blutdruck. So weiß man, dass bei manchen Patienten die Behandlung von Depressionen und Schlafstörungen die Voraussetzung dafür ist, dass der erhöhte Blutdruck überhaupt eingestellt werden kann. Für alle Patienten gilt: Entspannung senkt den Bluthochdruck!

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett
Neuer Abnehm-Trend aus Amerika: So effektiv ist "Switchel" gegen Bauchfett
Sonnencremes im Test: Ausgerechnet vier günstige Produkte schneiden am besten ab
Sonnencremes im Test: Ausgerechnet vier günstige Produkte schneiden am besten ab
Analkrebs: Diese sieben Anzeichen sollten Sie auf keinen Fall ignorieren
Analkrebs: Diese sieben Anzeichen sollten Sie auf keinen Fall ignorieren
So purzeln die Pfunde: Mit Intervallfasten in einer Woche fünf Kilo abnehmen
So purzeln die Pfunde: Mit Intervallfasten in einer Woche fünf Kilo abnehmen

Kommentare