Wirbel um neue Medikamente

Blutverdünner: Patienten verunsichert

In der Debatte um die neuen Blutverdünner warnt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vor einer zunehmenden Verunsicherung der Patienten:

 Es gebe keinerlei Grund, an der Sicherheit der Arzneimittel Xarelto, Pradaxa und Eliquis zu zweifeln, so die DGK in einer Pressemitteilung. „Im Gegenteil: Sie verursachen sogar seltener eine Hirnblutung – die am meisten gefürchtete Komplikation der Blutverdünnung – als das langjährige Standard-Medikament Marcumar. Das haben große internationale Studien mit mehr als 70 000 Patienten bewiesen“, betonte DGK-Vorstandsmitglied Professor Dr. Heribert Schunkert am Rande der ESC-Jahrestagung in Barcelona.

Was allerdings nicht bedeute, dass jetzt sämtliche Marcumar-Patienten die Tabletten wechseln sollten. Schunkert zur tz: „Alle, die sich problemlos und ohne große Schwankungen im Wirkspiegel einstellen lassen, können auch weiterhin sicher mit diesem Klassiker behandelt werden.“

Das Thema Blutverdünner schlägt hohe Wellen. Immer mehr Münchner Ärzte berichten gegenüber der tz von Nachfragen besorgter Patienten, manche hätten ihre Blutverdünner sogar abgesetzt. Der Hintergrund: In den vergangenen Monaten kursierten hartnäckig Berichte, wonach die sogenannten „neuen oralen Antikoagulantien“ (NOAKs) häufiger als zunächst angenommen schwere Blutungen im Gehirn auslösen könnten. Viele davon verliefen tödlich. Einigen Pharmaunternehmen wurde vorgeworfen, sie hielten entsprechende Datensätze über dieses angebliche Problem bewusst zurück. Doch die DGK bezeichnete solche Darstellungen jetzt in einer „Klarstellung“ als „einseitig“. „Fakt ist: Die NOAKs können die Behandlung der Patienten sicherer und zudem unkomplizierter machen“, sagte DGK-Experte Schunkert der tz.

Gerinnungshemmer gehören zu den am häufigsten verordneten Herzpillen. Sie sollen gefährliche Gefäßverschlüsse verhindern und dienen allein etwa 1,8 Millionen Patienten mit Vorhofflimmern, einer besonders häufigen Herzrhythmusstörung, als Schutzschild gegen den Schlaganfall. Über viele Jahrzehnte galt das Medikament Marcumar auf diesem Gebiet als Medikament Nummer eins. Es hemmt die Wirkung von Vitamin K, das die Blutgerinnung ankurbelt. Es hat allerdings einige Nachteile: Zum einen kann die Vitamin-K-Aufnahme mit der Nahrung erheblich schwanken. Zum anderen „verstoffwechselt“ jeder Mensch Marcumar anders – das bedeutet: Der eine verarbeitet es schneller, der andere langsamer. Deshalb muss der Arzt regelmäßig die Wirkung kontrollieren und den INR-Wert im Blut bestimmen. Dieser Wert beschreibt, wie schnell das Blut gerinnt.

„Die neuen Medikamente sind wesentlich anwenderfreundlicher und in ihrer Wirkung stabiler“, erläuterte Schunkert. Sie greifen sozusagen direkt in den Gerinnungsprozess aus diversen Eiweißreaktionen ein und schwächen diesen ab. Die regelmäßige Blutabnahme für den Gerinnungstest wird also überflüssig. „Die Behandlung der Patienten lässt sich viel besser steuern“, so der Herzprofessor.

In der Diskussion, die von Krankenkassen-Vertretern befeuert wurde, spielen auch die Kosten eine Rolle. Die neuen Medikamente sind wesentlich teurer als Marcumar. Aber dieses Argument will die DGK nicht gelten lassen: „Erstens geht die Sicherheit der Patienten vor“, sagte Schunkert, „und zweitens stehen den höheren Arzneimittelkosten ja auch Einsparungen gegenüber – beispielsweise, weil unzählige Blutkontrollen wegfallen, seltener Reha-Maßnahmen erforderlich werden und weniger Menschen nach einem Schlaganfall versorgt werden müssen.“

Andreas Beez

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