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Blutvergiftung: Die Gefahr im eigenen Körper – Notfallmediziner erklärt Alarmsignale

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Rund alle sechs Minuten stirbt ein Mensch in Deutschland an einer Blutvergiftung. Dennoch wird die tückische Erkrankung, in der Fachsprache Sepsis genannt, meist unterschätzt und häufig viel zu spät erkannt.

Sie ist ein Killer, und bleibt oft unerkannt: Die Blutstrominfektion, wie sie Ärzte auch nennen. Dabei ist sie mit 85 000 bis 100 000 Todesfällen pro Jahr die dritthäufigste Todesursache! Überlebende haben oft mit dramatischen Folgeschäden zu kämpfen. Besonders tragisch ist die Tatsache, dass von den Todesfällen ein großer Teil vermeidbar gewesen wäre!

„Die Sepsis kann klinisch wie ein Chamäleon sein und die unterschiedlichsten Symptome zeigen“

Notfallmediziner Dr. med. Weiglein Tobias schlägt Alarm: „Eine Sepsis wird oft nicht oder sehr spät erkannt.“
Notfallmediziner Dr. med. Weiglein Tobias schlägt Alarm: „Eine Sepsis wird oft erst sehr spät erkannt.“ © Andreas Steeger/LMU-Klinikum

Wie gelingt es der Sepsis, so viele Opfer dahinzuraffen? „Sie bleibt oft unerkannt oder wird sehr spät erkannt. Das liegt auch daran, dass sie klinisch wie ein Chamäleon sein kann und sich mit unterschiedlichsten Symptomen bemerkbar macht“, sagt Dr. Tobias Weiglein, Oberarzt in der zentralen Notaufnahme des Uniklinikums Großhadern. Dort ist er zuständig für die Patienten, die mit internistischen Beschwerden eingeliefert werden, also vom Herzinfarkt über Bauchschmerzen bis hin zu Infektionen. „Wir in der Erstversorgung sind oft überrascht, wie häufig Patienten mit einer Sepsis unter den Notaufnahmepatienten sind, bei denen man das aufgrund der anfänglichen Beschwerden gar nicht gedacht hätte“, sagt der Internist. „Vor allem bei den betagteren Patienten ist es häufig, dass sie mit dem Verdacht auf Schlaganfall eingeliefert werden, aber in Wirklichkeit eine Sepsis haben“, erzählt er weiter.

Risikofaktoren sind Diabetes, Herzschwäche oder eine chronische Lungenerkrankung

Blutvergiftungen gebe es in verschiedenen Schweregraden. Meistens haben die frisch eingelieferten Patienten noch keine Sepsis, die schon auf den gesamten Blutkreislauf übergegriffen hat, sondern noch eine lokal begrenzte Infektion. „Aber gewisse Nebenerkrankungen und Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, eine chronische Lungenerkrankung oder Herzschwäche können dazu führen, dass es schnell sehr gefährlich wird. Und dann aus einer begrenzten Infektion eine Blutstrominfektion entstehen kann“, erklärt der Mediziner. Deshalb sei es wichtig, die Patienten genau zu überwachen. Alarmzeichen für eine Sepsis können insbesondere sein: „Die Patienten bekommen beispielsweise Wesensveränderungen, Blutdruck oder Puls verändern sich stark, es tritt hohes Fieber auf, die Menschen werden kaltschweißig, die Atemfrequenz steigt stark oder die Menschen fühlen sich plötzlich ungewöhnlich krank.“

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Auslöser sind meiste Infektionen im eigenen Körper, wie Entzündungen in Lunge- oder Harnwegen

Eine Blutvergiftung wird immer durch eine Infektion mit Krankheitserregern ausgelöst. Am häufigsten entwickelt sie sich aus einer Infektion im Körperinneren - beispielsweise einer Lungenentzündung, einer Darm-Entzündung oder einem Harnwegsinfekt. Sie kann aber auch durch Wunden oder Verletzungen entstehen.

Auslöser sind meist Bakterien, seltener Pilze oder Viren. Treten Keime ins Blut über, kann es passieren, dass der Körper mit einer überschießenden und fehlregulierten Immunantwort reagiert, erklärt Dr. Weiglein. Diese massive Antwort des Immunsystems kann ausgelöst werden durch Gifte, die die Bakterien ausscheiden oder auch durch die Bakterien selber.

So verläuft die lebensgefährliche Überreaktion des Immunsystems ab:

Wenn das Immunsystem dann sehr stark überreagiert, führt das dazu, dass es im ganzen Körper als Reaktion zu Flüssigkeitsaustritten in das Gewebe und zu der Bildung eines Ödems kommt. Dadurch bekommt der Patient Probleme mit seinem Blutdruck. Dieser kann beispielsweise dadurch dramatisch abfallen. In Folge wird der Körper dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Dies führt dann zum gefürchteten septischen Schock. Denn sind die lebenswichtigen Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, können sie Schaden nehmen - zum Beispiel das Gehirn, aber auch Leber und Niere, das Herz oder die Lungen. Wichtig zu wissen: Bekommen Patienten mit septischem Schock nicht gleich das Antibiotikum, das die Bakterien bekämpft, sinkt ihre Überlebenschance mit jeder Stunde drastisch, warnt Dr. Weiglein.

Im Fall von Peter B. (65) war es sehr knapp - dass seine Frau die Rettung rief, rettet sein Leben. Im dazugehörigen Artikel finden Sie auch eine Checkliste der Risikofaktoren und Erklärungen, wie Sie Blutvergiftungen erkennen und Leben retten können.

Der tragische Fall von Norbert Blüm: „Wie ein Dieb in der Nacht brach das Unheil herein“

Wie gefährlich ein Sepsis ist, zeigt eindringlich der Fall des früheren Arbeits- und Sozialministers Norbert Blüm. Im März 2020 gab er bekannt, wegen einer Sepsis ins Koma gefallen und danach von den Schultern abwärts gelähmt zu sein. „Wie ein Dieb in der Nacht brach das Unheil in Gestalt einer heimtückischen Blutvergiftung in mein Leben ein“, schrieb Blüm damals in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Nur wenige Wochen später starb der 84-Jährige.

Die Toten des Jahres 2020 - Norbert Blüm
Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm erlitt eine schwere Sepsis. © dpa/Rolf Vennenbernd

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

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