So kämpfte sich Celin ins Leben

Einst Frühchen mit Herzfehler, jetzt (fast) gesund

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Celin heute mit ihren glücklichen Eltern.

München - Celin kam zu früh zur Welt, litt an einem schweren angeborenen Herzfehler. Heute, sechs Jahre später, ist aus ihr ein lebensfrohes Kind geworden. In der tz erzählt die Familie ihre bewegende Geschichte, die allen Eltern Mut machen soll!

Sie wirkte so winzig, so verletzlich. Als Celin in der 36. Schwangerschaftswoche auf die Welt kam, wog sie gerade mal 1950 Gramm, war ganze 45,5 Zentimeter groß. Noch dazu litt das Frühchen an einem schweren angeborenen Herzfehler und weiteren ernsten Problemen. „Die Ärzte in der Kinderklinik haben uns wenig Hoffnung gemacht“, erinnern sich Andrea (38) und Klaus Sailer (43) aus Germering. Doch die Eltern kämpften wie die Löwen um ihr kleines Glück – und ein Spezialistenteam des Deutschen Herzzentrums half ihnen tatkräftig dabei: Letztlich brachte eine heikle, aber erfolgreiche Operation die Wende zum Besseren. Heute, sechs Jahre später, ist aus dem schwerkranken Zwergerl eine lebensfrohe, aufgeweckte junge Dame geworden. In der tz erzählt die Familie ihre bewegende Geschichte – eine Geschichte, die allen Eltern Mut machen soll!

Andreas Beez

Fräulein Löwenherz

Andrea Sailer ist Nichtraucherin, trinkt kaum Alkohol – und lebt auch sonst ziemlich gesund. Ihre Schwangerschaft verlief normal. „Bei den üblichen Untersuchungen wurde nie etwas Auffälliges festgestellt – bis auf etwas zu viel Fruchtwasser. Aber das haben die Ärzte damals als unproblematisch eingeschätzt.“ Umso schockierender fielen die Diag­nosen direkt nach Celins Geburt am 20. März 2008 aus: Ihr kleines Herz tat sich schwer, weil – vereinfacht ausgedrückt – eine Herzklappe und eine Arterie fehlten. „Darüber hinaus hatte sie einen sechsten Zeh und eine Gaumenspalte. Wir durften sie erst nach drei Tagen im Arm halten“, erinnert sich die Mama. Die jungen Eltern fühlen sich wie betäubt von den Hiobsbotschaften. „Die erste Zeit ist irgendwie abgelaufen wie in einem Film.“

Celin verbrachte die ersten drei Lebensmonate im Krankenhaus, sechs Monate lang musste sie noch mit einer Magensonde ernährt werden. Zu Hause in ihrem Kinderzimmer standen später ein Sauerstoffgerät und ein Überwachungsmonitor neben dem Bettchen. „Wir mussten lernen, sie rundherum zu versorgen, ihr beispielsweise auch Spritzen und starke Medikamente zu verabreichen“, berichtet Papa Klaus. Er gab damals seinen Job auf, damit rund um die Uhr zumindest ein Elternteil für Celin da sein kann, Mama Andrea sicherte als Erzieherin das Auskommen der Familie.

Anfangs bangten die Sailers jeden Tag, dass nicht noch eine weitere Hiobsbotschaft dazukommt. „Wir hatten beide Angst“, sagt die Mama, „aber andererseits haben wir immer daran geglaubt, dass unsere Kleine durchkommt. Sie ist wirklich hart im Nehmen.“

An Celins 40. Lebenstag wagten die Profis vom Deutschen Herzzentrum den Eingriff am offenen Herzen. Drei Stunden und fünfzehn Minuten arbeiteten sie filigran und fieberhaft daran, die schlimmsten Defekte zu beheben. „Celins Herzfehler ist sehr selten. Die Operation war kompliziert, aber sie ist vielversprechend verlaufen. Wir konnten die Funktion des Herzens erheblich verbessern“, berichtet Professor Dr. Christian Schreiber, der stellvertretende Chef der Herzchirurgie. Keine Selbstverständlichkeit, denn diese OP ist selbst an einer großen Spezialklinik wie dem Herzzentrum die Ausnahme: „In den vergangenen 40 Jahren haben wir gerade mal 160 solcher Fälle gehabt. Das entspricht vier Eingriffen pro Jahr“, berichtet der Ärztliche Direktor Professor Dr. Rüdiger Lange.

Auch nach der OP fühlten sich die Sailers im Herzzentrum gut aufgehoben. „Die Ärzte haben uns vom ersten Tag an Mut gemacht, und die Schwestern nach Celins Entlassung sogar bei uns zu Hause angerufen und sich nach ihr erkundigt. Sie haben uns immer wieder gesagt, dass unsere Kleine stark ist. Diese menschliche Zuwendung hat uns viel Kraft gegeben“, erzählt Andrea Sailer.

Nachdem Celin aus dem Krankenhaus entlassen worden war, ging es mit ihr Schritt für Schritt bergauf. „Sie hat bis heute wahnsinnig große Entwicklungsschritte gemacht“, sagt Papa Klaus. Inzwischen besucht Celin einen integrativen Kindergarten in Germering, kann dort ganz normal mit den anderen Mädchen und Buben spielen. „Nur beim Sport muss sie ein bisserl langsam machen, und sie braucht ein bisserl mehr Schlaf als andere Kinder.“ Aber ansonsten unterscheidet sich ihr Alltag kaum von jenem der Gleichaltrigen. Im nächsten Jahr soll Celin eingeschult werden. „Alle vierzehn Tage haben wir einen Konrolltermin beim Kinderarzt“, berichtet Mama Andrea – und auch die Herzspezialisten untersuchen die kleine Patienten regelmäßig.

„In einiger Zeit werden wir Celin zwar noch eine künstliche Herzklappe einsetzen müssen“, erläutern Prof. Lange und Prof. Schreiber, „aber bislang verläuft ihre Entwicklung ganz prima. Sie hat gute Chancen, ein normales Leben führen zu können.“

Für die Eltern ist schon jetzt jedes Lachen ihrer Süßen wertvoller als ein Sechser im Lotto. „Wir schauen uns oft die Fotos von früher an, als Celin mit all den Schläuchen im Krankenhaus lag“, erzählt ihr Papa. Das ist jetzt Gott sei Dank vorbei. „Wir sind glücklich und stolz auf unsere Tochter, dass sie das geschafft hat.“

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