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Die stille Gefahr: Gefäßkiller Cholesterin

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Von: Susanne Sasse

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Eine Frau betrachtet ein Stück Torte
Bleiben Sie standhaft: Ein Stückchen Torte ist keine gute Belohnung für Erfolge bei der Gewichtsabnahme. © Shutterstock

Braten, Plätzchen, lange Abende auf der Couch – langsam rührt sich das schlechte Gewissen. Wie steht es um Gesundheit und Cholesterin im Blut? Die wichtigsten Antworten.

Risikofaktoren für einen gesundheitsschädlichen Cholesterinspiegel sind schlechte Ernährung, wenig Bewegung und Übergewicht. Auch Erkrankungen der Leber, Nieren Schilddrüse sowie erbliche Veranlagung können Ursachen sein. Wir erklären, wie Sie Ihr Cholesterin in den Griff bekommen.

Einige Fakten vorweg: Der menschliche Körper braucht den Naturstoff Cholesterin. Denn das Fett ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Membranen, die die Zellen umhüllen. Und es ist unverzichtbar für Stoffwechselprozesse. Doch zählt ein Übermaß von Cholesterin im Blut oder in den Gefäßwänden zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hohe LDL-Werte (LDL = Low Density Lipoprotein) steigern nämlich das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Das macht hohe Werte so gefährlich

Hohe Cholesterinwerte tun nicht weh. Oft werden sie erst bemerkt, wenn schon etwas passiert ist – etwa ein Herzinfarkt. Unbemerkt hat sich immer mehr Cholesterin in den Blutgefäßwänden ablagert. Plaques haben die Gefäße verengt. Das nennt man Arteriosklerose. Plaques können auch zu Entzündungen führen. Der Körper stützt die angegriffenen Gefäßwände mit Blutplättchen und neuem Gewebe. Dadurch werden sie enger, starrer und spröde. Reißen Ablagerungen ein, können sich gefährliche Blutgerinnsel (Thromben) bilden.

So werden die Werte gesenkt

„Entscheidend ist die Ausgangslage“, sagt Professor Dr. Ulrich Laufs vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig: „Ein gesunder Lebens- und Ernährungsstil, kein Übergewicht, kein Tabakkonsum und ausreichend Bewegung.“ Medikamentöse Therapien sind dann angezeigt, wenn die Cholesterinwerte stark erhöht sind oder Veränderungen des Lebensstils nicht ausreichen, um das LDL-Cholesterin zu senken. „Wissenschaftlich am besten gesichert ist die Verringerung des Risikos durch Cholesterinsenker, sogenannte Statine“, erklärt Prof. Laufs. „Wie hoch die Cholesterinwerte sein dürfen, ist individuell und hängt von Faktoren wie etwa dem Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab.“ Menschen mit einem sehr hohen Risiko sollten einen Wert von unter 70 mg/dl aufweisen. Bei einem mäßigen Risiko genügt ein Wert unter 115 mg/dl.

Der Einfluss der Ernährung

Zwei Drittel des Cholesterins stellt der Körper selbst her, vor allem in der Leber. Ein Drittel nehmen wir über die Nahrung zu uns – über tierische Lebensmittel. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Körper die eigene Cholesterinproduktion bremsen kann, wenn er über die Nahrung zu viel Cholesterin zugeführt bekommt. Wer sich am Wochenende ein Frühstücksei gönnt, braucht daher kein schlechtes Gewissen zu haben.

Der Leipziger Kardiologe Professor Ulrich Laufs.
Der Leipziger Kardiologe Professor Ulrich Laufs. © privat

Insgesamt beeinflusst der Cholesteringehalt eines einzelnen Nahrungsmittels den Cholesterinspiegel im Blut weniger als Art und Menge der grundsätzlich verzehrten Nahrungsfette. Viel wichtiger ist es daher, insgesamt auf eine gesunde Ernährung zu achten, betont Prof. Laufs. Allerdings gibt es auch Menschen, bei denen die Triglyceride erhöht sind, das sind andere Blutfette als das LDL-Cholesterin. Diese Betroffenen sollten vor allem auf Alkohol, Zucker und Produkte aus Weißmehl verzichten. Diese genetische Veranlagung trifft etwa zehn Prozent der Betroffenen mit stark erhöhten Blutfettwerten.

Medikamente gegen erbliche Belastung

„Es gibt normalgewichtige Menschen mit einem gesunden Lebensstil, die trotzdem zu viel schädliches LDL-Cholesterin im Blut haben“, sagt Prof. Laufs. Jeder 250. Mensch in Deutschland ist betroffen von dieser sogenannten familiären Hypercholesterinämie. „Bei ihnen funktionieren die LDL-Rezeptoren, die das Cholesterin aus dem Blut herausholen, nicht gut“, erklärt Laufs.

Woran das liegt, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise war es in der Entwicklungsgeschichte der Menschen früher von Vorteil, einen hohen Anteil von Blutfetten zu haben. Da sie jedoch in früheren Epochen nicht so lange lebten, wurde die Arteriosklerose auch kein Problem. „Bei Menschen mit erblicher Vorbelastung hilft eine Ernährungsumstellung kaum. Sie sind an den hohen Blutfettwerten unschuldig. Hier nimmt man Medikamente zu Hilfe.“

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