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"Eltern sollten bei Ernährung gute Vorbilder sein"

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Von: Marc Kniepkamp

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Ernährungsberaterin Nicole Ertl.

Gütersloh - Eine neue Studie kritisiert die unausgewogene Ernährung in Kindergärten. Die tz sprach mit einer Expertin.

Über 1,8 Millionen kleine Kinder essen jeden Werktag in einer Kita. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bekommen viele nicht genügend Obst und Salat und zu viel Ungesundes. Von 1100 Kindertagesstätten in allen Bundesländern gab nur rund ein Drittel der Einrichtungen an, sich an anerkannten Standards bei der Essenauswahl zu orientieren – etwa den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Zu viel Fleisch, zu wenig Obst

Die Ergebnisse:

Zu wenig Obst: Nur bei zwölf Prozent der Kitas bekommen die Kinder genügend Obst, nur 19 Prozent servieren genug Salat oder Rohkost.

Zu viel Fleisch: Fleisch dagegen wird in rund 75 Prozent der Kitas zu häufig angeboten.

Zu billig: Eltern zahlen im Schnitt 2,40 Euro für ein Mittagessen ihrer Kinder. Für eine ausgewogene Mahlzeit müssten es rund 4 Euro sein. „Bund, Länder, Kommunen, Träger und Eltern müssen sich verbindlich über die Finanzierung einer ausgewogenen Mittagsmahlzeit verständigen“, verlangt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Jährlich sind dafür 1,8 Milliarden Euro nötigt, bis zu 750 Millionen Euro mehr, als Eltern jetzt ausgeben.

Keine Küche für Kinder: Nur knapp ein Drittel der Einrichtungen bereiten alle Speisen selbst zu. Nur neun Prozent der Kitas werden von Lieferanten bedient, die auf die Zielgruppe spezialisiert sind.

„Eltern sollten gute Vorbilder sein“

tz-Interview mit Nicole Ertl, Ernährungsberaterin

Was ist die Grundlage für gesunde Ernährung von Kindern?

Nicole Ertl, Ernährungsberaterin aus Freising: Über die Woche gesehen sollten die Kinder von allen Nährstoffen genug bekommen und die Energiebilanz sollte stimmen.

Wie steht’s mit Obst und Gemüse? 

Ertl: Das kommt bei Kindern eigentlich ganz gut an – es muss ihnen nur angeboten werden. Die Erwachsenen haben eine wichtige Vorbildfunktion. Wir können den Kindern nicht etwas anderes geben, als wir selber essen.

Sollten Kinder schnell mit den Eltern mitessen?

Ertl: Ja. Ab drei sollte das die Normalität sein. Dann sollte man weniger salzen und stärker auf die Qualität als auf den Preis achten! Wichtig ist, dass alle Teile der Ernährungspyramide vorhanden sind: Obst und Gemüse – möglichst bunt – als Basis, Nudeln, Kartoffeln und Reis, nicht nur als Sättigungsbeilage und Milchprodukte. Dann, nicht jeden Tag nötig, Fleisch und Fisch.

Heikel: Süssigkeiten…

Ertl: Die stehen an der Spitze der Ernährungspyramide. Drängen Sie Ihren Kindern keine Süssigkeiten auf – und lassen Sie ihnen keine aufdrängen. Wenn sie welche haben wollen, treffen Sie Abmachungen, damit sich die Kinder an einen vernünftigen Umgang mit Süßigkeiten gewöhnen. Die Eltern sollten gute Vorbilder sein.

Wie sollte die Brotzeit für den Kindergarten aussehen?

Ertl: Wenn das Kind eher etwas löffeln mag, kann man was müsliartiges mitgeben. Wenn es Brot sein soll: Vollkorn – mehr oder weniger grobkörnig. Als Belag entweder Käse oder Wurst – sonst ist es zuviel Fett auf einem Haufen. Bei der Wurst lieber weniger und dafür etwas intensiveres: Also zum Beispiel lieber guten Schinken oder Salami als eine dicke Bärchenwurst, ergänzt mit etwas Rohkost – gerne auch in Scheiben auf’s Brot. Ebenfalls empfehlenswert: Vegetarische Brotaufstriche.

Ist vegetarische Ernährung für Kinder ein Problem?

Ertl: Mit Eiern und Milch ist es kein Problem, da bekommen die Kinder die nötigen Aminosäuren.

Und der Klassiker Schnitzel mit Pommes?

Ertl: Kein Problem, aber es muss nicht gerade täglich sein. Und beim Schnitzel kann man ja die Panade weglassen. Und wenn man die Pommes gemeinsam mit den Kindern schnippelt und dann selber im Ofen macht essen sie das auch sehr gerne.

Interview: Marc Kniepkamp

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