Wasser und Seife nötig

Nur so schützt Händewaschen vor Viren: Jeder Zweite macht es falsch

Nach jedem Toilettengang ist Händewaschen Pflicht.
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Nach jedem Toilettengang ist Händewaschen Pflicht.

In der Erkältungszeit – und aktuell aufgrund der Coronavirus-Epidemie – ist Händewaschen der effektivste Schutz vor Krankheitserregern. Summen Sie dabei "Happy Birthday"?

Es sollte nicht nur am Welttag des Händewaschens am 15. Oktober eine Selbstverständlichkeit sein: gründliches und regelmäßiges Händewaschen. Jeder dritte Deutsche wäscht sich allerdings nicht regelmäßig die Hände. Das ergab eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt, die Hände mindestens nach dem Toilettengang, beim Nachhausekommen, vor dem Essen, nach dem Müllrausbringen und dem Kontakt mit einem Tier zu reinigen. Dabei sei es wichtig, die Handflächen, die Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingernägel und die Daumen sorgfältig einzuseifen. Der BZgA zufolge dauert gründliches Händewaschen 20 bis 30 Sekunden. Wer zweimal das Lied "Happy Birthday" summt, kommt auf diese Zeit.

Händewaschen in der Erkältungszeit besonders wichtig - ansonsten droht Infektionsgefahr 

Der forsa-Umfrage der KKH zufolge verzichtet jeder dritte Mann und jede vierte Frau darauf, sich nach dem Nachhausekommen die Hände zu waschen. Etwa ein Drittel der rund 1.000 Befragten wäscht sich darüber hinaus vor jeder Mahlzeit nicht die Hände. "Wir raten aber dringend dazu, nicht nur vor dem Essen und direkt nach der Heimkehr, sondern wenn möglich auch zwischendurch", sagt KKH-Apotheker Sven Seißelberg.

Der regelmäßige Gang zum Waschbecken ist insbesondere in der Erkältungszeit wichtig: "Viele Viren verbreiten sich gerade über die Hände besonders häufig", sagt Patric Stamm vom Serviceteam der KKH Kaufmännische Krankenkasse in München. "Es ist erwiesen, dass regelmäßiges und gründliches Händewaschen das Risiko senkt, an Erkältungen, Grippe* und anderen Infektionen zu erkranken."

Vor allem in Hinblick auf die Corona-Epidemie* sollten Sie regelmäßig und gründlich Händewaschen. In Sydney kam es sogar zu einer ganz besonderen Maßnahme, um die Menschen an die Händehygiene zu erinnern:

Handdesinfektionsmittel: Muss immer desinfiziert werden?

Laut KKH-Umfrage greifen immer mehr Menschen zu Desinfektionsmitteln. Apotheker Seißelberg ordnet das folgendermaßen ein: "Für unterwegs sowie für chronisch Kranke und Menschen mit einem schwachen Immunsystem kann dies als zusätzliche Maßnahme sinnvoll sein, ansonsten sollten Desinfektionspräparate medizinischem Personal vorbehalten bleiben".

Auch Dr. Christoph Spinner, Infektiologe im Klinikum Rechts der Isar in München, weist darauf hin, dass Desinfektionsmittel nicht zwingend notwendig sind. "Auch Seife inaktiviert in der Regel fast alle atemwegsübertragbaren Erkrankungen. Die Handdesinfektion hilft natürlich zusätzlich dabei, ist aber außerhalb des Gesundheitswesens nicht zwingend erforderlich", sagte der Mediziner im Interview mit Focus Online.

Wer Desinfektionsmittel* verwendet, muss auf das Etikett achten. Handelsübliche Mittel mit der Kennzeichnung "antibakteriell" wirken zwar gegen Bakterien, allerdings nicht gegen Viren. Wer sich gegen Corona- und Influenzaviren schützen will, muss zu Produkten mit der Aufschrift "viruzid" greifen.

Im Video: Virus-Alarm! Jeder Zweite wäscht seine Hände falsch

Lesen Sie auch: Untenrum frei im Winter: Wie ungesund ist "Flanking" wirklich?

So waschen Sie Ihre Hände richtig - und gründlich

Wasser allein reicht nicht, um alle Bakterien und Viren abzuwaschen – dafür müssen Sie Ihre Hände mit Seife oder Waschlotion einseifen. "Die Wassertemperatur spielt Untersuchungen zufolge dabei keine Rolle. Viel wichtiger ist es, die Hände anschließend sorgfältig abzutrocknen*, um den Mikroorganismen kein feuchtes Milieu zur Weiterverbreitung zu bieten", so Stamm.

Der Welttag des Händewaschens am 15. Oktober wurde 2008 von der Organisation Unicef ins Leben gerufen, um auf die wichtige Funktion von Hygiene für die Gesundheit aufmerksam zu machen.

Quellen: www.sueddeutsche.de; www.infektionsschutz.de; www.focus.de

Mehr zum Thema: Was ist hygienischer - die Hände besser kalt oder warm waschen?

Hier erfahren Sie zudem alles zum Thema Erkältung - über Symptome, Hausmittel und Dauer.  

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat. © dpa/dpaweb-mm
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Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
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Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

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