Gamma-GT, GOT und GPT

Erhöhte Leberwerte: Das können die Ursachen sein

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Dr. Karlheinz Zeilberger bei der Analyse am PC.

München - Leicht erhöhte Leberwerte sind zwar kein Grund, in Panik zu verfallen, aber doch ein ernst zu nehmendes Alarmsignal. Hier lesen Sie alles, was Sie wissen müssen.

Mit dem Beichten ist das ja so eine Sache: Selbst gestandene Bayern drücken sich gerne davor, um sich die Moralpredigt des Pfarrers zu ersparen – nach dem Motto: kein Beichtstuhl, keine Gefahr. Aber wer rechnet schon damit, dass einen der eigene Hausarzt katholisch macht!

Wir müssen Sie warnen, liebe tz-Leser, der Mediziner hat gegenüber dem Geistlichen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Er weiß nämlich oft bereits Bescheid, dass seine Patienten gesündigt haben, bevor sie ihm überhaupt reinen Wein eingeschenkt haben – genauer gesagt: vor der Praxisbeichte, dass ihnen der Wein oder das Bier in letzter Zeit ein bisserl zu gut geschmeckt hat. Das kann sich nämlich verdammt schnell in erhöhten Leberwerten niederschlagen. Und deren Messung taucht oft im Bluttest-Ergebnis auf. Darum geht es heute im letzten Teil unserer großen tz-Medizinserie.

Was bedeuten erhöhte Leberwerte?

„Bei uns in Bayern trinkt man ja gerne mal ein Glaserl. Das sei auch jedem vergönnt“, sagt der Internist Dr. Karlheinz Zeilberger augenzwinkernd. „Aber wie immer im Leben gilt: Man darf’s halt nicht übertreiben. Sonst kommt man beim Doktor in Erklärungsnot.“

Spaß beiseite: Leicht erhöhte Leberwerte sind zwar kein Grund, in Panik zu verfallen, aber doch ein ernst zu nehmendes Alarmsignal. „In vielen Fällen bekommen die Patienten das Problem relativ schnell wieder in den Griff, wenn sie ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten umstellen. Das erfordert allerdings Konsequenz: Die Patienten müssen ihren Alkoholkonsum runterschrauben, am besten ein paar Wochen lang gar kein Bier oder Wein trinken, weniger fetthaltige Gerichte und stattdessen mehr Obst und Gemüse essen“, erläutert Dr. Zeilberger. „Das reicht oft aus, damit sich die Leber wieder gut erholen kann. Sie ist ein vergleichsweise leidensfähiges Organ, das einiges verzeiht.“

Allerdings können erhöhte Leberwerte auch andere Ursachen als Schnaps und Schweinsbraten haben – beispielsweise schmerzhafte Erkrankungen wie Gallensteine, Leberentzündungen (Hepatitis) oder im schlimmsten Fall einen Tumor. „Es gibt auch Medikamente, die auf die Leber schlagen können, etwa bestimmte Schmerzmittel, Antidepressiva oder Anti-Baby-Pillen. Wer diese Arzneien auf Dauer und in höherer Dosierung einnimmt, sollte regelmäßig sein Blut untersuchen lassen.“

Gamma-GT, GOT und GPT: diese Leberwerte sind wichtig

Im Labor werden in der Regel zunächst drei Standard-Leberwerte gemessen und auch miteinander abgeglichen. Sie haben die Abkürzungen Gamma-GT, GOT und GPT. Dabei handelt es sich um bestimmte Enzyme. Wenn deren Konzentration im Blut erhöht ist, lässt dies auf eine Schädigung von Leberzellen schließen. „Wichtig ist: Es gibt zwar für Männer und Frauen unterschiedliche Normalwerte als eine Art Richtschnur, aber sie können je nach Messverfahren etwas schwanken. Und: Welche Auswirkungen die einzelnen Messwerte haben, das ist von Patient zu Patient verschieden“, betont Dr. Zeilberger.

Mehr Enzyme, mehr Alarmzeichen – so weit das Grundprinzip. Wie weit allerdings die Schädigungen an Leber und Gallenwegen vorangeschritten sind, kristallisiert sich erst mit zusätzlichen Diagnoseverfahren heraus. Dazu gehört in erster Linie eine Ultraschalluntersuchung der Leber. „Mit diesem Bildgebungsverfahren lässt sich sehen, ob die Gallengänge gestaut sind – ein indirektes Anzeichen dafür, dass der Patient Gallensteine hat. Man kann die Steine in der Gallenblase auch tatsächlich darstellen“, erklärt Dr. Zeilberger. Auf dem Ultraschall-Monitor kann der Arzt aber auch feststellen, ob die Leber vergrößert ist oder Merkmale für eine längerfristige Schädigung zu erkennen sind.

Die drei wichtigsten Standard-Leberwerte

Der Gamma-GT-Wert

„Dieses Enzym sammelt sich an den Zellwänden in der Leber und in den Gallengängen“, erklärt Dr. Zeilberger. Schon bei einer leichten Schädigung wird es vermehrt freigesetzt. Das macht es im Umkehrschluss zu einer Art Frühwarnsystem bei der Blutuntersuchung. „Der Gamma-GT-Wert reagiert besonders empfindlich auf übermäßigen Alkoholgenuss und zu fettreiche Ernährung“, so der Internist. „Es gibt jedoch in diesem Zusammenhang auch eine gute Nachricht: Wenn man die Leber entlastet, dann erholt sie sich relativ schnell wieder – oft binnen weniger Monate. Das gilt allerdings nur für den Fall, dass man sie nicht bereits über Jahre geschädigt hat.“

Häufig kommen leicht erhöhte Gamma-GT-Werte im Rahmen von Routineuntersuchungen ans Licht. Es kann aber auch sein, dass die Patienten zuvor über Schmerzen im Oberbauch, Verdauungsbeschwerden oder grippeähnliche Symptome geklagt haben. Übrigens: Falls die Gamma-GT-Konzentration unterm Normalwert liegt, braucht sich der Patient keine Sorgen zu machen, beruhigt Dr. Zeilberger: „Das hat keine spürbaren Konsequenzen.“

Die Normalwerte sind: Männer bis 60U/l, Frauen bis 40U/l. Zur Erklärung: U steht für Unit, was so viel wie Einheit bedeutet, und l steht für Liter.

Der GOT-Wert

Wenn er erhöht ist, kann dies unter anderem auf Leberentzündungen (Hepatitis) hindeuten, zudem auf Leberschäden durch Gifte, chronischen Alkoholmissbrauch bis hin zur Leberzirrhose, Tumoren beziehungsweise Tochtergeschwülste oder Entzündungen der Gallengänge. „Weil die GOT-Enzyme aber nicht nur in Leberzellen, sondern auch im Herzmuskel vorkommen, kann eine erhöhte Konzentration auch ein Alarmsignal für einen Herzinfarkt oder eine Herzinsuffizienz sein. In selteneren Fällen kann eine Lungenembolie dahinterstecken. Manchmal bedeutet eine erhöhte GOT-Konzentration allerdings auch falschen Alarm. Der Wert kann nämlich nach starker körperlicher Anstrengung ansteigen“, erklärt Dr. Zeilberger.

Die Normalwerte: Männer bis 50U/l, Frauen bis 35 U/l und Kinder (1-15 Jahre) bis 50 U/l.

Der GPT-Wert 

Auch hier weist ein Anstieg darauf hin, dass die Leber bereits geschädigt ist. Mögliche Ursachen für eine erhöhte Konzentration des GPT-Enzymes sind: Hepatitis, Gallenstau, Leberzirrhose, Fettleber, Tumore, Metastasen, Entzündungen der Gallengänge oder Schädigungen durch Medikamente.

Die Normalwerte: Männer bis 50 U/l, Frauen bis 35 U/l, Kinder (1-15) bis 44 U/l. Andreas Beez

Die Fettleber

Diese Diagnose bekommen besonders oft Patienten mit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen zu hören: Die Fettleber – Mediziner sprechen von einer Steatosis hepatis – gehört zu den sogenannten Lebensstil-Erkrankungen. „Sie wird häufig durch ungesunde Ernährung verursacht. Jeder dritte Deutsche ist mehr oder weniger stark betroffen, in schweren Fällen sind die Patienten oft zugleich zuckerkrank“, weiß Zeilberger.

Dabei wird dem Körper mehr Fett zugeführt, als die Leber abbauen kann. Vor allem die überschüssigen Triglyceride, aber auch andere Fette lagern sich in den Leberzellen ein. Bei Zuckerkranken wird zudem der überschüssige Blutzucker in Fett umgewandelt.

In der Regel verursacht eine Fettleber zunächst keine Beschwerden, später können Schmerzen im Oberbauch oder ein Völlegfühl auftreten.

Man kann dieses Problem oft auch ohne Medikamente gut in den Griff bekommen, wenn man auf seine Ernährung achtet — vor allem dann, wenn der Arzt „nur“ eine leicht- bis mittelgradige Fettleber festgestellt hat. Normalerweise braucht er dazu nur ein Ultraschallgerät und die Leberwerte. Im Ultraschall sind die Merkmale einer Fettleber für einen Mediziner gut zu erkennen. Sie ist meist heller als eine gesunde Leber, weil verfettetes Gewebe dichter ist und den Schall stärker reflektiert.

Allerdings sollte man diese häufigste aller Leberkrankungen auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn wenn die Leber sehr lange einen viel zu hohen Fettanteil aufweist, kann dies Entzündungen und im schlimmsten Fall eine Leberzirrhose auslösen.

Zudem ist der Begriff Fettleber ein bisserl irreführend, wie der erfahrene Mediziner Zeilberger berichtet: „Denn viele Patienten wissen nicht, dass eine Fettleber auch durch übermäßigen Alkoholkonsum enstehen kann.“ Weitere Ursachen können Medikamente oder Eiweißmangel sein.

Andreas Beez

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