Schlaganfälle und Venen­erkrankungen

Gefäße: Münchner Top-Ärzte erklären ihre besten Therapien

München - Mehr als 130 Top-Ärzte aus München und der Region erklären in der neuen tz-Medizin-Serie ihre besten Therapien zu Volkskrankheiten beziehungsweise häufigen Beschwerden. Heute geht es um Gefäßerkrankungen.

Geballte Kompetenz: Mehr als 130 Top-Ärzte aus München und der Region erklären in der neuen tz-Medizin-Serie ihre besten Therapien zu Volkskrankheiten beziehungsweise häufigen Beschwerden. Heute geht es um Gefäßerkrankungen. Dazu gehören beispielsweise Verengungen der Halsschlagader und Aortenaneurysmen. Hinter diesem Fachbegriff verbirgt sich eine große Gefahr. Denn wenn diese Erweiterungen der Hauptschlager (Aorta) platzen, gerät der Patient in akute Lebensgefahr. Unter Medizinern ist von „stillen Killern“ die Rede – weil der Patient bei der Entstehung in der Regel zunächst keine Beschwerden hat. Deshalb ist eine entsprechende Vorsorgeuntersuchung ratsam. Wird das Aneurysma frühzeitig entdeckt, können es Spezialisten mit moderner OP-Technik beseitigen. Weitere Themen dieser Folge: Schlaganfälle und Venen­erkrankungen.

Fachbegriffe

  • Aneurysma: Krankhafte, manchmal lebensgefährliche Erweiterung beziehungsweise Aussackung eines Blutgefäßes.
  • Stentprothese: Gefäßstütze aus gitterartigem Gewebe, die das Blutgefäß stabilisiert.
  • Katheter: Dünner, biegsamer Kunststoffschlauch, der auch bei Eingriffen in sogenannter Schlüssellochtechnik eingesetzt wird.
  • Minimalinvasive Chirurgie: Vergleichsweise schonende Operationsverfahren, die mit kleinsten Hautschnitten und Zugängen auskommen.

Aneurysma I

Unser Experte:  Prof. Hans-Henning Eckstein, Klinikum rechts der Isar, Ismaninger Straße 22, 81675 München, Tel. 089/4140-2167,

http://www.gchir.med.tum.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie:Operative Therapie des Bauchaortenaneurysma (Abdominales Aortenaneurysma).

Diese Untersuchungen sind nötig: Klinische Untersuchung, Ultraschall (B-Bild- oder Duplex-Sonographie), CT-Angiographie (Computertomographie mit Kontrastmittel), vor einer OP auch Abklärung sonstiger Organe (insbesondere Herz, Lunge, Nieren).

Die typischen Beschwerden: In über 80 % der Fälle keine Beschwerden, in 5-10 % Druckschmerz über der Aorta oder unklare Bauch- oder Rückenschmerzen (Zeichen einer akuten Erweiterung der Hauptschlagader), in ca. 10 % plötzlicher Schmerz in Bauch und Rücken mit akuter Kreislaufschwäche (kalter Schweiß, Herzrasen, Schwindel) aufgrund des Einreißens der Aorta (Ruptur) mit Blutverlust in die Bauchhöhle.

Das Einsatzgebiet:Bei männlichen Patienten ohne Symptome sollte ab einem Querdurchmesser von 5 cm operiert werden, bei Frauen ab 4,5 cm. Bei Beschwerden (s. o.) OP innerhalb der nächsten Tage, bei einer Ruptur der Aorta Not-OP.

So funktioniert’s: Zwei OP-Verfahren:

1. Endovaskuläre Therapie mit Stentprothesen, die über die Leistengefäße von innen („endovaskulär“) oberhalb und unterhalb des Aneurysmas verankert werden. Hierdurch wird der Druck von der erweiterten Wand der erkrankten Hauptschlagader genommen.

2. Variante: Offener Ersatz der erweiterten Aorta durch Einsetzen einer künstlichen Hauptschlagader als einfache Rohrprothese oder sogenannte Y-Prothese. Hierzu muss die Bauchaorta operativ freigelegt werden und oberhalb und unterhalb des Aneurysmas vorübergehend geklemmt werden (großer Hautschnitt, größere Belastung für Herz, Lunge, Niere).

Der Ablauf:Beide OP-Verfahren erfolgen in Vollnarkose, die endovaskuläre Therapie kann in Einzelfällen auch in örtlicher Betäubung (Leiste) erfolgen. Die endovaskuläre Therapie dauert 60 bis 90 Minuten, die offene OP zwischen 90 Minuten und 3 Stunden. Die stationäre Behandlung beträgt durchschnittlich 5 bis 7 Tage (endovaskulär) und 10 bis 14 Tage (offene OP).

Chancen und Risiken: Das Komplikationsrisiko liegt bei der endovaskulären Therapie bei 1 bis 3 %, bei der offenen Therapie bei 3 bis 5%. Hierbei handelt es sich z. B. um: Herzinfarkt, Lungenentzündung, Nachblutung, Nierenversagen. Kliniken mit hoher Fallzahl haben geringere Komplikationsraten als Kliniken, die Eingriffe an der Hauptschlagader seltener durchführen. Ältere Patienten über 80 Jahre profitieren von der endovaskulären Therapie mehr als jüngere.

Kosten: Werden von allen Krankenkassen getragen.

Anmerkungen, Erläuterungen: Ein Bauchaortenaneurysma betrifft Männer und Raucher wesentlich häufiger als Frauen und Nichtraucher. Ab dem 65. Lebensjahr sollte bei allen Männern eine Ultraschalluntersuchung erfolgen (Screening), dies gilt auch für Frauen, die rauchen. Liegt eine Aneurysmaerkrankung in der Familie vor, sollte ab 55 eine Sonographie erfolgen.

Aneurysma II

Unser Experte:PD Dr. Maximilian Pichlmaier, Uniklinikum Großhadern, Marchioninistr. 15, 81377 München, T.: 089/4400-72930, www.klinikum.uni-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Operativer Ersatz der aufsteigenden Hauptschlagader (Aorta ascendens), gegebenenfalls bis in den sogenannten Aortenbogen hinein.

Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, körperliche Untersuchung zur Beurteilung des übrigen Gefäßsystems und der Herzklappen, Röntgen, Herz-Ultraschall, CT mit Kontrastmittel, Linksherzkatheteruntersuchung mit Koronarangiographie (Herzkatheter).

Die typischen Beschwerden: In der Regel zunächst keine Beschwerden. Erst wenn solche Aussackungen der Aorta sehr groß werden, können sie im Brustkorb zu Symptomen wie Luftnot, Schluckstörungen oder Heiserkeit führen.

Das Einsatzgebiet: Die Aorta hat bei Erwachsenen in der Regel einen Durchmesser zwischen 25 und 35 mm. Bei einer Vergrößerung auf über 55 mm, spricht man von einem behandlungsbedürftigen Aneurysma – wegen deutlich erhöhter Gefahr einer Ruptur (Platzen). Bei Patienten mit speziellen Begleiterkrankungen, z. B. dem sogenannten Marfan-Syndrom, dem Ehlers-Danlos-Syndrom oder einer angeborenen bikuspiden (zweiflügligen) Klappe, besteht bereits ab einem Durchmesser von 45 mm Behandlungsbedarf.

So funktioniert’s: Die Aorta wird im erweiterten Abschnitt durch eine sogenannte Rohrprothese ersetzt – das ist eine Gefäßstütze aus Hightech-Kunststofffäden. Die Anschlüsse zwischen der Prothese und der eignen Hauptschlagader werden mit einem nylon-ähnlichen Faden genäht. Man braucht für die Durchführung die sogenannte Herz-Lungen-Maschine, um den Blutkreislauf, während man an der eröffneten Aorta arbeitet, aufrechtzuerhalten. Das Herz wird für die Dauer der Operation mit einer sogenannten kardioplegischen Lösung stillgelegt.

Der Ablauf: Die OP erfolgt in Vollnarkose unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, Zugang durch Längsspaltung des Brustbeins, das am Ende des Eingriffs mit Drähten wieder stabilisiert wird. OP-Dauer etwa drei bis vier Stunden. Dann wird der Patient ein bis zwei Tage lang auf der Intensivstation überwacht. Die meisten Patienten bleiben etwa zwei Wochen lang im Krankenhaus und treten dann eine dreiwöchige Reha an.

Chancen und Risiken: Obwohl es sich bei dem Ersatz der Aorta um einen großen herzchirurgischen Eingriff handelt, lässt sich dieser aufgrund der langjährigen Erfahrung mit einem niedrigen Gesamtrisiko für Leib und Leben durchführen. Das individuelle Risiko richtet sich nach den Be­gleiterkrankungen des Patienten und dem genauen Ausmaß des Eingriffes.

Kosten:Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch für die anschließende Reha.

Anmerkungen, Erläuterungen: Ganz entscheidend ist, dass die Patienten nach der OP regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen gehen. Dabei wird jeweils eine neue CT-Aufnahme von der Aorta gemacht. So können weitere Erkrankungen an der Schlagader rechtzeitig erkrankt werden. Dieses Risiko ist bei Patienten, die schon mal ein Aneurysma hatten, erhöht.

Verengte Halsschlagader

Unser Experte: Prof. Walter Eichinger, Städtisches Klinikum Bogenhausen, Englschalkinger Str. 77, 81925 München, Telefon: 089/9270-2631, www.klinikum-muenchen.de.

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: OP zur Behandlung einer verengten Halsschlagader. Fachbegriff: Carotis­endarteriektomie (Beseitigung der Engstelle durch Ausschälen).

Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, bildgebende Verfahren wie Sonographie, Kernspin (MRT) und Computertomografie (CT).

Die typischen Beschwerden: Wiederholte Schwindelanfälle, Sprach- und Sehstörungen aufgrund von Durchblutungsstörungen des Gehirns sowie der Augen, Beeinträchtigung der Hirnleistung (z. B. zunehmender Gedächtnisverlust), Ohnmacht bei stärkerer körperlicher Belastung.

Das Einsatzgebiet: Hochgradige Verengungen der großen Halsschlagader, angeborene Formfehler im Verlauf der Halsschlagader.

So funktioniert’s:OP-Methode abhängig vom Patientenbefund; Offene Ausschälung der Engstelle über einen circa 10 cm langen Schnitt: Das Gefäß wird eröffnet und die Ablagerungen samt veränderter Gefäßinnenschicht entfernt. Die eröffnete Halsschlagader wird entweder direkt oder durch Einnähen eines Venen- oder Kunststoffstreifens wieder vernäht. Falls ein sehr großer Gefäßteil verengt ist, kann auch das gesamte veränderte Stück entfernt werden und vollständig durch ein Kunststoff- oder Venenstück (Interponat) ersetzt werden. Die benötigten Venenstücke werden während der Operation aus dem Bein entnommen.

Der Ablauf:OP in Vollnarkose oder örtlicher Betäubung möglich, Dauer etwa 60 Minuten. Danach sollte der/die Patient/in für einige Tage stationär in der Klinik bleiben. Nach zwei Tagen wird die Wunddrainage entfernt. Fäden müssen nicht gezogen werden. ­Kontrolle des OP-Ergebnisses noch am OP-Tag mittels Ultraschall. Kein Leistungs- oder Wettkampfsport direkt nach der OP, jedoch leichter Sport (z.B. Schwimmen, Radfahren, Wandern) empfohlen.

Chancen und Risiken: Sehr gut erprobtes Verfahren mit stetig verfeinerter Technik. Hohe Erfolgsquote und sehr gute Langzeitergebnisse. Komplikationen sind äußerst selten (Risiko: unter 0,5 Prozent). Schmerzen oder Blutergüsse klingen meist von selbst ab, können aber auch medikamentös beseitigt werden. Nachblutungen (z. B. wenn eine Gefäßnaht undicht wird) und größere Blutergüsse können in seltenen Fällen zu einem erneuten Eingriff führen. In sehr seltenen Fällen können sich während der OP Blutgerinnsel oder Teilchen der Gefäßablagerungen von der Gefäßwand ablösen. Verschließen sie die Halsschlagader oder ein Blutgefäß im Gehirn, kann es zu Durchblutungsstörungen mit Seh-, Sprach- oder Hörstörungen kommen, im äußersten Fall kann dies zu einem Schlaganfall mit vorübergehenden, aber auch bleibenden Lähmungen führen.

Kosten:Werden von allen Krankenkassen übernommen.

Anmerkungen, Erläuterungen:Im Städtischen Klinikum Bogenhausen werden Eingriffe an der Halsschlagader in Kombination mit Herzoperationen (z. B. Bypass-OP oder Herzklappenersatz) durchgeführt.

Raucherbein

Unsere Expertin:Dr. Corinna Böttiger, Schön Klinik Starnberger See, Münchner Straße 29, 82335 Berg, Tel. 08151 17-0, www.schoen-kliniken.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie:Behandlung des Raucherbeins. Hier konkret: Ballonaufdehnung (PTA), gegebenenfalls mit Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) in die Beinschlagader. Der Fachbegriff fürs Raucherbein heißt periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) in den Beinen.

Diese Untersuchungen sind nötig:Befragung, körperliche Untersuchung, verschiedene bildgebende Verfahren wie Duple­x­sonografie, Verschlussdruckmessung, Kernspinangiografie (MR-Angiographie).

Die typischen Beschwerden:Schmerzen beim Gehen in der Beinmuskulatur, schlecht heilende Wunden im Fußbereich, Absterben bzw. Schwarzwerden von Zehen.

Das Einsatzgebiet:  Einengungen oder vollständiger Verschluss der Beinschlagadern.

So funktioniert’s:Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv – das bedeutet in diesem Fall: Über die Leistenschlagader wird ein Katheter – ein dünner, biegsamer Kunststoff-schlauch – in das Gefäß eingebracht. Mit Hilfe von Röntgendurchleuchtung wird die Einengung beziehungsweise der Verschluss dargestellt. Mit dem Katheter wird ein Ballon bis zur Einengung befördert und am Einsatzort aufgeblasen. Er dehnt die Einengung auf. In manchen Fällen wird zur Schienung ein Stent (Gefäßstütze) eingesetzt – auch das Gitterröhrchen kann mit Hilfe des Katheters zur Engstelle transportiert werden.

Der Ablauf: Eingriff in örtlicher Betäubung. Dauer circa 1 bis 2 Stunden, je nach Ausdehnung der Einengung bzw. des Verschlusses. 12 Stunden Liegezeit nach Eingriff, anschließend Gehen und leichte körperliche Belastung möglich, Sport nach 5 Tagen möglich. Medikament zur Blutverdünnung für 1 bis 3 Monate.

Chancen und Risiken: Sehr gut erprobtes Verfahren mit stetig verfeinerter Technik. Erfolgsrate bei Beseitigung einer Einengung größer als 90 Prozent. Komplikationen sind selten: beispielsweise ein behandlungsbedürftiger Bluterguss im Bereich der Leistenschlagader, Gefäßverschluss.

Kosten:Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.

Anmerkungen, Erläuterungen: Den Patienten wird dringend empfohlen, nicht mehr zu rauchen, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen. Weiterhin ist bei Gefäßeinengungen eine lebenslange medikamentöse Therapie notwendig. Bei erhöhtem Risiko für einen Herzinfarkt sollten weitere Untersuchungen des Herzens erfolgen.

Kranke Venen

Unser Experte:Dr. Michael Hille, Artemed Fachklinik München, Mozartstraße 14a-16, 80336 München, Tel. 089 51409-169. www.artemedmuenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Behandlung der oberflächlichen Venenentzündung (Phlebitis superficialis); u. a. Entfernung von Krampfader-Venen.

Diese Untersuchungen sind nötig: Befragung, körperliche Untersuchung, Ultraschall mit Doppler- und Farbfunktion.

Die typischen Beschwerden: Schmerzen, Rötung, Überwärmung an der entzündeten Vene, verhärtet tastbare Vene.

Das Einsatzgebiet: Entzündungen der oberflächlichen Venen, meist an den Armen und Beinen. Bei zusätzlicher Thrombose (Thrombophlebitis) kann es nötig sein, dass die betroffene Vene nach Abheilen der Entzündung entfernt wird. So lässt sich ein Aufsteigen des Blutgerinnsels vermeiden.

So funktioniert’s:Konservativ: Die entzündeten Stellen werden mit Heparinsalbe behandelt und gekühlt. Selten: Antibiotika in Tablettenform, ggf. Schmerzmittel, Kompressionstherapie (Wickel oder Strümpfe) ratsam.

Operativ: Wenn die Entzündung von einer oberflächlichen Krampfader-Vene (Thrombophlebitis) verursacht worden ist, sollte man diese nach dem Abheilen entfernen. Sonst könnte sie eine erneute Entzündung auslösen und/oder ein Blutgerinnsel aufsteigen. Handelt es sich nicht um eine Krampfader, kann man zunächst abwarten, ob sich die Entzündung auch ohne OP zurückbildet.

Der Ablauf: Konservativ heilen oberflächliche Venenentzündungen circa nach 1 bis 2 Wochen ohne Komplikationen aus. Muss operiert werden, wird dies meist in Vollnarkose durchgeführt. Dauer etwa 60 Minuten, der Eingriff erfolgt stationär mit Beobachtung in der Klinik. In der Regel ist man eine Woche arbeitsunfähig. Üblicherweise 6 Wochen kein Sport. Die OP wird mit oberflächlichen, kleinen Hautschnitten durchgeführt. Die Fäden werden nach 10 Tagen gezogen. Nach der OP sollte ein Thrombosestrumpf bis zu 6 Wochen getragen werden.

Chancen und Risiken:Bei konservativer Behandlung hohe Erfolgsquote mit kompletter Ausheilung. Bei operativ entfernter Krampfader ist es so gut wie ausgeschlossen, dass sich in diesem Bereich erneut eine Entzündung der Vene bildet.

Kosten: Werden von allen Kassen übernommen.

Anmerkungen, Erläuterungen: Eine akute oberflächliche Venenentzündung birgt immer die Gefahr, dass sich eine Thrombose entwickelt, deshalb sind engmaschige Kontrolluntersuchungen ratsam. Der Operateur hat 2000 Krampfader-OPs durchgeführt.

Schlaganfall

Unser Experte:Prof. Gernot Schulte-Altedorneburg, Klinikum Harlaching, Sanatoriumsplatz 2, 81545 M., Tel. 089/6210 2601, www.klinikum-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie:Mechanische Blutgerinnselentfernung beim akuten Schlaganfall.

Diese Untersuchungen sind nötig: Neurologische Untersuchung, u.a. Beurteilung anhand einer Schlaganfall-Bewertungsskala. CT zum Ausschluss einer Hirnblutung. Dann CT-Angiografie zum Nachweis des Arterienverschlusses.

Die typischen Beschwerden:Schwere halbseitige Lähmung mit Taubheitsgefühl, ausgeprägte Sprach-, Sprachverständnis- und Sehstörungen. Zudem ist eine Bewusstseinsstörung bis hin zum Koma möglich.

Das Einsatzgebiet:Schwerer ischämischer Schlaganfall (Durchblutungsstörung). Diesem liegt der Verschluss einer oder mehrerer großer gehirnversorgender Arterien am Hals und/oder im Kopf zugrunde. Jedes Jahr erleiden etwa 10.000 Patienten einen schweren ischämischen Schlaganfall.

So funktioniert’s: Der Arzt schiebt zwei ineinander verschachtelte flexible Katheter über die Leistenarterie möglichst weit in die Hals- oder Nackenschlagader vor – ähnlich wie beim Einsatz eines Herzkatheters. In dem dickeren Katheter wird ein dünner Mikrokatheter (kleiner als 1 mm) mitgeführt, der dann in das verschließende Blutgerinnsel im Gehirn hineinmanövriert wird. Durch den Mikrokatheter wird dann ein kleines Werkzeug (Retriever) eingebracht, das Ähnlichkeit mit einem Stent hat. Durch die Entfaltung des Retrievers verfängt sich das Blutgerinnsel in den Maschen des Retrievers. Anschließend wird der mit dem Blutgerinnsel beladene Re­triever zurückgezogen, während mit einer Spritze an dem dickeren Katheter gesaugt wird. Durch den Sog an der Spritze wird ein Abrutschen der Thrombuspartikel (Gerinnselteile) von dem Retriever verhindert.

Der Ablauf:Der Eingriff erfolgt meistens in Vollnarkose. Dann Verlegung auf Intensiv- oder spezielle Schlaganfallstation.

Chancen und Risiken: Die Chance der Patienten auf ein günstiges Behandlungsergebnis wird um 20 bis 30 % gesteigert. Rund drei von fünf Patienten erlangen ihre „funktionelle Unabhängigkeit“ zurück – das heißt: Sie sind an Tag 90 nach dem schweren Schlaganfall nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen.

Kosten: Werden von allen Kassen übernommen, auch von den gesetzlichen.

Anmerkungen, Erläuterungen: Im Klinikum Harlaching werden jährlich mehr als 1400 Schlaganfallpatienten behandelt. Schlaganfallversorgung steht rund um die Uhr zur Verfügung. Insgesamt werden im Städtischen Klinikum (Harlaching, Bogenhausen) rund die Hälfte aller Schlaganfälle in München und Region behandelt.

Besenreiser

Unser Expertin:Dr. Esther Wißmüller, Sendlinger Straße 29, 80331 München, Tel.: 089/ 23887430, www.hautarzt-venen-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie:Sklerosierungstherapie von Besenreisern und Krampfadern. Klassischerweise werden Besenreiser und kleinere Venenerweiterungen verödet.

Diese Untersuchungen sind nötig:Befragung, klinische Untersuchung, Ultraschalluntersuchung (farbkodierte Duplexsonografie).

Die typischen Beschwerden: Viele Patienten empfinden die Besenreiser als optisch störend. In seltenen Fällen Juckreiz. Bei Hitze unangenehmes Stauungsgefühl. Gelegentlich entwickelt sich eine Venenentzündung (Thrombophlebitis).

Das Einsatzgebiet:Bei Besenreisern handelt es sich um die Erweiterung sehr feiner Venen, die in der Haut liegen. Meist ist das Problem nur kosmetischer Art, denn aus Besenreisern entstehen keine Krampfadern. Häufig treten sie aber als Begleitsymptom einer Venenerkrankung oder auch als Folge von Operationen am Venensystem auf. Bei der Untersuchung sollte unbedingt darauf geachtet werden, ob sich unterhalb des Knöchels eine Ansammlung von Besenreisern gebildet hat. Der Fachbegriff lautet Corona phlebectatica paraplantaris – ein Warnzeichen für venöse Insuffizienz (umgangssprachlich Venenschwäche genannt). Besenreiser sind mehr als nur ein optisches Problem: Denn die kleinen erweiterten Hautvenen sind oft Hinweis auf ein beginnendes Venenleiden, das frühzeitig erkannt und behandelt werden sollte.

So funktioniert’s:In Deutschland ist Äthoxysklerol mit dem Wirkstoff Lauromacrogol 400 als einziges Mittel zur Verödung zugelassen. Beim Einspritzen werden die Veneninnenwände gereizt und „klebrig“ gemacht, wodurch sie sich verschließen und abbauen. Noch stärker ist dieser Effekt bei der Mikroschaumsklerosierung (Verödung). Dabei wird das Äthoxysklerol vorher aufgeschäumt.

Der Ablauf:Bei der Schaumsklerosierung wird Äthoxysklerol aufgeschäumt und mit feinsten Nadeln in die Besenreiser gespritzt. Das Aufschäumen verbessert die Wirkung. Selbst kleine Besenreiser sind dauerhaft behandelbar. Die Patienten müssen keine Kompressionsstrümpfe tragen, können sofort wieder sporteln.

Chancen und Risiken: Die Methode ist gut verträglich, Blutergüsse sind selten. Wie bei jedem Medikament kann es sehr selten allergische Reaktionen geben.

Kosten:Werden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Circa 150 Euro pro Sitzung (30 Minuten).

Krampfader-Entfernung

Unsere Expertin:Dr. Mareike Kensy, Sendlinger Straße 29, 80331 München, Tel.: 089/ 23887430, www.hautarzt-venen-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie: Behandlung von Krampfadern mittels endoluminaler Radiowellentherapie.

Diese Untersuchungen sind nötig:Klinische Untersuchung (Anschauen), Ultraschalluntersuchung (Fachbegriff in diesem Fall: farbkodierte Duplexsonografie), gegebenenfalls zusätzlich eine sogenannte Lichtreflexionsrheografie. Eine Röntgenuntersuchung wird heutzutage in diesem Fall nicht mehr gebraucht.

Die typischen Beschwerden:Schwere Beine, Schwellneigung, Schmerzen, nächtliche Krämpfe, sichtbare Erweiterung der oberflächlichen Venen in Form von Besenreisern und Krampfadern.

Das Einsatzgebiet:Alle Formen von Krampfadern (Fachbegriff: Varikosis).

So funktioniert’s:Über einen kleinen Schnitt am Unterschenkel wird ein Katheter (dünner, biegsamer Kunststoffschlauch) in das betroffene Gefäß eingeführt – vom Unterschenkel bis zur Leiste. Ein Sicherheitsabstand zur Einmündung in die tiefe Vene ist festgelegt. Entlang der zu behandelnden Krampfader wird eine Betäubungslösung gespritzt. Nun wird das sieben Zentimeter lange Metallelement an der Spitze des Katheters mit Radiowellen (hochfrequenter Strom) auf 120 Grad erhitzt. Der Katheters wird dann abschnittsweise fußwärts gezogen, während Energie freigesetzt wird. So verschließt sich die Vene innerhalb weniger Minunten und wird vom Körper komplett abgebaut.

Der Ablauf:Ambulanter Eingriff unter örtlicher Betäubung. Vollnarkose möglich – z.B. wenn beide Beine behandelt werden.

Chancen und Risiken:Die Erfolgsquote (sogenannte Verschlussrate) liegt bei über 99 Prozent. Mögliche (seltene) Nebenwirkungen: Bluterguss, Taubheitsgefühl in der Haut für circa sechs bis acht Wochen. Geringes Infektions- und Blutungsrisiko. Eine mögliche Komplikation bei nicht ausreichender Erfahrung des Arztes kann eine Thrombose in der tiefen Vene sein.

Kosten:1000 bis 2000 Euro je nach Ausdehnung des Befundes (z.B. Behandlung an einem Bein oder an beiden Beinen).

Anmerkungen, Erläuterungen:Nach der OP wird das Bein mit Pflaster und Druckverband versorgt. Der Patient kann direkt wieder laufen und sporteln. Keine Kompressionsstrümpfe nötig. Besonderes schonendes Verfahren, das allerdings viel Erfahrung mit Kathetertechnik erfordert.

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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