Der Kampf gegen den "stillen Killer"

Große Fortschritte bei OPs an Bauchschlagadern

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Professor Dr. Hans-Henning Eckstein vom Klinikum rechts der Isar.

München - Unter den Opfern finden sich prominente Namen: So starben Albert Einstein, Thomas Mann und Charle de Gaulle an einem Bauchaorten­aneurysma, wie Mediziner diese ballonartige Aussackung der Hauptschlagader nennen.

Bis heute reißt die „Bombe im Bauch“ allein in Deutschland Jahr für Jahr 6000 bis 10.000 Menschen in den Tod – oft völlig unvermittelt, denn das Aneurysma entwickelt sich meist schleichend und schmerzlos. Besonders gefährdet sind Menschen jenseits des 60. Lebensjahrs.

„Tragisch ist: Viele Patienten könnten noch leben“, weiß Professor Dr. Hans-Henning Eckstein, Direktor der Gefäßchirurgie im Klinikum rechts der Isar. „Denn zum einen lässt sich die Erkrankung mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung relativ leicht feststellen“, betont der Experte gegenüber der tz, „und zum anderen können wir den Defekt heute oft wesentlich schonender beheben als noch vor einigen Jahren“. Wie groß die Fortschritte im Kampf gegen den „stillen Killer“ sind, wollen Chirurgen bei einem Top-Kongress Ende des Monats in München erörtern.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer weiterentwickelten Stent-Chirurgie. Dabei setzen Gefäßchirurgen eine Art speziell beschichtete Gitteröhrchen ein, um den kaputten Abschnitt der Bauchschlagader zu stabilisieren. Wie OP-Daten aus dem vergangenen Jahr zeigen, gelingt diese Reparatur nun schon in über 70 Prozent der Fälle mit Hilfe eines schonenden Eingriffs über die Leiste. Diese Technik hat den internationalen Namen „endovascular aneurysm repair“ (EVAR; siehe unten).

Die vergleichsweise sanfte Methode hat sich auch als sehr sicher bewährt – die Komplikationsrate ist geringer als bei einer Bypass-Operationen mit Hilfe eines offenen Bauchschnitts. Dabei werden praktisch körpereigene Umleitungen an die Schlagader angenäht. Die nüchterne Statistik zu den beiden Vorgehensweisen: „Beim Stent-Verfahren sterben 0,67 Prozent aller Patienten innerhalb von 30 Tagen, nach offenen Eingriffen sind es 4,2 Prozent“, berichtet Professor Dr. Giovanni Torsello, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.

Die Zunahme bei den sanften Eingriffen über die Leiste sei vor allem dem technologischen Fortschritt zu verdanken, so der Experte weiter: „Implantationstechnik und Gefäßstützen haben sich rasant weiterentwickelt!“

So läuft die sanfte OP

Während eine offene Bypass-OP unter Vollnarkose durchgeführt wird, kann die sanfte EVAR-Methode auch unter örtlicher Betäbung erfolgen. Dabei schiebt der Operateur einen Katheter durch die Leistenarterie bis in die Hauptschlagader – einen dünnen ummantelten Spezialdraht. An dessen Spitze befindet sich die Gefäßstütze, der sogenannte Stent. Er lässt sich auf Minigröße zusammenlegen und später am Einsatzort in der Aorta wieder entfalten. „Der Eingriff dauert durchschnittlich eineinhalb Stunden“, erläutert Prof. Eckstein, dessen Team jährlich etwa 200 Patienten an der Aorta operiert. EVAR-Patienten müssen in der Regel maximal fünf Tage in der Klinik bleiben.

Andreas Beez

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