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So gefährlich ist Paradontitis

Gute Zähne schützen vor Herzinfarkt

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Wer seine Zähne richtig pflegt, schützt zudem sein Herz-Kreislauf-System.

München - Im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann sich jeder so gut wie möglich zu wappnen. Was die wenigsten wissen: Auch regelmäßige Zahnarzt-Besuche können vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen!

Zwei Volkskrankheiten, ein Albtraum: Jedes Jahr bekommen zirka 300 000 Bundesbürger einen Herzinfarkt, weitere 250 000 erleiden einen Schlaganfall. Kein Wunder also, dass sich fast jeder zweite davor fürchtet, wie eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK ans Licht brachte. Nur Krebs und Demenz verbreiten noch größeren Schrecken.

Immerhin: Im Kampf gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat es jeder selbst in der Hand, sich so gut wie möglich zu wappnen. Man sollte in allererster Linie nicht (mehr) rauchen, weniger Fleisch, Fett und Süßigkeiten essen, öfter mal auf Bier und Wein verzichten, vielleicht ein bisserl abnehmen und immer wieder sporteln. Von solchen Vorbeugemöglichkeiten haben die meisten schon mal etwas gehört. Was aber die wenigsten wissen: Auch regelmäßige Zahnarzt-Besuche können vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen!

Dabei geht es vor allem um die Behandlung der Parodontitis – einer Erkrankung des sogenannten Zahn-Halteapparats oder Zahnbetts, wie Mediziner sagen. In der Zahnpasta-Werbung war früher meistens vom veralteten Begriff Parodontose die Rede, der Volksmund spricht noch heute eher von Zahnfleischbluten. Welchen Ausdruck man auch wählt, Fakt ist: Bei wissenschaftlichen Untersuchungen kristallisiert sich immer stärker heraus, dass diese Erkrankung indirekt dem gesamten Körper schaden und sogar tödlich sein kann.

Experte Prof. Dr. Hannes Wachtel gibt wichtige Tipps.

„Wer an schwerer Parodontitis leidet, der hat ein doppelt so hohes Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben. Durch die chronischen Entzündungen kann der Patient nämlich nicht nur seine Zähne verlieren, sondern auch ein wichtiges Schutzschild gegen gefährliche Bakterien“, warnt Professor Dr. Hannes Wachtel. Im großen tz-Medizinreport erklärt der erfahrene Münchner Zahnarzt und Parodontologe die Zusammenhänge.

Andreas Beez

Parodontitis ist eine Volkskrankheit

Kaum einer redet offen darüber, aber fast jeder hat daran zu knabbern – mehr oder minder stark. Das bestätigen auch Untersuchungen und Statistiken. Danach leiden fast 90 Prozent der 65- bis 74-Jährigen unter Parodontitis, 42 Prozent unter einer schweren Form. „Jeder Vierte in dieser Altersgruppe hat keinen einzigen echten Zahn mehr im Mund“, berichtet Professor Wachtel.

Auch die jüngere Generation ist stärker betroffen als viele glauben. So haben fast 70 Prozent der 35- bis 44-Jährigen Parodontitis. Und: Nicht nur die Häufigkeit, sondern auch das Ausmaß der Erkrankung wird oft unterschätzt. „Das lässt sich durchaus mit einem größeren offenen Geschwür vergleichen. Wenn mehr als 25 Zähne betroffen sind, dann ist die gesamte Wundfläche ungefähr doppelt so groß wie ein Handrücken“, erklärt der Spezialist. „Hätte man eine solche Wunde am Arm, dann würde man wahrscheinlich sofort zum Arzt gehen. Aber bei Entzündungen im Mund sind die Patienten leidensfähiger.“ Das belegt auch die Statistik: 40 Millionen-Parodontitis-Patienten stehen in Deutschland nur etwa einer Million Behandlungen pro Jahr gegenüber.

Die Gefahr für Herz und Hirn lauert in unserem Mund

Die unterschätzte Gefahr für Herz und Hirn – sie lauert mitten im Mund. Genauer gesagt eine Art geschmackloser und unsichtbarer Keim-Cocktail aus über 700 verschiedenen Bakterienarten. Die allermeisten sind harmlos, aber etwa zehn aggressive Erregertypen gelten als echte Gebiss-Killer. Sie machen allein in Deutschland bis zu 40 Millionen Patienten mehr oder minder stark zu schaffen (siehe Grafiken links).

„Diese Störenfriede gehören zur Gruppe der sogenannten gramnegativen anaeroben Bakterien. In ihren Wänden sitzen sehr viele Giftstoffe“, erklärt Professor Dr. Hannes Wachtel. Die Bakterien siedeln sich in Taschen rund um die Zahnhälse an. „Sie zerstören zunächst die Zahnfleischhaut, dringen dann ins Zahnfleisch selbst ein und verursachen dort chronische Entzündungen. Im weiteren Krankheitsverlauf bildet sich auch der Knochen zurück. Solange, bis an den betroffenen Stellen die Zähne ausfallen. Der Fachausdruck dafür heißt Parodontitis“, erläutert Professor Wachtel.

Die Folgen können aber nicht nur für die Kauleiste fatal sein. Im gesunden Zustand ist das Zahnfleisch sozusagen mit den Zähnen verklebt. Diese Gewebe-Struktur kann man sich wie ein Schutzschild gegen Eindringlinge vorstellen. „Wenn nun diese Barriere zerstört wird, haben die Bakterien praktisch freie Fahrt in die Blutgefäße. Dort können sie entzündliche Prozesse fördern, die wiederum zu Gefäßverengungen und im schlimmsten Fall zu Gefäßverschlüssen führen“, so der Experte weiter. Gefäßverschlüsse können Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen. „Wie dieser Entzündungs-Mechanismus genau funktioniert, muss noch weiter erforscht werden. Aber eins steht fest: Der Prozess des Zähne-Verlierens macht krank.“

Täglich 5 bis 8 Minuten Pflege

Viele Menschen putzen sich regelmäßig ihre Zähne, bekommen aber trotzdem Parodontitis. Wie lässt sich das erklären?

Prof. Dr. Hannes Wachtel: Das Gemeine an der Parodontitis ist: Zähneputzen alleine reicht nicht aus, um sie zu bekämpfen. An etwa 30 Prozent der Flächen, die regelmäßig gereinigt werden müssen, kommt man mit der Zahnbürste gar nicht heran. Und die Bakterien halten sich leider hartnäckig. Zahnhälse und Zahnwurzeln sind die einzigen Stellen im Körper, an denen sich die Keime dauerhaft ansiedeln können.

Das klingt ja fast ein bisserl so, als wäre Zähneputzen für die Katz’!

Wachtel: Nein, im Gegenteil. Wer seine Zähne gesund halten will, der muss ihnen jeden Tag fünf bis acht Minuten intensiven Putzens schenken. Das ist die Grundlage für nachhaltige Gesundheit. Übrigens: Man sollte auch an den Stellen putzen, wo es blutet – denn gerade dort sitzen Bakterien, die beseitigt werden müssen. Darüber hinaus sollte man die Zahnzwischenräume mit Zahnseide säubern und vor allem mindestens ein bis zwei Mal im Jahr zur professionellen Zahnreinigung gehen. Dabei werden auch die Beläge an den schwer zugänglichen Stellen mit speziellen Instrumenten gründlich entfernt. Die Experten überwachen das gesamte Gebiss und können erkrankte Stellen auch mal mit einem Antibiotikum behandeln, um die Parodontitis zu stoppen.

Macht es Sinn, die Zähne mit einer speziellen Bürste oder mit einer besonderen Zahncreme zu putzen?

Wachtel: Das spielt eine sehr untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass man überhaupt regelmäßig und gründlich putzt – nicht womit.

Gilt das auch für Patienten, die mit starker Karies Probleme haben?

Wachtel: Karies ist heute zu einem deutlich geringeren Problem als früher geworden, weil unserem Trinkwasser und dem Salz auch Fluorid beigemengt wird. Dadurch wird der Zahnschmelz härter und widerstandsfähiger. In der Regel genügt eine herkömmliche fluoridhaltige Zahncreme, um seine Zähne ausreichend mit Fluorid zu versorgen.

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel

Der Zahn: Von Krone bis Wurzel Das Gebiss eines Erwachsenen besteht aus 32 Zähnen. Jeder besteht aus der Krone, dem Hals und einer Wurzel, die fest im Knochen eingewachsen ist. Das Zahnfleisch wächst in den Zahn und bildet eine Bakterienbremse.  © obs/blend-a-med
Von Mark bis Schmelz Von innen nach außen gibt es folgende Schichten: das von Gefäßen und Nerven durchzogene Mark, das Zahnbein und den Schmelz aus Hydroxylapatit und Fluorid als Schutzschild.  © obs
Knochen Der Kieferknochen dient als Verankerung für die Zähne, er bleibt nur unter ständigem Druck stabil. Fehlt der Druck, weil ein Zahn ausgefallen ist, baut sich die Knochensubstanz ab.  © obs
Jedes Jahr gehen in Deutschland 14 Millionen Zähne verloren. Zahnkiller Nummer eins ist die Paradontitis. Die Zahnfleischentzündung hat Karies vom ersten Platz verdrängt.  © Obs/Oral B
Zahnerkrankungen: Karies ist die häufigste Infektionskrankheit des Menschen, nur ein Prozent der Erwachsenen ist kariesfrei. Die Beläge auf den Zähnen produzieren mit dem Zucker aus der Nahrung Säuren, die in den Zahnschmelz eindringen und ihn auflösen.  © obs
Pardontitis Die Parodontitis ist eine schwere Entzündung des Zahnfleisches, bei der sich das Gewebe zurückbildet und den Zahnhals nicht mehr fest umschließt. Sie ist die Hauptursache für Zahnverlust.  © obs
Plaque & Zahnstein Zahnbelag (Plaque) ist eine bakterielle Ablagerung auf den Zähnen. Bildet er als Kruste eine Verbindung mit dem Zahn, wird er zu Zahnstein. Dieser bakterielle Biofilm muss sorgfältig entfernt werden.  © dpa
Implantat: Zahn sitzt auf einer Schraube im Knochen  © obs/proDent e.V.

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