Wie ticken diese Patienten eigentlich?

Die häufigsten Schönheits-OPs bei Männern

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­Inzwischen ist jeder sechste ­Patient der Schönheits­chirurgen ­männlich

München -Viele tun es, aber nur wenige sprechen gerne darüber: Schönheitsoperationen sind bei den Deutschen beliebter als viele glauben. Auch Männer finden immer mehr Gefallen an plastischer Chirurgie.

Viele tun es, aber nur wenige sprechen gerne darüber: Schönheitsoperationen sind bei den Deutschen beliebter als viele glauben – und gerade in aller Munde, nachdem sich der prominente Fußballtrainer Jürgen Klopp öffentlich als Patient geoutet hat. Der 45-Jährige ließ sich Haare vom Hinterkopf auf die Stirn verpflanzen, um seine Geheimratsecken loszuwerden.

Mit seiner Körperkorrektur befindet sich Klopp in schillernder Gesellschaft, modebewusste Männer wie Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi oder Englands Nationalkicker Wayne Rooney haben sich ebenso unters Messer gelegt.

Geoutet: BVB-Trainer Jürgen Klopp

Aber es sind nicht nur wohlhabende Promis, die ein paar Tausend Euro für solche Behandlungen hinblättern. Auf rund 500 000 Eingriffe jährlich schätzt der Münchner Experte Dr. Matthias Wagner die Zahl der Haartransplantationen, Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und anderer Verschönerungsmaßnahmen in Deutschland. „Genaue Statistiken existieren nicht, weil sich nur ein Teil der Operateure an den Umfragen der Verbände über durchgeführte Behandlungen beteiligt“, erläutert Dr. Wagner.

Fest steht allerdings: Die Schönheitschirurgie hat beileibe nicht nur weibliche Kundschaft: Mittlerweile ist etwa jeder sechste Patient männlich, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Sie beruft sich dabei auf eine Patientenbefragung, die ihre Mitglieder seit 2008 jährlich vornehmen.

Dabei kamen erstaunliche Ergebnisse ans Licht: So legen sich körperbewusste Herren in jüngeren Jahren unters Messer als die Damen. Das Durchschnittsalter der männlichen Patienten lag 2012 bei 38 Jahren und 9 Monaten, während die Frauen – statistisch gesehen – 41 Jahre alt waren.

Nach wie vor behandeln die Schönheitschirurgen aber auch sehr viele jüngere Patienten. Etwa jeder Dritte ist erst zwischen 18 und 30 Jahre alt. DGÄPC-Vorstandsmitglied Dr. Lutz Kleinschmidt nutzt diese Zahl, um gegen weitverbreitete Vorurteile anzukämpfen: „Die ästhetisch-plastische Chirurgie ist keine Industrie des Jugendwahns. Die Patienten wählen Eingriffe aufgrund ganz spezifischer Probleme. Und nicht, weil sie ihren Körper als Trophäensammlung für ästhetische Behandlungen betrachten.“

Was aber sind die Probleme, die so viele Männer umtreiben? Laut DGÄPC-Befragung legt sich jeder vierte Patient unters Messer, um sich Fett absaugen zu lassen. „Dabei sind die meisten von ihnen alles andere als dick“, weiß der Münchner Schönheitschirurg Dr. Wagner. „Manche Männer empfinden eben selbst einen kleinen Bauch als großen Makel.“

Ähnlich beliebt bei den Herren sind Lidstraffungen sowie Nasenkorrekturen. Und während sich viele Frauen ihre Brüste vergrößern lassen, wünschen sich viele Männer eine Brustverkleinerung. Haartransplantationen wie im Fall von Fußballtrainer Klopp kommen übrigens vergleichsweise selten vor. Der Anteil dieser Eingriffe betrug in der Patientenbefragung 2012 nur knapp 3 Prozent – und lag damit nur auf Platz 12 der beliebtesten ästhetisch-plastischen Maßnahmen noch hinter der Schweißdrüsenbehandlung (4 Prozent).

Vielleicht hängt Dortmunds Coach Klopp ja noch eine weitere Schönheitskorrektur dran. Zumindest statistisch gesehen wäre das nicht verwunderlich, denn in seiner Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen registrierten die plastischen Chirurgen 2012 Patientenzuwächse von fast 25 Prozent. Dieser Trend hatte sich bereits 2011 mit einem Plus von 19 Prozent abgezeichnet. Wegen der Behandlungskosten – die Kassen zahlen ja in der Regel nichts dazu – wird sich der ehemalige Meistertrainer jedenfalls kaum die Haare raufen müssen.

"Die Schlanken lassen sich eher Fett absaugen"

Dr. Matthias Wagner (57) gehört zu Bayerns renommiertesten Schönheitschirurgen. Der gebürtige Würzburger leitet die Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie in Nymphenburg, gilt unter anderem als erfahrener Experte für Nasenkorrekturen, Brust-OPs und Haartransplantationen. Im tz-Interview analysiert er die Beweggründe seiner Patienten und erklärt seine Arbeitsphilosophie.

Herr Dr. Wagner, wie ticken die Männer, die sich von Ihnen operieren lassen?

Dr. Matthias Wagner: Zu uns kommen ganz unterschiedliche Charaktere: Extrovertierte, aber auch recht schüchterne Menschen. Manager sind ebenso darunter wie einfache Leute von nebenan.

Mal abgesehen vom nötigen Kleingeld, um die Behandlung bezahlen zu können – irgendetwas müssen Ihre Patienten doch gemeinsam haben?

Dr. Matthias Wagner (57) gehört zu Bayerns renommiertesten Schönheitschirurgen.

Dr. Wagner: Den dringenden Wunsch, etwas an ihrem Äußeren zu verändern. Manche sind durchaus eitel, andere sehr mode- oder figurbewusst. Es kommen zum Beispiel nur selten dicke Männer zum Fettabsaugen zu uns in die Klinik. Die meisten sind sogar so schlank, dass man sich fragt, warum sie den Eingriff eigentlich machen lassen wollen. Sie sind eben Perfektionisten, wollen selbst ein kleines Bäuchlein nicht tolerieren. Und manche Patienten argumentieren auch mit beruflichen Zwängen, wenn sie sich einer Schönheitsoperation unterziehen wollen.

Braucht man denn – wenn man nicht gerade Model ist – eine Schönheitsoperation, um im Job Erfolg zu haben?

Dr. Wagner: Manchmal schon, jedenfalls höre ich diese Begründung oft. Nehmen wir das Beispiel Haarverpflanzungen: Viele Betroffene befürchten, dass sie wegen ihrer Geheimratsecken, kahler Stellen oder einer Glatze nicht mehr ganz so jugendlich, dynamisch und frisch wirken wie in jüngeren Jahren. Das wollen sie ihren Geschäftspartnern und Kunden gegenüber kaschieren.

Fragen Sie Ihre Patienten nach deren Beweggründen, bevor Sie sie operieren?

Dr. Wagner: Ja, denn hinther sollen schließlich sowohl der Patient als auch der Arzt mit dem Ergebnis der Operation zufrieden sein. Um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen, muss man vorher genau besprechen, was im Rahmen der geplanten OP möglich ist. Wenn ich die Erwartungshaltung eines Patienten für überzogen halte oder einen skurrilen Wunsch nicht nachvollziehen kann, dann lehne ich einen Eingriff ab – und das passiert nicht selten!

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Dr. Wagner: Ich würde beispielsweise einer schüchternen, zierlichen Frau nie die Brüste mit sehr großen Implantaten vergrößern. Sie würde nur noch angestarrt, in meinen Augen wäre das Körperverletzung. Grundsätzlich sollte eine Operation auch zum Charakter beziehungsweise der Psyche des Patienten passen.

Reagieren die Patienten auch manchmal grantig, wenn Sie einen Operationswunsch ablehnen?

Dr. Wagner: Das kommt eigentlich kaum vor. Sie finden ja meist einen anderen Kollegen, der sie operiert.

Andreas Beez

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