Experte informiert für die tz

Das sind die häufigsten Sportverletzungen

Natürlich sind auch Spitzensportler von Verletzungen betroffen. Das Foto zeigt Skirennfahrer Stephan Keppler nach seinem Innenbandabriss im linken Knie und einen Syndesmosebandabriss im Sprunggelenk im Januar 2011

München - 23 Millionen Bundesbürger sind regelmäßig sportlich aktiv, fünf Prozent davon verletzen sich jedes Jahr. Experte Dr. Steffen Zenta informiert über die häufigsten Verletzungen.

Verdrehtes Sprunggelenk, schmerzende Muskeln, blaugelb schillernde Blutergüsse – das sind häufige Verletzungen beim Sport. Da könnte man schon auf die Idee kommen, dass Sportmuffel vielleicht doch gesünder leben. „Auf keinen Fall“, widerspricht Dr. Steffen Zenta, Orthopäde und Sportmediziner: „Unser ganzer Körper mit Muskeln, Knochen und Gelenken, der Stoffwechsel sowie unser Immunsystem sind auf Bewegung ausgelegt. Wir müssen aktiv sein, sonst werden wir krank.“ Das Problem sei oft: Viele Hobbysportler starten mit viel Ehrgeiz in die Saison – und überschätzen ihre Möglichkeiten. Zumal es nach einer Pause meist erstaunlich gut läuft. Dr. Zenta: „Die Muskeln sind entspannt, der ganze Körper ausgeruht. Da ist man meist leistungsfähiger als bei der zweiten oder dritten Trainingseinheit.“ 23 Millionen Bundesbürger sind regelmäßig sportlich aktiv, fünf Prozent davon verletzen sich jedes Jahr. 1,25 Millionen Sportler müssen wegen einer Verletzung ärztlich versorgt werden. Dr. Steffen Zenta vom Medizinischen VersorgungsZentrum im Helios informiert über die häufigsten Sportverletzungen.

 

Knie- und Gelenkprobleme

So passiert’s: Das Knie ist häufig von Prellungen und Ergussbildungen betroffen durch Stürze oder Tritte eines Gegners. Manchmal schmerzt es auch, weil die Belastung zu groß wird. Die gefürchtetste Verletzung bei Sportlern ist der Kreuzbandriss. Ursache ist häufig plötzliches Abstoppen oder abrupter Richtungswechsel, bei dem das Knie verdreht wird.

Behandlung: Zunächst tut Ruhe gut, bessern sich die Beschwerden nicht, sollte man zum Arzt. Beim Kreuzbandriss hilft nur eine OP.

Warnzeichen: Schmerzende Gelenke sind ein Zeichen für Überlastung. Man sollte so trainieren, dass es nicht dazu kommt. Dr. Zenta: „Es ist ein Fehler, immer nur eine Art von Sport zu betreiben – also immer nur zu joggen, man sollte abwechslungsreich trainieren: z. B. Gymnastikübungen einbauen oder mal radeln gehen.“

 

Prellungen und Blutergüsse

So passiert’s: Tritte, Schläge oder Stürze sind die häufigste Ursache. Besonders das Schienbein ist gefährdet, da es schlecht gepolstert ist.

Symptome: Akuter Schmerz, die Stelle kann anschwellen, ein Bluterguss entsteht.

Behandlung: Es gilt die PECH-Regel: Pause-Eis-Compression-Hochlagern. Also: Nicht gegen den Schmerz arbeiten. Durch das Kühlen werden die Blutgefäße enger, es tritt weniger Blut ins Gewebe aus. Es sollte nie länger als 10zehnMinuten am Stück gekühlt werden, dann mindestens zehn Minuten Pause machen. Eine elastische Binde anlegen, die Kompression hilft, die Schwellung so gering wie möglich zu halten. Das Hochlagern erleichtert es dem Körper, die ausgetretene Flüssigkeit wieder abzutransportieren. Eine weitere Behandlung ist meist nicht notwendig.

Warnzeichen: Mit einem Bluterguss kann man weiter Sport treiben, den Schmerz bemerkt man erst hinterher. Ist die Bewegungsfähigkeit jedoch gleich stark eingeschränkt, hat man sich ernsthaft verletzt, dann könnte z. B. auch ein Knochenbruch vorliegen.

 

Schulter- und Nackenschmerzen

So passiert’s: Besonders Radfahrer sind anfällig. Durch das Vorbeugen über den Lenker kommt es leicht zu Verspannungen, die Handgelenke sind vom Abstützen überlastet. Aber auch Tennisspieler sind gefährdet, weil sie mit dem Schlägerarm eine Körperseite besonders stark belasten.

Symptome: Schmerzen und Steifigkeit

Erste Hilfe und Behandlung: Sanfte Wärme und Massagen können Verspannungen lösen, auf die Dauer hilft nur, die Fehlbelastung durch Training auszugleichen.

Warnzeichen: Dauernde einseitige Belastung z. B. eines Armes kann zu Überlastungen und Entzündungen an Sehnenansätzen oder Knorpelreizungen führen. Auf Dauer kann es zu chronischen Problemen kommen, wie z. B. dem Tennisarm.

 

Muskelzerrungen und Muskelfaserriss

So passiert’s: Kommen häufig am Oberschenkel und der Wade vor, wenn der Muskel übermäßig angespannt wird. Der Muskel war nicht ausreichend aufgewärmt, er übersäuert und zieht sich zusammen. Besonders gefährdet sind Ballsportler und Jogger. Die Übergänge von der Zerrung bis zum kleinen oder großen Faserriss sind fließend.

Symptome: Bei der Zerrung merkt man zunächst einen leichten Schmerz, der bei und nach dem Sport intensiver wird. Beim Faserriss sagen Dr. Zentas Patienten meist, dass sie einen stark stichartigen Schmerz ertragen und das Training beenden mussten.

Behandlung: Zerrung wie Muskelfaserriss brauchen Zeit zum Heilen. Eine Zerrung heilt schneller, meist kann man schon nach vier fünf Tagen wieder ganz normal Sport treiben. Beim Muskelfaserriss dauert es in der Regel drei Wochen, bis der Muskel wieder belastbar ist. Ein Druckverband und Kühlen kann den Schmerz lindern. Beim Riss muss sich der Patient schonen. Physiotherapeutische Behandlung kann die Durchblutung im kranken Muskel und damit die Heilung fördern. Bei der Zerrung jedoch tut leichte Belastung und Anspannung dem Muskel gut.

Warnzeichen: Man sollte nie gegen den Schmerz arbeiten. Er ist ein Alarmzeichen des Körpers, das ernst genommen werden muss.

 

Sprunggelenk

So passiert’s: Über das Sprunggelenk wird die ganze Dynamik der Bewegung auf den harten Boden übertragen. Es ist daher sehr beansprucht und auch sehr anfällig. Zenta: „Der Klassiker ist natürlich das Umknicken.“ Meist ist ein Umknicken harmlos, aber dabei können sich auch die Kapsel – also die Gelenkhülle – oder die Bänder verletzen. Wirkt eine starke Kraft auf das Gelenk werden Stücke vom Knorpel abgesprengt, der Knochen kann brechen.

Erste Hilfe und Behandlung: Auch hier gilt die PECH-Regel. Liegt eine starke Schwellung vor, sollte der Sportler umgehend zum Arzt.

Warnzeichen: Sprunggelenksverletzungen dürfen nicht unterschätzt werden. Heilen Bänder nicht in Ruhe aus, werden sie auf Dauer zu weich und stützen den Fuß nicht mehr ausreichend, sodass ständig die Gefahr besteht, dass er umknickt. Wenn man nicht schmerzfrei gehen kann, sollte der Arzt umgehend um Rat gefragt werden. Meistens wird er eine Orthese verschreiben, mit der der Patient normal gehen kann, aber die Bänder die Entlastung bekommen, die sie brauchen, um zu heilen. Dr. Zenta: „Ein Tapeverband reicht nicht aus. Da sind viele Menschen zu sorglos, und handeln sich dauerhafte Probleme am Sprunggelenk ein.“

 

Achillessehnenprobleme

So passiert’s: Ab einem Alter von 35 Jahren lässt die Dehnbarkeit des Sehnengewebes nach, die Durchblutung wird schlechter, aber die Erwartungshaltung des Sportlers bleibt die eines 20-Jährigen. Dr. Zenta: „In der Achillessehne entstehen durch dauernde Überbelastung winzige Risse, irgendwann kann es passieren, dass die ganze Sehne reißt.“

Symptome: Die Achillessehne steht unter starken Zug, wenn sie reißt, gibt es einen richtigen Knall wie ein Peitschenschlag, und es schmerzt sehr stark.

Behandlung: Letztlich hilft nur eine Operation, um die Spannung in der Sehne wieder herzustellen.

Warnzeichen: Oft bestehen schon lange vor dem Riss kleinere schmerzhafte Verletzungen, diese sollte man ernst nehmen. Dr. Zenta: „Generell ist die Belastung auf dem Fuß einfach zu hoch. Das kann verschiedene Ursachen haben, z. B. drückende Schuhe, Durchblutungsstörungen, die die Erholung der Sehne verhindern, oder eine falsche Belastung des Fußes.“ Diese Reizungen können sehr hartnäckig sein.

 

So beugen Sie Problemen vor:

Die beste Vorbeugung ist die Ausrüstung, zu der Dr. Zenta auch den eigenen Körper zählt: „Die Muskulatur sollte trainiert sein.“ Wer regelmäßig joggen geht, braucht gute Laufschuhe. Wer Rad fährt, sollte darauf achten, dass es auf die richtige Größe eingestellt ist, so dass ­ z. B. die Hände locker auf dem Lenker liegen können. Wer Fußball spielt, sollte auf einen guten Schutz für die Schienbeine achten. Vor jedem Sport muss der Körper aufgewärmt werden. Dr. Zenta: „Zehn Minuten sind das Minimum.“ Die Muskeln werden dehnbarer, selbst wenn man dann in ein Loch tritt, kann sich der Muskel besser dagegenspannen, und der Körper ist vor Verletzungen geschützt. Wenn Menschen immer wieder von ähnlichen Verletzungen heimgesucht werden, kann es auch eine tiefere Ursache geben, z. B. Haltungsstörungen.

 

Die Körperteile mit den häufigsten Verletzungen:

  • Sprunggelenk: 25 Prozent
  • Kniegelenk: 17 Prozent
  • Kopf: 14 Prozent
  • Hand: 10 Prozent
  • Unterschenkel: 8 Prozent
  • Handgelenk: 5 Prozent
  • Schulter 4 Prozent
  • Fuß: 3 Prozent
  • Unterarm: 3 Prozent
  • Rumpf: 3 Prozent
  • Ellenbogen: 2 Prozent
  • Oberschenkel: 2 Prozent
  • Sonstige: Hals, Oberarm
  • Hüfte – je ca. 1 Prozent

 

Die seltensten Krankheiten der Welt

Seltene Krankheiten werden von Ärzten oft erst zu spät erkannt. Die meisten Patienten haben eine regelrechte Odyssee hinter sich, bis irgendwann ein Arzt die Krankheit diagnostiziert. Als selten gilt eine Krankheit, die bei weniger als 5 von 10 000 Menschen auftritt. Über die Schwierigkeiten bei deren Diagnose haben sich am Freitag in Hannover mehr als 100 Ärzte, Selbsthilfegruppen, Forscher und Patienten ausgetauscht. Am 28. Februar ist der Europäische Tag der seltenen Krankheiten. Er wird von der der europäischen Organisation für seltene Krankheiten (EURORDIS) organisiert. © dpa
Syringomyelie: Ein schöner Rücken kann entzücken, ein Rücken mit einem Hohlraum in der Wirbelsäule aber ist eine seltene Krankheit - die Syringomyelie. Manchmal ist eine Entwicklungsstörung die Ursache, manchmal auch ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der Holraum füllt sich mit Flüssigkeit, die nach und nach das Rückenmark verdrängt. © dpa
Dancing Eyes Syndrom: Die sehr seltene Krankheit wird meist bei Kindern zwischen 1 bis 3 Jahren diagnostiziert. Ihre Augen zucken hin und her, aber auch Arme und Beine bewegen sich ruckartig. Und über Wochen und Monate sind die Kinder oft sehr leicht irritierbar. Wenn die Kinder älter werden, werden die Symptome weniger. Es ist nicht genau klar, wie es dazu kommt. Einige Mediziner nehmen an, dass der Körper Tumorzellen bekämpfen will. Doch er greift gleichzeitig auch gesunde Gehirnzellen an - daher die Zuckungen. © dpa
Progeria adultorum: Der lateinische Begriff besagt, dass ein Mensch viel zu früh und viel zu schnell altert. Die Patienten sind oft erst dreißig, doch plötzlich ergrauen die Haare, die Haut wird faltig. Auch im Geiste werden sie schnell älter. Viele Erkrankte sterben, wenn sie kaum 50 Jahre alt sind. © dpa
Das Kabuki-Syndrom: Die Dame auf unserem Bild ist nur wie eine japanische Kabuki-Schauspielerin geschminkt. Kinder, die unter dem Kabuki-Syndrom leiden, haben aber sehr ähnliche Gesichtszüge. Dazu gehören zum Beispiel große Augen, lange und dicke Wimpern und die Augenbrauen sind sehr bogig. Die Nasenspitze ist bei ihnen zudem oft eingedrückt und die Ohren stehen hervor. Auch die Motorik der Kinder ist eingeschränkt. Geistig sind die Kinder oft mild bis mäßig behindert. © dpa
Das Kleeblattschädel-Syndrom ist eine sehr seltene Fehlbildung des Kopfes. Der Schädel hat, von vorne betrachtet, die Form eines Dreiblättrigen Kleeblatts. Nur 120 Fälle wurden bis 2005 beschrieben. Die meisten Patienten leben nicht lange. Die Fehlbildungen lassen sich jedoch chirurgisch beheben. © dpa
Myiasis: Manche Fliegen, wie die Tumbu- oder Dasselfliege legen ihre Eier gerne in offene Wunden. Deswegen heißt die Myiasis auch Fliegenmaden-Krankheit. Sie tritt vor allem in tropischen oder subtropischen Gegenden auf. Die Larven verteilen sich dann unter der Haut und wandern durch den Körper. Die wichtigste Vorbeugung: Hygiene und wunden gut abdecken. © dpa
Sklerodermie: Bei dieser "entzündlichen rheumatischen Erkrankung" erhärtet sich das Kollagen, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. In manchen Fällen nur in der Haut, in manchen Fällen dringt die Sklerodermie aber auch ins Gefäßsystem und die inneren Organe vor. Die Folge können gravierende Funktionsstörungen sein. Das Gesicht wird starr, und die Haut bekommt ein sehr ledriges Aussehen. Auf unserem Foto hat sich eine junge Frau aus Bayern, die an Sklerodermie leidet, ihr Gesicht von Kosmetik-Spezialisten zumindest äußerlich in den Zustand vor der Krankheit zurückversetzen lassen. © dpa
Das Mittelmeerfleckfieber wird durch die braune Hundezecke übetragen, die auch in der Schweiz vorkommt. Nach etwa einer Woche Inkubationszeit bricht das Fieber aus. An der Stelle des Bisses bildet sich in etwa zwei Dritteln der Fälle ein schwarz-rotes Geschwür, die Patienten bekommen Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ein rötlicher Ausschlag kann sich bis auf das Gesicht, die Hände und die Füße ausbreiten. Wird der Patient nicht behandelt, zieht sich das Fieber meist innerhalb von zwei Wochen wieder zurück. © dpa
Alien Hand Syndrom: Per Definition ist dies keine seltene Krankheit, auch wenn sie bisher nur sehr selten von Ärzten beschrieben wurde. Einfach erklärt bedeutet diese Krankheit, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Sie tritt zum Beispiel nach Schlaganfällen auf, aber die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Hand hat keinen Kontakt mehr zur anderen - und zur entsprechenden Hirnhälfte. Die Patienten denken, die fremde Hand ist nicht ihre eigene. Sie entwickelt ein Eigenleben und kann im schlimmsten Fall sogar versuchen, den Patienten zu erwürgen. Und beidhändig Klavierspielen wird mit dieser Krankheit fast unmöglich. © dpa
Nicht ganz selten, aber übel: Der Candirú-Fisch lebt in tropischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoco - und schimmt auch gerne mal in schwimmende Menschen hinein. Das fast durchsichtige Tierchen passt durch den Harnleiter, aber auch durch den Anus und sucht sich den Weg in die Blase. Dort beißt es sich fest, und vor allem die kleinen Wiederhaken am Kopf sorgen für Schmerzen. Er verursacht Blutungen und kann nur durch eine Operation wieder herausbefördert werden. © dpa
Café-au-Lait-Flecken: Teils über den ganzen Körper sind hell- bis dunkelbraune Flecken verteilt. Von einer wirklichen Krankheit sprechen Mediziner nicht, da die Hautveränderung gutartig ist. © dpa

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