Der Stand der Forschung

Heimweh macht krank: Die Kraft eines starken Gefühls

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Mit dem Biergarten am Chinesischen Turm verbinden viele Münchner Heimatgefühle.

München - Heimweh – wer seine Familie mal für längere Zeit verlassen musste, kennt diesen Schmerz. Aber was spielt sich dabei biologisch ab?

Die Neurowissenschaft hat noch wenig darüber erforscht. Aber klar ist, dass das Heimatgefühl wie alle Emotionen im Kopf sitzt. Emotionen werden im Limbischen System des Gehirns verarbeitet. In diesem zentralen Teil unseres Denkapparats wird auch das Glückshormon Endorphin ausgestoßen.

Heimatgefühle sind an Erinnerungen gebunden. Selbst Menschen, die vor Jahrzehnten ihre Heimat verlassen haben, fühlen noch eine starke Verbindung dahin. Erinnerungen werden nicht an einem einzelnen Ort im Gehirn gespeichert, doch Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei emotionalen Erinnerungen besonders die beiden Amygdalae beteiligt sind, die im Limbischen System liegen.

Für Soziologen ist „Heimat nicht unbedingt eine geografische, sondern eher eine soziale Kategorie“, so Dr. Nina Clara Tiesler vom Institut für Soziologie an der Leibniz Universität Hannover. Dort wo sich Menschen in Übereinstimmung mit ihrem sozialen Umfeld fühlen, wo sie nicht zum Fremden gemacht werden, dort sei ihre Heimat.

Trotzdem hat der Geburtsort beim Heimatgefühl zentrale Bedeutung. Der Ort der Kindheit sei für viele ein utopischer Ort, sagt Tiesler. „Hier war noch alles in Ordnung, ich hatte keine Sorgen. Das macht für viele das Heimatgefühl aus.“ Da sich aber der Mensch und der Ort mit der Zeit verändern, bestehe diese Heimat nur in einer oft verklärten Erinnerung.

Die zehn besten Bayern-Apps für Smartphones

Grias Eich! Mia gfrein uns sakrisch, Eich heid amoi zum zoang, wos aufm Handy ois üba Bayern gibt. Na? Alles verstanden? Nein? Dann ist die App "Bayrisch für Anfänger" für Android-Smartphones genau das Richtige für Sie. Unter dem Motto "Bayrisch mit Herz" lernen Sie die wichtigsten Vokabeln, um sich auf Bairisch verständigen zu können. Ähnliche Apps gibt es auch für iPhones und Windows Phone.Für die erste Übersetzung geben wir noch einen Tipp: Wir freuen uns sehr, Ihnen die besten Apps über Bayern vorzustellen.
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Mia san mia: Die Bayern sind stolz auf ihre Heimat. Ehrensache, dass jeder die Bayernhymne laut und inbrünstig mitsingt. Für alle, die die Hymne noch einmal üben oder sie vielleicht auch einfach zu Hause nur unter der Dusche trällern möchten, ist die "Bayern Hymne App" für Android-Smartphones genau das Richtige. © Screenshot: Karlheinz Meier (Google Play) 
Besonders wichtig ist den Bayern das Brauchtum. Egal ob Maibaumaufstellen, Leonhardirfahrt oder Volksfeste: Tradition wird groß geschrieben. Für iPhones und Android-Handysgibt es Anwendungen, mit denen selbst alteingesessene Bayern noch etwas lernen können. Die App "iPlattl" erklärt Schritt für Schritt wie traditionelle Schuhplattler wie der Birkenstoana, die Amboss Polka oder der Boaschneider funktionieren. Durch Videoanleitungen wird Schuhplatteln kinderleicht. © Screenshot: Hans Breitenfellner (Apple Store)
Noch eine andere Tradition wird in Bayern gehegt und gepflegt: Das Karteln. Schon seit Generationen treffen sich die Bayern beim Stammtisch, beim Frühschoppen oder bei spontanen Abenden mit Freunden, um ein paar Runden Schafkopf zu spielen. Jetzt kann man auch in der S-Bahn, im Wartezimmer beim Arzt oder in der Mittagspause schafkopfen: Mit den Apps "Schafkopf am Stammtisch" für Android, "Sauspiel Schafkopf" für iOSund "Schafkopf" für Windows Phone. © Screenshot: StammtischGames (Google Play)
Noch eine weitere App lässt die Herzen der bayerischen Kartenspielern höher schlagen: Mit der App "Watten Kartenspiel" für Android kann auch dieses traditionelle Kartenspiel immer und überall gespielt werden. © Screenshot: SeidlSoft (Google Play)
Aller Technik zum Trotz: Am meisten Spaß macht Karteln immer noch, wenn man sich mit Spezln trifft. Ein beliebter Ort dafür ist der Biergarten. Eine kühle Mass, eine deftige Brotzeit, ein lauer Abend unter Kastanienbäumen sind die Inbegriffe bayerischen Lebensgefühl. Bleibt also nur noch eine Frage: Wo sind die besten Biergärten in meiner Nähe? Die App "Biergarten Guide" für iPhones weiß die Antwort darauf. Auch Benutzer von Smartphones mit Androidund Windows Phones können sich ähnliche Apps herunter laden. © Screenshot: Skycoders GmbH (Apple Store)
Das Essen darf man im Biergarten in Bayern traditionell selbst mitbringen. Nur: Wie gelingt der Obazda oder der bayerische Wurstsalat am Besten? iPhone-Besitzer bekommen beim Kochen Hilfe von der App "Schmankerlrezepte". Vom Apfelstrudel über den Schweinsbraten bis zur Weißwurst werden Geheimrezepte ausgeplaudert. So schmeckt es immer genauso "guad" wie bei Oma. © Screenshot: CulinartMedia - Apple Store
Eine nostalgische Reise in Vergangenheit kann man auch mit einer App der Bayerischen Staatsbibliothek machen. Sowohl auf Andorid-Handys als auch auf iPhones bietet die Anwendung "Bayern in historischen Karten" Einblicke, wie Bayern vor ein paar hundert Jahren war. © Screenshot: Bayerische Staatsbibliothek (Google Play)
Eines jedenfalls ist in Bayern heute noch genauso wie schon vor vielen, vielen Jahren: In Bayern gehen die Uhren anders. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn im Freistaat ticken die Uhrzeiger rückwärts. Eine echte bayerische Uhr kann man sich inzwischen nicht mehr nur zu Hause in die gute Stube hängen, sondern auch auf's Smartphone laden. Das Angebot gibt es sowohl für das Androidsystem, als auch für iOS. © Screenshot: Sonnenwald Apps (Google Play)
Dass die Bayern Humor haben und über sich selbst lachen können, beweist auch die App  "Bayern Sepp". Auf iPhonesund auf Android-Handys kann man die bayerische Version von "Flappy Bird" spielen. Anstatt eines Vogels muss bei dem Spiel ein Bayer mit Lederhose und Trachtenhut durch die Luft gelotst werden. Die Figur liebt Weißwürste und Brezn, wenn sie die Brotzeit bekommt, jodelt sie. Bei so viel Kreativität bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Saxendi, do legst di nieda, a Fetzn-Gaudi san de Apps. © Screenshot: FutecVisuals (Apple Store)

Das Heimatgefühl kann man auch verlieren. Tiesler: „Das wäre etwa der Fall, wenn Sie Menschen, die anders sind, nicht als Teil dieses Umfelds anerkennen können. Oder umgekehrt, wenn Sie auf einmal in Ihrer Heimat politisch verfolgt werden.“

Wer seine Heimat verliert, kann sogar daran erkranken: Heimweh kann körperlich krank machen. Albrecht Schnabel vom Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der LMU München sagt, dass die Anspannung, die von dem Gefühl des Fremdseins herrührt, auf Dauer der Gesundheit schaden könne. „Psychosomatische Erkrankungen wie Allergien und Magenerkrankungen werden wahrscheinlicher“, so der Sozialpsychologe.

Job + Biergarten = Heimat

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt es: München ist eine der attraktivsten Städte Deutschlands. Laut Prognosen werden im Jahr 2023 rund 1,6 Millionen Menschen hier wohnen. Wie kommt es, dass München auch für die vielen „Zuagroasten“ Heimat wird? Die tz sprach mit Dr. Sandra Maria Geschke. Sie lehrt unter anderem Stadtraumgestaltung an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg und beschreibt Heimat als einen ständigen aktiven Prozess der „Beheimatung“.

Was bedeutet „Beheimatung“?

Dr. Sandra Maria Geschke: Menschen versuchen ständig Verbindungen zu ihrer Umwelt aufzubauen. Das geschieht immer dann besonders wirksam, wenn uns z.B. ein Ort Gelegenheit dazu gibt, Facetten unserer selbst zu zeigen, denn auf diese Weise werden wir handlungsfähig.

Inwiefern handlungsfähig?

Geschke: Das kann zum Beispiel mit dem Berufsleben zusammenhängen. Wenn ich an einem Ort bin, an dem ich den Beruf ausüben kann, den ich anstrebe, empfinde ich mich als handlungsfähig.

Ziehen deswegen Menschen nach München? Wegen Arbeitgebern wie BMW oder Siemens?

Geschke: Ja, Unternehmen besitzen ganz klar eine beheimatende Kraft für Städte. Umgekehrt können viele Städte, die mit Abwanderung zu kämpfen haben, eine berufliche Verwurzelung oft nicht bieten.

Der Beruf ist aber doch nicht alles.

Geschke: Nein. In einer Stadt sind auch öffentliche Orte mit einer hohen Aufenthaltsqualität wichtig. Das sind Gebiete und Flächen, Straßen und Plätze, die mich zum Bleiben anregen, an denen ich mich mit anderen treffe und etwas unternehmen, aber auch gestalten kann. An so einem urbanen Ort beheimaten sich Menschen, indem sie Vielfalt leben und erleben können.

In München fallen mir da die Biergärten ein.

Geschke: Ja, genau. Erholungs- und Kommunikationsorte wie diese sind ganz wichtige Elemente für Beheimatungsprozesse.

Wie ist das mit Flüchtlingen aus anderen Kulturen: Die können ja oft nicht genau so leben, wie in ihren Heimatländern. Können die dann überhaupt hier heimisch werden?

Geschke: Ja, es ist nur wichtig, dass darüber gesellschaftlich verhandelt wird. Das Ergebnis ist dann nicht immer das Entscheidende, sondern dass niemand das Gefühl hat, es wird über seinen Kopf hinweg und ungeachtet seiner Position entschieden.

In der Realität scheint das aber nicht immer so gut zu klappen. Das Thema macht vielen Menschen Angst. Sie befürchten, dass ihnen ihre Heimat irgendwann fremd wird.

Geschke: Das betrifft ja nicht nur Flüchtlinge. Es existiert immer die Situation in einer Stadt, dass es Menschen gibt, die dort schon erfolgreich beheimatet sind und solche, die neu sind. Da sind unterschiedliche Vorstellungen vom und Ansprüche an das Zusammenleben vorprogrammiert. Bei Konflikten sollte eine Balance zwischen Tradition und Innovation gefunden werden. Daran zeigt sich wieder der Kern des Beheimatens: Es ist ein ständiger Prozess.

Interview: Lukas Kurkowski

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