Schwerer Unfall auf A94 in der Nacht: BMW-Fahrer (26) eingeklemmt - Verstörende Szene folgt danach

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Vorhofflimmern, Stents, Schmerzmittel, Panik

Herz-Probleme: Mediziner beantworten brennende Fragen

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Sorge ums kranke oder geschwächte Herz: Viele Patienten haben großen Aufklärungsbedarf.

München - Herzinfarkt oder Schlaganfall – die Angst vor einem solchen Gesundheits-GAU im menschlichen Maschinenraum quält viele Patienten mit einem kranken oder geschwächten Herzen.

Umso verunsicherter sind sie im Alltag, ihr Aufklärungsbedarf bezüglich Alarmsignalen, Vorsorge, Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten ist riesengroß. Auch deshalb, weil in der Arztpraxis nicht immer genügend Zeit für ein ausführliches Gespräch bleibt, oder manche Frage erst dann wieder auftaucht, wenn gerade kein Mediziner greifbar ist. Hier leistet die Deutsche Herzstiftung wertvolle Hilfestellung. Diesen Zusammenschluss von Experten und Patienten gibt es bereits seit 36 Jahren, mehr als 87 000 Mitglieder vertrauen auf die hohe Qualität der Ratschläge rund um verschiedenste Herzerkrankungen, die sich in diesem Schmelztiegel des Wissens sammeln. So profitieren Patienten unter anderem von einer Lesersprechstunde, die die Herzstiftung in ihrer Zeitschrift Herz heute anbietet (siehe unten). Auf dieser Seite dokumentiert die tz die neuesten Fragen und Experten-Antworten aus der aktuellen Ausgabe.

Margarine statt Butter?

Martin W., Paderborn: "Man liest immer wieder, dass es keinen Sinn macht, des Cholesterins wegen Margarine statt Butter zu essen. Es wird sogar behauptet, die Nachteile der Margarine seien größer als der Nutzen. Wie ist Ihre Empfehlung hierzu?"

Prof. Dr. Helmut Gohlke:Es ist nicht gesichert, ob der Austausch von Butter durch Margarine einen günstigen Effekt hat. Negative Auswirkungen sind bei einer in Europa hergestellten Margarine jedoch nicht zu erwarten. Wichtiger ist, sich gesund zu ernähren. Wir empfehlen das Konzept der Mittelmeerküche mit viel Gemüse, Salat, Obst, Vollkornprodukten, wenig Fleisch, eher Fisch. Außer einem gesunden Lebensstil (mediterrane Küche, regelmäßige körperliche Aktivität, Nichtrauchen) sollten Sie mithilfe von Statinen ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl erreichen.

Wie verbessere ich mein Training?

Otto M., Prenzlau: "Im Februar 2007 erlitt ich (52) einen Herzinfarkt, in dessen Folge ich zwei Stents und einen Stent-in-Stent erhielt. Alle späteren Kontrollen waren ohne Befund. Nun war ich im Oktober 2014 in einer Rehaklinik. Dadurch bin ich wieder sportlicher geworden. Mittlerweile sitze ich täglich auf meinem Ergo-Rad und fahre derzeit bei 115 Watt 22 Minuten. Ist es sinnvoller, vorrangig die Wattzahl zu erhöhen oder die Zeit?"

Prof. Dr. Christoph Nienaber: In Ihrem Alter könnten Sie sogar versuchen, die Belastung und die Dauer zu steigern, wenn Ihr Kardiologe es Ihnen erlaubt. Meine Empfehlung ist allerdings, vorrangig die Belastungsdauer bei einer Grenze von 115 Watt langsam zu steigern, z.B. auf 30 Minuten. Wenn Sie das erreichen, sind Sie auf einem guten Weg.

Ereignisrekorder

Theresa S., Sömmerda: "Immer wieder tritt bei mir starkes, unregelmäßiges Herzklopfen auf. 2013 wurden ein Ruhe- und ein Belastungs-EKG gemacht. Auch eine Myokardszintigraphie ergab keinen Befund. Ende 2014 wurden Ruhe- und Belastungs-EKG wiederholt, wieder ohne Befund. Heute hatte ich wieder die ganze Nacht Herzklopfen, das Blutdruckmessgerät zeigte unregelmäßigen Puls an. Können Sie mir einen Rat geben?"

Dr. Vinzenz von Kageneck: "Bei Herzrhythmusstörungen, die nur kurze Zeit auftreten, insbesondere bei anfallsweisem Vorhofflimmern, geschieht es häufig, dass die zunächst durchgeführten Untersuchungen die Herzrhythmusstörung nicht nachweisen können. Selbst ein Langzeit-EKG kann ohne Ergebnis sein, wenn gerade in der Zeit, in der das Langzeit-EKG den Herzrhythmus dokumentiert, Vorhofflimmern nicht auftritt. In solchen Fällen hilft ein Ereignisrekorder. Der Ereignisrekorder ist nicht viel größer als eine Scheckkarte. Während der spürbaren Phase der Rhythmusstörung drückt man den Ereignisrekorder an der Brust auf die Haut, damit er ein EKG aufnimmt. Mit diesem EKG kann es gelingen, anfallsweises Vorhofflimmern nachzuweisen."

Kontrolle nach Stent-Behandlung

Verena H., Dresden: "Seit 2008 bin ich herzkrank. Nach dem ersten Auftreten von Brustschmerzen wurde ich viermal mit Stents behandelt. Seither habe ich keine Beschwerden, deshalb habe ich mich bei der Kontrolluntersuchung geweigert, einer Katheteruntersuchung zuzustimmen. Gibt es Alternativen dazu?"

Prof. Dr. Thomas Voigtländer: "Wenn Sie keine Beschwerden haben, ist eine Herzkatheteruntersuchung nicht erforderlich. Eine Ultraschalluntersuchung sowie ein Belastungs-EKG sind zunächst ausreichend. Sollten sich allerdings Hinweise für eine Minderdurchblutung des Herzmuskels ergeben, ist eine Herzkatheteruntersuchung erforderlich. Alternativen zur Herzkatheteruntersuchung gibt es insofern, als durch indirekte Verfahren (Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie, Stress-MRT) herausgefunden werden kann, ob der Herzmuskel ausreichend durchblutet wird. Die CT-Angiographie kann gelegentlich zur Analyse der Herzkranzgefäße eingesetzt werden. Aber nur mit den allerneuesten Geräten gelingt es zu überprüfen, ob der Stent offen ist. Allerdings ist die Bildqualität beeinträchtigt, wenn ausgeprägte Verkalkungen der Herzkranzgefäße bestehen."

Panikattacken

Harald E., Emmendingen: "Mein Arzt hat mir Marcumar verschrieben, weil er im EKG festgestellt hat, dass ich Vorhofflimmern habe. Ich habe von dem Vorhofflimmern nie etwas gemerkt. Marcumar hat bei mir keinerlei Nebenwirkungen. Sonst geht es mir gut. Aber seit einigen Wochen wache ich nachts auf und habe Panikattacken. Ich kann dann nicht mehr schlafen und stelle mir alles Unmögliche vor. Glücklicherweise treten die Panikattacken nur alle 2-3 Wochen auf, und dann ohne jeden Grund. Vielleicht können Sie mir etwas dagegen empfehlen?"

Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen: Ihre Schilderung legt nahe, dass Sie neben dem relativ harmlosen Vorhofflimmern eine Angstsymptomatik entwickelt haben. Die Panikattacken können viele Ursachen haben. Ich schlage vor, dass Sie sich bei einem Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder bei einem anderen psychotherapeutisch tätigen Arzt oder Psychologen vorstellen. Leider gibt es bei niedergelassenen Psychotherapeuten oft längere Wartezeiten. Wenn die Diagnose geklärt ist, kann gemeinsam entschieden werden, ob schon die Klarheit über die vermutlich harmlose Natur der Ängste Ihnen hilft oder ob eine gezielte Behandlung erfolgen sollte. Falls es sich um eine Angststörung handelt, kann diese mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt werden.

Schmerzmittel bei Rückenbeschwerden

Judith G., Berlin: "Da ich unter chronischen Wirbelsäulenbeschwerden leide, nehme ich gegen die Schmerzen seit Jahren Ibuprofen 800 dreimal täglich und zusätzlich Metamizol ein. Jetzt hat mir mein Kardiologe, bei dem ich wegen hohen Blutdrucks und hohen Cholesterins in Behandlung bin, geraten, kein Ibuprofen mehr zu nehmen, weil es das Risiko für Herzerkrankungen erhöht. Welches Medikament darf ich gegen meine Schmerzen nehmen?"

Dr. Vinzenz von Kageneck: Unter den sogenannten NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika), zu denen auch Ibuprofen gehört, hat Naproxen die geringsten unerwünschten Wirkungen auf das Herz. Allerdings sollte man auch Naproxen vorsichtig anwenden, denn es erhöht das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt mehr als Ibuprofen. Man kann dabei das Blutungsrisiko durch Einnahme eines Protonenpumpenhemmers wie Pantoprazol verringern.

Geringes Risiko: kein Gerinnungshemmer

Peter D., Sigmaringen: "Bei mir wurde Vorhofflimmern entdeckt. Mein Hausarzt, ein Internist, verschrieb mir sofort einen Gerinnungshemmer wegen der Gefahr eines Schlaganfalls. Zusätzlich wurde ich zu einem Kardiologen zur Abklärung überwiesen. Dieser sagte, dass es in meinem Fall nicht nötig sei, einen Gerinnungshemmer zu nehmen – also weder Xarelto, Marcumar noch ASS. Ich bin 60 Jahre alt, mein einziger Risikofaktor ist erhöhter Blutdruck, der aber gut eingestellt ist. Nachdem er den Bericht des Kardiologen gelesen hatte, sagte mein Hausarzt, dass er nun auch der Meinung sei: „Keine Medikamente!“ Ich bin verunsichert."

Prof. Dr. Jürgen Tebbenjohanns: "In der Tat liegt bei Ihnen ein sehr niedriges Risiko für das Auftreten eines Schlaganfalls vor. Nach den heute geltenden Leitlinien für die Behandlung von Vorhofflimmern ist eine Blutverdünnung mit Medikamenten nicht notwendig, weil in Ihrer Situation (Score-Wert 1) kein erhöhtes Risiko besteht."

Probleme mit INR-Wert

Clara F., Idstein: "Im März 2014 wurde mir Marcumar (3 mg) als Gerinnungshemmer verordnet. Trotz kontinuierlicher Einnahme und Änderung der Ernährung wurde der therapeutische Bereich, INR-Wert zwischen 2 und 3, nicht erreicht, obwohl ich jeden Tag eine Tablette einnehme. Was tun?"

Dr. Christa Gohlke-Bärwolf: Die INR- und Dosierungstabelle, die Sie mitgesandt haben, zeigt, dass Sie mit 1 Tablette täglich immer unterhalb des therapeutischen Bereiches lagen. Um einen INR-Wert zwischen 2 und 3 zu erreichen, müsste die Dosis auf 1 ¼ bis 1½ Tabletten erhöht werden. Falls Sie weiter Marcumar nehmen, wäre ein Schulungskurs zur Selbstbestimmung des Gerinnungswerts sehr hilfreich. Dadurch können Sie sich vor Komplikationen der Marcumar-Behandlung schützen. Als Alternative zu Marcumar käme einer der neueren Gerinnungshemmer in Frage wie z. B. Xarelto (1 x täglich), Pradaxa (2 x täglich) oder Eliquis (2 x täglich).

Prasugrel statt Clopidogrel

Janosch G., Braunsbedra: "Ich habe im Januar einen Stent bekommen, dabei wurden mir ASS und Plavix 75 mg verordnet für ein halbes Jahr. Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass ich auf Plavix allergisch reagierte in Form von starkem Juckreiz. Mein Kardiologe verordnete mir daraufhin Efient 10 mg, das ich gut vertrage. Beide Mittel unterscheiden sich beim Inhaltsstoff (Clopidogrel bzw. Prasugrel). Kann es durch Prasugrel Komplikationen geben?"

Prof. Dr. Thomas Voigtländer: Prasugrel ist ein guter Ersatz für Plavix und geht in aller Regel nicht mit einem erhöhten Risiko einher. Nur wenn Sie 75 Jahre oder älter sind oder weniger als 60 Kilo auf die Waage bringen, ist das Blutungsrisiko im Vergleich zu Clopidogrel höher.

Erhöhter Blutdruck unter Cortison

Magdalena P., Bremerhaven: "Wegen Wirbelsäulenbeschwerden wurde mir gegen die Schmerzen ein Cortisonpräparat gespritzt (Triamhexal 40). In den darauf folgenden Tagen war der Blutdruck morgens und abends 170/100 und der Puls um die 100. Auch nach einem Medikamentenwechsel – ich bin Bluthochdruckpatientin – ist der Blutdruck noch nicht zufriedenstellend. Wie soll ich mich verhalten?"

Prof. Dr. Dieter Klaus: Bei wiederholter Anwendung und dosisabhängig haben Cortisonpräparate Nebenwirkungen, zu denen auch ein Blutdruckanstieg und eine Beschleunigung der Herztätigkeit zählen können. Da Sie ein Cortisonpräparat als Depot einmalig erhalten haben, ist mit einer allmählichen Abnahme der Nebenwirkungen zu rechnen. Wie lange die Depotwirkung anhält, ist unterschiedlich, man kann mit zwei bis vier Wochen rechnen. In der Zwischenzeit müssen Sie versuchen, in Rücksprache mit Ihrem Arzt, den Blutdruck zu normalisieren, z. B. durch Erhöhung der Dosis Ihres Blutdruckmedikamentes (obere Norm 140/90 mmHg).

Infos von der Herzstiftung

Die Patientenfragen und die Antworten der Experten stammen aus Herz heute, der Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung. Sie erscheint vierteljährlich und bietet wertvolle Infos rund ums Thema Herz/Kreislauf – wissenschaftlich fundiert und allgemeinverständlich erklärt. Interessenten können unter der Email-Adresse info@herzstiftung.de eine kostenlose Leseprobe anfordern (Stichwort „Leseprobe Herz heute“).

Andreas Beez

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