Neue tz-Serie:

Das Herz: Top-Ärzte erklären ihre besten Therapien

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Das anatomische Modell eines menschlichen Herzens.

München - Zahlreiche Volkskrankheiten und Beschwerden machen vielen Menschen zu schaffen. Dazu liefert die tz jetzt einen Überblick - und Top-Ärzte erklären ihre besten Therapien.

Der Rücken sticht und brennt, Knochen und Gelenke schmerzen, Husten hält sich hartnäckig, die Augen lassen nach, der Kreislauf spielt verrückt. Mal Hand aufs Herz: Fast jeder von uns kennt solche klassischen Beschwerden – oder zumindest ein Familienmitglied, einen Freund oder einen Arbeitskollegen, der darunter leidet. Aber längst nicht alle Betroffenen wissen, wie vielschichtig, effektiv und schonend die moderne Medizin den meisten Patienten helfen kann. Dazu liefert die tz jetzt einen Überblick – mit einer neuen Serie zu Volkskrankheiten bzw. Beschwerden, die vielen Menschen zu schaffen machen.

Wir konnten über 130 Top-Ärzte aus München und der Region dafür gewinnen, ihre besten Therapien zu verschiedenen Volkskrankheiten zu erklären – natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit (siehe Beipackzettel zur Serie rechts). Denn die Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten ist gewaltig, und es entwickeln sich gerade in München, einer Hochburg der Hochleistungsmedizin, praktisch laufend interessante Alternativen. Mit unserer Serie wollen wir Sie, liebe Leser, dabei unterstützen, sich im Info-Dschungel aus Therapieangeboten und Fachchinesisch besser zurechtzufinden. Wichtig dabei: Die Erläuterungen der Experten dienen zur Orientierung, können aber die persönliche Beratung durch einen oder besser mehrere Ärzte in keinem Fall ersetzen.

Der Beipackzettel zu unserer Medizin-Serie

Wechselwirkungen

: Die Ärzte, die in unserer Serie jeweils nur eine Therapie bzw. eine Erkrankung erklären, kennen sich oft auch bei anderen Behandlungsmöglichkeiten bzw. Krankheitsbildern gut aus. Umgekehrt gilt: Es gibt in der Regel auch viele andere Ärzte, die die hier vorgestellten Therapien gut beherrschen.

Neue Herzklappe

Unser Experte

Prof. Rüdiger Lange, Deutsches Herzzentrum, München, Lazarettstr. 36, 80636 M., T.: 089-12184111, www.dhm.mhn.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Kathetergestützte Implantation einer Aortenklappenprothese (TAVI). Übersetzt: neue Herzklappe.

Diese Untersuchungen sind nötig

Prof. Rüdiger Lange

Befragung, körperliche Untersuchung, Untersuchung des Blutes, Ultraschalluntersuchung des Herzens, Herzkatheter-Untersuchung mit Darstellung der Blutgefäße am Herzen, Ultraschall-Untersuchung der Halsgefäße und der Blutgefäße an der Leiste, Computertomografie (CT), Untersuchung der Zähne und der Nasennebenhöhlen.

Die typischen Beschwerden

Atemnot bei körperlicher Belastung (beispielsweise Treppensteigen) oder auch in Ruhe, Schwindel, kurzzeitige Bewusstlosigkeit, Druckgefühl oder stechende/brennende Schmerzen im Brustkorb.

Das Einsatzgebiet

Ältere Patienten ab 75 Jahren mit Verkalkungen der Aortenklappe, die zu einer Verengung (Stenose) der Aortenklappe geführt haben und deren Risiko bei einer herkömmlichen Herzklappen-OP als hoch eingeschätzt wird.

So funktioniert’s

Ein Katheter – das heißt: ein dünner, biegsamer Kunststoffschlauch, in dem eine Herzklappenprothese verpackt ist – wird über ein Blutgefäß in der Leiste in die große Körperschlagader (Aorta) eingeführt und bis zum Herzen bzw. bis in die Aortenklappe vorgeschoben. Die im Katheter befindliche Herzklappenprothese wird aus dem Katheter freigesetzt, drückt die erkrankte Herzklappe zu Seite und übernimmt deren Ventilfunktion.

Der Ablauf

Der Eingriff wird in einem speziell dafür eingerichteten modernen Operationssaal durchgeführt und dauert ca. 1 bis 2 Stunden. Er wird in Allgemein- oder Dämmerschlafnarkose gemacht – in Abhängigkeit vom Zustand und den Erfordernissen des Patienten. Im Anschluss wird der Patient auf der Intensivstation überwacht und am Folgetag auf die Pflegestation verlegt. Hier schließt sich ein ca. einwöchiger Aufenthalt mit intensiver Krankengymnastik an. Etwa 5 Tage nach der Operation werden Kontrolluntersuchungen (Ultraschall-Untersuchung des Herzens, Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs) durchgeführt, bevor die Anschlussheilbehandlung in einem Rehabilitationszentrum beginnt.

Chancen und Risiken

Das Verfahren ist zurzeit noch eher älteren Patienten vorbehalten, die zusätzliche Begleiterkrankungen aufweisen. Darüber hinaus kommt es auch zur Anwendung, wenn die Patienten aus bestimmten Gründen ein außergewöhnlich hohes Risiko für eine herkömmliche Operation aufweisen. Herzrhythmusstörungen können auftreten. In manchen Fällen ist es erforderlich, einen Herzschrittmacher einzusetzen, wenn das Herz nach dem Herzklappeneingriff zu langsam schlägt.

Kosten

Werden von allen Krankenkassen übernommen, wenn die international anerkannten Richtlinien eingehalten werden.

Anmerkungen, Erläuterungen

Eingriffe dieser Art werden seit 2006 am Deutschen Herzzentrum München (DHM) durchgeführt. Damit war das DHM eine der ersten Kliniken in Deutschland, die dieses neue Verfahren angewendet haben. Bisher wurden mehr als 2000 Patienten erfolgreich behandelt.

Bypass-OP

Unser Experte

Prof. Christian Hagl, Uniklinikum Großhadern, Marchioninistr. 15, 81377 ­München, Tel.: 089/4400-72950, www.klinikum.uni-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Bypass-Operation.

Diese Untersuchungen sind nötig

Prof. Christian Hagl

Befragung, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren wie Herzkatheter und/oder Computertomografie (CT), Untersuchung der Lungenfunktion, Untersuchung der Halsschlagadern, Untersuchung weiterer Organsysteme wie Niere und Leber.

Die typischen Beschwerden

Patienten klagen häufig über Brustschmerzen unter Belastung und/oder bei Kälte. Diese können in Rücken, Arme, Bauch oder auch Hals ausstrahlen. Manchmal treten Schmerzen auch in Ruhe oder bei Aufregung auf. Bei zunehmenden Schmerzattacken ist das als Warnsignal für einen Herzinfarkt zu werten. Dann sollte man sofort zum Hausarzt, Kardiologen oder auch Herzchirurgen gehen.

Das Einsatzgebiet

Sind mehrere Herzkranzgefäße gleichzeitig betroffen oder bei jüngeren Patienten, vor allem mit Diabetes mellitus, bestehen bei der Bypass-OP Vorteile gegenüber den Katheterverfahren. Bei bestimmten Indikationen (siehe Fachbegriffe oben) sind beide Verfahren gleichwertig.

So funktioniert’s

In der Regel werden Gefäße aus Bein oder Arm als Bypass-Material verwendet. Diese funktionieren wie Umleitungen um die Engstellen in den Herzkranzgefäßen. In der Regel muss der Brustkorb dafür geöffnet werden, eine Herz-Lungen-Maschine hält den Kreislauf aufrecht und schützt das Herz vor Schäden. Am Ende führt die OP zu einer deutlich verbesserten Durchblutung des Herzens.

Der Ablauf

Patienten werden in tiefer Narkose operiert. OP-Dauer 2 bis 3 Stunden. Nach der OP werden die Patienten mindestens 12 bis 24 Stunden auf der Intensivstation überwacht. Danach Verlegung auf Normalstation und frühzeitige Mobilisation (Aufstehen, Waschen). Der Klinikaufenthalt dauert zwischen 8 und 12 Tage. Danach Reha.

Chancen und Risiken

Die Bypass-OP hat eine sehr hohe Erfolgsquote, das Risiko ist für eine Herz-OP als eher gering einzustufen. Natürlich hängt dies mit den Begleiterkrankungen und dem Alter des Patienten zusammen. Trotzdem sind bereits 15% der Patienten, die eine Bypass-OP bekommen, über 80 Jahre alt. Neben den bekannten Komplikationen, die bei jeder OP auftreten können, sind Wundheilungsstörungen, die Notwendigkeit von Herzschrittmachern, aber auch selten Schlaganfall oder Herzinfarkt zu nennen.

Kosten

Die Kosten werden von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, eine Anschlussheilbehandlung steht jedem Bypass-operierten Patienten zu.

Anmerkungen, Erläuterungen

Bei Vorliegen einer schweren Erkrankung der Herzkranzgefäße ist es sinnvoll, verschiedene Therapieoptionen miteinander zu vergleichen. Hier steht der schonendere Eingriff eines mittels Katheter durchgeführten Verfahrens dem häufig länger anhaltenden Effekt der aufwendigeren OP gegenüber. Dabei sind Beratungen im Herzteam mit einem Kardiologen und einem Herzchirurgen wichtig.

Stents (Gefäßstützen)

Unser Experte

Prof. Michael Block, Klinik Augustinum, Wolkerweg 16, 81375 M., Tel. 089/ 7097 1154, www.augustinum-kliniken.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Beseitigung von Verengungen der Herzkranzgefäße mit Stents.

Diese Untersuchungen sind nötig

Prof. Michael Block

Blutuntersuchung (u.a. auf Troponin, das bei Schädigung von Herzmuskelzellen freigesetzt wird), EKG oder Herzultraschall. Untersuchungen unter Belastung (EKG, Stressechokardiografie, Myokardszintigrafie, Stress-Magnetresonanztomografie) sowie Herz-Computertomografie.

Die typischen Beschwerden

Schmerzen im vorderen Brustkorb (Engegefühl = Angina pectoris) evtl. mit Ausstrahlung in Arme, Unterkiefer, Oberbauch oder zwischen die Schulterblätter. Entweder in Ruhe, zumeist anhaltend auftretend mit Verdacht auf akuten Herzinfarkt oder unter körperlicher Belastung.

Das Einsatzgebiet

Bei akutem Herzinfarkt sowie bei belastungsabhängiger Angina pectoris und/oder Nachweis einer Durchblutungsstörung in der Belastungsuntersuchung. In seltenen Fällen ist eine Bypass-OP vorzuziehen.

So funktioniert’s

Ein circa 2 mm dickes Schläuchlein (Katheter) wird durch die Leiste oder den Arm eingeführt und bis ins Herz vorgeschoben. Beurteilung der Engstelle mit Bildgebung (Koronarangiografie) und Druckmessungen. Dann wird die Verengung mit einem dünnen (ca. 1/3 mm), weichen Draht passiert. Damit wird ein Ballon zur Verengung befördert. Er drückt Kalk, Fettpolster, Entzündungszellen und Gerinnsel, aus denen die Verengung besteht, nach außen. In Einzelfällen kommt auch ein Diamantbohrkopf zum Einsatz. Nach der Ballonerweiterung wird ein Stent eingesetzt – eine zylinderförmige Gitterröhre –, um das Gefäß auf Dauer offen zu halten. Der Stent ist auf einem Ballon vormontiert und wird durch ihn mit hohem Druck an die Wand des Herzkranzgefäßes gepresst.

Der Ablauf

Eingriff unter lokaler Betäubung. Die Darstellung der Herzkranzgefäße ist nach ca. 10 min abgeschlossen. Die Reparatur an den Herzkranzgefäßen selbst kann zwischen einer Viertelstunde und 1 bis 2 Stunden schwanken. Nach dem Eingriff sollte der Patient über Nacht überwacht werden, nach einem Herzinfarkt länger. Bei einem Eingriff über die Leiste wird eine mehrstündige Liegezeit erforderlich. Bei Versorgung mit medikamentenbeschichteten Stents muss mit zwei Blutplättchenhemmern (häufig ASS und Clopidogrel) über zumindest 6 Monate nachbehandelt werden, um einen Verschluss des Stents durch eine Thrombose zu verhindern. Ausnahmen gibt es bei Patienten, die eine Blutverdünnung haben – z. B. mit Marcumar.

Chancen und Risiken

Etabliertes Therapieverfahren, das immer effektiver und sicherer wurde. 2014 ca. 50 000 Eingriffe in Bayern. Bei akuten Herzinfarkten wurde bei 89 % der Patienten das Herzkranzgefäß erfolgreich wiedereröffnet, bei geplanten Eingriffen in 95 % der Fälle. Für geplante Stentinterventionen berechnet sich die Komplikationsrate aus Herzkranzgefäßverschlüssen, Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen auf insgesamt 3,5 %, für akute Herzinfarkte sogar auf 9,4 %. Die Sterblichkeit während oder unmittelbar nach dem Eingriff liegt bei 2,8 % einschließlich aller Notfälle.

Kosten

Wird von allen Kassen bezahlt.

Anmerkungen, Erläuterungen

Bei komplizierten Fällen ist eine Beratung in einer Herzteam-Konferenz sinnvoll. Die Stentimplantation wird in der Klinik Augustinum München seit Jahrzehnten täglich bei mehreren Patienten durchgeführt.

Neues Mittel

Unser Experte

Professor Dr. Heribert Schunkert

Prof. Heribert Schunkert, Deutsches Herzzentrum München, Lazarettstr. 36, 80636 M., Tel. 089-1218-4073, www.dhm.mhn.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Neues Medikament bei Herzmuskelschwäche. Der Name der Substanz war während der wissenschaftlichen Entwicklung LCZ696. Die ­Substanz heißt jetzt Entresto.

Diese Untersuchungen sind nötig

Messung von Herzfrequenz und Blutdruck, körperliche Untersuchung, EKG und Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echo), evtl. Herzkatheteruntersuchung.

Die typischen Beschwerden

Luftnot bei körperlicher Belastung, evtl. auch in Ruhe, die bei flachem Liegen zunimmt.

Das Einsatzgebiet

Patienten mit hochgradig eingeschränkter Herzleistung (systolisch unter 40 %).

So funktioniert’s

Seit vielen Jahren werden sogenannte ACE-Hemmer oder AT1-Blocker in der Behandlung der Herzmuskelschwäche eingesetzt. Das neue Präparat vereinigt die Wirkungsweise dieser Medikamente mit einem zweiten Therapie-Ansatz. Dadurch kommt es zu einer weiteren Entlastung des Herzens, die Prognose kann sich nachhaltig verbessern.

Der Ablauf

Patienten mit typischen Beschwerden wie Luftnot unter Belastung oder ­Wassereinlagerungen im Körper sollten sich bei ihrem Kardiologen oder einer Spezialsprechstunde für Patienten mit Herzmuskelschwäche vorstellen. Dort wird geprüft, ob die neue Substanz von Vorteil sein könnte. Im Anschluss erfolgt der Austausch des ACE-Hemmers bzw. AT1-Blockers, die heutzutage standardmäßig bei Herzmuskelschwäche verordnet werden, gegen das neue Medikament. Die Behandlung muss im Verlauf der nächsten Wochen gegebenenfalls angepasst werden, wozu weitere ambulante Kontrollen erforderlich sein können.

Chancen und Risiken

Eine große Studie mit vielen Tausend Patienten beweist die Überlegenheit des neuen Wirkstoffes. Er konnte sowohl die Symptomatik (Beschwerden) lindern als auch die Prognose (das langfristige Überleben) steigern.

Kosten

Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.

Anmerkungen, Erläuterungen

Neben der medikamentösen Behandlung ist auch eine allgemeine Therapie der Herzschwäche vonnöten. Dazu gehören eine angepasste Flüssigkeitszufuhr (etwa 1,5 Liter am Tag), eine angepasste Ernährung sowie wohl dosierte körperliche Aktivität. Zudem sind in Kombi mit dem neuen Medikament weitere Wirkstoffe üblicherweise notwendig. Diesbezüglich sollte der Arzt Erfahrung in der Betreuung von Patienten mit Herzmuskelschwäche haben.

Schirmchen

Unser Experte

Prof. Alexander Leber, Isarklinikum München, Sonnenstr. 24-26, 80333 München, Tel. 089/ 149903 6000, www.isarklinikum.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Minimalinvasiver kathetergesteuerter Schirmchenverschluss von Löchern der Scheidewand des Vorhofs im Herzen. Umgangssprachlich: Verschluss von Löchern im Herzen.

Diese Untersuchungen sind nötig

Ultraschall (auch über die Speiseröhre), MRT.

Die typischen Beschwerden

Der Vorhofseptumdefekt (ASD) ist einer der häufigsten angeborenen Herzfehler (5–10 %). Es handelt sich um ein Loch im Vorhofseptum (Vorhofscheidewand). Dabei gelangt Blut aus dem linken in den rechten Vorhof. Etwa ein Drittel aller ASD werden erst im Erwachsenenalter entdeckt, vor allem kleinere Defekte. Dabei kann es durch Überlastung des rechten Herzens zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit und zu Luftnot bei Belastung kommen.

Das Einsatzgebiet

Bei kleinen Defekten wie dem „persistierenden Foramen ovale“ (PFO) entstehen normalerweise keine Symptome. Die Gefahr dieser kleinen Defekte liegt jedoch darin, dass Blutgerinnsel aus dem venösen System (z.B. aus den Beinen) über das kleine Loch in das arterielle System übertreten und dort Schlaganfälle auslösen können. Bei großen Defekten, bei denen mehr als 50 % des Blutvolumens als Kurzschluss über den Defekt vom rechten ins linke Herz gelangen, ist ein Verschluss angezeigt.

So funktioniert’s

Über einen Zugang über die Leistenvene wird ein dünner Schlauch (Katheter) in den rechten Vorhof und dann über das Loch in den linken Vorhof vorgeschoben. Der Verschluss-Schirm besteht aus zwei Einzel-Schirmchen, die die Scheidewand und das darin befindliche Loch wie bei einem Sandwich in ihre Mitte nehmen und somit im aufgespannten Zustand den Defekt verschließen.

Der Ablauf

Die Prozedur ist relativ ungefährlich und dauert nur 20 bis 40 Minuten. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig, und in der Regel kann der Patient am nächsten Tag nach Hause. Nach der Behandlung ist eine Blutplättchenhemmung mit Aspirin und Clopidogrel für 6 Monate erforderlich.

Chancen und Risiken

Die Erfolgsrate liegt bei fast 100 %.

Kosten

Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.

Anmerkungen, Erläuterungen

Neue Studien zeigen: Bei Patienten nach Schlaganfall, für den keine Ursache gefunden werden kann und die ein PFO aufweisen, kann ein Schirmchen-Verschluss das Risiko für erneute Schlaganfälle um mehr als 50 % senken (Respect-Studie).

Clipping

Unser Experte

Prof. Steffen Massberg

Prof. Steffen Massberg, Uniklinikum Großhadern, Marchioninistr.15, 81377 M., T: 089/4400-72371, www. klinikum.uni-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Interventionelle (nicht-operative) Behandlung der Undichtigkeit der Mitralklappe (Herzklappe zwischen linker Vor- und Hauptkammer).

Diese Untersuchungen sind nötig

Ultraschalluntersuchungen (sowohl von außen als auch von innen als ­Schluckultraschall); Herzkatheteruntersuchung.

Die typischen Beschwerden

Atemnot bei Belastung und/oder beim Schlafen, verminderte Belastbarkeit und körperliche Schwäche, Wassereinlagerungen in der Lunge.

Das Einsatzgebiet

Das Mitralklappen-Clipping ist sinnvoll bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine herkömmliche Herz-OP – etwa für ältere Menschen mit Herzschwäche oder eingeschränkter Nieren- oder Lungenfunktion. Bei jüngeren Patienten ohne solche Beschwerden ist eher eine klassische OP ratsam.

So funktioniert’s

Über die Leiste werden dünne Katheter bis in das Herz befördert. Über diese Mini-Schläuchlein werden kleine „Clips“ an den Segeln der Herzklappe angebracht. Diese Clips sind mit sehr kleinen „Wäscheklammern“ vergleichbar, denn sie verbinden die beiden Herzklappensegel an der Stelle, an der die Undichtigkeit entsteht. In der Regel werden ein bis zwei Clips eingesetzt.

Der Ablauf

Die etwa einstündige Behandlung erfolgt meist in Vollnarkose, da die Behandlung über eine Schluckultraschalluntersuchung gesteuert wird. Danach verbringt der Patient üblicherweise eine Nacht auf einer Überwachungsstation. Wenige Tage später wird er entweder nach Hause oder in die Reha entlassen.

Chancen und Risiken

Das Mitralklappen-Clipping ist eine relativ neue, aber sehr sichere und effektive Behandlungsmethode. Bei fast allen Patienten führt die Behandlung zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden (vor allem der Atemnot bei Belastung). Die Komplikationsraten sind im Vergleich zu einer konventionellen Herz-OP sehr gering. Wenige Patienten müssen nachoperiert werden. Bei Patienten mit einem niedrigen OP-Risiko wird jedoch die konventionelle Herz-OP bevorzugt. Grund: Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Langzeitprognose bei diesen – in der Regel jüngeren – Patienten mit der OP besser ist.

Kosten

Werden von allen Kassen übernommen.

Anmerkungen

Weltweit wurden bisher ca. 25 000 Patienten behandelt, wobei die meisten Erfahrungen in Deutschland gesammelt wurden. Der Eingriff ist auch für erfahrene Kardiologen relativ komplex, sodass diese Eingriffe nur an ausgewählten Zentren sicher und erfolgreich durchgeführt werden.

Defibrillator

Unsere Expertin

Prof. Ellen Hoffmann

Prof. Ellen Hoffmann, Städt.Klinikum Bogenhausen, Englschalkinger Str. 77, 81925 M. Tel.: 089/ 9270-2071, www.klinikum-muenchen.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Implantation (Einsetzen) eines Defibrillators.

Diese Untersuchungen sind nötig

Ruhe-EKG, Blutwerte, Herz-Ultraschall, Herzkatheter-Untersuchung, evtl. Elektrophysiologische Untersuchung zum Ausschluss oder zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen.

Die typischen Beschwerden

Zeichen der Herzschwäche wie Kurzatmigkeit, geminderte Leistungsfähigkeit oder geschwollene Beine. Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Das Einsatzgebiet

Der Defi wird Patienten mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche schnelle Herzrhythmusstörungen aus der Herzkammer (Kammerflimmern, Kammertachykardien) empfohlen. Ziel ist es, diese Patienten vor einem plötzlichen Herztod zu schützen.

So funktioniert’s

Über Sonden im Herzen analysiert das Gerät jeden Herzschlag. Im Falle einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung erkennt der Defi die Gefahr innerhalb weniger Sekunden. Durch kurze Impulse erzeugt er eine schmerzfreie Überstimulation, Fachleute sprechen von „Therapie-Abgaben“. Wenn diese nicht ausreichen, gibt der Defi einen Schock ab.

Der Ablauf

Die OP erfolgt unter örtlicher Betäubung mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln und dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden. Es ist ein circa fünf cm langer Schnitt nötig. Die Defibrillator-Sonden werden durch die Vene unter dem linken Schlüsselbein eingeführt. Sie werden im Herzen und im Weichteilgewebe des Schlüsselbeins befestigt. Im Fettgewebe oder unter dem Brustmuskel wird eine Tasche geformt. In der Tasche wird dann das Gerät platziert und so versteckt. Das Gerät selbst ist ca. 5 x 6 x 1 cm groß und ca. 60 g schwer. Von außen ist es kaum zu sehen. Der Defi ist nach dem Einsetzen sofort funktionstüchtig.

Chancen und Risiken

Studien zeigen, dass sich das Risiko eines plötzlichen Herztods durch den Defi um ca. 75 Prozent verringert. Zudem kann sich bei ­Patienten mit Herzschwäche in vielen Fällen die Lebensqualität verbessern. Mögliche Komplikationen: in seltenen Fällen Blutungen und Blutergüsse, Infektionen, das Lockern der Sonden und unnötige Defi-Stimulationen.

Kosten

Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen.

Anmerkungen, Erläuterungen

Das städtische Klinikum Bogenhausen gehört zu den größten Implantationszentren in Bayern. 2015 wurden insgesamt 370 Schrittmacher und Defibrillatoren eingesetzt.

Vorhofflimmern: Ablation

Vorhofflimmern: Ablation

Unser Experte

PD Dr. Clemens Jilek, Schön Klinik Starnberger See, Münchner Str. 23-29, 82335 Berg, Tel. 08151/ 17-0, www.schoen-kliniken.de

Art bzw. Bezeichnung der Therapie

Katheter-gestützte Ablation (Verödung)von Vorhofflimmern.

Diese Untersuchungen sind nötig

PD Dr. Clemens Jilek

Ausführliche Befragung, EKG, evtl. Langzeit-EKG, Herz-Ultraschall, ggfs. weitere Abklärung z.B. der Herzdurchblutung, auf Vorliegen einer Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung oder eine Lungenembolie. Blutuntersuchung, z.B. Elektrolyte (Mineralstoffe) und auf Vorliegen einer Schilddrüsenüberfunktion, einer Nierenfunktionsstörung und einer Zuckererkrankung.

Die typischen Beschwerden

Herzstolpern, Herzrasen, unregelmäßiger Herzschlag, Luftnot, Druck auf der Brust, Brustenge, Brustschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Bewusstlosigkeit (selten), Müdigkeit, Leistungsminderung.

Das Einsatzgebiet

Bei Vorhofflimmern ist die Elektrik des Herzens gestört. Dies führt zur Entstehung von Flimmerwellen im Vorhof, wodurch die Pumpleistung der Vorhöfe aufgehoben wird. Die Herzkammern schlagen oft schnell und unregelmäßig. Die Ablation wird bei anfallsartigem, länger anhaltendem und sogar bei durchgängigem Vorhofflimmern angewendet.

So funktioniert’s

Ablation (Verödung): minimalinvasiver Eingriff über die Leistenvenen zum Ausschalten der Störfeuer aus den Lungenvenen mit Radiofrequenz (Strom) oder Cryotechnik (Kälte).

Der Ablauf

Patient schläft, aber atmet selbst, Zugang über die Leistenvenen zum Herzen. Verödung der Einmündung der Lungenvenen durch Ziehen von isolierenden Kreisen um die Einmündung der Venen. Dies führt dazu, dass die Störfeuer aus den Venen durch die Verödungskreise den Vorhof nicht mehr erreichen können und die Elektrik des Vorhofs damit auch nicht stören können. Hinterher Druckverband auf der Leiste (12 Stunden), einige Tage Schonung.

Chancen und Risiken

Erfolgsquote je nach Art des Vorhofflimmerns bis zu 70 Prozent. Geringe Komplikationsrate. In seltenen Fällen u.a. Schlaganfall, Herzbeutelerguss, Verengung der Lungenvene.

Kosten

Werden von allen Kassen getragen.

Anmerkungen, Erläuterungen

In den ersten 6 Wochen können noch Rhythmusstörungen auftreten, da die Ablationspunkte erst abheilen müssen. Dies bedeutet nicht, dass die Ablation nicht erfolgreich war. Insbesondere direkt nach der Ablation ist die konsequente Einnahme von Blutverdünnern sehr wichtig, damit kein Schlaganfall bzw. Embolie entsteht.

Schirmchen 

Unser Experte 

Prof. Alexander Leber, Isarklinikum München, Sonnenstr. 24-26, 80333 München Tel. 089/ 149903 6000, www.isarklinikum.de 

Art bzw. Bezeichnung der Therapie 

Minimalinvasiver kathetergesteuerter Schirmchenverschluss von Löchern der Scheidewand des Vorhofs im Herzen. Umgangssprachlich: Verschluss von Löchern im Herzen. 

Diese Untersuchungen sind nötig 

Ultraschall (auch über die Speiseröhre), MRT. 

Die typischen Beschwerden 

Der Vorhofseptumdefekt (ASD) ist einer der häufigsten angeborenen Herzfehler (5–10 %). Es handelt sich um ein Loch im Vorhofseptum (Vorhofscheidewand). Dabei gelangt Blut aus dem linken in den rechten Vorhof. Etwa ein Drittel aller ASD werden erst im Erwachsenenalter entdeckt, vor allem kleinere Defekte. Dabei kann es durch Überlastung des rechten Herzens zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit und zu Luftnot bei Belastung kommen. 

Das Einsatzgebiet 

Bei kleinen Defekten wie dem „persistierenden Foramen ovale“ (PFO) entstehen normalerweise keine Symptome. Die Gefahr dieser kleinen Defekte liegt jedoch darin, dass Blutgerinnsel aus dem venösen System (z.B. aus den Beinen) über das kleine Loch in das arterielle System übertreten und dort Schlaganfälle auslö- sen können. Bei großen Defekten, bei denen mehr als 50 % des Blutvolumens als Kurzschluss über den Defekt vom rechten ins linke Herz gelangen, ist ein Verschluss angezeigt. 

So funktioniert’s 

Über einen Zugang über die Leistenvene wird ein dünner Schlauch (Katheter) in den rechten Vorhof und dann über das Loch in den linken Vorhof vorgeschoben. Der Verschluss-Schirm besteht aus zwei Einzel-Schirmchen, die die Scheidewand und das darin befindliche Loch wie bei einem Sandwich in ihre Mitte nehmen und somit im aufgespannten Zustand den Defekt verschließen. 

Der Ablauf 

Die Prozedur ist relativ ungefährlich und dauert nur 20 bis 40 Minuten. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig, und in der Regel kann der Patient am nächsten Tag nach Hause. Nach der Behandlung ist eine Blutplättchenhemmung mit Aspirin und Clopidogrel für 6 Monate erforderlich. 

Chancen und Risiken 

Die Erfolgsrate liegt bei fast 100 %. 

Kosten 

Werden von allen Krankenkassen übernommen, auch von den gesetzlichen. 

Anmerkungen, Erläuterungen 

Neue Studien zeigen: Bei Patienten nach Schlaganfall, für den keine Ursache gefunden werden kann und die ein PFO aufweisen, kann ein Schirmchen-Verschluss das Risiko für erneute Schlaganfälle um mehr als 50 % senken (Respect-Studie).

Andreas Beez

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