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Der Flug der Birkenpollen ist bald zu Ende

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Die Birke blüht, dass macht Heuschnupfen geplagten zu schaffen.
Die Birke, sie blüht: Schon seit Ende März machen Birkenpollen Heuschnupfenpatienten zu schaffen, Hasel und Erle flogen bereits Mitte Januar bis März. Ein Trost: Bald sind die Birken wieder verblüht, Allergiker können aufatmen. © dpa

Dicke Augen, Rotznasen und rauer Hals: Der gemeine Heuschnupfen macht seinen Opfern das Leben schwer. Wegen des milden Winters fliegen bereits seit Wochen Birkenpollen durch die Luft.

Die Sonne scheint, kaum eine Wolke ist am Himmel, es ist schon fast sommerlich warm. Sarah Keller, 19, aus Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau) verbringt ihren freien Nachmittag am Schongauer Stausee, am „Lido“. Sie sitzt gemütlich auf einer Decke – mitten im Grünen. Ein paar Freunde sind dabei.

Alles klingt nach einem perfekten Frühlingsnachmittag, fast paradiesisch. Aber Sarah hat Heuschnupfen. Schon seit sie ein Kind war. Solche Nachmittage – irgendwo draußen in der Natur – endet sich für sie und Millionen Allergiker in Bayern oft als echte Tortur. Fast jeder Dritte leidet unter der Allergischen Rhinitis, so die Fachsprache. Die meisten Heuschnupfen-Opfer werden bereits seit zwei Wochen wieder von den gemeinen, kleinen Pollen geplagt. Das ist früh, viel früher als in den vergangenen Jahren.

„Heute geht es zum Glück“, sagt Sarah erleichtert. Sie sitzt mitten auf der Wiese und schaut zum Wasser. Um sie herum stehen ein paar Büsche und kleinere Bäume, weiter hinter ihr größere. „Weil das Wetter am Wochenende nicht so toll war, fliegen die Pollen jetzt noch nicht wieder so stark“, sagt Sarah. Sonntagnacht hat es hier ein bisschen geregnet, tagsüber war es dann so bewölkt und durchwachsen, dass es eben einmal nicht blühte und flog, sagt Sarah.

Anfang und Ende der Pollensaison

Solche Tage nutzt die junge Frau jetzt gerne. Denn seit ein paar Wochen schon läuft die Nase wieder. „Zuerst habe ich gehofft, es ist nur eine Erkältung. Ich glaube, ich habe den Gedanken an Heuschnupfen ein bisschen verdrängt.“ Dann, irgendwann, die Gewissheit: Er ist wieder da. Tschüss Wohlbefinden, hallo Tempos und Nasenspray. „Letztes Jahr war es erst im Mai richtig schlimm.“

Pollenflugkalender für den Süddeutschen Raum. Für eine größere Ansicht bitte hier klicken.
Pollenflugkalender für den Süddeutschen Raum. Für eine größere Ansicht bitte hier klicken. © PID

Der Pollenkalender läuft in diesem Jahr aber ganz anders. Der milde Winter ist schuld, weiß Prof. Dr. Jeroen Buters. Er ist Fachtoxikologe im Zentrum Allergie und Umwelt an der Technischen Universität München und im Helmholtz-Zentrum, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, ebenfalls in München. „Weil mit dem Winter in diesem Jahr so früh Schluss war, haben die Bäume auch früher angefangen zu blühen“, erklärt der Experte. Die Heuschnupfensaison startete 2014 deshalb bereits Mitte Januar – eigentlich werden Allergiker erst Mitte Februar geplagt.

„Los ging es wie immer mit Hasel und Erle“, sagt Buters. Die flogen bereits Mitte Januar durch die Luft, „lagen wie eine Decke über ganz Bayern.“ Auf diese Pollen reagiert aber zum Glück nicht jeder Allergiker. „Nur die Empfindlichen“, sagt Buters. Gut zwei Monate später, ging es mit den Birkenpollen los – auf die sind viele allergisch. „1792 Pollen pro Kubikmeter war bisher der Spitzenwert. Das ist hoch“, sagt der Fachmann.

Von Januar bis September fliegen Pollen durch die Luft

„Das war am Mittwoch, 2. April.“ An den Tagen danach fiel der Wert auf 600, 700 bzw. 360 Birkenpollen pro Kubikmeter. „Das Schlimmste ist überstanden, in Sachen Birkenpollen ist die große Welle vorbei“, verkündet Buters. Jetzt kommen Eiche und Esche, danach Gräser. „Das wird Mitte Juni sein“, sagt Buters. Und dieser „Termin“ ist dann wieder wie üblich. „Der Pollenflugkalender normalisiert sich wieder, die Gräser werden nicht früher blühen, als sonst.“ Dann kommt der Baifuß, dann die Ambrosia.

Unterm Strich wird es wohl ein kräftiges Jahr in Sachen Pollenbelastung werden, sagt Buters. Das merkt auch Klaus Klütsch, Allergologe. In seiner Lungenpraxis in Starnberg rennen Heuschnupfen-Patienten seit einer Woche wieder Türen ein. „Zehn bis 15 sind es am Tag“, sagt Klütsch. Anders als im letzten Jahr. „Da habe ich es nicht so sehr gespürt.“

Auch Sarah will in dieser Woche zum Arzt gehen, auch wenn das „eh nichts bringt“. Cortisonspritzen helfen ihr noch am Besten, wenn auch nur für zwei Wochen – Erholung ohne Tempos und Spray.

Von Carolin Nuscheler

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