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Heuschnupfen: Was jetzt hilft!

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Von: Susanne Stockmann

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Heuschnupfen
Wer mag schon gern beim schönsten Wetter immer drinnen sein? Heuschnupfen-Geplagte leiden sehr © dpa

München - In Deutschland leiden 16,5% der Frauen und 13 % der Männer an Heuschnupfen. Die tz erklärt, was man jetzt noch gegen die Niesanfälle tun kann und welche Medikamente wirklich helfen.

Die Pollensaison hat in diesem Jahr wieder außergewöhnlich früh begonnen, schon zum zweiten Mal in Folge. Bereits Mitte Januar hat der Deutsche Wetterdienst den ersten Pollenflug von Hasel und Erle vermeldet. Zurzeit plagen Allergiker besonders die aggressiven Birkenpollen. Jeder Sechste in Deutschland leidet unter Heuschnupfen. Und in diesem Jahr wird es viele besonders schlimm treffen: Das Jahr 2014 ist ein Birkenmastjahr, in dem die Birken besonders viele Pollen freisetzen. Was man jetzt noch gegen die Niesanfälle und Juckattacken im Mund und Rachenraum tun kann, welche Medikamente wirklich helfen, darüber sprach die tz mit dem neuen Leiter des Allergiezentrums des Klinikums der Universität München, dem Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Moritz Gröger.

So viele Menschen sind von Heuschnupfen betroffen:

Die Zahl der Pollenallergiker ist in Deutschland weiterhin sehr hoch. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts leiden 16,5% der Frauen und 13 % der Männer an Heuschnupfen. Am Stärksten belastet ist die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen, in der 22,7 % der Frauen und 18,9 % der Männer betroffen sind. Während die Zahl der Heuschnupfen-Geplagten ein Plateau erreicht hat, stieg die Zahl der Asthmatiker seit 1998 von 5,7 % auf 8,6% der Erwachsenen an.

Neue Heuschnupfen-Medikamente, die jeder kennen sollte

Je nachdem, wie sich die Symptome darstellen, stehen dem Arzt mehrere Mittel als erste Wahl zur Verfügung:

Heuschnupfen
Die Birken-Pollen machen Allergikern von Mitte März bis Ende Mai zu schaffen. © dpa

Heuschnupfen? Mini-Gerät könnte helfen

sus

Viele Heuschnupfen-Kranke riskieren zu viel

Ist es sinnvoll, jetzt noch mit Heuschnupfen zum Arzt zu gehen , z. B. weil es einen zum ersten Mal erwischt hat oder weil die üblichen Medikamenten heuer nicht ausreichen?

Dr. Moritz Gröger: Im Unterschied zu früher, wo Ärzte die Patienten in der Pollensaison vertrösten mussten: „Wir können leider nur wenig ausrichten“, können wir heute den Patienten viel Gutes tun. In die Sprechstunde kommen täglich Menschen im höheren Lebensalter, die zum ersten Mal einen Heuschnupfen, eine Rhinokonjunktivitis allergica, entwickeln. Selbst eine ordentliche Diagnostik ist mit ganz wenigen Abstrichen möglich, sogar eine spezifische Immuntherapie, früher Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung genannt, kann begonnen werden. Das Wichtigste ist jedoch, die akuten Beschwerden zu lindern, und da steht eine Reihe von wirksamen Medikamenten zur Verfügung (siehe dazu Text rechts). Zudem können Tipps zur Vermeidung von Pollenbelastung helfen, wie z. B. vor dem Schlafen zu duschen, um die Pollen, die in den Haaren hängen, nicht mit ins Bett zu nehmen. Auch sollte man sich nicht im Schlafzimmer ausziehen, um die Pollenbelastung im Schlafraum so gering wie möglich zu halten.

Viele warten lange, bis sie zum Arzt gehen und Medikamente nehmen, weil sie sich denken: „Ach, nur Heuschnupfen, es gibt Schlimmeres.“

Gröger: Ich warne eindringlich meine Patienten und auf Fortbildungen meine Kollegen aus anderen Fachbereichen davor, die Erkrankung zu bagatellisieren. Das ist der Grund, warum ganz viele Erkrankte nie richtig diagnostiziert werden und nicht die besten Medikamente bekommen, sondern sich oft in der Apotheke mit rezeptfreien Präparaten selbst versorgen. Wer damit zurecht kommt, ok. Aber die modernsten und besten Medikamente sind eben doch verschreibungspflichtig, und viele Erkrankte plagen sich mehr, als nötig wäre. Zudem kann eine unzureichende Behandlung gravierende Folgen haben: 30 bis 40 Prozent der Menschen mit Heuschnupfen entwickeln über die Jahre ein Asthma bronchiale – was eine wirklich ernste Erkrankung ist. An einem Asthma-Anfall kann man auch in einem hochentwickelten Land wie Deutschland noch versterben.

Ist Heuschnupfen heilbar?

Gröger: Die spezifische Immuntherapie ist die einzige Möglichkeit die Krankheit nachhaltig zu bekämpfen. Auslöser ist ja eine Überreaktion des Immunsystems auf an sich harmlose Proteine in Blütenpollen. Bei der spezifischen Immuntherapie wird das Immunsystem über mehrere Jahre an die Allergene gewöhnt und lernt, dass diese Stoffe harmlos sind. Früher bekamen die Patienten Spritzen, mittlerweile gibt es gute Präparate, die man sich selbst einfach unter die Zunge verabreicht. Das kann der Patient allein daheim machen. Allerdings dauert diese Behandlung drei bis fünf Jahre, und nicht alle Patienten haben den Leidensdruck und die Motivation, solange durchzuhalten. Es ist jedoch die einzige Behandlung, die die Allergie an der Wurzel packt, und daher sollte sie mit jedem Patienten zumindest einmal diskutiert worden sein. Aus diesem Grund mein dringender Rat an alle, die unter einer Pollenallergie leiden, sich einmal im Leben bei einem Allergologen vorzustellen.

Interview: S. Stockmann

Die Allergiesprechstunde der HNO-Klinik im Klinikum Großhadern erreichen Sie unter der Telefonnummer: 089/70 95 38 88

Vorhersage der Pollenflugzeiten im Süden Deutschlands

PollenBeginnEnde
Birke15.3.30.5.
Gräser15.4.15.9.
Beifuß15.7.15.9.
Ambrosia20.7.20.9.

Quelle: Polleninformationsdienst

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