Lichtbestrahlung & Co.

Das hilft Ihnen wirklich bei Haarausfall

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Haarausfall hat viele Ursachen. Doch wer sich daran stört, hat bereits ein breites Therapieangebot zur Auswahl.

Von Tabletten und Mikro-Injektionen über Botox bis zur Transplantation: Ein Münchner Dermatologe erklärt im großen Gesundheitsreport Diagnose und Therapien.

Schon die Diagnose ist eine haarige Angelegenheit: Ob durch erbliche Veranlagung, hormonelle Veränderungen, Autoimmunerkrankungen, Entzündungen, Stress oder als Nebenwirkungen von Medikamenten, beispielsweise Chemotherapien – Haarausfall kann viele verschiedene Ursachen haben, manchmal auch eine Kombination von gleich mehreren zusammen.

Die Volkskrankheit trifft beinahe jeden zweiten Deutschen, Frauen fast genauso häufig wie Männer. Aber was kann man dagegen tun? Wie helfen Tabletten - und welche weiteren Therapiemöglichkeiten gibt es?

Im großen Gesundheitsreport stellt der renommierte Münchner Dermatologe und Fachbuchautor Dr. Stefan Duve einige moderne Behandlungsmethoden vor.

Gesundheitsreport Haarausfall: Das steckt dahinter

Normalerweise leistet der Kopf beeindruckende Fließbandarbeit – jedenfalls dann, wenn es um die Haare geht: Jedes einzelne der durchschnittlich 100.000 Exemplare wächst monatlich etwa einen Zentimeter – alle zusammen sprießen also stattliche 30 Meter pro Tag, einen Kilometer pro Monat beziehungsweise zwölf Kilometer pro Jahr.

Jedes gesunde Haar lebt zwei bis sechs Jahre, bevor es ausfällt. Und aus jedem Haarbalg (Fachbegriff Follikel) können bis zu zehn Haare nachwachsen. Soweit die Rechenbeispiele, aber die Realität sieht oft komplett anders aus: Denn bei vielen Menschen kommt der Produktionsprozess gewaltig ins Stocken.

Etwa 40 Prozent aller Frauen und 44 Prozent aller Männer sind von Haarausfall betroffen – das heißt nach der offiziellen medizinischen Definition: Sie verlieren deutlich mehr als etwa 100 Haare pro Tag. Und gleichzeitig bilden sich häufig zu wenige nach. Wenn 60 Prozent der Kopfhaare ausgefallen und nicht wieder in ausreichendem Maße nachgewachsen sind, dann sprechen Mediziner von Alopezie. "Die Ursachen können vielfältig sein", weiß Dr. Stefan Duve.

Mögliche Gründe für Haarausfall

"Besonders häufig liegt eine genetische Veranlagung vor – das heißt: Wenn beispielsweise der Vater und der Großvater bereits eine Glatze hatte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man selber auch eine bekommt. Das gilt für Frauen wie Männer. Allein beim genetisch bedingten Haarausfall gibt es zahlreiche verschiedene Varianten."

Häufig ist Haarausfall auch hormonellen Veränderungen geschuldet, insbesondere bei Frauen nach der Menopause. Auch Stoffwechselerkrankungen, Mangelerscheinungen von bestimmten Vitaminen und Spurenelementen, wie zum Beispiel Eisenmangel, Stress, Infektionen oder Medikamente können eine entscheidende Rolle spielen.

Beim kreisrunden Haarausfall handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Dabei bilden sich meist am Kopf binnen kurzer Zeit kahle Stellen unterschiedlicher Größe – des Öfteren in kreisrunder bis ovaler Form. "Um die individuelle Ursache des Haarausfalls herauszufinden, ist eine gründliche Basisdiagnostik unersetzlich. Nur so kann man den Patienten gezielt und nachhaltig helfen“, betont Dr. Duve.

Im großen Gesundheitsreport erklärt der renommierte Münchner Mediziner vom Haut- und Laserzentrum an der Oper, wie man Haarausfall genauer analysieren und behandeln kann. Dazu gibt es eine Kostenübersicht. Denn die meisten Therapien gegen Haarausfall werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Für die Diagnose Alopezie wird Blut entnommen

Grundsätzlich wird Blut abgenommen und im Labor untersucht. Dadurch erhält der Arzt wichtige Informationen beispielsweise über die Konzentration von Hormonen, Vitaminen, Spurenelementen sowie möglichen Schadstoffen im Körper. Auch die Routineblutwerte, wie zum Beispiel die Anzahl der roten Blutkörperchen und Schilddrüsenwerte, sind wichtig.

Außerdem wird eine Haaranalyse notwendig, der Fachbegriff dafür heißt Trichosgramm, ergänzt durch das sogenannte Trichoscan. Dazu setzt Dr. Duve ein spezielles Gerät ein. Es schaut ähnlich aus wie ein Föhn, steckt aber voller Hightech: Der sogenannte FotoFinder kann die Haare genau vermessen, ihre Dichte bestimmen und die Anzahl der Haarfollikel feststellen.

"Dazu müssen die Haare lediglich in einem kleinen, leicht kaschierbaren Bereich etwas gekürzt werden. Die Untersuchung tut überhaupt nicht weh, und schon nach wenigen Minuten liegt die Computerauswertung der Messungen vor", berichtet Dr. Duve. "Zudem bestimmt das Gerät die Länge eines jeden einzelnen Haares. Nach einer zweiten Untersuchung nur 48 Stunden später kann es erkennen, welche Haare gewachsen sind und welche nicht."

Behandlungsmethoden gegen Haarausfall sind:

Lichtbestrahlung

Die Mesotherapie wird oft mit Bestrahlungen kombiniert – und zwar mit LED- und Infrarotlicht. Das Prinzip dahinter: "Die Energieproduktion der Haarzellen wird angekurbelt“" erläutert Dr. Duve. "Dadurch verlängert sich die Wachstumsphase des Haares, und es fällt weniger schnell aus."

Die Bestrahlung ist schmerzfrei, man sollte sie mehrfach wiederholen. Jede Sitzung wird mit etwa 60 Euro veranschlagt.

Tabletten

Die Wirksamkeit von Tabletten, Wässerchen, Lotionen und anderen Pflegeprodukten gegen Haarausfall ist umstritten und von Patient zu Patient unterschiedlich. Der größte mögliche Nutzen wird dem Medikament Minoxidil zugeschrieben, das unter dem Handelsnamen Regaine bekannt ist.

Es ist eigentlich als Blutdrucksenker entwickelt worden, wird aber schon lange auch zur äußerlichen Behandlung von genetisch bedingtem Haarausfall eingesetzt. Wie es genau wirkt, wissen die Mediziner nicht.

Es wird allerdings vermutet, dass das Mittel die Durchblutung der Haarwurzeln fördert und ihr Wachstum anregt. "Frauen mit hormonell bedingtem Haarausfall kann man auch mit speziellen Hormontinkturen helfen", erläutert Dr. Duve. "Zusätzlich gibt es Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Kieselerde und Vitamin H."

Bei Produkten für Männer ist die effektivste Methode die Einnahme eines Hormonmittels mit dem Namen Finasterid.

Mesotherapie

Sie besteht aus einer Fülle von feinen, nur etwa einen Millimeter tiefen Injektionen in die Kopfhaut. Dabei wird in der Regel ein Vitamin-Cocktail verabreicht, dem durchblutungsfördernde Substanzen zugesetzt sind. Er hilft bei der Regeneration der Haarfollikel und befeuert das Wachstum.

"Zur Stimulation des Haarwachstums sind fünf bis acht Behandlungen in einem Abstand von zwei Wochen notwendig", erläutert der Dermatologe. "Das Haarwachstum setzt in der Regel nach zwei bis drei Monaten ein."

Vor jeder Injektion muss der Patient die Haare sorgfältig waschen. Färben und Dauerwelle sind erst 24 Stunden nach der Behandlung wieder erlaubt. Die Behandlung erfolgt ambulant. "Sie ist leicht schmerzhaft, aber ingesamt gut verträglich", so Dr. Duve. Jede Sitzung kostet etwa 80 Euro.

Vampir-Behandlungen

Hinter diesem etwas martialischen Begriff verbirgt sich eine Eigenbluttherapie, die in ähnlicher Form beispielsweise auch bei Schädigungen von Gelenken angewendet wird. Sie soll auch bei Patienten mit erblich bedingtem Haarausfall wirken. "Je mehr Resthaar vorhanden ist, desto größer sind die Erfolgschancen der Therapie. Bei einer Glatze kann sie leider nicht mehr angewendet werden", berichtet Dr. Duve.

Und so funktioniert’s: Dem Patienten werden etwa zehn bis 15 Milliliter Blut abgenommen. Das wird zentrifugiert, um das Blutplasma zu gewinnen. Es enthält eine hohe Menge an Blutplättchen, Wachstumsfaktoren und Proteinen.

Diese angereicherte und konzentrierte Kraftkombi wird dem Patienten anschließend in die Kopfhaut injiziert. Dort soll sie eine Zellregeneration bewirken und so das Haarwachstum ankurbeln. "Die Eigenblutbehandlung sollte man dreimal im Abstand von vier Wochen machen", rät Dr. Duve. Eine Sitzung kostet 350 Euro.

Haartransplantation

Spätestens seit Kloppo ist die Behandlung in aller Munde: Jürgen Klopp, der Starfußballtrainer des FC Liverpool, hat sich 2013 einer Haartransplantation unterzogen, um seine Geheimratsecken loszuwerden, und im vergangenen Jahr ließ Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder mit einer ähnlichen Behandlung aufhorchen.

Doch nicht nur bei Promis, sondern auch bei Ottonormalverbrauchern werden Haartransplantationen immer beliebter. "Auch deshalb, weil die Techniken in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt und damit auch die Ergebnisse weiter verbessert worden sind", weiß Dr. Duve.

Der Dermatologe verwendet die DHI-Methode – die englische Abkürzung steht für Direct Hair Implantation – in seiner Praxis. Dabei werden in einer acht bis zehnstündigen Behandlung bis zu 4.000 Haare einzeln entnommen und jeweils unmittelbar danach wieder eingesetzt. "Mit dieser Methode überleben 90 bis 95 Prozent der verpflanzten Haare", sagt der Experte.

So läuft die Mammutsitzung ab: Jedes Haar wird mit einer nur 0,7 Millimeter großen Mikrostanze an Stellen mit üppigerem Haarwuchs entnommen, meist der Haarkranz am mittleren Hinterkopf. "Denn dieser Bereich ist so gut wie nie von Haarausfall betroffen." Die entnommenen Haarfollikel werden mit einer Mininadel in die Kopfhaut eingepflanzt. "Schnitte sind nicht nötig, und es entstehen keine Narben", so Dr. Duve. Sowohl die Entnahme- als auch die Implantationsareale müssen zuvor lokal betäubt werden.

"Ein weiterer Vorteil der Methode liegt darin, dass man sich lange oder längere Haare nicht in jedem Fall kurz oder gar abrasieren muss. Auch ein Verband ist nach der Implantation nur für einen Tag nötig. Haare und Kopfhaut müssen lediglich für rund fünf Tage nach dem Eingriff mit einem Feuchtigkeitsspray feucht gehalten werden."

Nach zwei Monaten wird ein erster Effekt der Transplantation erreicht, das endgültige Ergebnis zeichnet sich in der Regel nach etwa einem Jahr ab. "Die Patienten müssen zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen erscheinen", betont Dr. Duve. Eine Haartransplantation ist allerdings nicht ganz billig. Die Kosten belaufen sich – je nach Menge der verpflanzten Haare – auf 4.000 bis 12.000 Euro.

Von Andreas Beez

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