Die neuesten Erkenntnisse sind positiv

Hoffnung bei Herzschwäche

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Bis zu drei Millionen Bundesbürger leiden unter einer Herzschwäche.

Wenn es um die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für ­Kardiologie (ESC) geht, kann man getrost von geballtem Fachwissen sprechen: 30 000 Herz­spezialisten aus 150 Ländern tauschen dabei ihre Erkenntnisse aus. Hier erklärt der tz-Experte, was sich auf dem Gebiet der Herzmedizin derzeit alles tut.

Wenn es um die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für ­Kardiologie (ESC) geht, kann man getrost von geballtem Fachwissen sprechen: 30 000 Herz­spezialisten aus 150 Ländern tauschen dabei ihre Erkenntnisse aus. Sie beraten über aktuelle Forschungsergebnisse, über Fortschritte bei Diagnoseverfahren, über neue Medikamente und über Therapiemethoden. Heuer ging der Mammut-Kongress, der zu den wichtigsten der Welt zählt, in ­Barcelona über die Bühne. In der katalanischen Hauptstadt waren auch deutsche Wissenschaftler vertreten, darunter Professor Dr. Heribert Schunkert, der Chef der Klinik für Herz- und Kreislauf­erkrankungen am Deutschen Herzzentrum München. Hier erklärt der tz-Experte, was sich auf dem Gebiet der Herzmedizin derzeit alles tut.

Atemnot, Husten, Müdigkeit, Wasser in den Beinen:  Herzmuskelschwäche gehört zu den am meisten unterschätzten Volkskrankheiten. Inzwischen leiden bis zu drei Millionen Bundesbürger unter der sogenannten Herzinsuffizienz, jedes Jahr sterben fast 50 000 Patienten daran. Jetzt soll ein neues Arzneimittel das Leben vieler Betroffener verlängern – und ihre Lebensqualität erheblich verbessern: Das Präparat mit dem Entwicklungsnamen LCZ696 hat wegweisende Praxistests mit Bravour bestanden. Bereits in ein bis zwei Jahren soll es auch Münchner Patienten helfen.

LCZ696 stammt aus den Forschungslabors von Novartis. Der Schweizer Pharma-Riese nutzte den Jahreskongress der European Society of Cardiology (ESC) diese Woche als internationale Marketing-Bühne, um seinen Coup zu präsentieren. In Barcelona konnten sich die Entwickler auf eine Studie namens Paradigm-HF berufen. Dabei handelt es sich immerhin um die bislang größte Herzinsuffizienz-Testreihe der Welt, an der 8442 Patienten teilgenommen haben. Sie bescheinigt dem neuen Arzneimittel eine beeindruckende Wirkung: Es senkt (statistisch gesehen) das Sterbe-Risiko der Patienten um 16 Prozent und reduziert die Zahl ihrer Krankenhaus-Aufenthalte aufgrund der Herzinsuffizienz sogar um 21 Prozent!

Professor Dr. Heribert Schunkert

„Wir stehen vor einer kleinen Revolution bei der Behandlung der Herzmuskelschwäche“, sagte der Chefkardiologe des Deutschen Herzzentrums München, Professor Dr. Heribert Schunkert. „Zum ersten Mal seit 20 Jahren liefert ein neues Medikament gegen Herzinsuffizienz einen so durchschlagenden Erfolg.“ In der tz erklärt der renommierte Herzspezialist das Erfolgsrezept von LCZ696:

Die Wirkungsweise: Herkömmliche Medikamente wie Enalapril und Ramipril oder auch Losartan und Candesartan blockieren im Körper die Wirkung eines Hormons (Angiotensin II), das dem Herz schadet. Diesen Effekt erzielt das neue Präparat zwar auch. „Aber der Clou an LCZ696 ist, dass es zudem vor allem die Wirkung von bestimmten Hormonen verstärkt, die das Herz schützen“, erklärt Professor Schunkert. „Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Weil das Mittel gleichzeitig schlechte Einflüsse unterdrückt und gute Einflüsse fördert, hilft es dem geschwächten Herzmuskel praktisch doppelt.“

Die Nebenwirkungen: „Sie fallen nicht stärker ins Gewicht als bei den etablierten Medikamenten – im Gegenteil“, analyisierte Schunkert mit Blick auf die Paradigm-HF-Studie. Demnach bekamen mit LCZ696 behandelte Patienten sogar seltener Nierenfunktionsstörungen, Husten und Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss). Allerdings mussten sie etwas häufiger einen erniedrigten Blutdruck in Kauf nehmen. „Unterm Strich sind diese Nebenwirkungen relativ gut beherrschbar“, sagte der Chefkardiologe des Herzzentrums.

Die Zulassung: Novartis will die entsprechenden Anträge im Laufe dieses Jahres in den USA und bis Anfang kommenden Jahres bei den Behörden innerhalb der EU einreichen. Dank der guten Studienergebnisse könnte die Genehmigung schneller erfolgen als üblich. Der Schweizer Konzern strebe eine sogenannte „bevorzugte Zulassung“ an, weiß Professor Schunkert: „Ich hoffe, dass wir bereits in ein bis zwei Jahren unsere Patienten mit dem neuen Mittel behandeln können.“

Andreas Beez

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