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Seehofers Herz-Alarm: Darum ist der CSU-Chef so vorsichtig

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Von: Andreas Beez

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Horst Seehofer mit Angela Merkel in Bayreuth. © picture alliance / dpa

Vor 13 Jahren wäre Horst Seehofer fast an einer schweren Herzmuskelentzündung gestorben. Am vergangenen Samstag begab er sich sicherheitshalber in eine Klinik. Warum eine Myokarditis so gefährlich ist:

Gesundheit ist für CSU-Chef Horst Seehofer eine Herzensangelegenheit – im wahrsten Sinne des

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Herzspezialist Professor Dr. Dietrich Andresen.

Wortes: Nachdem er vor 13 Jahren beinahe an einer schweren Herzmuskelentzündung gestorben wäre, achtet unser Ministerpräsident sehr sensibel auf Alarmsignale seines Körpers. So auch am vergangenen Samstag, als er sich während der Premiere der Bayreuther Festspiele nicht wohlfühlte und anschließend sicherheitshalber in eine Klinik fahren ließ. Nach einem Bericht des Nordbayerischen Kuriers hat der 66-Jährige die Nacht zum Sonntag auf der Intensivstation verbracht. Die Staatskanzlei äußerte sich nicht zu den Details. Inzwischen scheint es dem Regierungschef wieder besser zu gehen, das berichtete Innenminister Joachim Herrmann am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München. Darin habe Seehofer angemerkt, dass „sich keiner Sorgen machen braucht und dass er sich völlig fit fühlt“.

Allerdings weiß der frühere Bundesgesundheitsminister selbst am besten, dass mit den Folgen seiner Herzmuskelentzündung im Jahr 2002 nicht zu spaßen ist. Wie schlimm es damals um ihn stand, hatte der Ministerpräsident bereits in zwei tz-Gesprächen ausführlich geschildert (siehe unten). Warum eine Myokarditis so gefährlich ist, erklärt Herz-Professor Dr. Dietrich Andresen im tz-Gesundheitsreport.

So kann eine Myokarditis entstehen

Wegen einer Erkältung ins Bett legen? Für viele Patienten kommt das nicht infrage – auch wenn sich der Infekt als hartnäckig entpuppt. Sie schleppen sich trotzdem in die Arbeit, gehen weiter sporteln. Immer nach dem Motto: „Es geht schon, ich bin ja kein Weichei!“ Genau diese Einstellung ist der klassische Fehler bei der Entstehung vieler Herzmuskelentzündungen. „Eine Myokarditis, so der Fachbegriff, kann dramatisch verlaufen“, warnt der erfahrene Kardiologe Professor Dr. Dietrich Andresen, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung.

„Sie kann zum Beispiel nach einer verschleppten Grippe entstehen. Die Viren greifen den Herzmuskel an, die entzündeten Muskelzellen stellen ihre Arbeit ein, die Pumpleistung des Herzens sinkt, es entwickelt sich eine Herzschwäche, der Patient bekommt Luftnot“, erklärt Andresen im tz-Gespräch. „Die Herzschwäche – Fachbegriff Herzinsuffizienz – kann sich derart verschärfen, dass der Patient innerhalb weniger Tage am kompletten Versagen des Herzens verstirbt. Auch kann es zu plötzlichem Kammerflimmern kommen. Der Patient bricht bewusstlos zusammen und verstirbt am plötzlichen Herztod.“

Achten Sie auf die Symptome!

Meistens sind die Symptome zwar nicht so heftig, aber trotzdem gefährlich. Sie entwickeln sich oft schleichend. Das Problem dabei: Die Betroffenen können die Symptome einer Myokarditis nicht richtig einordnen. Sie fühlen sich zwar in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, schlapp und müde, schreiben diese Beschwerden allerdings einer langwierigen Erkältung zu. Doch im Falle einer Myokarditis sind zu diesem Zeitpunkt längst die Herzmuskelzellen angegriffen. „In aller Regel durch bestimmte Viren“, erläutert Andresen. „Warum die Erreger bei manchen Menschen das Herz angreifen, während andere verschont bleiben, wissen wir bis heute nicht. Genauso rätselhaft ist es, wodurch die Heftigkeit des Verlaufs einer Myokarditis beeinflusst wird.“

Wie viele Patienten es tatsächlich erwischt, lässt sich nur schwer ermitteln. „Die Dunkelziffer ist hoch“, weiß Andresen. „Oft wird eine akute Herzmuskelentzündung gar nicht erkannt, weil der Betroffene nicht zum Arzt geht.“ Aber: Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass 2012 in deutschen Krankenhäusern 137 Menschen an einer Myokarditis gestorben sind. Deshalb rät Andresen: „Wer eine Erkältung einfach nicht losbekommt, der sollte unbedingt zum Arzt gehen und sein Herz checken lassen. Mit einem EKG oder Ultraschall des Herzens sowie einer Blutuntersuchung lässt sich relativ leicht feststellen, ob es entzündet ist.“

Myokarditis: So wird sie behandelt

Falls ja, gilt folgende Faustregel: unbedingt schonen. Behandelt werden in der Regel die Symptome, das heißt: Der Patient bekommt Medikamente, die das Herz entlasten – nach einem ähnlichen Muster wie bei der Diagnose Herzschwäche, etwa Tabletten zur Entwässerung oder gegen Herzrhythmusstörungen. Bei besorgniserregenden Diagnosedaten kann es erforderlich sein, dass dem Patienten ein Mini-Defibrillator unter die Haut gepflanzt wird. Dieses Hightech-Gerät soll im Falle von Kammerflimmern einen lebensrettenden Stromstoß abgeben, der das Herz wieder in Takt bringt.

Je frühzeitiger eine Myokarditis erkannt wird, desto geringer ist das Risiko und größer die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung. Wenn sich der Patient gewissenhaft schont, dann hat er nach etwa zwei bis drei Wochen das Schlimmste überstanden. „In über 90 Prozent der Fälle erholt sich das Herz wieder von der Myokarditis“, erläutert Experte Andresen. „Allerdings können Schäden zurückbleiben, die im weiteren Leben besondere Aufmerksamkeit erfordern.“

Grundsätzlich, so der Kardiologe, dürfe man eine Erkältung nicht auf die leichte Schulter nehmen – vor allem dann nicht, wenn sie mit Fieber einhergeht: „Ab einer Temperatur von 38,5 Grad gehört man einfach ins Bett.“

Seehofer zur tz: „Ich stand vor einer Herztransplantation“

Der dramatische Tag im Januar 2002 – er hat sich tief eingebrannt in Horst Seehofers Gedächtnis. Zuvor wollte der Workaholic keine Schwäche zulassen. Obwohl er sich nach einem hartnäckigen Infekt hundeelend fühlte, arbeitete er mit Vollgas weiter: „Es gab Wochen, da war ich zu schwach zum Stehen. Aber lange liegen konnte ich auch nicht vor lauter Hustenreiz.“ Irgendwann klappte Seehofer zu Hause beinahe zusammen. „Da habe ich zu meiner Frau Karin gesagt: Ich kapituliere, bitte hol’ einen Arzt“, erinnerte sich Seehofer in einem tz-Gespräch.

Dass er die Warnhinweise seines Körpers so lange ignoriert hatte, bezeichnete Seehofer im Nachhinein als eine „Kombination aus Dummheit und Angst“. Seine Herzleistung betrug damals nur noch sieben Prozent: „Ich war ein Kandidat für eine Herztransplantation.“

Andreas Beez

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