Hygiene für Babys – wie viel Sauberkeit muss wirklich sein?

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Hygiene im Säuglingsalter - was ist wichtig, wie viel Sauberkeit ist notwendig?

Ist der erste Nachwuchs auf dem Weg oder vielleicht sogar schon geboren, so beginnen junge Eltern meist damit, sich plötzlich über die einfachsten Dinge viele Gedanken zu machen.

Was, wenn der Schnuller herunterfällt fällt, wie sauber muss der Boden sein, wenn die Kids krabbeln und wie oft müssen sich Neugeborene eigentlich die Hände waschen? Oft entwickelt sich ein echter Wahn gegen Keime und Bakterien, doch ist diese enorme Vorsicht überhaupt nötig oder vielleicht sogar schädlich?

Keimfreie Wohnung – wie sauber ist zu sauber?

Frischgebackene Eltern neigen heutzutage immer öfter dazu, ihre heimischen vier Wände besonders sauber und geradezu klinisch rein zu halten. Schuld daran sind auch die mittlerweile sehr zahlreichen Putz- und Waschmittel, die in den Supermarktregalen zu finden sind und keimtötende Bakterien enthalten. Einfache Sauberkeit genügt also nicht mehr, stattdessen soll es möglichst keimfrei sein. Allerdings haben Studien bereits mehrfach dargelegt, dass eine solch saubere Umgebung nicht zwangsläufig gut für Kinder ist. Im Gegenteil, es entsteht bisweilen sogar ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Allergien. Der Grund dafür soll sein, dass das Immunsystem im Kindesalter bereits eine gewisse Menge an „Schmutz“ inklusive der enthaltenen Mikroben und Keime benötigt, damit es sich vernünftig entwickeln kann. Zudem greifen die genutzten Desinfektionsmittel die Haut an und stören so das sensible Zusammenspiel der Mikroorganismen, die die Haut eigentlich vor Schäden schützen sollen. Ferner sorgt die Anwendung der modernen Medizin außerdem zwangsläufig dafür, dass die sogenannten Antibiotika-Resistenzen zunehmen. Sie sorgen normalerweise dafür, dass krankmachende Bakterien im Zaum gehalten werden, aufgrund der verschwenderischen Nutzung werden sie jedoch stetig schwächer.

Generell gilt also: Weniger ist mehr, wenn es um Reinigungsmittel, Desinfektion und klinische Sauberkeit geht. Völlig ausreichend sind in der Regel bereits Spülmittel und Essigreiniger in der Küche, Neutralreiniger für alle Flächen und Voll- und Feinwaschmittel für die Waschmaschine. Wer dabei auch noch auf die Umwelt achten möchte, der greift direkt zu Produkten, die biologisch abbaubar sind.

Hygiene bei Fläschchen und Saugern

Gerade im ersten Lebensjahr ist das Immunsystem eines Kindes noch nicht ausgereift und benötigt Unterstützung. Ständige Begleiter in dieser Zeit sind Fläschchen und Schnuller, aufgrund der Keime sollten sie allerdings täglich ausgekocht oder im Dampfgerät sterilisiert werden. So sollte bis zum Beginn des Krabbelalters vorgegangen werden, danach genügt es in der Regel aber auch, das Fläschchen bei mindestens 60 Grad in der Spülmaschine zu reinigen. Nicht zu empfehlen: Den heruntergefallenen Schnuller oder Babybreilöffel zum Reinigen in den eigenen Mund stecken oder auf die gleiche Weise die Temperatur überprüfen. Denn auf diese Weise werden Karies auslösende Bakterien übertragen, die im Mund des Babys einen reichen Nährboden finden.

Die Toilette – ein besonders bakterienreicher Ort der Wohnung?

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Annahme um einen Irrglaube: Nicht die Toilettenbrille auf dem Klo ist eine der schlimmsten Keimschleudern im Haushalt, sondern der kleine Spülschwamm aus der Küche, gleich danach kommt außerdem der Kühlschrank selbst. Generell gilt vor allem die Küche als der wohl dreckigste Ort im Haushalt, sodass es hier viele mögliche Ansatzpunkte gibt:

  • Spülschwamm wechseln – manch einer spült tage-, wenn nicht sogar wochenlang mit demselben Spülschwamm. Er bietet Bakterien jedoch ideale Bedingungen und innerhalb weniger Stunden können sich in ihm Millionen Keime sammeln. Sobald der Schwamm schmutzig ist, also Schmutz und Essensreste in ihm hängenbleiben, sollte er daher am besten direkt ausgetauscht werden.
  • Handtücher und Schneidebretter berücksichtigen – Handtücher werden in der Küche meist für alles Mögliche genutzt, oft aber nicht heiß genug gewaschen, also unter 60 Grad Celsius. Dementsprechend sollten sie ebenfalls regelmäßig ausgetauscht werden. Bei der Verwendung eines Schneidebretts sollte außerdem beachtet werden, dass die Verarbeitung von Fisch/Fleisch und Rohkost getrennt erfolgt. Am besten werden also direkt zwei Bretter genutzt, die im Nachhinein auch nicht mehr vertauscht werden sollten.
  • Bakterien im Kondenswasser – gerade Kühlschränke sind oft sehr verdreckt, knapp 11,4 Millionen Keime sollen pro Quadratzentimeter vorhanden sein. Die Toilette ist dagegen regelrecht rein, denn dort finden sich im Vergleich gerade einmal 100 Erreger. Grund für die massive Verbreitung ist die zu niedrig eingestellte Temperatur vieler Kühlgeräte, die bei etwa acht Grad liegt. So bietet das Kondenswasser einen idealen Nährboden. Hinzu kommt, dass Kühlschränke nicht oft genug gereinigt oder schlechte Lebensmittel nicht sofort entsorgt werden.

Sauberkeitserziehung – welche Maßnahmen sind die richtigen?

Zur kindlichen Entwicklung gehört auch die Sauberkeitserziehung, die auf unterschiedlichste Weise erfolgen kann.

Als Sauberkeitserziehung wird die Fähigkeit bezeichnet, sauber und trocken zu werden – kleine Kinder lernen hier also, wie sie diese Körpervorgänge beherrschen können. Grundsätzlich sollten Eltern wissen, dass Sauberkeit sich nicht erzwingen lässt. Werden die Kinder gedrängt, so können daraus Störungen entstehen wie etwa Bettnässen oder eine chronische Verstopfung. Daher gilt: Ein Kind, dass noch nicht aufs Töpfchen will, ist noch nicht bereit, seinen „Babystatus“ aufzugeben. Dieses komplexe Thema bringt es mit sich, dass viele Fehler gemacht werden können, die oftmals aus Unwissenheit oder zu viel Tatendrang der Eltern entstehen.

  • Zu viele Veränderungen – die Welt eines Kindes kann sehr schnell aus den Fugen geraten, etwa durch die Geburt eines Geschwisterchens oder einen Umzug. In einem solchen Fall sind Kinder vollauf damit beschäftigt, sich neue Orientierungspunkte zu suchen, in dieser Zeit kann das komplizierte Toilettenritual nur schwer verinnerlicht werden. Besser geeignet ist ein Zeitpunkt, zu dem mehr Ruhe herrscht.
  • Nicht verärgert reagieren – wichtig ist, dass Eltern auch dann geduldig sein müssen, wenn ihre Kinder ein wenig länger brauchen, um trocken zu werden. Andernfalls wird nur unnötig Druck aufgebaut und Schuldgefühle erzeugt. Letztendlich entscheidet das Kind ohnehin selbst, wann es bereit ist, ohne Windeln auszukommen.
  • Die richtige Methode finden – im Laufe der Jahre haben sich viele Varianten der Sauberkeitserziehung entwickelt. Einige setzen auf die klassischen Wegwerfwindeln, andere greifen hingegen zu dauerhaften Stoffwindeln. Eine weitere mittlerweile immer beliebter werdende Methode ist die Windelfrei-Bewegung, bei der gänzlich auf Windeln verzichtet wird und Eltern ausschließlich auf die Signale ihres Nachwuchses achten.

Händewaschen, aber richtig

Über die Hände werden bekanntlich die meisten Krankheitserreger übertragen, denn sie kommen nahezu durchgehend mit Gegenständen, Menschen und anderen Organismen in Kontakt. Über die Hände gelangen Keime und Bakterien wiederum leicht auf die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen. Umso wichtiger ist daher ein regelmäßiges Händewaschen im Alltag, vor allem dann, wenn einige Erkrankungen gerade umgehen (typische Beispiele dafür sind Magen-Darm-Infektionen). Richtiges Händewaschen sollte von Kindern, aber auch Eltern folgendermaßen durchgeführt werden:

  • Hände unter fließendem Wasser anfeuchten.
  • Mit Seife einreiben und gründlich reinigen. Dabei auch Handrücken, Fingerspitzen, Nägel, Daumen und Zwischenbereiche nicht vergessen.
  • Seife danach sorgfältig abspülen.
  • Abtrocknen mit einem trockenen und sauberen Handtuch.

Empfehlenswert ist außerdem, dass jeder in den heimischen vier Wänden sein eigenes Handtuch verwendet. So kann die Ansteckungsgefahr abermals verringert werden. Abgesehen davon gibt es außerdem einige Situationen, in denen das Händewaschen besonders wichtig ist, laut kindergesundheit-info.de, einer Initiative der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, gehören dazu beispielsweise: Kontakt mit Tieren, Pflege eines kranken Familienmitglieds, Naseputzen, vor dem Verabreichen eines Medikaments, vor der Versorgung einer Verletzung oder nach dem Toilettengang.

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