Körperwelten

Das Objekt des Monats: Die Muskeln

Jeder gesunde Mensch besitzt 656 Muskeln. Sie machen beim Mann 40, bei der Frau etwa 23 Prozent der Körpermasse aus: Der Fußballer in der Körperweltenausstellung.

München - Wie funktioniert unser Körper? Die Ausstellung "Der Zyklus des Lebens" gewährt dazu bis 5. Oktober in der Kleinen Olympiahalle besondere Einblicke. Zusammen mit den Körperwelten präsentiert die tz das Objekt des Monats, im Juli die Muskeln.

Wie funktioniert unser Körper? Die Ausstellung Der Zyklus des Lebens gewährt dazu bis 5. Oktober in der Kleinen Olympiahalle besondere Einblicke. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: Erwachsene 19 (Mo. 13) Euro, ermäßigt 16 Euro, Kinder und Jugendliche 14 Euro. Zusammen mit den Körperwelten präsentiert die tz das Objekt des Monats, im Juli die Muskeln.

Wer täglich trainiert, bleibt auch geistig fit

In Brasilien konnten wir in den vergangenen Wochen den Anblick von reichlich gestählten Muskelpaketen auf dem Rasen genießen. Und weil ein muskulöser Körper nicht nur gut aussieht, sondern auch weniger anfällig ist für orthopädische Probleme, haben sich nach der Fußball-Weltmeisterschaft nun viele vorgenommen, ab jetzt nicht nur beim Sport zuzuschauen, sondern sich auch selbst mehr zu bewegen. Die tz sprach mit Professor Martin Halle von der Technischen Universität München darüber, was uns eine gute Muskulatur bringt und wie wir richtig trainieren.

Herr Professor Halle, Sie fordern, dass jeder seinen Gesundheitsstatus und sein Leistungsvermögen kennen und täglich mindestens 20 Minuten zügig zu Fuß gehen sollte. Warum ist Bewegung so wichtig?

Prof. Martin Halle: Wer seine Muskeln trainiert, bleibt geistig fit und regt Energiestoffwechsel und Stammzellenproduktion an. Es gab viele Untersuchungen, ob Kreuzworträtsel den Kopf fit halten – aber nie gab es einen Beweis dafür. Dann erforschte man die Wirkung von regelmäßiger Bewegung und konnte beweisen, dass man mit ihr auch geistigen Verfall verhindert. Wer sich bewegt, bleibt schlau.

Aber wer sich beim Training überschätzt, hat schnell Muskelkater. Ist das schlimm?

Halle: Ein leichter Muskelkater ist nichts Gefährliches, aber man muss sich klarmachen, dass es wehtut, weil im Muskel etwas kaputtgegangen ist. Um diese Zerstörung zu reparieren, strömen weiße Blutkörperchen hin. Erwärmt man den verletzten Muskel durch eine warme Dusche oder leichte Bewegung, dann erhöht man seine Durchblutung und unterstützt damit die Heilung. Man sollte sein tägliches Training so langsam steigern, dass man keinen Muskelkater bekommt.

Zweite unangenehme Begleiterscheinung, wenn man es beim Training übertrieben hat, ist oft der Krampf. Wie kommt der zustande?

Halle: Bei einem Krampf verharren die Muskeln in Kontraktionsstellung, sie bleiben also zusammengezogen. Eine Ursache kann sein, dass der Muskel nur unzureichend Energie bekommt und ausgepowert ist. Stimmt das Verhältnis von Kalium und Kalzium nicht mehr, ist der Muskel übersäuert und krampft. Hier hilft die Zufuhr von Elektrolyten, also Mineralstoffen, Salzen und Elementen, die der menschliche Körper als Baumaterial benötigt, aber nicht selbst produzieren kann, also insbesondere von Kalzium und Magnesium.

Häufige Fußball-Verletzungen

Von Muskelzerrung bis Kreuzbandriss: Der Münchner Sport­orthopäde Prof. Dr. Andreas B. Imhoff (Klinikum rechts der Isar) erklärt die zehn häufigsten Fußballverletzungen:

Muskelzerrung: Die kleinsten Einheiten der Muskelfaser sind zu sehr gedehnt. Symptome: eingeschränkte Beweglichkeit und stechender Schmerz.

Muskelfaserriss: Symptome sind die plötzliche beulenartige Schwellung und ein stechender Schmerz, manchmal auch Blutergüsse und Schwierigkeiten in der Beweglichkeit. Mario Götze zog sich im Champions-League-Halbfinale 2013 gegen Real Madrid einen solchen zu und fiel deswegen im Finale von Wembley aus.

Bänderdehnung: Meist die Bänder im oberen Sprung- oder Kniegelenk. Typische Symptome sind leichte Schwellungen des Gelenks sowie Schmerzen beim Bewegen und Belasten. Mario Gomez zog sich eine Bänderdehnung im Ligaspiel seines AC Florenz gegen den SSC Neapel im März 2014 zu. Sami Khedira zerrte sich im WM-Spiel gegen Ghana die Innenbänder.

Bänderriss im Sprunggelenk: Das obere Sprunggelenk verbindet Fuß und Unterschenkel. Mehrere Bänder stabilisieren dieses Gelenk. Hier passieren Risse meist beim Umknicken des Fußes nach innen. Marco Reus konnte wegen einer solchen Verletzung nicht an der WM teilnehmen. In der vergangenen Saison erwischte es außerdem FCB-Spieler Thiago Alcantara. Bei Michael Ballack bedeutete eine solche Verletzung 2010 das WM-Aus. Bastian Schweinsteiger zog sich 2012 im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart einen Außenbandriss im Sprunggelenk zu.

Kreuzbandriss: Die Kreuzbänder stabilisieren das Kniegelenk, meist reißt das vordere Kreuzband. Holger Badstuber verpasst aktuell wegen einer Re-Ruptur (erneutes Reißen eines bereits betroffenen Bandes) des Kreuzbandes die Fußball-WM. Den ersten Kreuzbandriss zog er sich im Dezember 2012 gegen Borussia Dortmund zu.

Bänderverletzung im Knie (Außen- und Innenbandriss): Auch andere Bänder im Knie sind aufgrund der hohen Belastung der Knie beim Fußball verletzungsgefährdet.

Adduktorenzerrung: Das ist eine Zerrung der Sehnen im Hüftgelenk, passiert zum Beispiel bei einer Grätsche.

Meniskusriss: Die Menisken sind zwei halbmondförmige Gelenkknorpel im Knie. Sie können reißen, wenn sie bei einer plötzlichen Überstreckung oder Beugung des Kniegelenks eingeklemmt werden.

Schien- und Wadenbeinbruch:  Der Unterschenkel besteht aus zwei Knochen, dem Schienbein, das frontal vom Knie zum Fußgelenk reicht, und dem Wadenbein, das hinter dem Schienbein liegt.

Achillessehnenriss: Die Achillessehne verbindet den Wadenmuskel mit dem Fersenbein. Sie ist die dickste und längste Sehne des Menschen. Wenn sie reißt, klingt das wie ein Peitschenknall. David Beckham konnte wegen eines Achillessehnenrisses aus dem März 2010 nicht an der WM desselben Jahres teilnehmen.

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