Immerhin: Wir sind fitter als der Rest

Was die Münchner im Job krank macht

München - Es steht gut um die Münchner: Sie landen in der bayerischen Gesundheitsliga ganz oben auf Platz 2! Das ergibt eine neue Studie der DAK.

Es steht gut um die Münchner: Sie landen in der bayerischen Gesundheitsliga ganz oben auf Platz 2! Das ergibt eine neue Studie der DAK. Dafür hat die Krankenkasse die Daten von 850 000 Versicherten in Bayern – darunter 106 000 in München – ausgewertet. An jedem Tag des Vorjahres meldeten sich von 1000 Versicherten aus München 28 krank. Der Krankenstand betrug damit 2,8 Prozent. Gesünder sind nur die Starnberger …

Zum Vergleich: Die Landkreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld kamen beim Krankenstand auf 4,2 Prozent – den armen Franken geht es am schlechtesten. Die Münchner liegen auch klar unter dem bayerischen Schnitt von 3,4 Prozent. Bundesweit sind es sogar 4,0 Prozent.

Dass ausgerechnet die noblen Starnberger vor den Münchnern liegen, überrascht den Krankenkassen-Boss nicht. „Da draußen ist es auch besonders schön“, sagt der Münchner DAK-Chef Günter Köll. Gut im Rennen liegt der Landkreis München mit ebenfalls (2,8%), Ingolstadt (2,9%) und die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau (3,0%).

Trotz Spitzenposition haben die Ausfalltage in München im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozentpunkte zugenommen. Am häufigsten waren die Einwohner wegen Problemen mit dem Muskel-Skelett-System – darunter fallen beispielsweise Rückenschmerzen – krankgeschrieben (19%). Infektionen wie Schnupfen oder Husten (18,3%) folgen.

Einen Anstieg um rund zehn Punkte im Vergleich zum Vorjahr gab es bei den psychischen Erkrankungen. Über die Gründe dafür hat die tz mit dem renommierten Münchner Psychiater Professor Florian Holsboer gesprochen. Die ganze Krankenakte:

Kinder machen gesund

Der Job fordert rund um die Uhr Spitzenleistung, für den Partner hat man immer ein Ohr – und dazwischen wollen noch die Kinder gefüttert, gewickelt und großgezogen werden. Gerade die jungen Erwachsenen müssten doch unter dem Druck zusammenbrechen? Von wegen! Die DAK hat sich die Altersgruppe zwischen 25 und 40 genauer angeschaut. „In diesem Alter müssen viele Münchner heiraten, Kinder kriegen und den Karriere-Einstieg schaffen“, sagt Münchens DAK-Chef Günter Köll. Doch: Trotz dieser Mehrfachbelastung fallen die 25- bis 40-Jährigen nicht öfter im Job aus. Sie haben sogar 38 Prozent weniger Ausfalltage als die über 40-Jährigen. Eine eigene Umfrage der DAK unter 364 Teilnehmern ergab, dass berufstätige Eltern in Bayern ihre Work-Life-Balance nicht schlechter beurteilen als ihre kinderlosen Altersgenossen. Rund die Hälfte der Eltern zwischen 25 und 40 sind mit dem Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit zufrieden. Bei den Kinderlosen sind sogar etwas weniger! Allerdings müssen zwei von drei Mamas und Papas feststellen: „Ich habe nicht genug Zeit für mich selbst.“

Hohe Lebensqualität hält die Münchner fit

In München melden sich im bayernweiten Vergleich nur wenige Arbeitnehmer krank. „Die Lebensqualität in der Stadt und im Umland ist hoch“, sagt der Münchner DAK-Chef Günter Köll. Dafür sorgen auch viele gute Ärzte und Kliniken. Außerdem: Nur wenige Münchner sind arbeitslos. Wer sich abgesichert wisse, fühle sich auch besser, sagt Köll. Der niedrige Krankenstand sei aber auch mit vorbildlichen Arbeitgebern zu erklären – wie zum Beispiel der Stadt München selbst, die 33 000 Menschen beschäftigt. Sie legt Wert darauf, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben. „Wir fördern, dass unsere Mitarbeiter Beruf und Familie gut vereinbaren können“, sagt der Personalchef der Stadt, Thomas Böhle. Fast 30 Prozent der Beschäftigten arbeiten bei der Stadt in Teilzeit, bei den Führungspositionen sind es fast 19 Prozent.

Wenn die Seele leidet

"Ich kann einfach nicht mehr …"  Immer mehr Münchner fehlen in der Arbeit wegen psychischer Erkrankungen. Machten die Krankmeldungen wegen Angstzuständen, Depressionen oder Burn-Out 2012 noch 16,5 Prozent aller Ausfälle aus, waren es 2013 schon 17,6 Prozent. Das Problem: Seelische Erkrankungen sind anders als Grippe & Co. nicht schnell ausgestanden. Arbeitnehmer mit psychischen Problemen fallen meist längere Zeit aus. In München etwa sind laut DAK-Gesundheitsreport nur rund drei Prozent aller Krankgeschriebenen für 41 Prozent aller Fehltage verantwortlich.

Depressions-Experte Prof. Florian Holsboer (69).

Der renommierte Depressions-Experte Prof. Florian Holsboer (69) kennt mehrere Gründe für den Anstieg: „In vielen Jobs gibt es eine Arbeitsverdichtung“, sagt der Psychiater, der unter anderen Ex-Bayern-Profi Sebastian Deisler behandelt hat. „Wenn jemand vorher in 40 Stunden seine Arbeit erledigt haben musste, muss er es heute teilweise in 38 Stunden schaffen.“ Der Stress sei in vielen Berufsgruppen größer geworden. Eine Studie des DGB bewies jüngst, dass die Münchner zwar top ausgebildet sind und spitze verdienen, dafür aber unter einem größeren Druck als der Rest der Republik leiden (tz berichtete). Ja, Chef, das mach ich auch noch schnell …

Insgesamt rät Holsboer aber dazu, mit Pauschalurteilen über überbelastete Arbeitnehmer vorsichtig zu sein. „So wenig an Stunden wie heutzutage wurde noch nie gearbeitet.“ Der Experte sieht den Hauptgrund für den Anstieg von psychsischen Erkrankungen vor allem darin, dass Betroffene nicht mehr so stark stigmatisiert werden. „Es gehen immer mehr Leute zum Arzt und trauen sich zu sagen, dass sie etwa Angst-Attacken haben“, sagt Holsboer. Früher hätten viele Leute stattdessen einfach Rücken- oder Kopfschmerzen vorgeschoben. Auch die Ärzte seien immer besser in Sachen Depression ausgebildet: „Auch ein Hausarzt kann heute eine psychische Erkrankung erkennen.“

Ramona Weise

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