Der tz-Kassensturz

Krankenkassen heben Beiträge an: Das müssen Sie wissen

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Die Krankenkassen machen trotz steigender Löhne und Rekordbeschäftigung Miese.

München - Preisschock bei Deutschlands Krankenkassen! Die tz hat die bisher bekannten Beitragsänderungen der in Bayern tätigen Kassen aufgelistet und erklärt, warum die Kosten für die Gesundheit so explodieren.

Preisschock bei Deutschlands Krankenkassen! Nach Neujahr wird es für viele Arbeitnehmer teils deutlich teurer – denn die Kassen passen zum 1. Januar ihren Zusatzbeitrag an. Meist geht es dabei nach oben – am deutlichsten mit 0,6 Prozentpunkten bei der DAK. Sie dürfte dann bei einem Gesamtbeitrag von 16,1 Prozent die wohl teuerste Krankenkasse Deutschlands sein. Die tz hat die bisher bekannten Beitragsänderungen der in Bayern tätigen Kassen aufgelistet und erklärt, warum die Kosten für die Gesundheit so explodieren:

Warum steigen die Krankenkassenbeiträge überhaupt?

Trotz Rekordbeschäftigung steigen die Ausgaben der Kassen stärker als die Einnahmen. So haben sie in den ersten drei Quartalen 2015 ein Defizit von 395 Millionen Euro eingefahren. Für die Ärzte gaben die Kassen vier Prozent je Versicherten mehr aus, für Arzneimittel 4,4 Prozent, für Klinikbehandlungen 3,1 und für das Krankengeld fünf Prozent mehr.

Was tut die Politik, um die Beiträge niedrig zu halten?

Eher wenig. „Früher ist die Politik eher auf die Kostenbremse getreten“, sagt der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem zur tz. Die Krankenkassen sind empört über die Entscheidungen der Politik. „Seit der vergangenen Legislaturperiode hat es nur Gesetze gegeben, die mehr Geld kosten“, schimpft der Vorstandschef der Barmer GEK, Christoph Straub. Die GKV werde 2016 mit 1,4 und 2017 mit 3 Milliarden Euro zusätzlich belastet. „Wir haben Druck im System.“ Dabei haben die jüngsten Reformen – etwa zugunsten der Pflege in den Kliniken oder der Palliativversorgung – die Situation für die Patienten durchaus verbessert.

Wie teuer wird die Erhöhung für die Versicherten?

Das hängt natürlich davon ab, wie stark die jeweilige Krankenkasse ihre Beiträge erhöht. Im Durchschnitt gehen die Beiträge um 0,2 Prozentpunkte rauf. Das bedeutet bei einem Bruttoeinkommen von 1000 Euro Mehrausgaben von zwei Euro im Monat. Bei der DAK, die um 0,6 Prozentpunkte erhöht, werden dementsprechend pro 1000 Euro Bruttoeinkommen sechs Euro mehr fällig.

Was können Versicherte tun, denen ihre Kasse zu teuer ist?

Wechseln. Vor allem die DAK wird es hart treffen. Wer wegen der höheren Beiträge die Krankenkasse wechseln will, kann dies tun. Versicherte verfügen in diesem Fall über ein Sonderkündigungsrecht. „Zu erwarten ist, dass eine nennenswerte Zahl von Versicherten reagieren wird“, sagt Wasem. Schon als die DAK vor fünf Jahren mit wenigen anderen Kassen als erste den Zusatzbeitrag von damals acht Euro einführte, kündigten Zehntausende Mitglieder.

Kann die Kasse dann pleitegehen? Wasem geht davon aus, dass die DAK die Folgen ihrer Erhöhung schon eingepreist hat. Eine Insolvenz erwartet er nicht. Und selbst wenn eine Kasse wie die DAK ins Straucheln geriete – Versicherte würden weiter ihre Leistungen bekommen, Ärzte und Kliniken weiter bezahlt werden, wie Wasem erläutert. Zunächst müssen die anderen Ersatzkassen sie stützen, dann die gesamte gesetzliche Krankenversicherung.

Wie entwickeln sich die Beiträge längerfristig?

Der allgemeine Beitragssatz ist bei 14,6 Prozent eingefroren. Er kann nicht steigen und wird von Arbeitnehmern und Arbeitgebern jeweils zur Hälfte bezahlt. Es steigt also immer nur der Zusatzbeitrag, den die Arbeitnehmer alleine zu tragen haben. 2016 liegt er im Schnitt bei 1,1 Prozentpunkten. Die alternde Gesellschaft und der medizinische Fortschritt werden auch in den kommenden Jahren ihren Tribut fordern. Wasem: „Im Laufe des nächsten Jahrzehnts werden wir die 20-Prozent-Marke erreichen.“

Werden die Arbeitgeber weiter geschont?

Bisher sieht alles danach aus. Die Hoffnung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) war, durch das Ende der gemeinschaftlichen Finanzierung der Krankenkasse Arbeitsplätze zu sichern. Eine breite Front von Kassen, Opposition und Gewerkschaften will jetzt auch die Arbeitgeber wieder an den Kostensteigerungen beteiligen. Die Chefin der Vereinigung der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, warnt, dass es nicht zumutbar sei, dass die Versicherten alle künftigen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen alleine bestreiten müssten. Elsner: „Wir brauchen die gemeinsame Verantwortung.“

Die Beiträge der Krankenkassen für 2016

Der Grundbeitrag zur Krankenversicherung liegt bei 14,6 Prozent. Die Tabelle zeigt die Beiträge aus diesem und dem kommenden Jahr und die dazugehörige Veränderung des Zusatzbeitrags.

Kasse Beitrag 2015 Beitrag 2016 Erhöhung ggü. 2015 Zusatzbeitrag 2016
actimonda BKK 15,3 % 15,6 % 0,3 % 1,0 %
AOK Bayern 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
Audi BKK 15,3 % 15,3 % 0,0 % 0,7 %
Bahn-BKK 15,5 % k. A. k. A. k. A.
Barmer GEK 15,5 % 15,7 % 0,2 % 0,9 %
Bertelsmann BKK 15,3 % 15,65 % 0,35 % 1,05 %
Betriebskrankenkasse Mobil Oil 15,4 % 15,4 % 0,0 % 0,8 %
BIG direkt gesund 15,3 % 15,6 % 0,3 % 1,0 %
BKK advita 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
BKK Akzo Nobel Bayern 15,2 % 15,2 % 0,0 % 0,6 %
BKK Braun-Gillette 15,8 % k. A. k. A. k. A.
BKK Demag Krauss-Maffei Fusion mit der BKK VBU zum 1. Januar 2016
BKK Diakonie 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
BKK Faber-Castell & Partner 14,95 % 15,1 % 0,15 % 0,5 %
BKK family Fusion mit der BKK ProVita zum 1. Januar 2016
BKK firmus 15,2 % 15,2 % 0,0 % 0,6 %
BKK Freudenberg 15,3 % 15,3 % 0,0 % 0,7 %
BKK Gildemeister Seidensticker 15,3 % 15,8 % 0,5 % 1,2 %
BKK Henschel Plus 15,5 % 15,8 % 0,3 % 1,2 %
BKK Herford Minden Ravensberg 15,4 % 15,6 % 0,2 % 1,0 %
BKK Herkules 15,4 % 15,7 % 0,3 % 1,1 %
BKK Linde 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
BKK Pfalz 15,8 % k. A. k. A. k. A.
BKK ProVita 15,2 % 15,5 % 0,3 % 0,9 %
BKK Technoform 15,3 % 15,3 % 0,0 % 0,7 %
BKK Textilgruppe Hof 15,5 % 15,5 % 0,0 % 0,9 %
BKK VerbundPlus 15,2 % 15,4 % 0,2 % 0,8 %
BKK Verkehrsbau Union 15,5 % 15,5 % 0,0 % 0,9 %
BKK Werra-Meissner 15,5 % k. A. k. A. k. A.
BKK Wirtschaft & Finanzen 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
BKK ZF & Partner 15,1 % 15,3 % 0,2 % 0,7 %
BKK24 15,5 % k. A. k. A. k. A.
Bosch BKK 15,2 % 15,5 % 0,3 % 0,9 %
Continentale Betriebskrankenkasse 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
DAK-Gesundheit 15,5 % 16,1 % 0,6 % 1,5 %
Debeka BKK 15,5 % 15,5 % 0,0 % 0,9 %
Deutsche BKK 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
Die Schwenninger
Betriebskrankenkasse 15,4 % 15,7 % 0,3 % 1,1 %
energie-BKK 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
Hanseatische Krankenkasse 15,4 % 15,6 % 0,2 % 1,0 %
Heimat Krankenkasse 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
hkk 15,0 % 15,19 % 0,19 % 0,59 %
IKK classic 15,4 % k. A. k. A. k. A.
IKK gesund plus 15,2 % 15,2 % 0,0 % 0,6 %
Kaufmännische
Krankenkasse – KKH 15,5 % 15,8 % 0,3 % 1,2 %
Knappschaft 15,4 % k. A. k. A. k. A.
mhplus
Betriebskrankenkasse 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
Novitas BKK 15,5 % 15,95 % 0,45 % 1,35 %
pronova BKK 15,5 % 15,8 % 0,3 % 1,2 %
R + V Betriebskrankenkasse 15,4 % 15,7 % 0,3 % 1,1 %
Salus BKK 15,1 % 15,3 % 0,2 % 0,7 %
Securvita BKK 15,7 % k. A. k. A. k. A.
Siemag BKK 15,3 % 15,6 % 0,3 % 1,0 %
Siemens Betriebskrankenkasse 15,5 % 15,9 % 0,4 % 1,3 %
SKD BKK 15,3 % 15,3 % 0,0 % 0,7 %
Techniker Krankenkasse 15,4 % 15,6 % 0,2 % 1,0 %
TUI BKK 15,5 % 15,5 % 0,0 % 0,9 %
Vereinigte BKK 15,8 % 15,8 % 0,0 % 1,2 %
Viactiv Krankenkasse 15,5 % k. A. k. A. k. A.
WMF Betriebskrankenkasse 15,5 % 15,7 % 0,2 % 1,1 %
Quelle: tz-Recherchen

Marc Kniepkamp

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