Normaler Bohrer wird überflüssig

Die Laserärztin: Zähne schmerzfrei behandeln

+
Ärztin und Patienten tragen Schutzbrillen.

München - Eine Münchner Zahnärztin behandelt ihre Patienten mit der Kraft des gebündelten Lichts. Die tz beantwortet und alle Fragen zum Thema Laser und Zähne.

Auf die richtige Wellenlänge kommt es an: Je nachdem, wie und womit ein Laserstrahl erzeugt wird, kann man mit ihm Entfernungen messen, CDs hören, Metalle schneiden, Körpergewebe entfernen oder sogar Bakterien abtöten. In der Augenheilkunde und der Dermatologie sind Laserbehandlungen schon Standard. Dass der Laser auch in der Zahnmedizin große Vorteile für die Patienten hat – davon ist die Münchner Zahnärztin Dr. Beatrix Lenz überzeugt. Sie arbeitet in ihrer Praxis seit 20 Jahren mit verschiedenen Lasersystemen. Den normalen Bohrer nimmt sie nur noch in Ausnahmefällen in die Hand. Wird der Laserstrahl richtig angewendet, spürt der Patient kaum Schmerzen, die Wunden sind keimfrei, bluten nicht und heilen schneller. Die tz beantwortet und alle Fragen zum Thema Laser und Zähne.

Ist der Einsatz von Lasern gefährlich?

Laser ist gebündeltes, konzentriertes und energiereiches Licht, Daher müssen sowohl der Arzt als auch die Patienten Laserschutzbrillen tragen, die das Auge schützen. Richtig ausgeführt, ist die Arbeit mit dem Laser nicht gefährlich. Er arbeitet aufgrund seiner Lichteigenschaften deutlich präziser als z. B. ein Bohrer. In der Zahnheilkunde werden im Wesentlichen vier verschiedene Lasertypen verwendet. Es gibt einen sanften Softlaser im Rotlichtbereich, der Gewebe und Nerven stimuliert und die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Ein weiterer Laser ist speziell zum Desinfizieren geeignet, weil er Bakterien tötet und gegen Entzündungen wirkt. Dieser Laser ist sehr gut für die Reinigung von Zahnfleischtaschen geeignet, kann aber auch verwendet werden, um Herpes zu behandeln und Wunden schneller heilen zu lassen. Ein weiterer Laser ersetzt den Bohrer, mit ihm wird Karies schonend entfernt. Da die Wirkung dieses Laserstrahls vom Wassergehalt des behandelten Gewebes abhängt, kann mit ihm sehr fein gearbeitet werden. Karies ist wasserhaltiger als der normale Zahnschmelz, und daher entfernt der Laser nur die Karies und nichts vom gesunden Zahn. Der vierte Laser findet seine Anwendung bei der Behandlung und Bekämpfung von Paradontitis (Entzündung des Zahnfleischs und des Zahnknochens).

Was sind die Vorteile bei einer Wurzelkanalbehandlung?

Im Zahn ist ein Hohlraumsystem, in dem die Nerven- und Blutversorgung verläuft. Bei einer Wurzelkanalentzündung hat sich dort Gewebe entzündet. Dr. Lenz: „Mit den herkömmlichen Methoden werden nur 75 Prozent des infizierten Materials entfernt. Das ist in vielen Studien bewiesen. Wenn man das Laserprotokoll (Anwendungsanleitung) zur Behandlung genau befolgt, kann man den gesamten Wurzelkanal samt seiner Krümmungen bis in die kleinsten Bakteriennischen desinfizieren und so aufwendige Operationen oder gar eine Extraktion vermeiden.“

Wie findet man einen Laserzahnarzt?

Die beste Empfehlung ist ein spezieller Abschluss, z. B. der Master in Laserzahnheilkunde. Fragen Sie Ihren Arzt nach seinen Aus- und Fortbildungen in diesem Spezialgebiet und wie lange er schon als Laserzahnarzt praktiziert. Je mehr Erfahrung er hat, umso besser. Denn manche Techniken unterscheiden sich einfach von denen einer herkömmlichen Behandlung, und die müssen geübt werden. Im Internet unter www.pluspatient.de oder auf der Seite www.dgl-online.de kann man einen Laserzahnarzt in seiner Nähe finden.

Was kostet eine Laserbehandlung?

Die Entfernung von Karies an einem Zahn kostet etwa 50 Euro. Ansonsten können keine Festpreise genannt werden, da die Kosten sehr stark vom Material- und Zeitbedarf der Behandlung bestimmt werden. Doch jeder seriöse Zahnarzt klärt seinen Patienten vor der Behandlung umfassend auf, und erklärt ihm, welche Maßnahmen nötig sind und welche Kosten auf ihn zukommen werden, sofern er sich für die Laserbehandlung entscheidet. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen den Einsatz des Lasers nicht. Bei privaten Krankenkassen werden die Kosten zum Teil übernommen.

Was wird behandelt?

So gut wie alles. Der herkömmliche Bohrer wird nur gebraucht, um Materialen wie Gold, Keramik oder Amalgam zu entfernen. Es können Implantate freigelegt, Karies entfernt und Füllungen gemacht werden. Der Laser ist hilfreich für kleine Operationen, um z. B. Lippenbändchen zu durchtrennen oder Schleimhautveränderungen zu entfernen. Er kann Abszesse spalten und die Wunde gleich sterilisieren. Wunden heilen schneller. Der Laser arbeitet sehr präzise, er entfernt nur, was weg muss, sonst nichts. Das gilt für Zähne wie für das Zahnfleisch. Bei beginnender Karies an Fissuren (den Rillen in den Backenzähnen) zögern Ärzte das Bohren oft lange hinaus, weil beim Bohren immer auch gesunder Zahn zerstört wird. Mit dem Laser steht der Arzt nicht vor diesem Dilemma, weil der Laser nur Karies entfernt.

Warum hat sich die Laserzahnbehandlung nicht durchgesetzt?

Dr. Beatrix Lenz: „Weil sie einfach in Deutschland noch zu wenig praktiziert wird. Der einzige Masterstudiengang für Zahnärzte in Aachen wird überwiegend von ausländischen Zahnärzten absolviert.“ Im normalen Studium kommen die Laser praktisch nicht vor. Der Hauptgrund ist jedoch: Die Geräte sind in der Anschaffung sehr teuer, ihre Lebenserwartung dafür mit circa fünf Jahren sehr kurz. Für einen normalen Zahnarzt ist diese Investition zu teuer, zumal man mit nur einem Laser nicht weit kommt, sondern für die verschiedenen Anwendungen unterschiedliche Laser benötigt. Dr. Beatrix Lenz: „Die Zahnmedizin wird sich weiter spezialisieren müssen, es sollte Zentren für Laserbehandlungen geben. Zum Beispiel gibt es in München einige Zahnärzte, die mir ihre Patienten vor einer Implantatbehandlung schicken: Wird ein Zahnersatz nötig, ist es gut, wenn das Zahnfleisch ausgeheilt ist, nichts mehr blutet oder geschwollen ist und vor allem die Parodontitis samt ihren schädlichen Bakterien erfolgreich behandelt worden ist, damit sich um die Implantate keine Entzündung bildet, die zum vorzeitigen Verlust führen würde.“

Warum tut Lasern nicht weh?

Der Laser berührt den Zahn nicht. Die Behandlung wird daher als angenehmer empfunden. Die Frequenz des Bohrers reizt den Nerv deutlich stärker, als die Impulse durch den Laser. Dr. Beatrix Lenz: „Dazu kommt natürlich auch immer noch eine psychische Komponente. Meine Erfahrung ist, dass ich bei der Arbeit mit dem Laser fast immer auf eine Betäubung verzichten kann. Auch die Reinigung des Zahnfleisches und die Behandlung von Zahnfleischtaschen ist schmerzarm.“

Rundum gesund werden

Als Dr. Beatrix Lenz vor über 20 Jahren in München einen Vortrag des Laserpioniers Professor Dr. Norbert Gutknecht hörte, war sie fasziniert von den Möglichkeiten des Lasers in der Zahnmedizin und hat diese in ihrer Praxis eingeführt. Nebenher macht sie gerade ihren Master in Laserzahnheilkunde an der Uni Aachen. Auch wenn sehr viele ihrer Patienten wegen des sanften Bleachings der Zähne kommen oder nach dem schmerzlosen Bohren fragen, ist sie unermüdlich dabei, besonders auf die Vorteile bei der Behandlung von Paradontose hinzuweisen.

Warum ist entzündetes Zahnfleisch gefährlich?

Dr. Beatrik Lenz, Zahnärztin.

Dr. Beatrix Lenz: Wir wissen heute, dass sich die Bakterien, aber auch deren Stoffwechselprodukte im ganzen Körper ausbreiten. Nicht nur das Zahnfleisch, sondern der ganze Mensch wird krank: Man findet in den Gelenksynapsen bei Rheuma die gleichen Bakterien wie in den Zahnfleischtaschen. Die Stoffwechselprodukte der Bakterien gehen aufs Herz- und Kreislauf-System. Man weiß, dass das Risiko von Frühgeburten erhöht wird; einige der Parodontitisbakterien sind plazentagängig, sie können in das Fruchtwasser gelangen. Ziel ist es nicht, alle Bakterien zu vernichten. Man muss sie so weit reduzieren, dass der Körper selbst damit fertig wird. Um Paradontitis zu behandeln, geben sehr viele Zahnärzte Antibiotika. Umfangreiche Studien belegen, dass die Laserbehandlung ohne Nebenwirkung einen heilenden Effekt hat und nachhaltiger ist.

Wie sieht so eine Behandlung aus?

Lenz: Vor der Behandlung findet eine mikrobiologische Untersuchung statt, damit man ganz gezielt gegen die Bakterien vorgehen kann. Der dabei eingesetzte Laser wirkt entzündungshemmend, er zerstört die Bakterien und hat einen leichten thermischen Effekt, der die Ablagerungen in den Zahnfleischtaschen trocknet, die man dann leicht ausputzen kann. Sind Ablagerungen verkalkt, kommt der Laser zum Einsatz, der auch beim Bohren verwendet wird. Zum Abschluss wird mit einem Laser das ganze Zahnfleisch desinfiziert, das stillt auch gleich eventuelle Blutungen. Meist sind zwei bis drei Termine nötig.

Wie oft ist eine Zahnfleischbehandlung sinnvoll?

Lenz: Einmal reicht meist völlig aus, Professionelle, prophylaktische Zahnreinigung sollte natürlich regelmäßig gemacht werden. Ich habe Patienten, bei denen ich vor 15 Jahren eine Zahnfleischbehandlung gemacht habe, und deren Zahnfleisch ist immer noch gesund und der Knochen stabil. Die Hauptsache: die Zähne sind weiterhin fest und es sind keine Prothesen nötig. Denn die Stoffwechselprodukte der Bakterien sind maßgeblich für den Knochenschwund verantwortlich. Aber nicht nur das, der ganze Mensch profitiert erheblich und wird deutlich gesünder!

Dr. Beatrix Lenz praktiziert in München, Elisabethstraße 57.

Telefon: 089/18 09 56

sus

Auch interessant

Meistgelesen

Frau überlebt Herzinfarkt: Diese wichtige Botschaft hat sie vor allem für Frauen
Frau überlebt Herzinfarkt: Diese wichtige Botschaft hat sie vor allem für Frauen
So können Sie einen Herzinfarkt erkennen - und zwar bereits eine Woche zuvor
So können Sie einen Herzinfarkt erkennen - und zwar bereits eine Woche zuvor
Herpes-Viren Auslöser von Multipler Sklerose? Neue Studie mit erschreckendem Ergebnis
Herpes-Viren Auslöser von Multipler Sklerose? Neue Studie mit erschreckendem Ergebnis
Verbraucherzentrale warnt: Das sollten Sie ab sofort beachten, wenn Sie Bananen schälen
Verbraucherzentrale warnt: Das sollten Sie ab sofort beachten, wenn Sie Bananen schälen

Kommentare