Versteckte Süßmacher

Achtung! Hier lauert die Zuckerfalle

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Jeder sollte täglich höchstens eine Handvoll Süßigkeiten essen.

München - Lebensmittel enthalten oft versteckte Süßmacher. Das ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentralen. Hersteller greifen in die Trickkiste, um den Zuckergehalt zu schönen. Die Verbraucherschützer haben ihre Methoden entlarvt.

Jeder sollte täglich höchstens eine Handvoll Süßigkeiten essen. So lautet die Faustregel. Allerdings stecken Zucker und andere Süßmacher oft unentdeckt in Lebensmitteln. Die Verbraucherzentralen haben in einer bundesweiten Untersuchung die Zutatenlisten von rund 270 Produkten unter die Lupe genommen. Untersucht wurden Fruchterzeugnisse, Milch- und Getreideprodukte, Getränke, Eis, Süßwaren und pikante Produkte. Dabei fanden die Verbraucherschützer neben dem Begriff „Zucker“ 70 andere Bezeichnungen für Süßmacher, die für Verwirrung beim Verbraucher sorgen. Die Hersteller greifen aber auch an anderer Stelle in die Trickkiste.

Die Masche mit der Begriffsverwirrung

Grundsätzlich gilt: Was vorne in der Zutatenliste steht, ist am meisten im Produkt enthalten. Das stimmt aber nicht in jedem Fall. Der Einsatz von einer Vielzahl von Süßmachern mit unterschiedlichen Namen kann den klassischen Zucker (Saccharose) von der Spitzenposition vertreiben.

Ein Beispiel: Eine mit Schokolade überzogene gefüllte Waffel enthält elf Zutaten, die zum Zuckergehalt beitragen, und bringt es auf 45,4 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Zucker taucht in der Zutatenliste aber erst im Mittelfeld auf. „Das liegt daran, dass rund 70 Begriffe eingesetzt werden, hinter denen letztlich Zuckerarten stecken“, erklärt Daniela Krehl, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Die gängigsten Zuckerarten sollte der Verbraucher im Kopf haben, rät sie. Dazu zählen Fruktose, Maltodextrin, Glukosesirup, Süßmolkenpulver und Milchzucker. „Man sollte sich informieren, was süß macht, und immer die Zutatenliste vor dem Kauf durchgehen.“ Momentan entwickelt die Verbraucherzentrale eine App, mit der Verbraucher bald per Smartphone Zutatenlisten durchleuchten können.

Die Taktik mit der Mengenangabe

Ein weiterer Punkt, auf den Verbraucher beim Einkauf achten sollten: Oft wird der Zuckergehalt auf der Verpackung pro Portion angegeben. „Es gibt aber keine Festlegung, wie groß eine Portion ist“, kritisiert Ernährungsexpertin Krehl. Bei Müsli sei beispielsweise eine Portion oft mit 30 bis 40 Gramm angegeben – die meisten Verbraucher empfinden die doppelte Menge als eine Portion.

Werbeversprechen „ohne Zuckerzusatz“

Werbeaussagen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ vermitteln oft den Eindruck, dass ein Produkt keinen oder kaum Zucker enthält. „Solche Absolutaussagen führen Verbraucher in die Irre“, sagt Krehl. Die Verbraucherzentralen fordern, derartige Werbung zu verbieten.

So dick macht der Urlaub

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Pizza, Pasta und andere landestypische Kalorienbomben: Wie dick macht Urlaub eigentlich? Eine länderspezifische ­Betrachtung. © dpa
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Griechenland: Tsatsiki, Schafskäse, Oliven – alles fettig, alles schwer. Bis zu 1000 Kalorien kann eine Portion vom Auberginen-Auflauf Moussaka haben. © dpa
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Schweiz: Berge und frische Luft machen hungrig, doch vorsicht, ein „Fondue“ hat cirka 800 Kalorien. © dpa
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Frankreich: Mit 460 Kalorien pro 100 Gramm ist die Foie Gras eine wahre Kalorienbombe: Die umstrittene Stopfleber wurde unlängst sogar zum französischem Kulturerbe erklärt. © dpa
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Irland: So gewöhnungsbedürftig wie das irische Wetter ist der Irish Stew. Der Eintopf mit nur 360 Kalorien pro Portion ist gut für die Linie. © dpa
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Spanien: Paella ist die spanische Antwort auf Eintopf. Mit durchschnittlich 480 Kalorien pro Portion gehört sie beileibe nicht zu den größten Urlaubs-Dickmachern. © dpa
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Italien: Belag und Käse hauen rein in der Brennwert-Bilanz, mit 800 Kalorien mindestens. © dpa
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Österreich: Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln schlagen mit 840 Kalorien zu Buche, © dpa
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Japan: Sushi hat nur 130 Kalorien pro 100 Gramm. © dpa
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Thailand: Kaum Fett, viel Fisch und jede Menge gesunde, weil verdauungsfördernde Gewürze. Eine scharf-saure Tom-Yam-Suppe mit Garnelen hat gerade einmal 170 Kalorien, ein Thai-Curry mit Huhn 250. © dpa
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Australien: Im Land von Crocodile Dundee ist der Alligator inzwischen sogar auf dem Teller gelandet: Viele Proteine, aber gerade einmal 130 fettarme Kalorien pro 100 Gramm © dpa
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Karibik: Ananas pur mit 60 Kalorien pro 100 Gramm © dpa
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Spanien: Der alkoholisierte Traubensaft nämlich schlägt mit 65 Kalorien pro 0,1 Liter zu Buche. © dpa
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Österreich: Die berühmte Torte aus dem Hause Sacher mit 600 Kalorien (plus Sahne: 750 Kalorien) © dpa
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Eine Kugel Wassereis (100 Gramm) – und man ist schon mit 85 Kalorien dabei. Fruchtsorbet (Saft und Zucker) schlägt mit zirka 90 Kalorien zu Buche, Fruchteis (20 Prozent Fruchtgehalt) mit 130. © dpa
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Die wahren Dickmacher aber sind Milcheis (150 Kalorien) und Rahmeis (250 Kalorien). © dpa
So dick macht der Urlaub
Teufel im Glas: Ein Caipirinha mit 350 Kalorien pro Glas kann leicht mal eine Hauptmahlzeit ersetzen. © dpa

Die Wirklichkeit sieht nämlich folgendermaßen aus: „Zuckerfrei“ bedeutet, dass 0,5 Prozent Zucker im Produkt erlaubt sind, „zuckerreduziert“ muss nicht „kalorienreduziert“ heißen. „Weniger süß“ steht nicht für „weniger Zucker“ und „ohne Zuckerzusatz“ heißt nicht „ohne süßende Zutaten“. So enthielt ein Cappuccinopulver (ungesüßt) im Test keinen Zucker in der Zutatenliste. Das Pulver bestand dennoch aus rund 40 Prozent Zucker – aus der Zutat Süßmolkenpulver.

Auch bei Werbeaussagen wie etwa „40 Prozent weniger Zucker“ sollten Verbraucher vorsichtig sein. Erfolgt eine Zuckerreduktion von mehr als 40 Prozent verglichen mit ähnlichen Produkten, darf dies ausgelobt werden. Bei den Vergleichsprodukten besteht allerdings Spielraum. Im Test fanden sich im Supermarkt herkömmliche Produkte, die weniger Zucker als die zuckerreduzierte Konfitüre enthielten. „Werbung sollte man immer kritisch hinterfragen“, rät Krehl.

Zucker in Pikantem: Günstiger Ersatzstoff

In ihrer Untersuchung entlarvten die Verbraucherzentralen auch eine Reihe von Produkten, in denen Konsumenten keine süßenden Zutaten erwarten: Fleischsalat, Leberwurst und Soßenbinder zum Beispiel. Ein griechischer Krautsalat enthielt 12 Prozent Zucker. Das entspricht sechs Zucker-Würfeln in einer 150-Gramm-Portion.

Hier zeigt sich, dass Zucker in der Lebensmittelindustrie nicht nur wegen der Süße, sondern wegen des geringen Preises und seiner technologischen Eigenschaften eingesetzt wird. „Ein Ketchup-Hersteller muss zum Beispiel keine hochwertigen Tomaten einsetzen, wenn er sein Produkt mit Zucker süßt“, erläutert Ernährungsexpertin Krehl. Zucker ist günstig, wirkt außerdem konservierend, wasserbindend und geschmacksverstärkend. Teure Zutaten können so oft reduziert werden – allerdings auf Kosten der Qualität.

Die Extraportion Zucker für Kinder

Ein weiteres Ergebnis der Marktuntersuchung: Lebensmittel für Kinder sind häufig besonders stark gesüßt. So schaffte es ein als Kinderprodukt beworbener Zwieback im Test auf 34,6 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Ein normaler Zwieback enthielt dagegen lediglich drei bis zehn Gramm auf 100 Gramm. „Wir fordern eine maximal zulässige Zuckermenge für Kinderprodukte“, fordert Krehl.

Mit Süßstoffen wird es nicht immer leichter

Durch den Einsatz von Süßstoffen kann der Zucker- und Energiegehalt von Lebensmitteln reduziert werden. Fällt allerdings der strukturgebende und geschmacksverstärkende Zucker weg, müssen andere Zutaten diese Funktionen ersetzen. Die Konsequenz: Ein Erdbeer-Fruchtaufstrich wirbt mit „nur mit der Süße aus Früchten und Stevia – 30 Prozent weniger Kalorien“. Mit 38,8 Gramm Zucker und 161 Kalorien/100 Gramm ist er aber ebenso zucker- und energiereich wie andere Fruchtaufstriche ohne Süßstoffe.

Als „legale Verbrauchertäuschung“ bezeichnet Ernährungsexpertin Krehl solche Irreführungen. „Das muss die Lebensmittelüberwachung künftig verstärkt ahnden.“

Manuela Dollinger

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