Nur Geldmacherei?

Makaber: Private Krebsklinik wirbt angeblich mit Toten

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Spezialisten warnen vor Versprechungen der Regionalen Chemotherapie bei der Krebsbehandlung.

Die Regionale Chemotherapie gilt als höchst umstritten. Eine Klinik in Burghausen bietet sie an – und wirbt dafür angeblich mit bereits verstorbenen Patienten.

"Seltener Gesichtskrebs: RCT rettete mein Leben", so titelte im November vergangenen Jahres ein Post auf der Facebook-Seite des Medias-Klinikums im oberbayerischen Burghausen. Auf dem Foto darunter war Rolf Dietrich K. zu sehen. Dass der pensionierte Betriebswirt zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr lebte, ahnte damals niemand.

Dabei war Herr K. bereits zwei Jahre zuvor nach einer langen Leidenszeit an seiner Krebserkrankung verstorben. Trotzdem oder vielleicht gerade weil er den Versprechungen des Klinikleiters auf Heilung so sehr Glauben geschenkt hatte. 

Werbung mit Toten hat Methode 

Dass RCT, also die Regionale Chemotherapie, bei der Zellgifte direkt in den Tumor injiziert werden, bei Krebs-Experten als höchst umstritten gilt, ist die eine Sache. Dass die Medias-Klinik dafür aber auch noch mit toten Testimonials wirbt, grenzt für viele schon fast an Kriminalität.

Und wie Recherchen verschiedener Medien ergaben, handelt es sich bei dem Post mit Rolf Dietrich K. entgegen der Aussage des Klinikleiters Dr. Karl Reinhard Aigner keinesfalls um einen Einzelfall. Vielmehr scheint das Werbegeschäft mit den Toten in der Privatklinik mittlerweile Methode zu sein. 

Medizinische Wirksamkeit nicht belegt 

Seit Jahren schon soll die Medias-Klinik mit Berichten angeblich geheilter Krebspatienten Werbung für die Regionale Chemotherapie betreiben. Und wie sich herausstellte, ließ man hierfür im großen Stil längst verstorbene Patienten "zu Wort" kommen.

Auch soll Klinikleiter Dr. Karl Reinhard Aigner eine freie Journalistin damit beauftragt haben, fingierte Geschichten über durch ihn geheilte Patienten zu verfassen. Die Artikel erschienen später in Frauenzeitschriften und Boulevard-Magazinen.

Schleichwerbung also für eine Therapie, die von Schulmedizinern als experimentell und höchst fragwürdig eingestuft wird, für die jedes Jahr Hunderte schwerkranker Patienten in ihrer letzten Hoffnung aber 100.000 Euro und mehr hinblättern - und sich damit nicht selten vollkommen verschulden.

Da die Methode angeblich in keinster Weise wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und die Klinik bislang auch keine überzeugenden Studien veröffentlicht hat, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung in der Regel nicht.

Experten warnen vor leeren Versprechungen 

Doch trotz fehlender wissenschaftlicher Nachweise über die Wirksamkeit der Regionalen Chemotherapie und obwohl dem Chirurgen Dr. Aigner in mehreren Gutachten schwere Behandlungsfehler vorgeworfen werden, wirbt die Medias-Klinik weiterhin mit großen Therapie-Erfolgen.

Tumore verschiedenster Krebsformen, so heißt es in hochemotionalen Videos, könnten bei 80 Prozent der meist als austherapiert geltenden Patienten verkleinert und ihre Lebenserwartung zum Teil für Jahre verlängert werden.

Experten zweifeln allerdings stark an der Glaubhaftigkeit dieser Zahlen und warnen Patienten vor solchen Versprechungen. Denn nicht selten würden Schwerkranke dann auf Therapien verzichten, die ihnen tatsächlich noch helfen könnten

Von Franziska Grosswald 

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