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Medikamente aus dem Ausland: Was wichtig ist

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München - Es klingt verlockend: Wer sich seine Medikamente im Ausland besorgt, der kann viel Geld sparen, teilweise sind Arzneimittel dort über 50 Prozent billiger als bei uns.

Es bestellen immer mehr Patienten ihre Pillen online bei besonders günstigen ausländischen Versandapotheken. Und viele Deutsche bringen gleich einen ganzen Vorrat von Medikamenten aus ihrem Urlaubsland mit nach Hause (siehe Artikel unten). Doch Vorsicht: Diese vermeintliche Ersparnis kann sich ganz schnell als teurer Reinfall entpuppen – im schlimmsten Fall sogar auf Kosten der eigenen Gesundheit. In der großen tz-Medizinserie geben Verbraucherschützer Tipps, was Sie beim Kauf von Medikamenten im Ausland beachten sollten.

Andreas Beez

In welchen Ländern kann man Medikamente bestellen? „Es gibt eine Vielzahl unseriöser ausländischer Anbieter“, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Häufig sind deren Informationen in deutscher Sprache verfasst.“ Doch Vorsicht: Viele dieser Angebote sind nicht nur unseriös, sondern auch noch illegal. Denn in Deutschland gelten für den Internet-Handel mit Medikamenten strenge gesetzliche Regelungen. „Es ist nur eine Bestellung aus Ländern erlaubt, in denen ähnliche Sicherheitsvorschriften wie in Deutschland gelten“, erläutert die Verbraucherzentrale. Dazu zählen Großbritannien, die Niederlande, Island, Schweden (nur verschreibungspflichtige Medikamente) und Tschechien (nicht verschreibungspflichtige Medikamente). Versandapotheken aus anderen europäischen Ländern dürfen nur dann Arzneimittel nach Deutschland schicken, wenn sie eine Einzelgenehmigung haben. Für alle Händler außerhalb Europas sind Medikamenten-Lieferungen an deutsche Online-Kunden per Gesetz grundsätzlich tabu.

Woran erkennt man, ob eine Versandapotheke seriös ist? „Überprüfen Sie, ob auf der Webseite der Name der Firma, des Geschäftsführers und andere wichtige Angaben wie Postadresse ode Handelsregisternummer zu finden sind. Diese sogenannte Impressumspflicht gilt EU-weit“, rät das Europäische Verbraucher-schutz­zentrum Deutschland. Vorsicht, wenn ein Händler im Internet nur eine E-Mail-Adresse oder eine teure Telefonnummer angibt! Seriöse Anbieter veröffentlichen auch ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie Widerrufs- oder Rückgaberegelungen. Es gibt auch verschiedene Gütesiegel für Online-Händler. Mehr dazu erfahren Interessenten im Internet unter der Adresse: www.internet-guetesiegel.de.

Welche Alarmsignale sprechen dafür, dass ein Medikament gefälscht ist? „Skeptisch sollten Sie sein, wenn Arzneimittel ohne Verpackung und Beipackzettel geliefert werden“, warnt das Europäische Verbraucherzentrum. „Von Präparaten wie Pillen gegen Übergewicht, Errektionsstörungen oder Haarausfall sollten Sie grundsätzlich die Finger lassen. Hier ist die Gefahr, eine Fälschung in die Finger zu bekommen, besonders groß!“

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Preisvergleich: Anti-Baby-Pille in Deutschland & Frankreich - mit einem Klick auf das Symbol können Sie die Tabelle vergrößern.

Was sollte man beim Überweisen der Rechnung beachten? Die wichtigsten Tipps der Verbraucherschützer dazu: „Sie können sicherstellen, dass Sie für die Überweisung ins Ausland nicht mehr Gebühren zahlen als für eine inländische, indem Sie sich vom Händler dessen internationale Bankverbindungsdaten geben lassen (IBAN und BIC). Zahlen Sie nur dann mit Kreditkarte, wenn Sie sich auf einer sicheren Webseite befinden. Das ist erkennbar an einem Vorhängeschloss-Symbol im Rahmen des Browserfensters und an dem „s“ hinter „http“: (https://www...). Außerdem sollten Sie Ihre Kartenprüfnummer (dreistellige Ziffer im Unterschriftsfeld auf der Rückseite Ihrer Kreditkarte) niemals dem Händler persönlich schicken, sondern nur in die dafür vorgesehenen Felder eintragen.“

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Preisvergleich: Reiseapotheke in Deutschland & Frankreich - mit einem Klick auf das Symbol können Sie die Tabelle vergrößern.

ie kann ich böse Überraschungen vermeiden? Vergleichen Sie nicht nur die nackten Preise! Beziehen Sie auch die zusätzlichen Leistungen und den gebotenen Service ein. Üblicherweise kommen zu den Preisen für im Internet angebotene Waren noch Versandkosten. „Die können gerade bei Waren, die aus dem Ausland kommen, ganz beträchtlich sein“, erläutert das Europäische Verbraucherzentrum. Und denken Sie auch an die Lieferfristen! Allein die Auslandsüberweisung kann mehrere Tage dauern, und auch der Postversand aus dem Ausland nimmt oft viel Zeit in Anspruch.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich von einem zwielichtigen ausländischen Händler übers Ohr gehauen worden bin? Das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland bietet einen Kunden-Service an: „Mit Hilfe von Kollegen aus dem Land, in dem der Unternehmer sitzt, werden sich die Juristen um eine gütliche Einigung mit dem Händler bemühen – und zwar völlig kostenlos.“ Verbraucher können sich dienstags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 17 Uhr telefonisch beraten lassen. Die Telefonnummer lautet 0 78 51/ 99 148-0. Die Mailadresse: info@cec-zev.de.

Was Urlauber wissen sollten

Ob Anti-Babypille, Magen-, Grippe- oder Kopfschmerztabletten – deutsche Touristen decken sich im Ausland gerne mit Arznei zu Dumpingpreisen ein. Die tz erklärt, was Sie dabei beachten müssen:

Mengenbegrenzung: Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums dürfen Urlauber nur „Medikamente für den üblichen persönlichen Bedarf“ mit nach Deutschland bringen. Darunter verstehen die Bürokraten einen Vorrat, der für drei Monate reicht. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um verschreibungspflichtige oder frei verkäufliche Präparate handelt.

Unterschiedliche Inhaltsstoffe: „Für Medikamente mit der gleichen Bezeichung können – je nach Land – andere Inhaltsstoffe, Dosierungen oder Zusammensetzungen gelten“, berichtet die Verbraucherzentrale NRW. Dazu kommt: Auch wenn der Wirkstoff eines Arzneimittels im Ausland derselbe ist wie in Deutschland – es kann andere Zusatzstoffe enthalten, die der Patient womöglich nicht verträgt.

Die Gefahr von Fälschungen: Sie ist auf Märkten oder bei Straßenhändlern besonders groß. „Wer hier kauft, riskiert seine Gesundheit“, warnt die Verbraucherzentrale. Und er hat womöglich bei der Heimreise auch noch Ärger mit dem Zoll, wenn dieser bei einer Kontrolle die Plagiate enttarnt. Denn die Einfuhr von gefälschten Medikamenten nach Deutschland ist grundsätzlich verboten.

Verschiedene Bezeichnungen und Einstufungen von Präparaten: Manche Vitaminpillen, Nahrungsergänzungs-, Potenz- oder Schlankheitsmittel gelten im Ausland nicht als Medikamente, in Deutschland allerdings sehr wohl. Wer bei der Heimreise zuviel davon im Koffer hat und sie nicht beim Zoll anmeldet, der macht sich strafbar. Er riskiert dann ein Bußgeld oder sogar ein Strafverfahren.

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