Aktuelle Studie der Stiftung für Zukunftsfragen

Münchner verraten: Hier stresst uns die Freizeit!

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München - Die tz gibt einen Überblick über die Haupterkenntnisse der Zukunftsstudie, die beliebtesten Beschäftigungen, die größten Stressfaktoren und über Unterschiede zum Freizeitmonitor 1984.

Endlich Freizeit! Dieser Seufzer der Erleichtung geht für immer mehr Menschen bald über in ein gestresstes Gefühl: Wie verbringe ich diese kostbaren Stunden am besten? Die aktuelle Studie der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt nicht nur auf, dass sich das Verhalten der Deutschen in den Phasen, die sie zur freien Verfügung haben, zum Teil drastisch verändert hat. Die Befragung von über 4000 Teilnehmern hat auch ergeben, dass sie sich in den durchschnittlich 3,56 Stunden Freizeit immer mehr unter Druck gesetzt fühlen – von der schieren Zahl der Aktivitätsangebote, vom Anspruch, auch im der Freizeit effektiv und produktiv zu sein, von den Ansprüchen anderer. Die tz gibt einen Überblick über die Haupterkenntnisse der Studie, die beliebtesten Beschäftigungen, die größten Stressfaktoren und über Unterschiede zum Freizeitmonitor 1984.

Die Top-Position 2014

Fernsehen ist zum 25. Mal in Folge an der Spitze: 97 % der Deutschen schalten die Glotze mindestens einmal wöchentlich ein, zwei Drittel sogar täglich. Auf Platz 2 folgt Radiohören mit 90 Prozent.

Medien prägen das Spitzenfeld

Telefonieren (von zu Hause 87%) und von unterwegs (70 %) sowie die Lektüre von Zeitungen/Zeitschriften (73%) und die Nutzung von Internet (71%, plus 23%!) und Computer (60 %) und E-Mail (57 %) dominieren die „Top 10“ der Liste von Tätigkeiten, die mindestens ein Mal pro Woche ausgeführt werden. Zwischendrin finden sich Beschäftigungen wie Gedanken nachgehen (71%), Zeit mit Partner verbringen (68 %), Ausschlafen (65%) überwichtige Dinge reden (63%) und sich in Ruhe pflegen (61%) und schlussendlich Kaffeetrinken/Kuchen essen. Der Wert für letztere Freizeitbeschäftigung ist seit 2009 um elf Prozentpunkte abgestürzt.

Sport: unter ferner liefen

Der Fitness-Trend hat den Sport noch nicht weit vor befördert. Zwar treiben 71 % der Jugendlichen mindestens ein Mal die Woche Sport, junge Erwachsene immerhin 53 %, aber ältere Semester drücken den Schnitt auf 34 %.

Unterschiede Frau/Mann

Die Daten der Untersuchung sind auch nach Geschlechtern abrufbar. Es zeigen sich große, aber bekannte Unterschiede: Frauen shoppen mehr und lesen mehr Bücher. Auch beim Telefonieren und sich pflegen liegen die Damen vorne – was Männer beim Verfolgen von Sportereignissen, bei Kneipenbesuchen und im Heimwerken wettmachen.

Was West und Ost noch unterscheidet

Im Großen und Ganzen hat sich das Freizeitverhalten angeglichen. Gravierendere Unterschiede haben die Forscher nur bei Sport und „etwas für die Gesundheit tun“ entdeckt: Im Westen zeigen sich hier aktiver, während der Ostdeutsche auf Gartenarbeit und Mittagsschlaf setzt.

Handy statt Freunde

Im Zehnjahresvergleich zeigt sich, dass PC-, Internet- und Handynutzung stark angestiegen ist, während soziale Aktivitäten im wirklichen Leben zurückgehen: „Sie unternehmen seltener etwas mit Freunden, sprechen weniger Einladungen aus und reden auch nicht mehr so häufig über wichtige Dinge“, so das Fazit der Studie.

Unerfüllte Wünsche

Paradoxerweise werden eben diese sozialen Kontakte vermisst: Die Mehrheit der Befragten würde gerne mehr mit Freunden und der Familie unternehmen, mehr Ausflüge machen, öfter essen zu gehen, mehr faulenzen. Der Rat von Studienautor Prof. Ulrich Reinhardt: Nicht hinter der Routine, Antriebsschwäche und Konventionen verstecken – und auch nicht von der Sorge geplagt sein, etwas zu verpassen: „Freizeit ist nicht nur freie Zeit für etwas, sondern auch freie Zeit von etwas.“

Das nervt und stresst ... von je 100 Befragten

Das nervt und stresst ... von je 100 Befragten
Von Leuten umgeben sein, die man nicht mag 72
in langweiliger Gesellschaft sein 51
Rücksicht nehmen müssen 35
Verpflichtungen 32
Stau, viel Verkehr 69
Schlange stehen 65
Nicht ausschlafen können 55
Bedürfnis nach Ruhe, aber gestört werden 62
Lärmbelästigung durch Dritte 41
Medienkonsum anderer 38
Dauerberieselung mit Musik 33
Ständige Erreichbarkeit 31
Zu hohe Ausgabe in Freizeit 44
Überall Werbung 43
Geschenkeinkäufe 35
Mithalten müssen 16
Nicht allen gerecht zu werden 48
Medialen Idealen entsprechen 22
Meine Lebensplanung 20
Entscheidung bei Aktivitäten 12

Das sagen die Münchner

Dustin Meyer und Verena Schick.

Dustin Meyer, 27, Altenpfleger aus Bamberg: "Ich hätte gerne mehr Zeit für Sport. Ich mache gerne free­letics, das sind Fitnessübungen, die man mit dem eigenen Körpergewicht machen kann – überall. Und ich hätte auch gerne mehr Zeit für meine Freundin. In der Freizeit stresst mich eigentlich nichts. Besonders dann nicht, wenn ich in den Urlaub fahre oder fliege."

Verena Schick, 25, Lehramtsanwärterin aus Bamberg: "Ich hätte gerne mehr Zeit für meine Familie. Sie zwei Mal pro Monat zu treffen, ist mir zu wenig. Ich würde sie gerne öfter treffen, um mit ihnen Kaffee zu trinken, oder spazierenzugehen. Mich stressen in der Freizeit Gedanken an die Arbeit und daran, was ich eigentlich alles zu erledigen hätte."

Helmut (l.) und Horst Obermaier.

Helmut Obermeier, 64, FileStore-Manager,München: "Ich hab genügend Freizeit, da gibt’s bei mir keine Defizite. Ich kann alles machen, was ich gerne möchte. Da bin ich zufrieden. Mich stresst in der Freizeit, wenn sich Leute wichtig machen, wenn sie nicht echt sind. „Nimm mich, wie ich bin, dann darf ich sein, wie ich mag“ – so hab ich es lieber."

Horst Obermeier, 67, Rentner aus München: "Ich habe als Rentner Zeit in Hülle und Fülle, deswegen fehlt mir nichts. Ich nehme mir auch nicht so viel vor, wie das viele andere machen. Da stresst mich eigentlich nichts – gerade in der Freizeit. Deswegen bin ich ganz entspannt. Dies und dort und das machen: Das ist nicht meine Sache."

Christiane Hugo.

Christiane Hugo, 49, selbstständige Architektin aus Berlin: "Ich hätte gerne mehr Zeit für Sport: Das Fitnessstudio und das Radfahren – damit würde ich mich gerne den ganzen Tag beschäftigen. Wenn ich frei habe, habe ich keinen Termindruck und bin ein freier Mensch, da habe ich auch keinen Stress."

Constanze Spitzweck.

Constanze Spitzweck 31, Polizeisprecherin aus München: "Ich hätte gerne mehr Zeit zum Lesen und für Sport: zum Laufen und Schwimmen. Und mehr Zeit für Kultur, für Museen, Führungen – auch in München. Mich stressen in der Freizeit viele Telefonanrufe und zu viele Dinge, die man erledigen muss. Ach ja: und frühes Aufstehen.

BW

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