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Wie die Ärzte die süße Kristina retteten

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Glücklich: Mama Michaela Unterstar mit Kristina und Professor Stephan Kellnar © Beez

München - Im Rahmen der tz-Serie über Spitzenmedizin in München erzählt eine junge Mama, wie das Team um den renommierten Kinderchirurgen Kellnar ihrem Töchterchen Kristina mit einer schwierigen Operation das Leben rettete.

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Die Intensivstation der Kinderklinik des Klinikums Dritter Orden © Götzfried

Die Schwestern vom Dritten Orden haben wirklich an alles gedacht. In ihrer Nymphenburger Kinderklinik ist sogar der Fahrstuhl zwischen den medizinischen Abteilungen eine klug durchdachte Spezialanfertigung. „Er bewegt sich völlig erschütterungsfrei. Dadurch können wir auch Frühchen sehr sicher befördern. Manche wiegen nur 500 Gramm und sind extrem verletzlich“, erklärt der Ärztliche Direktor Professor Stephan Kellnar.

Das Herzstück der 2002 eröffneten Kinderklinik ist ein sogenanntes Perinatalzentrum. Der Ausdruck kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „um die Geburt herum“. Die Idee dahinter: Eine hochspezialisierte Entbindungsabteilung, die Operationssäle und eine Intensivstation für Neugeborene befinden sich praktisch Tür an Tür. Professor Kellnar: „Wir setzen auf ein Konzept der kurzen Wege. Dadurch können wir Frauen mit Problemschwangerschaften und ihre Babys optimal versorgen.“

Hightech und Herzblut – im Rahmen der tz-Serie über Spitzenmedizin in München erzählt eine junge Mama, wie das Team um den renommierten Kinderchirurgen Kellnar ihrem Töchterchen Kristina mit einer schwierigen Operation das Leben rettete.

Andreas Beez

Michaela Unterstar drückt ihr Glück ganz fest an sich. Vor 19 Tagen hat die 30-jährige Mama aus Schnaitsee bei Wasserburg ihr Baby zur Welt gebracht. Auf die Minute genau um 11.28 Uhr. Aber schon um 14 Uhr musste sie ihre Kristina wieder den Ärzten überlassen. Drei Stunden operierten sie den winzigen Körper, befreiten Kristina von einer lebensbedrohlichen Fehlbildung am Bauch. Zurückgeblieben ist nur eine kleine Narbe am Nabel. Kristina ist auf dem allerbesten Wege, schon bald pumperlg’sund zu werden. „Sie wird ein ganz normales Leben führen können“, sagt Professor Kellnar.

Das Happy End um seine kleine Patientin – es ist ein beeindruckender Beweis dafür, wie gut vernetzte Spitzenmedizin heute auch schwerkranken Kindern helfen kann. „Wichtig ist, dass verschiedene Experten Hand in Hand arbeiten“, betont Kellnar.

Rückblende: In der 14. Schwangerschaftswoche erfuhr Michaela von ihrem Frauenarzt, dass mit dem Baby in ihrem Bauch irgendetwas nicht stimmt. „Diese Ungewissheit, nicht zu wissen, was mit meinem Kind los ist – das war für mich das Allerschlimmste“, erinnert sich die junge Mama.

Eine Untersuchung bei den renommierten Ultraschallspezialisten Dr. Karl-Philipp Gloning und Dr. Thomas Schramm in München ergab eine erschütternde Diagnose: Laparoschisis. Darunter versteht man eine Fehlbildung am Bauch. Professor Kellnar: „Diese ungeborenen Babys haben eine sogenannte Bauchspalte. Der Darm wächst aus dem Körper heraus und schwimmt im Fruchtwasser.“

Wenn diese Fehlbildung erst bei der Entbindung entdeckt wird, ist es oft schon zu spät. „Bei einer natürlichen Geburt durch die Vagina kann der freiliegende Darm erheblich verletzt werden. Deshalb war es so wichtig, dass wir bei Kristina frühzeitig Bescheid wussten.“

So blieb Michaela Unterstar bereits ab der 28. Schwangerschaftswoche stationär im Krankenhaus. „Ich fühlte mich von Anfang an gut aufgehoben, hatte Vertrauen zu den Ärzten“, erinnert sich die Oberbayerin, „das half mir unheimlich dabei, positiv zu denken.“

In der 34. Woche holten die Ärzte Kristina ganz vorsichtig per Kaiserschnitt zur Welt. Der verletztliche Darm wurde mit einer speziellen sterilen Folie bedeckt, damit er bis zur geplanten Operation keinen Schaden nimmt.

Mit Lupenbrillen, filigransten Instrumenten und hauchdünnen Fäden verlagerten Professor Kellnar und sein Team das Organ in Kristinas kleine Bauchhöhle. Die Chirurgen mussten Präzisionsarbeit leisten. „Die Gefäße eines Neugeborenen sind so zart, dass selbst ein minimales Zittern in der Hand des Operateurs fatale Folgen haben kann“, weiß Kellnar.

Bei den Laparoschisis-Operationen können die Spezialisten vom Dritten Orden auf viel Erfahrung zurückgreifen. Acht bis zehn solcher Eingriffe machen sie pro Jahr. „Insgesamt operieren wir jedes Jahr 3100 Kinder – darunter etwa 100 Neugeborene mit zum Teil lebensbedrohlichen Fehlbildungen. Außerdem kommen wir auf rund 20 000 ambulante Behandlungen“, erläutert der Ärztliche Direktor.

Auch bei Kristina ging alles gut. Zwei Wochen nach dem Eingriff kam die kleine von der Intensiv- auf die Normalstation. Schon bald darf Mama Michaela mit ihrer Kleinen nach Hause zu Papa Michael (32). „Wir sind alle überglücklich.“

Auch Professor Kellnar ist erleichert. „Es ist schön zu sehen, wie wunderbar sich die kleine Katarina entwickelt.“ Seine Augen funkeln. Sie verraten, was der erfahrene Mediziner gerade denkt – auch nach 14 Jahren als Chefarzt: „Für solche Momente bin ich Kinderchirurg geworden.“

Unser Experte

Stephan Kellnar hat an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und in Wien studiert, bevor er als Kinderchirurg im Haunerschen Kinderspital und am Klinikum rechts der Isar als Allgemeinchirurg arbeitete. Nach seiner Zeit in der Haunerschen Kinderklinik übernahm Kellnar vor 14 Jahren die Leitung der Kinderchirurgie in der Kinderklinik des Klinikums Dritter Orden. Hier ist er auch Ärztlicher Direktor. Der 53-jährige Familienvater hat selbst zwei Kinder.

Meine fünf Tipps für Eltern

1.) Wenn Ihr Kind Bauchschmerzen bekommt, die rechts etwas oberhalb der Leiste lokalisiert sind und länger als einen Tag anhalten, dann könnte eine Blinddarmentzündung dahinterstecken. Man sollte zur Sicherheit ­einen Kinderarzt aufsuchen.

2.) Schmerzen in der Leiste verbunden mit einer auffälligen Schwellung können auf einen Leistenbruch hindeuten. Die Gefahr dabei ist, dass sich der Darm im Leistenkanal einklemmt und seine Durchblutung gestört wird.

3.) Wenn Ihr Bub über starke Schmerzen an den Hoden klagt, sollten Sie mit ihm frühzeitig zu einem Kinderarzt gehen. Er könnte eine Hodentorsion erlitten haben – eine Verdrehung, bei der die Blutzirkulation in dem Geschlechtsorgan gestört wird. Das kann beispielsweise beim Sport passieren. Man muss diese Torsion rechzeitig behandeln, sonst können schon innerhalb weniger Stunden bleibende Schäden am Hoden ­entstehen.

4.) Bei Stürzen auf den Kopf sollten Sie genau analysieren beziehungsweise nachfragen, was direkt nach dem Unfall passiert ist. Wenn Ihr Sprössling erbricht oder sogar kurz das Bewusstsein verliert, dann gehen Sie zur Sicherheit am besten direkt in eine Kinderklinik. In vielen Fällen empfiehlt es sich, dass Kinder mit einer Gehirnerschütterung zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.

5.) Vermeiden Sie, dass Kleinkinder mit Gegenständen spielen, die sie verschlucken könnten. Besonders gefährlich sind ­kleine Knopfbatterien. Sie können die Speiseröhre und den Magen schädigen.

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