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So machen Sie Ihre Füße fit

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Unser Experte Dr. Steffen Zenta © Hand- und Fußzentrum München

München - In der neuen Serie über Spitzenmedizin in München erklärt der renommierte Orthopäde und Fußspezialist Dr. Steffen Zenta, welche modernen Behandlungsmöglichkeiten es bei Fußerkrankungen gibt. Zudem verrät er Alltags-Tipps.

Als der liebe Gott uns Menschen Füße geschenkt hat, da sparte er nicht an „Baumaterial“: Ein Viertel der bis zu 215 menschlichen Knochen stecken in diesen beiden vergleichweise kleinen Körperteilen – verbunden mit über 100 Sehnen und Bändern.

Trotz ihrer aufwendigen Anatomie werden die Füße oft unterschätzt. Viele Patienten mit entsprechenden Beschwerden treten ihre ­Gesundheit im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen. Sie suchen erst dann einen Arzt auf, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Dabei riskieren sie nicht nur Folgeerkrankungen wie Arthrose, sondern auch Schmerzen in anderen Körperteilen aufgrund von Schonhaltungen und Fehlbelastungen. Im Rahmen der neuen tz-Serie über Spitzenmedizin in München erklärt der renommierte Orthopäde und Fußspezialist Dr. Steffen Zenta, welche modernen Behandlungsmöglichkeiten es bei Fußerkrankungen gibt und wie sich die ­Operations-Verfahren verbessert haben.

Andreas Beez

Schnellere Heilung nach Hallux-Valgus-Operation:

An dieser Fehlstellung des großen Zehs leidet mindestens jede dritte Frau. Der Zeh krümmt sich nach innen, und der Ballen wölbt sich nach außen. Auf Dauer nutzt sich dabei der Knorpel ab, es entsteht eine oft schmerzhafte Arthrose. „Wenn man das Gelenk funktionsfähig erhalten will, muss man den Knochen versetzen“, erklärt Dr. Zenta. „Um dieses sogenannte Mittelfußköpfchen hinterher wieder fixieren zu können, gibt es jetzt ganz neue Implantate. Das sind praktisch kleine ­Metallplättchen mit filigranen Schrauben.“ Die neue Technik unterstütze den Heilungsprozess am Knochen enorm, so der Mediziner: „Früher durfte der Patient den Fuß nach der OP sechs Wochen lang nicht belasten, heute sind es nur noch zwei.“

Fortschritte bei der Korrektur des großen Zehs:

„Bei vielen Patienten liegt der große Zeh zu eng am Nachbarzeh an. „Dadurch entsteht eine Fehlstellung im Gelenk“, sagt Dr. Zenta. Es gibt immer bessere Schienen und kleine Silikonkissen, die helfen, den Zeh geradezurücken. Sie heißen Halux-Schienen oder ­Zehenspreizer und zählen zu den sogenannten Orthesen – den orthopädischen Hilfsmitteln.

Dauer-Implantate bei der Operation von Hammerzehen:

Hammerzehen bereiten vielen Menschen Probleme. Dabei krümmt sich der Zeh krallenartig, schmerzt und wird anfällig für Druckstellen wie Hühneraugen. Um den Zehenknochen zu strecken, haben die Operateure früher einen speziellen Draht verwendet. Der Nachteil: Irgendwann mussten sie dieses Hilfsmittel wieder entfernen. „Heute setzen wir Implantate ein, die man auf Dauer im Zeh belassen kann. Der Patient spürt sie gar nicht“, berichtet Dr. Zenta.

Hyaluronsäure für die Sehnen:

Die Substanz als solche wird bereits seit Jahren gespritzt, beispielsweise schwören viele Kniepatienten mit kleineren Knorpelschäden darauf. Die ­Hyaluronsäure wirkt praktich wie eine Art Schmiermittel, das fehlenden Knorpel ersetzen soll. „Seit Anfang letzten Jahres werden solche Präparate auch zur Behandlung von Sehnenentzündungen im Fuß eingesetzt“, erklärt Dr. Zenta. „Das Gewebe an den Sehnenansätzen ist bradytroph, wie wir Mediziner sagen – das bedeutet: nicht so gut durchblutet. Die ­Hyaluronsäure regt in diesem Bereich den Stoffwechsel an und fördert so die Selbstheilungskräfte. Die Entzündung wird effektiver bekämpft, das Sehnengewebe gestärkt.“

Allerdings müssen Kassenpatienten die Therapie selbst bezahlen – weil es sich dabei um eine sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) handelt. Zwei Spritzen, die im Abstand von einer Woche verabreicht werden, kosten pro Stück etwa 60 Euro.

Injektionen gegen das Morton-Neurom:

Darunter versteht man eine Nervengeschwulst, die sich im Bereich der Mittelfußknochen gebildet hat. „Sie verursacht einen äußerst unangenehmen, elektrisierenden Schmerz am Vorfuß, der sich immer mehr verschärft. Manchmal klagen die Patienten auch über ein Taubheitsgefühl“, weiß Dr. Zenta.

Zur Entlastung eignen sich spezielle Einlagen oder Spreizfußbandagen. „Man kann auch bis zu 3 Mal steroidhaltige Medikamente direkt an die betroffene Stelle im Fuß spritzen. Sie wirken entzündungshemmend und abschwellend.

Aber diese Sofortmaßnahmen reichen oft nicht aus, verschaffen einem Teil der Patienten nur vorrübergehend Linderung. „In den anderen Fällen hilft nur eine Operation. Dabei wird der Nerv durchtrennt, der die Beschwerden verursacht“, erläutert Dr. Zenta.

Der Nachteil: Die Zehen können sich nach dem Eingriff teilweise taub anfühlen. „Das nehmen viele Patienten aber in Kauf, um den quälenden Schmerz loszuwerden, den ein Neurom verursachen kann.“

Stoßwellen-Therapie gegen den Fersensporn: Man unterscheidet zwischen dem unteren und dem oberen Fersensporn. Dabei handelt es sich um eine Entzündung, die von Kalkablagerungen geschürt wird. Sie kann entweder unten am Ansatz der Plantarfaszie vorkommen, wie Mediziner die Sehne an der Sohle nennen. Oder der Ansatz der Achillessehne (etwas weiter oben) ist gereizt.

„Die Kalkablagerungen lassen sich mit Schallwellen praktisch zertrümmern. Das macht man mit einem speziellen Gerät, das die Wellen schussartig abfeuert. Der Patient wird in drei Sitzungen mit jeweils 1000 Schuss behandelt“, erklärt Dr. Zenta. „Hinterher sind die Schmerzen zunächst oft noch etwas stärker, aber bereits nach zwei bis drei Tagen werden die Beschwerden am Sehnenansatz in der Regel deutlich besser.“

Unser Experte

Der Orthopäde Dr. Steffen Zenta (49) hat seine Facharztausbildung im Uniklinikum Großhadern und im Klinikum Starnberg gemacht. Sein Wissen vertiefte er unter anderem bei Auslandsaufenthalten in Südafrika und in den USA. Seit 1999 arbeitet der zweifache Familienvater als niedergelassener Mediziner. Zenta ist auch Gründer des Hand- und Fußzentrums München (HFZ).

Meine 5 Tipps für den Alltag

1.) Kaufen Sie den Schuh, der zu Ihrem Fuß passt. Er muss sich schon bei der Anprobe gut anfühlen und vernünftig passen. Manche Menschen glauben, man könne einen schlecht sitzenden Schuh so lange einlaufen, bis er irgendwann schon passen wird. Aber das ist meist ein Trugschluss! Ganz schlecht für den Fuß ist es übrigens, wenn er im Schuh zusammengedrückt wird.

2.) Wechseln Sie Ihre Schuhe regelmäßig, damit sich der Fuß an verschiedene Belastungssituationen gewöhnen kann. Ziehen Sie nicht zu häufig Schuhe mit harten Sohlen an, dazu gehören beispielsweise dünne Ledersohlen. Turnschuhe sind häufig gesünder und bequemer. Tragen Sie diese so oft wie möglich – beispielsweise in Ihrer Freizeit, wenn es im Job aus optischen Gründen nicht möglich ist.

3.) Gehen Sie bei Fußproblemen rechzeitig zum Arzt. Viele Patienten kommen zu spät und riskieren damit Folgeschäden. Druckstellen wie Hühneraugen oder verstärkte Hornhautbildung sind Alarmsignale für Fußerkrankungen, die Sie ernst nehmen sollten.

4.) Schuhe mit abgerundeten Sohlen entlasten (unterstützen) die Füße beim Abrollen. Dadurch werden die Gelenke um bis zu 30 Prozent entlastet.

5.) Verwenden Sie keine zu harten Einlagen – diesen Fehler machen viele Patienten. Die Einlagen sollten nämlich nicht nur die natürliche Fußform unterstützen, sondern auch wie ein Stoßdämpfer wirken. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zwei Paar Einlagen verschreiben: ein etwas härteres Modell für schickere Schuhe, aber auch ein etwas dickeres und bequemeres für die Freizeit.

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