Neue Studie

Die Herzkammer der Medizintechnik

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Prof. Joachim Müller vom Uniklinikum Großhadern bei einer OP mit ARRITechnik.

So bereichern mittelständische Münchner Firmen die Gesundheits-Wirtschaft.

Josef Schmid

München gilt als Medizin-Mekka. Vor allem deshalb, weil Patienten aus aller Welt an die Isar pilgern, um sich hier von Top-Spezialisten in erstklassigen Kliniken behandeln zu lassen. Was aber nur Wirtschaftskenner wissen: Die Region München bildet auch die Herzkammer einer pumperlg’sunden bayerischen Medizintechnik-Branche. Darin erwirtschaften 350 Unternehmen einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro. Das geht aus einer aktuellen Studie zur Münchner Medizintechnik-Branche im Auftrag der Stadt hervor. 

Bei der Präsentation der Ergebnisse sprach Wirtschafts-Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gestern von einem „Hidden Champion mit Innovationskraft“ – also von einem Wirtschaftszweig, der heimlich, still und leise geradezu weltmeisterlich aufblüht. „Seine Stärke ist in unserer Stadt noch gar nicht so bekannt.“Inzwischen bietet die Medizintechnik-Branche bereits 19 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. „Und vieles spricht dafür, dass sich ihr bemerkenswerter Wachstumskurs in den nächsten Jahren fortsetzen wird“, erläuterte Schmid. Zu den Erfolgsgaranten zählen mittelständische Betriebe bzw. Firmen, die in München fest verwurzelt sind. Im großen tz-Report stellen wir drei Musterbeispiele vor, liefern Studien-Fakten und Argumente dazu, warum München sozusagen als internationales Operationszentrum immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Hightech für den OP-Saal

Wenn ein alteingesessener Münchner den Namen ARRI hört, dann denkt er in der Regel erst mal an Kino und Kameratechnik – dafür ist das Schwabinger Traditionsunternehmen weltberühmt. Doch seit zwei Jahren verfolgt die 1917 gegründete Firma den ehrgeizigen Plan, nach den Kino- auch die Operationssäle zu erobern: Ihre Tochter ARRI Medical liefert hochmoderne Digitaltechnik für OP-Mikroskope, produziert aber auch spezielle Filme beispielsweise von Operationen. Binnen kurzer Zeit haben die gerade mal 14 Mitarbeiter von ARRI Medical schon mächtig für Furore gesorgt, waren vergangenes Jahr für den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft nominiert und kamen bis ins Finale. „Wir können auf das Knowhow unserer Entwicklungsabteilung zurückgreifen“, erzählt Marketingchef Thomas Hürland. Insgesamt hat ARRI 1200 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 300 Millionen Euro.

Die wichtigsten Fakten

  • In der Region München sitzt rund ein Drittel der 1000 Firmen, die vom Freistaat aus den Weltmarkt erobern. „Bereits heute kommen drei Prozent aller Medizinprodukte aus Bayern“, erläuterte Dr. Frank Miermeister vom Branchen-Netzwerk MedTech-Pharma. 
  • Der Erfolg der weißblauen Unternehmen schlägt sich in erstaunlichen Zahlen nieder. So setzt die bayerische Medizintechnik-Branche jährlich insgesamt an die 15 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Große Länder wie Frankreich oder Italien erwirtschaften insgesamt nur jeweils circa 13 Milliarden. 
  • Neben 115 Dienstleistungsfirmen und 35 Zulieferbetrieben produzieren in der Region München 200 Hersteller unterschiedlichste Medizintechnik für Krankenhäuser und Arztpraxen. Ihre Produktpalette reicht von Hightech-Geräten wie beispielsweise Herz-Lungen-Maschinen oder Bildgebungs- und Kameratechnik für den Operationssaal über spezielle Orthesen (siehe Firmen- Portraits) bis hin zu Verbrauchsmaterialien und Laborausstattung. 
  • Anders als beispielsweise in Nürnberg/Erlangen, wo Großkonzerne wie Siemens angesiedelt sind, ist die Münchner Medizintechnik stark mittelständisch geprägt. Jedes zweite Unternehmen hat weniger als 20 Beschäftigte. 
  • München hat neben der hohen Lebensqualität einen entscheidenden Standortfaktor: Die Unternehmen profitieren stark von den Hochschulen und insbesondere von den beiden Unikliniken. Zum einen liefern sie viele Impulse für Neu- und Weiterentwicklungen. Zum anderen lassen sich in diesem Umfeld viele kluge Köpfe als Mitarbeiter engagieren. „Das ist in unserer Branche extrem wichtig“, betonte Thomas Hürland von ARRI Medical. „Die Menschen, die wir hier beschäftigen, machen im weltweiten Wettbewerb den Unterschied aus.“

Herz-Lungen-Maschinen aus Freimann

Um schwierige Operationen am Herzen vornehmen zu können, brauchen die Ärzte sogenannte Herz-Lungen-Maschinen: Sie übernehmen vorübergehend die Funktion der beiden lebenswichtigen Organe. Drei von vier Herz-Lungen-Maschinen, die in Kliniken rund um den Globus eingesetzt werden, stammen aus München! Genauer gesagt aus der Produktionsstätte der Firma LivaNova mit Sitz in Freimann. „Wir haben einen Weltmarktanteil von 75 Prozent“, berichtet Marketingchef Christian Hofstetter. Jedes Jahr verkauft das Unternehmen etwa 700 dieser Hightech-Geräte (Stückpreis circa 250 000 Euro). Dazu kommen unter anderem etwa 700 spezielle Systeme zur Blutwäsche, sodass unterm Strich ein Jahresumsatz von 140 Millionen Euro steht. „Unsere 300 Mitarbeiter können allesamt in einem Gebäudekomplex arbeiten, haben kurze Wege und die wichtige Nähe zu Münchens Unikliniken – auch dank der professionellen Unterstützung des städtischen Wirtschaftsreferats. Jedes einzelne Gerät wird komplett an unserem Standort Freimann zusammengebaut“, erläutert Hofstetter.

Von Valley aus in die ganze Welt

Wenn Gelenke, Knochen oder Bänder lädiert sind,kommt es auf eine gute Nachbehandlung an. Dabei spielen sogenannte Orthesen eine wichtige Rolle – spezielle Bandagen und Stützsysteme. Darauf hat sich die Firma OPED mit Sitz in Valley spezialisiert. Rund 400 Mitarbeiter stellen Orthesen für Sprunggelenke, Schultern und Hände her. „Wir liefern unsere Entwicklungen rund um den Globus, haben zudem eigene Dependancen in den USA, Taiwan, England und in der Schweiz“, berichtet Geschäftsführer Stefan Geiselbrechtinger. Seit seiner Gründung vor gerade mal 22 Jahren steuert das Unternehmen auf Wachstumskurs, steigert seinen Jahresumsatz konstant um zweistellige Prozentzahlen und stellt jährlich 10 bis 20 zusätzliche Mitarbeiter ein. Für den Herbst ist der Bau einer neuen Produktionsstätte in Valley geplant. „Wir werden mehr als zehn Millionen Euro investieren“, so der OPED-Chef.

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