Patiententag am 20.März: Organe retten Leben

Organspende: „Pflicht zur Entscheidung“

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Im OP: Ärzte bei einer lebensrettenden Organtransplantation. Hierzulande gibt es zu wenige Spenderorgane.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine Debatte zum Thema Organspende entfacht, und jüngst hat auch der Bundestag ein Gesetz beschlossen, wonach Kliniken bessere Bedingungen erhalten sollen, um an lebensrettende Organspenden zu kommen.

München – Spahn will zudem, dass sich jeder mit dem Thema Organspende auseinandersetzt und eine Entscheidung trifft: dafür oder dagegen. Auch der renommierte Transplantationsmediziner Prof. Eckhard Nagel vom Institut für Medizinwissenschaften und Gesundheitsmanagement in Bayreuth sagt: Diese Entscheidung sei „eine ethische Pflicht“.

Gibt es eine Pflicht, sich zu entscheiden: für oder gegen eine Organspende?

Ja! In einer solidarisch geprägten Gesellschaft, in der jeden Tag mindestens drei Menschen sterben, weil für sie kein Spenderorgan zur Verfügung steht, halte ich eine Entscheidung für moralisch geboten. Der Nationale Ethikrat hat schon im Jahr 2007 klargestellt, das eine individuelle Entscheidung bei dieser Frage eine ethische Pflicht darstellt. Dabei kann sich eine Person für oder gegen eine Bereitschaft zur Organspende äußern. Um es klar zu sagen: Es gibt keine Pflicht zur Organspende.

Aber es gibt zu wenige Organe. Löst die Widerspruchslösung, wonach jeder Organspender ist, wenn er zu Lebzeiten nicht explizit widersprochen hat, das Problem?

Aus Studien wissen wir, dass durch eine Widerspruchslösung – im Vergleich zur Zustimmungslösung – die Verfügbarkeit von Organen gesteigert werden kann. Das liegt auch daran, dass der Staat damit einen Standard festlegt, der als Empfehlung interpretiert wird.

Prof. Eckhard Nagel Institut für Medizinwissenschaften und Gesundheitsmanagement in Bayreuth.

In Deutschland wird auch die doppelte Widerspruchslösung diskutiert ...

Diese erweiterte Widerspruchslösung ermöglicht es auch Angehörigen, zu widersprechen. Aber nur im Sinne einer Information und Klärung. Wer hier meint, einen „doppelten“ Schutz vor einer ungewollten Organspende zu installieren, der nimmt die Selbstbestimmung nicht ernst: Wenn jemand zu Lebzeiten von einem Widerspruchsrecht keinen Gebrauch gemacht hat, dann sollten auch die Angehörigen nach dem Tod diese Entscheidung respektieren.

Lesen Sie auch: In Ottobrunn (München) ist die Polizei zum Helfer in einem ungewöhnlichen Fall geworden. Die Beamten halfen bei der Durchführung einer Nierentransplantation. Der Organspende-Patient musste erst ausfidnig gemacht werden.

Viele Menschen sind gegen eine Widerspruchslösung – können Sie deren Sorgen nachvollziehen?

Den Terminus „Widerspruchslösung“ halte ich für falsch und irreführend. Wenn wir an unseren eigenen Tod denken, brauchen wir maximale Selbstbestimmung. Wobei diese natürlich immer begrenzt ist, denn wir wissen in aller Regel nicht, wie und wann wir sterben. Also müssen wir auch unseren Mitmenschen Vertrauen schenken. Ich würde deshalb bei der jetzigen Debatte eher von einer gesellschaftlichen Entscheidung für die Organspende sprechen – also einer mehrheitlichen Zustimmungslösung, der jeder eine andere, persönliche Meinung entgegenhalten kann.

Es läuft am Ende also doch auf die Entscheidungslösung hinaus ...

... und dagegen kann eigentlich niemand sein, der seine Verantwortung als Teil einer Gemeinschaft ernst nimmt und der anerkennt, dass gesellschaftliches Leben mit Rechten und Pflichten einhergeht: zum Wohle eines jeden Einzelnen.

Wie sehen Sie die Organspende?

Als einen Akt der Solidarität, des Altruismus und der Nächstenliebe über den eigenen Tod hinaus.

Könnte sich die politische Diskussion erübrigen, wenn Spahns Vorstoß – mehr Zeit und Geld für Organspenden in Kliniken – greift?

Es geht hier nicht vordergründig um eine zahlenmäßige Erhöhung der Organspenden. Es geht in dieser Diskussion um die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Sprich: Schauen wir auf die, die unsere Hilfe brauchen – in diesem Fall Menschen auf einer Transplantationswarteliste? Oder ignorieren wir das Leid anderer, um uns selbst nicht mit unserer eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen zu müssen? Die Wahrnehmung und der Respekt vor dem anderen hat gesellschaftlich viele Errungenschaften ermöglicht. Dies sollten wir auch im Bereich der Organspende und der -transplantation realisieren. Dann wird sich zeigen, ob die Zahl der Organspenden sich erhöht. In jedem Fall werden sich Patienten in unserer Mitte aufgehoben fühlen – und nicht mehr alleingelassen wie heute!

Interview: Barbara Nazarewska 

Mehr Zeit und Geld für Organspenden in den Kliniken

Mehr Zeit, mehr Geld, mobile Expertenteams für kleine Krankenhäuser: Um mehr Organspenden zu bekommen, sollen Kliniken deutlich bessere Bedingungen erhalten. Das hat der Bundestag jüngst beschlossen. Zum einen sollen „Transplantationsbeauftragte“, die seit 2012 jede Klinik hat, von anderen Aufgaben befreit werden, um sich auf ihre Aufgabe zu fokussieren. Zudem soll den Kliniken der Prozess von Organspenden besser vergütet werden; die jetzigen Pauschalen seien nicht kostendeckend, heißt es. Insgesamt sind rund 30 Mio. Euro mehr pro Jahr nun im Gespräch.

Weiterhin geplant ist ein neuer Bereitschaftsdienst mit mobilen Ärzteteams, damit Voraussetzungen für Organentnahmen überall, auch in kleinen Häusern, festgestellt werden. 

Patiententag am 20. März: Organe retten Leben

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am 20. März, 17.30 Uhr, im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

Update vom 16. Januar 2019: Der Bundestag entscheidet darüber, wie die Organspende zukünftig gesetztlich geregelt wird. Die Fraktionsdisziplin wurde für diese Entscheidung bei den Parteien ausgesetzt. Die Abgeordneten stimmten für eine erweiterte Zustimmungslösung bei der Organspende.

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