Medikamente, Stents und Bypässe

Was Patienten auf dem Herzen haben: Chefärzte klären auf

Zum Abschluss des tz-Herz-Reports beantworten ein weiteres Mal fünf Herz-Professoren der städtischen Kliniken häufig gestellte Fragen. Sie sprechen unter anderem über Themen wie Blutdrucksenker, Stents und Bypass-Operationen.

Millionen von Patienten müssen mit einer Fülle von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems leben – Leiden, die ihre Lebensqualität massiv einschränken und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können. Kein Wunder, dass der Informationsbedarf der Betroffenen riesengroß ist. Hier setzt der mehrteilige tz-Herz-Report an. Er lässt – flankierend zu den bundesweiten Aufklärungskampagnen der Fachärzte während der Herzwochen im November – speziell Münchner Patienten und Spezialisten zu Wort kommen.

Ich bin schon 83, habe seit vielen Jahren Vorhofflimmern und nehme Medikamente zur Gerinnungshemmung. Allerdings habe ich oft Nasenbluten und große Blutergüsse. Kann ich nicht auf die gerinnungshemmende Therapie verzichten?

Prof. Dr. med. Harald Kühl, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und internistische Intensivmedizin Klinikum Harlaching:

Es geht bei einer gerinnungshemmenden medikamentösen Behandlung, z. B. mit Marcurmar, um die Schlaganfallvermeidung bei Vorhofflimmern. Manche Patienten vertragen die Medikamente nicht oder leiden unter den beschriebenen Nebenwirkungen. Ältere Menschen können insbesondere bei Stürzen schwere Blutungen erleiden. Wenn man die Medikamente absetzt, erhöht sich das Schlaganfallrisiko, weil sich Gerinnsel im Vorhofohr, eine Art „Blindsack“ an der linken Vorkammer, bilden können. Dieses kann mit einem Schirmchen verschlossen werden, sodass sich keine Gerinnsel mehr bilden können. Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv mit einem Katheter-gestützten Verfahren nach dem Schlüssellochprinzip. Die Therapie ist mindestens genauso effektiv wie die Behandlung mit Medikamenten und die Nebenwirkungen der Medikamente entfallen. Daher ist der Vorhofohrverschluss eine alternative Behandlungsmethode für Patienten mit Vorhofflimmern, die keine gerinnungshemmende Medikamente einnehmen können, wollen oder dürfen.

Hat das Broken-Heart- Syndrom etwas mit Bluthochdruck zu tun?

Prof. Dr. med. Stefan Sack, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, Klinikum Schwabing:

Nein, Broken Heart heißt übersetzt: „gebrochenes Herz“ und wird häufig für die sogenannte Tako-Tsubo-Kardiomyopathie verwendet. Durch starke emotionale Belastung kann es zur akuten Herzschwäche bzw. dem Bild eines Herzinfarkts kommen. Häufig kann alleine durch eine Psychotherapie und durch Stressabbau die Herzfunktion vollständig wiederhergestellt werden.

Wie weit darf der untere Messwert durch die Einnahme von Blutdruckmitteln sinken?

Heute weiß man, dass man vor allem bei sehr alten Patienten den Blutdruck nicht allzu stark senken darf. Wenn bei einem Blutdruck von 100/60 mmHg z. B. nach der Einnahme bereits Beschwerden auftreten (Blässe, kalte Hände und Füße, rasche Ermüdbarkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzrasen, Ohnmacht), sollte die Dosis reduziert oder zumindest geprüft werden, ob die Dosis über den Tag verteilt werden kann.

Wann benötige ich eine Bypass-Operation, und wann reicht ein ­Korona-Stent?

Prof. Dr. med. Walter Eichinger, Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie Klinikum Bogenhausen

Bei einfachen isolierten Verengungen eines Herzkranzgefäßes kann ein Stent dem Patienten mit gutem Ergebnis helfen, vorausgesetzt die Engstelle ist gut erreichbar mit dem Katheter. Bei komplexen Herzkranzgefäß-Verengungen sollte jedoch nach wie vor eine Bypass-Operation erfolgen, da hier die Langzeitergebnisse der Stent-Intervention überlegen sind. Heutzutage ist es aber auch hier möglich, am schlagenden Herzen ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu operieren. Je nachdem welches Herzkranzgefäß betroffen ist, kann hier ebenfalls mittels minimalinvasiver Schnittführung operiert werden. Dies hängt jedoch vom individuellen Patientenbefund ab und muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Was versteht man unter dem Conn-Syndrom, und wie wirkt es sich auf den Blutdruck aus?

Prof. Dr. med. Harald Mudra, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Intensivmedizin am Klinikum Neuperlach

Das Conn-Syndrom ist eine Erkrankung der Nebennierenrinde, bei der es zu einer Vergrößerung, einer Art Geschwulst der Hormondrüsen auf beiden Nierenpolen kommt. Diese führt dazu, dass zu viel Aldosteron produziert wird, welches zu erhöhtem Blutdruck und meist auch zu erniedrigtem Kalium führt.

Welche automatisch arbeitenden Blutdruckmessgeräte kann man verwenden, wenn man Herzrhythmusstörungen hat?

Die heutigen modernen Blutdruckmessgeräte für zu Hause sind häufig schon mit einer Erkennung von unregelmäßigen Pulsschlägen ausgestattet. Herzrhythmusstörungen können bei jeder Messung zu schwankenden Blutdruckwerten führen. Eine Messung ist aber meistens trotzdem möglich. Wenn Sie sich nicht sicher sind, messen Sie einfach noch einmal.

Haben blutdrucksenkende ­Medikamente generell eine ­bronchienverengende Wirkung? Oder nur, wenn das im Beipack­zettel steht, wie etwa bei dem Wirkstoff Nifedipin?

Prof. Dr. med. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin Klinikum Bogenhausen 

Verengungen der Bronchien ist keine typische Nebenwirkung von Nifedipin. Luftnot wird nur gelegentlich nach Nifedipin beobachtet. Einige Betablocker werden von Patienten mit Lungenerkrankungen nicht vertragen wegen der möglichen Verengung der Bronchien. Trotzdem kommen viele Patienten mit Lungenerkrankungen mit den neuen Betablockern in niedriger Dosierung zurecht. Dies muss aber mit Vorsicht versucht werden. Zur Blutdrucksenkung alleine ist der Betablocker für diese Patienten sicherlich nicht geeignet.

Warum schwitze ich immer so, nachdem ich Betablocker eingenommen habe?

Schwitzen kann eine Nebenwirkung von Betablockern sein. Zunächst muss geprüft werden, ob der Blutdruck und der Puls während des Schwitzens normal sind. Auch ist oft erst eine Gewöhnungsphase nötig. Eventuell muss die Dosis angepasst werden oder auf ein anderes Medikament gewechselt werden.

Können Tabletten gegen Bluthochdruck auch zu Haarausfall führen?

Insbesondere einige der älteren, stärkeren Blutdruckmittel können zu Haarausfall oder verstärktem Haarwuchs führen. ACE-Hemmer z. B. können gelegentlich Haarausfall hervorrufen. Minoxidil hingegen führt eher zum Wachsen feiner Härchen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob auf ein anderes Präparat gewechselt werden kann.

Ich habe Bluthochdruck und schlechte Leberwerte. Welches Medikament kann ich nehmen?

Die meisten blutdrucksenkenden Medikamente sind gut leberverträglich. Es kommt darauf an, um welche Lebererkrankung es sich handelt und wie hoch die Werte sind.

(Diuretika, ACE-Hemmer, Aliskiren/Rasilez etc. kein Problem). Calciumantagonisten müssen bei Lebererkrankungen meist in reduzierter Dosis begonnen werden.

Brauchen Frauen in den Wechseljahren bei Bluthochdruck eine andere Behandlung als Männer?

Nein, prinzipiell gibt es keine grundsätzlich andere Behandlungsstrategie. Das wichtigste ist sicherlich die 24-Stunden-Blutdruckmessung, um überhaupt festzustellen, ob im Tagesmittel die Werte zu hoch sind. Stark schwankende Blutdruckwerte, wie es auch in den Wechseljahren vorkommen kann, können damit erkannt werden.

Können Tabletten gegen Bluthochdruck Asthma auslösen?

Prinzipiell gibt es Blutdruck­-Medikamente wie Betablocker, die zu einer Verengung der Bronchien führen können, insbesondere dann, wenn ein Asthma schon besteht.

Andreas Beez

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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