tz gibt Überblick

Krankenhaus-Report: So viele Patienten beschweren sich

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Kritik, aber auch Lob: Nicht alle Patienten sind mit der Arbeit in den Kliniken einverstanden.

München - In Münchens Kliniken geht es hoch her. Die Ärzte und Krankenschwestern sind nicht zu beneiden. Der Beschwerdebericht zeigt nun, wie die Patienten die Krankenhäuser bewerten.

Lange Wartezeiten, kaum Kommunikation, überfordertes Personal - die Versorgung in den Städtischen Kliniken lässt in vielen Bereichen zu wünschen übrig. Das geht aus dem aktuellen Beschwerdebericht der Patientenfürsprecher hervor, der der tz vorliegt.

Die Fürsprecher gibt es seit 1996 an den Städtischen Kliniken. Jedes Jahr fassen die Ehrenamtlichen die Beiträge der Patienten zusammen und präsentieren sie dem Stadtrat. Heuer gibt es erstmals einen Bericht für zwei Jahre - wegen Personalengpässen beim zuständigen Referat für Gesundheit und Umwelt.

Zwar gibt die Aufstellung nur eine Übersicht über die städtischen Einrichtungen. Münchens Pflege-Experte Claus Fussek weiß aber aus vielen Gesprächen mit Patienten und Angehörigen: "Die Probleme sind flächendeckend - leider selbstverständlich auch in den privaten Häusern."

Nur wenige Experten geben Feedback

Laut Bericht haben sich im Jahr 2013 exakt 336 Personen mit 449 Beschwerden und im Jahr 2014 genau 331 Personen mit 406 Einwänden an Patientenfürsprecher gewandt. Lob (2013: 130, 2014: 102) und Anregungen (2013: 21, 2014: 15) gab es natürlich auch. Insgesamt haben sich 0,3 Prozent aller behandelten Patienten geäußert.

In beiden Jahren steht die Kritik an der medizinischen Versorgung an erster Stelle, gefolgt von Beschwerden zur Information und Kommunikation, zur internen Organisation der Häuser, zur Pflege und zur Aufnahme.

Während sich die Einwände über Ausstattung und Essen reduziert haben, ist in der Beschwerdekategorie "Würde des Patienten" ein deutlicher Anstieg zu erkennen. Das sei aber auch auf eine neue Zuordnung der Kategorien zurückzuführen.

Beschwerden im Klinikum Schwabing werden weniger

Unterschiede gibt es ferner bei den einzelnen städtischen Häusern, was mitunter an der veränderten Zahl der Betten und der Behandlungsschwerpunkte liegt. Während im Jahr 2013 die Beschwerden über die medizinische Versorgung im Klinikum Bogenhausen und Klinikum Schwabing am häufigsten sind, haben sich diese im Jahr 2014 im Klinikum Schwabing stark reduziert.

Gleichzeitig sind dort auch die Beschwerden über die pflegerische Versorgung, interne Organisation und Aufnahme rückläufig. Im Gegenzug ist im Klinikum Bogenhausen ein Anstieg der Beschwerden über die interne Organisation zu beobachten. In den übrigen Kategorien gab es nur geringe Änderungen.

Fehler führen oft zu Prozessen

Jedes Jahr beschäftigt sich die Justiz mit den Folgen von Überforderung und zu wenig Personal: den daraus resultierenden Fehlern. Im Jahr 2015 sind beim Landgericht München I 225 Verfahren in Arzthaftungssachen eingegangen. Darunter fallen allerdings auch Gebührenstreitigkeiten. In 113 der Fälle waren Münchener Kliniken betroffen. Bei etwa der Hälfte wurde die Klage abgewiesen. Insgesamt ist es aber auch so, dass die Versicherungen in klaren Fällen anstandslos eine Regulierung vornehmen - und diese Fälle natürlich nicht vor Gericht landen.

Der Notruf eines Notarztes

Der Beschwerdebericht deckt sich mit den intensiven tz-Recherchen. In zwei Schreiben, die unserer Zeitung exklusiv vorliegen, machen ein Notarzt und ein Rettungssanitäter ihren Ängsten anonym Luft: "Ich darf nicht über Einsätze reden. Nicht mit meiner Familie, Freundin oder Freunden", schreibt der Sani.

Der Notarzt indes schildert beispielsweise die Situationen in Notaufnahmen: "Patienten stehen auf dem Gang, weil es keinen Platz gibt." Es mangele an Betten für Pflegebedürftige und Isolierpatienten.

Auch würden aufgrund des Personalmangels Patienten oft nur noch notdürftig versorgt. So komme es bisweilen vor, dass bettlägrigen Patienten Windeln verpasst werden, weil Zeit und Personal für einen Toilettengang fehlten.

Darüber hinaus gäbe es auch kaum mehr genug Zeit, um den Patienten wirklich zu erklären, was ihnen fehlt und wie genau die Behandlung ausschaut. "Die massive Überlastung führt zudem zu mehr Fehlern", schreibt er weiter. So würden beispielsweise manchmal Laborergebnisse vertauscht. "Ich habe schon Mitarbeiter gesehen, die wegen der Überlastung während der Arbeit einen Nervenzusammenbruch erlitten haben."

Tobias Scharnagl, Sascha Karowski

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