Patiententag am 20.März im Münchner Pressehaus

Organspende: „Ein unbezahlbares Geschenk“

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Blutwäsche: Unser Foto zeigt eine ältere Frau bei der Dialyse. Wenn die Nieren versagen, hilft meist nur noch diese weiter – oder ein neues Organ. 

Carola Weber aus Augsburg ist 74 – und bekam erst im Rentenalter eine Niere transplantiert. „Ich liebe mein neuesOrgan“, sagt sie heute. Dass sie nicht jahrelang, wie so viele andere, darauf warten musste, verdankt sie einzig dem Programm „Alt für Alt“.

Hier erzählt sie ihre Geschichte.

„Zugegeben, am Anfang hatte ich mit diesem Gedanken ein Problem. Eine neue Niere? Ausgerechnet für mich? Geht das denn? Und kann ich das überhaupt? Diese Fragen stellte ich mir immer wieder. Doch als ich dann nach der eigentlichen OP erwachte, war alles gut. Heute kann ich sagen: Ich liebe mein neues Organ. Und ich liebe den Spender – auch wenn ich nicht weiß, wer er mal war. Das ist ja alles anonym. Aber er hat mir ein unbezahlbares Geschenk gemacht: Ich kann wieder ein normales Leben führen. Und das schon seit fast vier Jahren.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie im Juni 2015 mein Handy klingelte, und ich hörte Dr. S. am anderen Ende sagen: „Frau Weber, wir haben eine Niere für Sie. Wo sind Sie? Wir suchen Sie schon in ganz Augsburg!“ Ich war damals im Allgäu, bei meinen Kindern und Enkelkindern. Ich setzte mich sofort ins Auto – es regnete wie verrückt an diesem Tag, das weiß ich noch genau. Mein Sohn wollte mich fahren, ich lehnte ab. Ich wollte jetzt alleine sein, nur für mich. Als ich in der Klinik ankam, ging alles sehr schnell. Nach der Verpflanzung sagte der Chirurg zu mir: „Das ist eine gute Niere, die wird noch 20 Jahre halten.“ Ich bin bis heute unendlich dankbar.

Lange Zeit habe ich nicht mitbekommen, wie schlecht es um meine Nieren steht. Vielleicht wollte ich es auch nicht sehen. Ich hatte keine Zeit, mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren.

Lange Zeit habe ich nämlich nicht mitbekommen, wie schlecht es um meine Nieren steht. Vielleicht wollte ich es auch nicht sehen. Ich führte Jahrzehnte lang ein Hotel und ein Restaurant im Allgäu, mitten im Skigebiet. Ich hatte immer gutzutun – keine Zeit, mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren. Ich kämpfte schon immer mit zu hohem Blutdruck und hatte auch Ödeme an den Beinen – die waren oft sehr geschwollen.

Geschwollene Beine können Zeichen für Nierenschwäche sein

Dass dies ein typisches Zeichen für eine Nierenschwäche ist, habe ich spät erfahren – eigentlich erst, als ich mit 69 Jahren bei meinem Hausarzt saß und er auch noch zu mir sagte: „Da stimmt irgendwas nicht mit deinem Urin. Geh’ mal bitte zum Nephrologen!“ Kurz darauf saß ich also beim Nierenfacharzt, und es sollte ab da nur wenige Monate dauern, bis ich tatsächlich an die Dialyse musste, das ist eine maschinelle Blutwäsche. Die Schwellungen an meinen Beinen waren so schlimm geworden, dass ich in keine Schuhe mehr reinkam.

Dreimal pro Woche musste ich nun also zur Dialyse. Vier Stunden lang dauerte das immer. Mit An- und Rückfahrt und den ganzen Verkabelungen war ich jedes Mal rund sechs Stunden unterwegs. Es war sehr mühsam. Die Höchststrafe für mich! Und ich vertrug das Ganze auch nicht besonders gut – mindestens einmal pro Woche fiel ich in Ohnmacht. Aber was sollte ich denn machen? Die Nieren funktionierten einfach nicht mehr, es gab keinen Ausweg! Ein Jahr ging das so.

Nach und nach fühlte ich mich besser. Und als es dann einigermaßen gut war, wollte ich unbedingt, dass alle Voruntersuchungen für eine mögliche Nierentransplantation gemacht werden: Je schneller, umso besser. Selbst wenn mir der Gedanke an eine Organverpflanzung zunächst nicht ganz behagte. Heute kann ich aber sagen: Ohne dieses Organ würde ich immer noch an der Dialyse hängen, das wäre der Albtraum für mich! Eine absolute Lebenseinschränkung.

Daran muss ich immer wieder denken. Auch im vergangenen Sommer, als ich auf der Straße zufällig einen Geldbeutel gefunden habe. Ich habe ihn aufgemacht – und gesehen, dass der Mann, dem er gehörte, einen Organspendeausweis dabeihatte. Ein Mensch, der an andere denkt, schoss es mir durch den Kopf. Ich habe mir also die Mühe gemacht, diesen Mann ausfindig zu machen. Es war nicht ganz einfach – aber ich habe ihn gefunden und ihm seinen Geldbeutel zurückgegeben.

Es war ein Vater, dessen Kind nierenkrank ist. Das hat mich wirklich sehr berührt. So ein kleines Wesen – und schon so krank! Das Kind wird in Zukunft sicher ein neues Organ brauchen. Und ich hoffe sehr, es wird nicht lange darauf warten müssen – weil es bis dahin vielleicht mehr Organspender bei uns gibt als bisher.“

Gespräch & Dokumentation: Barbara Nazarewska

Patiententag: Organe retten Leben

Füllen Sie das Formular unten auf dieser Seite aus und melden Sie sich an für den Patiententag am 20. März, 17.30 Uhr, im Münchner Pressehaus. Die Teilnahme am Patiententag ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt.

Die Anmeldefrist ist leider abgelaufen.

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